Die Kinder von Nebra: Historischer Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Kinder von Nebra: Historischer Roman' von Schiewe, Ulf
4.55
4.6 von 5 (7 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Kinder von Nebra: Historischer Roman"

Das Mysterium der Himmelsscheibe, eine Hochkultur im Herzen Europas und der immerwährende Kampf zwischen Gut und Böse - ein großer historischer Roman mit unvergesslichen Figuren Nebra vor 4000 Jahren: Lange haben sich die Menschen der Willkür des mächtigen Fürsten Orkon gebeugt, der das Volk quält und ausbeutet, sich nimmt, wonach immer es ihn gelüstet. Jetzt endlich regt sich Widerstand. Die junge Priesterin Rana will Orkons dunkle Herrschaft brechen und die Menschen befreien. Das Werk ihres Vaters soll ihr dabei helfen: eine bronzene Scheibe, die den Sternenhimmel zeigt und eine geheime Botschaft der Götter enthält. Sie steht für die Göttin des Lichts, die dem Hass Liebe entgegensetzt. Doch Ranas Weg ist gefährlich, viel steht auf dem Spiel. Auch das Leben derjenigen, die ihr am liebsten sind ... Auf einem Hügel bei Nebra stießen Sondengänger Ende der 1990er-Jahre auf eine bronzene Scheibe. Sie zeigt Mond und Sterne, gilt heute als die erste konkrete Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte. Ein Sensationsfund, den die Finder zunächst an Hehler verscherbelten. Erst 2002 kam die Himmelsscheibe in die kundigen Hände von Archäologen. Seither wird sie erforscht - und hat das Bild unserer Vorfahren geändert. Ulf Schiewe lässt ihre unbekannte Kultur auferstehen und spinnt um sie einen großen, epischen Roman.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:624
Verlag:
EAN:9783785726754

Rezensionen zu "Die Kinder von Nebra: Historischer Roman"

  1. Die Bedeutung der kostbaren Bronzescheibe

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Mai 2020 

    Vor fast 4000 Jahren im Gebiet rund um Saale und Unstrut: Seit Längerem herrscht Fürst Orkon über die Menschen und verbreitet Angst und Schrecken. Kaum jemand wagt es, sich gegen ihn aufzulehnen. Wer es doch tut, bezahlt meist mit dem Leben. Auch Ranas Familie ist der Mächtige ein Dorn im Auge. Dabei geht es ihnen im Dorf Altorp vergleichsweise gut. Mutter Herdis ist eine angesehene Priesterin, in deren Fußstapfen die 18-jährige Frau treten soll. Auch Vater Utrik hat als Schmied ein gutes Auskommen und einen hervorragenden Ruf. Was niemand außerhalb der Familie weiß: Utrik hat eine kostbare Himmelsscheibe geschaffen, die in den falschen Händen noch mehr Leid verursachen könnte...

    „Die Kinder von Nebra“ ist ein historischer Roman von Ulf Schiewe.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus 18 eher längeren Kapiteln, die sich in mehrere Abschnitte unterteilen. Schön finde ich die Idee, die Kapitel nach den Göttern der damaligen Zeit zu benennen. Der Aufbau funktioniert gut.

    Der Schreibstil ist anschaulich und schafft - dank viel wörtlicher Rede - eine lebhafte Atmosphäre. Dabei fehlt es nicht an ausdrucksvollen Beschreibungen, um dem Leser ein umfassendes Bild der damaligen Landschaft und Begebenheiten zu machen. Nur sprachlich ist der Roman teilweise nicht so authentisch. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven im Präsens und in chronologischer Reihenfolge.

    Ein Fokus der Geschichte liegt auf Rana, einer mutigen und etwas impulsiven Protagonistin, die meine Sympathie gewinnen konnte. Auch weitere interessante Charaktere tauchen auf. Trotz deren Vielzahl fällt es nicht schwer, den Überblick zu behalten. Obwohl man durchaus Einblicke in das Innenleben unterschiedlicher Personen erhält, wirken manche Figuren leider ein wenig eindimensional, was vor allem auf die Bösen zutrifft.

    Die Thematik der Himmelsscheibe hat meine Neugier auf den Roman geweckt. Zwar gibt es aus der Zeit vor fast 4000 Jahren nicht so viele Zeugnisse wie aus späteren Epochen. Die fundierte Recherche ist der Geschichte jedoch anzumerken. Sie wird nicht nur in den interessanten Anmerkungen des Autors dokumentiert, sondern spiegelt sich in vielen Textstellen wider. Ein Glossar gibt Aufschluss über Orte und Begriffe aus jener Zeit. Immer dann, wenn genaue Kenntnisse durch die Archäologie bisher nicht vorhanden sind, hat der Schriftsteller Fakten und Fiktion auf sinnvolle Weise verknüpft. So hat er eine Liste mit Göttern und eine zu den im Buch erwähnten Klans erstellt. Zum Zusatzmaterial gehören außerdem eine Personenübersicht und eine Karte.

    Die Handlung nimmt zu Beginn nur langsam Fahrt auf, wird aber dann spannend und abwechslungsreich. Mehrere Überraschungen und Wendungen sorgen dafür, dass der 600 Seiten umfassende Roman kurzweilig und unterhaltsam bleibt.

    Das Cover mit der Himmelsscheibe gefällt mir. Es passt sowohl zum Genre als auch zur Geschichte. Das Wort „Kinder“ im Titel könnte eventuell missverstanden werden.

    Mein Fazit:
    Mit „Die Kinder von Nebra“ hat mich Ulf Schiewe wieder einmal nicht enttäuscht. Durch das spannende Thema und die abenteuerreiche Handlung ist das Buch nicht nur für eingefleischte Fans historischer Romane eine empfehlenswerte Lektüre.

  1. Das Symbol der Freiheit...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Mai 2020 

    Wer mich kennt, der weiß, dass historische Romane nicht zu meinen bevorzugten Genres gehören. Ein 'Quotenbuch' pro Jahr muss da in der Regel genügen. Da ich aber vor kurzem von 'Der Attentäter' von Ulf Schiewe recht angetan war, beschloss ich, auch seinem neuesten Roman die Chance zu geben, mich zu begeistern. Neugierig war ich obendrein. Immerhin spielt diese Handlung in der Bronzezeit, also vor ca. 4000 Jahren. Es gibt aus dieser Zeit zwar etliche Funde (wie z.B. die Himmelsscheibe von Nebra), aber keine schriftlichen oder mündlichen Überlieferungen. Wie authentisch würde also solch ein Roman gelingen?

    Ich gebe zu, dass ich anfangs etwas erschlagen war von den zahllosen Charakteren, Örtlichkeiten, Gottheiten, gesellschaftlichen, politischen und religiösen Zusammenhängen, Riten und Gebräuchen. Notwendig, sicherlich, um einen Eindruck von Viehzucht und Ackerbau zu erhalten, vom Handwerk der damaligen Zeit, von der Dorfstruktur, vom Machtgefüge, von den Bauten, den Heiligtümern, den gängigen Nahrungsmitteln - und von vielem anderen mehr. Dies ging v.a. im ersten Viertel des Romans zulasten der eigentlichen Handlung, die dadurch etwas stockend in Fahrt kam.

    Ab dem zweiten Viertel jedoch steht die Handlung selbst zunehmend im Mittelpunkt, wobei Ulf Schiewe durch wechselnde Perspektiven und Handlungsstränge für einen umfassenden Blick des Lesers sorgt und gleichzeitig die Spannung hochhält. Die junge Rana, geweihte Priesterin der Göttin Destarte, reift im Laufe der Erzählung von einem eher naiven Mädchen zu einer willensstarken Frau heran, die durch flammende Reden auch andere zu überzeugen vermag.

    Dabei setzt Rana die von ihrem Vater - einem Schmied - in langer Arbeit gefertigte und verfeinerte Bronzescheibe ein, die Mond und Sterne in einer bedeutsamen Konstellation darstellt und dabei lt. Ranas Vater das geheime Wissen der Götter darstellt. Die junge Priesterin nutzt die Möglichkeiten dieser Himmelsscheibe auf ihrem Weg gegen den langjährigen Unterdrücker zwar nicht in der von den Göttern implizierten Weise, wohl aber als Symbol der Freiheit, das in seiner Kunstfertigkeit viele Menschen zu beeindrucken weiß.

    Wem es nicht bereits während der Lektüre deutlich wird, der erfährt spätestens im Nachwort des Autors von seiner wieder einmal überaus akribischen Recherche. Mehr als von mir vermutet, beruht die Handlung des Romans auf Fakten (Funden von Kultstätten, Gräbern, Siedlungen usw.), so dass hier tatsächlich ein glaubwürdiger Einblick in die Zeit vor ca. 4000 Jahren gewährt wird.

    Um diese bekannten Fakten herum hat Ulf Schiewe dann seiner Fantasie freien Lauf gelassen und eine spannende Erzählung gesponnen. Vieles musste er sich ausdenken, wie z.B. die Namen der Götter, die damals 'en vogue' waren - hier wählte er eine Anlehnung an eine Mischung aus germanischen und griechischen Göttern. In einer Leserunde führte der Autor dazu aus:

    "Die Archäologie kann uns nichts über Gottheiten verraten. Die Menschen damals waren nicht schriftkundig und haben keine Dokumente hinterlassen. Also musste ich mir Gottheiten, Mythen und zum Teil Riten (außer bei Begräbnissen) ausdenken. Da germanische und griechische Götterwelten sich in vielem ähneln und beide indoeuropäischem Ursprung sind, müssen sie auf gleichen Urmythen aufbauen. Das war jedenfalls meine Überlegung."

    Das Buch lässt sich flüssig lesen, der Schreibstil ist eingängig und fließend. An einigen Stellen geriet mir die Sprache allerdings zu umgangssprachlich. Nicht dass eine derbe Ausdrucksweise nicht zu den teils sehr derben Charakteren passt, aber manches gehört sicher nicht zu den Redewendungen von vor Tausenden von Jahren (z.B. auf S. 157: "Wir haben ihm den Arsch gerettet" oder auch auf S. 158: "Bist du dämlich, Mann?" oder das letzte Wort eines Sterbenden: 'Scheiße'). Das sind für mich eher flapsige Ausdrücke der heutigen Zeit. Ansonsten zeigt der Text jedoch schon das Bemühen um eher altertümliche Redewendungen...

    Alles in allem kann ich diesem historischen Roman rund um die Himmelsscheibe von Nebra jedenfalls positive Prädikate bescheinigen: spannend, unterhaltsam, lehrreich und lesenswert!

    © Parden

  1. Ein Blick in die Bronzezeit und ein Blick auf den Menschen

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Mai 2020 

    In "Die Kinder von Nebra" entwirft Ulf Schiewe eine wunderbare Welt der Bronzezeit vor den Augen der entzückten Leserin. In einer wunderbaren Akribie stellt der Autor Nachforschungen zu geschichtlichen Daten und Fakten an, welche besonders im Nachwort zu bewundern sind, aber Geschichtsbewanderten im gesamten Text auffallen und für einen Lesegenuss sorgen. Die Götterwelt der Geschichte/des Romans wurde verschiedenen indoeuropäischen Sprachgruppen entlehnt, welches in meinen Augen eine interessante Idee ist, denn die Vorfahren der heutigen indoeuropäischen Gruppen wanderten in der Bronzezeit in Europa ein, assimilierten die Vorbewohner und erschufen Neues, neue Welten, interessante Welten. Damalige Götter könnten durchaus ähnlich geheißen/geklungen haben wie die Gottheiten der späteren indoeuropäischen Bewohner Europas und Kleinasiens. Auch sämtliche im Text erscheinenden kulturellen Errungenschaften der Menschen wurden vom Autor akribisch eruiert und machen aus diesem Roman in gewisser Weise auch ein Geschichtsbuch.

    In einer leichten und modernen Sprache wird vom Autor eine lebendige und ungemein spannende Geschichte um die Himmelsscheibe von Nebra erzählt, die aber genauso einen recht realen Blick auf die Menschen und ihre negativen Eigenschaften beinhaltet, also einen Blick auf den Menschen zeigt, der dem Menschen sein Wolf ist. Aber genauso kann die Leserin auch eine weitere Eigenschaft des Menschen bewundern, der Wille zum Guten/zum Neubeginn/zum Neuerschaffen und damit letztendlich etwas positives. Etwas, was versöhnlicher stimmt und hoffen lässt, gerade wenn man jetzt wieder sieht, was die Feinde der Demokratie anrichten können.

    Und ich hoffe auf noch etwas. Das die Geschichte um Rana vielleicht weiter geht!

  1. Bronzezeit war gestern

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Mai 2020 

    Nebra ist ein kleiner Ort in Sachsen-Anhalt mit gerade mal etwas über 3.200 Einwohnern. Also absolut verständlich, wenn man diesen Ort nicht kennt. Doch Nebra ist wie aus heiterem Himmel zu archäologischer Berühmtheit gelangt. Denn in Nebra wurde 1999 ein archäologischer Schatz entdeckt, der sich erst im Nachhinein als Senstationsfund herausstellte: Die Himmelsscheibe von Nebra. Diese Scheibe aus Bronze und Gold gilt als die früheste bekannte Himmelsdarstellung in der Geschichte der Menschheit. Ihr Alter wird auf etwa 4000 Jahre geschätzt. Dafür ist sie noch prima in Schuss, wie viele beeindruckende Darstellungen dieser Scheibe beweisen. Die Himmelsscheibe von Nebra hat demnach in der Bronzezeit ihren Weg zur Menschheit gefunden.

    In der Bronzezeit gab es Nebra noch nicht. Sachsen-Anhalt war nicht Sachsen-Anhalt. Und Deutschland war nicht Deutschland. Was die Geographie der damaligen Zeit betraf darf viel spekuliert werden. Einiges ist überliefert, von dem man sich ein ungefähres Bild der Gegend um das heutige Sachsen-Anhalt machen kann.
    In dieser uns völlig fremden, aber dennoch ein Stück weit vertrauten Umgebung spielt der Roman "Die Kinder von Nebra" von Ulf Schiewe. Er erzählt uns die Geschichte dieser Gegend und der Menschen, die dort gelebt haben könnten. Und natürlich erzählt er uns die Geschichte der berühmten Himmelsscheibe von Nebra.

    Ulf Schiewe schreibt historische Romane. Er webt seine Protagonisten, in spannende Geschichten ein, die sich ganz eng, nahezu deckungsgleich an realen Ereignissen orientieren. Auch seine Charaktere sind häufig real existierende Personen der Historie bzw. denen sehr dicht nachempfunden. Häufig lassen sich Fiktion und Realität kaum auseinanderhalten. Um diesen Wirklichkeitsbezug herzustellen, betreibt Ulf Schiewe einen enromen Rechercheaufwand. Je nachdem in welcher Zeit seine Romane spielen, machen es ihm die Archive sicherlich leicht, ihn mit Informationen zu versorgen. Doch bei "Die Kinder von Nebra" kann dies nicht der Fall gewesen sein. Man bedenke, die Handlung spielt in der Bronzezeit - einer Ära in der die Schrift noch nicht erfunden war. Die Ausbeute, was Hintergrundinformationen betrifft, war daher sicherlich sehr dürftig. Und mit dem wenigen, was er zur Verfügung hatte, hat Ulf Schiewe eine Geschichte geschrieben, die farbenprächtig und überbordend an menschlichem Miteinander, an Abenteuern, an Religion, an Politik, an Kampf zwischen Gut und Böse, an Mythologie und natürlich an Fantasie ist. Einfach ein großartiger Schmöker!

    Zum Inhalt:
    Vor 4000 Jahren herrschten Clans über die Gegend des heutigen Sachsen-Anhalts. Jeder Clan beanspruchte ein Hoheitsgebiet für sich. Herrscher über alle Clans war Orkon, Anführer der Helminger. Mit Unterstützung und im Namen des Gottes Hador übte er eine Schreckensherrschaft über das Land aus, in dem er die einfachen Leuten - i. d. R. Bauern und Handwerkern - ausbeutete, so dass diese in in Armut leben mussten.
    Der Gott Hador gehörte eine Gruppe von Göttern an, die ähnlich der uns eher bekannten griechischen Götter, einen Teil des alltäglichen Lebens vertraten und beschützten, bspw. Hella, die Göttin des Herdes und der Familie. Hador war das schwrze Schaf der Götterfamilie. Eigentlich war sein Platz in der Unterwelt und dem Totenreich. Wurde Hador erzürnt, drohte den Menschen Tod, Unwetter oder Pestilenz. Und wer will das schon. Um Hador bei Laune zu halten, wurden Menschenopfer erbracht. Orkon, der in Hadors Namen über die Meschen in der Gegend herrschte, manifestierte also seine Schreckensherrschaft, indem er mit dem Zorn Hadors drohte. Und die Menschen glaubten ihm. Und wenn sie nicht freiwillig glauben wollten, wurden sie auf blutige Weise dazu gezwungen.
    Aber nicht jeder ließ sich von Orkons Herrschaft einschüchtern.
    Rana, ein junges Mädchen aus einem Dorf in der Nähe, Tochter eines Schmieds und einer Priesterin der Göttin Destarte, die für Fruchtbarkeit, Liebe und Magie steht, wird diejenige sein, die den Kampf gegen Orkon und seinen Sohn Arrak, aufnehmen wird. Als Tochter ihrer Mutter wird sie sich ebenfalls zur Priesterin der Destarte weihen lassen. Destarte ist die Gegenspielerin des Gottes Hador. Somit wird es zum Kampf der beiden Glaubensrichtungen kommen. Untertützung erhält Rana dabei von ihrer Familie und anderen Menschen, die schon lange erkannt haben, dass Orkons Herrschaft die Menschen in dieser Gegend vernichten wird. Bei dem Kampf gegen das Böse wird die Himmelsscheibe von Nebra eine wichtige Rolle spielen. Denn sie steht für die Macht der Göttin Destarte und wird als Symbol der Hoffnung zum Einsatz kommen.

    In diesem Roman ist sehr viel los. Es gibt einen munteren Wechsel in den Erzählperspektiven und diversen Handlungssträngen. Und was mir besonders gut gefallen hat: man weiß zwar, wo die Reise hingehen wird - denn am Ende siegt das Gute über das Böse. Doch der Handlungsverlauf ist selten vorhersehbar. Die Geschichte nimmt Wendungen an, an die man in keinster Weise gedacht hat. Dadurch ist das Spannungsniveau von Anfang bis zum Ende unglaublich hoch.
    Hinzu kommt, dass man den Eindruck hat, dass die Geschichte erst gestern geschehen ist. Was ich damit ausdrücken möchte: Ulf Schiewe hat eine Erzählweise gewählt, die mit unserem Sprachgebrauch und der modernen Ausdrucksweise nahezu identisch ist. Man hat nie das Gefühl, dass es sich um eine Geschichte handelt, die vor 4000 Jahren gespielt hat. Darüber bin ich sehr froh. Denn die Bronzezeit ist für uns kaum noch greifbar. Erzählungen, die diese Zeit behandeln, laufen Gefahr, mit dem Fantastischen verwechselt zu werden. In "Die Kinder von Nebra" geschieht dies in keinem Moment.

    Und natürlich, wie auch in anderen Romanen von Ulf Schiewe, gibt es einen interessanten Lerneffekt. Denn wer wissen will, wie die Himmelsscheibe von Nebra denn nun zu deuten ist, bekommt hier die Erklärung. Das ist hochinteressant. Netterweise wird in den über 600 Seiten starken Buch mehrfach auf die Erklärung eingegangen, so dass am Ende auch jemand wie ich, der astronomisch nicht ganz auf der Höhe ist, das Prinzip der Himmelsscheibe von Nebra verstehen kann.

    Mein Fazit
    Meine anfänglichen Bedenken bezüglich des drohenden Fantasycharakters eines Romans, der in der Bronzezeit spielt, hat sich als völliger Blödsinn herausgestellt. Ich habe jede Seite dieses Romans verschlungen und bin begeistert.
    Leseempfehlung!

    © Renie

  1. Wahnsinnig spannender Roman mit Sogwirkung

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Mai 2020 

    „[…], dass es in einer wirren Welt Dinge gibt, die sich nie ändern, auf die man sich verlassen kann.“ (S. 564)

    Dieses Credo schwebt über dem Roman „Die Kinder von Nebra“ von Ulf Schiewe, den ich erst im Januar mit „Der Attentäter“ kennengelernt habe, der sich aber bereits jetzt in die Riege meiner Lieblingsschriftsteller einreihen darf.

    Ulf Schiewe nimmt seine Leserinnen und Leser in „Die Kinder von Nebra“ mit in die Bronzezeit vor 4.000 Jahren, lässt uns aus „seiner“ Sicht an der Entstehung der berühmten Himmelsscheibe teilhaben und lässt eine Götterwelt vor den Augen der Leser*innen entstehen, die sich sowohl an den nordischen als auch an den griechischen Mythen orientiert.

    Die geneigte Leserschaft ist während der Lektüre stets „mittendrin statt nur dabei“: man hört das Plätschern eines Baches, das Rauschen der Blätter, das Hämmern in der Schmiede, Pferdegetrappel und Kriegsgebrüll – Ulf Schiewe schafft es mit seiner einzigartigen (modernen) Schreibweise, ein facettenreiches und intensives Kopfkino loszutreten und als Leser*in kommt man nicht umhin, das Buch immer weiter zu lesen, bis man nach der letzten Seite – äh, am liebsten gleich wieder von vorne beginnen würde :-).

    Neben der bildhaften Sprache lässt der Autor auch geschickt sein (historisches) Fachwissen einfließen; davon zeugen das Glossar und das mehrseitige, äußerst lesenswerte Nachwort des Autors. Darüber hinaus gibt es ein Personenregister, die Klans und Götter werden genannt und ihre Bedeutung erklärt.

    Für mich stellt „Die Kinder von Nebra“ ein, wenn nicht DAS historische Roman-Highlight in diesem Jahr dar und bekommt ergo von mir 5 wohlverdiente Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

    ©kingofmusic

  1. Es gibt doch immer neues zu entdecken

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Apr 2020 

    Es gibt doch immer neues zu entdecken

    Das Buch Die Kinder von Nebra, von Ulf Schiewe, behandelt ein Thema das mich selbst sehr interessiert. Es ist ein Roman über die Entstehung der Himmelsscheibe von Nebra und die Menschen die dahinter stehen könnten. Die Geschichte ist halt etwas aus dem man lernen kann und sollte. Warum macht sich die Menschheit seit Jahrtausenden Gedanken über das was sie bewegt und wie kann es dargestellt werden.
    Es ist oftmals so das in Museen die Zeugnisse der Vergangenheit ausgestellt werden, erklärt und erläutert, nur wer steht dahinter? Das fehlt dann doch. Wer einmal gesehen hat wie Bronze gegossen wurde vor langer Zeit, erlebt hat wie probiert wird das Leben vor 4500 Jahren nachzustellen, der wird doch anders an das Buch herangehen.
    Zum Buch
    Die Hauptperson der Geschichte ist Rana, Tochter einer Hohepriesterin und eines Schmiede. Sie lebt im heutigen Mitteldeutschland, zwischen Saale und Unstrut, im Schatten des Harz. Es ist eine Zeit des Wandels, die eher friedvollen Götter die von den meisten Menschen verehrt werden, werden durch den Kult des Gottes der Unterwelt unterdrückt. Der dominierende Klan presst die Bevölkerung aus, Menschenopfer gehören zu den Dingen die vielen nicht gefallen.
    Das Werk ihres Vaters, eine geheimnisvolle Scheibe aus Bronze und Gold bringt Rana dazu sich dem Kampf für die Freiheit zu widmen. Gemeinsam mit ihren Gefährten beginnt sie für die Göttin des Lichts und des Lebens zu streiten um nicht in der Dunkelheit zu leben.

    Mehr möchte ich zum Inhalt nicht sagen, der sollte besser selbst erlesen werden.
    Ulf Schiewe hat mit seinem neuen Werk wieder bewiesen das er nicht nur gut schreibt sondern sich auch detailgetreu vorbereitet und in die Geschichte die er wiedergibt hinein versetzen kann. Anschaulich wird beschrieben wie die Himmelsscheibe entstanden sein könnte. Wer als Mensch dahinter gestanden hat und wie es gewesen sein könnte.
    Viele könnte, ich weiß.
    Die von ihm beschriebenen Charaktere sind vielschichtig, zeigen zumindest mir das sich nicht soviel geändert hat in 4500 Jahren und das es immer um das besondere geht.
    Zur Seite habe ich das Buch nicht so oft. Es war einfach zu leicht sich darin zu verlieren. Es ging mir fast als wäre ich in der Geschichte und schaue zu, bin Teil der Handlung. Was sicher auch damit zu tun hat dass mich das Thema doch interessiert und ich schon öfter auf einem die Freilichtmuseum war das genau diese Epoche der Menschheit nachstellt.
    Und das ist Ulf Schiewe mit den Kinder von Nebra ebenfalls gelungen. Kleine Werbung sei mir gestattet, wer wie ich lieber mehr als 5 Sterne geben würde, der sollte sich mit dem Bronzezeithof in Uelsen befassen. Beides, das Buch und der Hof sind nur zu empfehlen

  1. Die Himmelsscheibe

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Apr 2020 

    Die Himmelsscheibe von Nebra ist ein ganz besonderer archäologischer Fund. Seit ihrem Auftauchen beschäftigt sie die Wissenschaft und noch mehr die Fantasie der Menschen. Es scheint ein winziges Fenster in das Leben unserer Vorfahren, ihr Denken und ihren Glauben.

    Ulf Schiewe, der in seinen historischen Büchern immer meisterhaft Realität und Fiktion vermischt und daraus spannende Geschichten webt, hat sich diese Himmelsscheibe als Mittelpunkt seines neuen Romans genommen.

    Er führt mich in die Bronzezeit, in die Gegend zwischen Saale und Unstrut und zeichnet das Leben der einfachen Bauern und Handwerker. Wie sie eingebunden mit der Natur leben, ihre Existenz durch frühen Ackerbau und ein wenig Viehzucht fristen. Auch Werkzeuge und natürlich auch Waffen wurden bereits geschmiedet. Das Wissen um die Gestirne brachte Utrik von seinen Reisen mit, die ihn als junger Mann bis in den Nahen Osten führte. Eine Himmelsscheibe zu schmieden war sein Lebensziel.

    Die einfachen Leute leiden unter der Willkür des despotischen Fürsten Orkor und seines Sohnes, der die Menschen unterdrückt und versklavt. Das alles im Namen eines neuen Gottes, Hador – ein grausamer und strafender Gott, der nur durch Menschenopfer besänftigt werden kann.

    Rana, Utriks und Herdis Tochter, ist als Priesterin für die Göttin Destarte bestimmt und sie will die Ungerechtigkeit nicht länger hinnehmen und nimmt, mit Hilfe der Scheibe und einiger Getreuer, den Kampf gegen die übermächtigen Herrscher auf.

    Eine wirklich spannende und mitreißende Geschichte. Ulf Schiewe kann mit seinen Worten farbige Bilder und vergangene Welten auferstehen lassen. Wie immer fließt exakt recherchiertes Wissen ein und gibt den Hintergrund für diesen Roman aus der Bronzezeit. Ich war von Anfang an fasziniert, obwohl ich mit ein bisschen Skepsis an das Buch ging, weil ich fürchtete, dass es vielleicht zu sehr zur Fantasy-Geschichte wird. Aber diese Befürchtung war grundlos. Natürlich muss ein Autor in einen Roman, der in der Frühzeit spielt, viel Fantasie mitbringen um die Geschichte zu füllen. Das ist wirklich hervorragend gelungen. Die Figuren – hier fand ich das Personenverzeichnis mit der Erklärung der einzelnen Stämme und Clans sehr hilfreich – sind lebendig geworden. Allen voran die Frauenfiguren, die mir besonders gut gefallen haben.

    Mit großem Interesse bin ich auch in die mystische Welt der Menschen eingetaucht. Ihr Glaube an Götter, die das Schicksal vorbestimmen, eine Naturreligion, in die auch Himmelserscheinungen und die Jahreszeiten einbezogen wurden, denn diese Beobachten beeinflussten die Ernten und damit das Überleben.

    Ich muss nur ein kurzes Fazit geben: Ein toller Roman !!