Die Jagd

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Jagd' von Sasha Filipenko
5
5 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Jagd"

Ein Journalist, der zu viel weiß. Ein Sohn, der seinen Vater verrät. Ein Oligarch, der keine Gnade kennt. Ein korrupter Schreiberling ohne jeden Skrupel. Medien, die auf Bestellung einen Ruf ruinieren. Sasha Filipenko erzählt die Geschichte des idealistischen Journalisten Anton Quint, der sich mit einem Oligarchen anlegt. Worauf dieser den Befehl gibt, Quint fertigzumachen. Die Hetzjagd ist eröffnet.

Diskussionen zu "Die Jagd"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:288
Verlag: Diogenes
EAN:9783257071580

Rezensionen zu "Die Jagd"

  1. 5
    04. Apr 2022 

    Böse Hetze

    Als ich hörte, dass ein neuer Filipenko bei Diogenes herauskommt, freute ich mich natürlich. Nachdem ich "Rote Kreuze" gelesen hatte, wurde Sasha Filipenko für mich zu einem Autor, den ich beobachten werde und dessen Werke ein Muss für mich sind. Sein 2021 in Deutschland herausgekommenes Buch "Der ehemalige Sohn" kam in meinen Augen nicht an "Rote Kreuze" heran, welches in meinen Augen definitiv ein Meisterwerk in seiner Intensität ist. Nun war ich auf "Die Jagd" gespannt.

    Dieses Buch war besser als "Der ehemalige Sohn", kommt aber wieder in meinen Augen nicht an "Rote Kreuze" heran. In "Die Jagd" baut der Autor ein spannenderes Szenario auf als in "Der ehemalige Sohn", aber er berührt mich mit diesem Buch wieder nicht so, wie er dies mit "Rote Kreuze" geschafft hat. Aber Sasha Filipenko berührt mich und trifft mich. 5 Sterne war mir "Die Jagd" daher dennoch wert. Warum?

    Nun, Sasha Filipenko zeichnet in "Die Jagd" ein wirklich erschütterndes Szenario, welches momentan perfekt ins aktuelle Zeitgeschehen passt. Hier wird eine Welt gezeichnet, die vollkommen abstößt, die aber zeigt, wie die Eliten in Russland herrschen, wie dieses System funktioniert. Dieses Buch zeigt damit genauso, wie dieses momentane Geschehen, dieser erschreckende Krieg ermöglicht wurde und wieso es in Russland so viele Befürworter von Putins Handeln gibt/geben kann. Dieses Buch zeigt, was das Wesen einer Diktatur ist, wie es ist, wenn die Angst regiert und man gewissen Herrschaften nicht unangenehm auffallen möchte. Und dieses Buch und auch anderes Handeln in Russland, Belorussland und der Ukraine zeigt mutiges Handeln unglaublich mutiger Menschen, wie auch Sasha Filipenko absolut couragiert ist und man dafür laut Danke sagen muss, gerade in diesen Zeiten.

    Denn in diesem Buch macht ein guter Journalist seine Arbeit, er deckt auf, prangert an. Und kommt damit einem Oligarchen zu nahe, schadet ihm gar. Und auch dieser reagiert, er reagiert, wie ein guter Oligarch reagiert, er schützt seine Position. Und zwar mit allen Mitteln! Wie dies halt in solchen Ländern wie Russland möglich ist. Und diese Reaktion wird es auch in anderen, ähnlich gelagerten Ländern geben, wenn man versucht die Mächtigen zu begrenzen. Also ist "Die Jagd" auch ein Buch für jene, die an unserer Demokratie zweifeln und anscheinend vergessen haben, welche Strukturen es in den östlichen Bundesländern vor der Wende gab.

    Aufgebaut ist dieses Buch wieder etwas eigenwillig, diesmal in Form einer Sonatenhauptsatzform der musikalischen Formenlehre. Jedes der drei Bücher von Sasha Filipenko, die ich bisher gelesen habe, ist anders aufgebaut, was auch für die Qualität dieses Schriftstellers spricht. Und mich unheimlich neugierig macht auf die weiteren Werke des Autors. Mit denen uns Diogenes vielleicht noch konfrontieren wird. Mal schauen.

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  1. Spannung in Form einer Sonatenhauptsatzform

    Erschüttert und aufgewühlt war ich nach diesem Roman: so viel eiskaltes Handeln, so wenig Empathie und 0 Unrechtsbewusstsein! Und warum das Ganze? Weil Anton Quint, Journalist und frisch gebackener Vater, schon zu viel über den Oligarchen Wladimir Slawin herausgefunden hatte.

    Dass der Autor inzwischen nicht mehr weder in Belarus noch in Russland lebt, kann ich sehr gut nachvollziehen - zu sehr zeigt er die Probleme Russlands auf, legt den Finger in die Wunde. Und so lesen wir von einem Showprozess wegen eines leeren Posts in ‚social media‘, von einem Bären, der angebunden zur Unterhaltung von Hunden in einer Grube zerrissen wird (ein Anwalt auf die gleiche Art!), von Methoden, die angewendet werden wenn einer ernsthafte Probleme bereitet (ein LKW an der Kreuzung, eine Kugel in den Kopf, Gift, ein Sturz aus einem vergitterten Fenster……….), von der ‚sanften‘ Tour (‚Nieren zerkloppen‘, ein paar Finger brechen), aber auch die Methode ‚Plus minus auf Heimatliebe‘.

    Die Spannung wird geschickt aufgebaut: Lew Smyslow besucht in Lugano seinen um 10 Jahre jüngeren Bruder Mark kurz vor dessen Konzert. (Daher auch die Gestaltung des Romans als Sonatenhauptsatzform!) Er erzählt nicht nur, wie es ihm nach dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Absturz der Familie erging, sondern auch, wie er Arbeit bei Kalos (Freund aus Kindheitstagen) ‚Onkel Wolodja‘ fand und wie diese Arbeit ausschaut. (Und ich fragte mich dauernd, warum Lew ihm das alles erzählt.)

    Auch in diesem Buch (wie auch in seinen früheren) werden keine Namen genannt, aber jeder weiß bestimmt, wer mit ‚Imperator‘ gemeint ist. Ich konnte das Buch vor lauter Spannung nicht mehr aus der Hand legen! Bei den ganzen Beobachtungen („Was auch immer im Land passiert, wie sehr die Staatsmacht auch pfuscht, meine Kommentare stellen klar, dass an allem die USA schuld sind.“) fiel mir die alte Führungs-Weisheit ein, die da lautet: ‚der Fisch stinkt vom Kopf her‘.

    Ich empfehle dieses neue Werk von Sasha Filipenko jedem, der sich mit der aktuellen russischen Geschichte beschäftigt! Fünf Sterne vergebe ich an diesen Roman, der mich lange beschäftigen wird!

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  1. 5 Sterne für diesen Lese-Knaller

    !ein Lesehighlight 2022!

    Klappentext:
    „Ein Journalist, der zu viel weiß. Ein Sohn, der seinen Vater verrät. Ein Oligarch, der keine Gnade kennt. Ein korrupter Schreiberling ohne jeden Skrupel. Medien, die auf Bestellung einen Ruf ruinieren. Sasha Filipenko erzählt die Geschichte des idealistischen Journalisten Anton Quint, der sich mit einem Oligarchen anlegt. Worauf dieser den Befehl gibt, Quint fertigzumachen. Die Hetzjagd ist eröffnet.“

    Sasha Filipenko gehört nach „Rote Kreuze“ zu meinem ganz festen Stamm-Autoren-Repertoire. In seinem aktuellen Werk „Die Jagd“ dürfen wir ihn wieder in Höchstleistung erleben. Der bietet uns eine Hetzjagd an! Also nutzen wir Leser diese Chance und lassen uns jagen oder werden wir die Jäger sein?
    Journalist Anton Quint hat etwas, was andere nicht haben und das ist zu viel Wissen. Ich will hier versuchen ganz behutsam auf den Inhalt neugierig zu machen, ohne etwas zu verraten. Dieses Wissen wird ihm zum Verhängnis. Und dann ist da noch dieser Oligarch mit einer Macht, die den Leser fast erschlägt. Wow! Filipenko fängt auch in diesem Buch wieder eine politische Lage in den Ostländern auf und zeigt schonungslos und offen das Böse. Hier braucht man wahrlich etwas stärkere Nerven. Wer offen durch die Welt geht und sich für Weltpolitik ein wenig interessiert, wird hier viele Parallelen erkennen, und wie gesagt, kennt man das als Leser von Filipenko sehr gut. Er zeigt aber auch, das Idealismus und zu viel Akribie komplett das Gegenteil erzielen können und den Menschen der dies betreibt, aus der Bahn werfen kann. Filipenko hat auch hier wieder einen scharfen und dieses Mal auch etwas gewaltbereiten Ton am Leib. Hier werden wir Leser mit Gewalt konfrontiert, aber keine Angst, Sie werden kein blaues Auge dabei bekommen oder gar den KGB auf den Hals gehetzt bekommen. Aber seien Sie vorsichtig und auf der Hut! Anton wollte auch nur „Gutes tun“ und trat in ein Wespennest und zertrat dabei fast die Königin. Er wird zum Spielball, die Hetzjagd die hier beschrieben wird, bringt uns Leser wirklich in Fahrt und fast um den Verstand.
    Es war wieder ein Fest Filipenko zu lesen, er hat einen grandiosen und treffenden Stil. Er bohrt in Wunden und traut sich den Mund aufzumachen. Er weiß genau den Leser gekonnt am Ball zu halten, er weiß, wie er uns gefangen nehmen muss um dieser Geschichte treu zu bleiben.
    Dieses Buch bekommt von mir wieder 5 von 5 Sterne verliehen und eine Leseempfehlung!

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