Die Hölle ist leer - die Teufel sind alle hier: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Hölle ist leer - die Teufel sind alle hier: Roman' von Gerhard Roth
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Gebundenes Buch
Der Übersetzer Emil Lanz lebt allein in einem Haus auf dem Lido von Venedig und beschließt, seinem eintönigen Leben ein Ende zu setzen. Auf der Suche nach einem guten Platz zum Sterben betrinkt er sich und schläft ein. Als er erwacht, beobachtet er einen Mord. Aber ist wirklich passiert, was er gesehen hat? Oder ist sein Selbstmordversuch doch gelungen, und er bewegt sich von nun an in einer anderen Dimension? Als einziger Zeuge des Mordes gerät Lanz jedoch in höchste Gefahr. Er, der eben noch sterben wollte, will nur noch überleben und sieht die Welt wie nie zuvor. Welche Rolle spielt die rätselhafte Fotografin Julia Ellis, welche das tote Flüchtlingsmädchen am Strand? Ist die Wirklichkeit tatsächlich nur das, was wir wahrnehmen? Lanz nimmt es mit einem übermächtigen Gegner auf - dem Unsichtbaren.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:368
Verlag: S. FISCHER
EAN:9783103972139

Rezensionen zu "Die Hölle ist leer - die Teufel sind alle hier: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Nov 2019 

    Strandspaziergang

    Gerne geht er am Strand spazieren und folgt den Menschen, die ihm interessant erscheinen. Im Haus geht er hauptsächlich seiner Arbeit als Übersetzer nach. Nachdem seine Frau, die ihn eigentlich verlassen wollte, gestorben ist, konnte er sich ein Haus am Lido in Venedig leisten. Ein Haus für seine Bücher, von denen täglich mehr einziehen. Das Leben von Emil Lanz verläuft eher ziellos und wenig aufregend. Er beschließt eines Tages, dem ein Ende zu setzen. Doch bevor er sein Vorhaben ausführen kann, betrinkt er sich und schläft ein. Noch im Aufwachen beobachtet er einen Mord und mit der Langeweile ist es vorbei.

    Verfolgt und andere verfolgend zieht Emil Lanz durch die Stadt. Dabei trifft er die geheimnisvolle Fotografin Julia Ellis, die offensichtlich in die Geschichte involviert ist. Eine schnelle Affäre und ein ungelöstes Rätsel. Diese Frau offenbart sich nicht. Immer mehr Personen betreten die Bühne der Story.

    Wenn man Venedig noch nicht besucht hat, fällt es etwas schwer, sich die geschilderten Örtlichkeiten vorzustellen. Eigentlich schon zu ausufernd sind die Beschreibungen, so dass man das Gefühl hat, die Stimmung der Orte geht in der Ausführlichkeit verloren. Leichter hat man es da mit einer Art Kriminalfall. Zwar fragt man sich auch hier während der gesamten Lektüre, was wirklich geschieht und was sich nur in der Vorstellungswelt des literarisch äußerst gebildeten Übersetzers abspielt. Doch unabhängig davon baut sich Spannung und Neugier auf. Man will wissen, was weiter geschieht, wer welche Taten begeht und warum. So ganz zufrieden gestellt wird man zwar auch hier nicht und man fragt sich, ob nicht sämtliche Fäden von der eigentlich unmöglichen Person des Egon Blanc gezogen werden oder ob spielt sich alles nur auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tot ab. Dazu allerdings erscheint der Schluss allzu süßlich, wobei vielleicht ist gerade das das helle Licht.

    Bei dem Titel des Buches handelt es sich im Übrigen um ein Zitat aus Shakespeares „Der Sturm“.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 03. Okt 2019 

    Wenn man Shakespeare oben drüber schreibt ....

    Wenn man Skakespeare obendrüber schreibt, ist es nicht automatisch gut!

    Atmosphäre entwickelt Gerhard Roth mit seinem Roman, „Die Hölle ist leer, die Teufel sind alle hier“, dessen Titel ein Zitat aus Shakespeares Theaterstück „Der Sturm“ ist, überreichlich. Die Lagune von Venedig mit ihren einsamen Inselchen und Wasserwegen, bildet die Bühne Gerhard Roths. Darauf tummelt sich zahlreiches Personal, zahlreiche Theaterschauspieler treten auf und ab, die meisten haben lediglich eine Pseudofunktion.

    In die Lagune von Venedig hat sich Roths gescheiterter Held Emil Lanz, ein Sprachengenie und Übersetzer klassischer Werke, also verkrochen. Seine Ehe hat er in den Sand gesetzt, weil ihm mehrere Dutzend Zimmer voller Bücher wichtiger waren als seine Ehefrau und als sie unerwartet stirbt, taugt ihr Besitz immerhin noch dazu, ihm eine kleine Villa auf dem Lido zu ermöglichen.

    Dummerweise ist der Held ein wenig depressiv, er hat zwei Pistolen mitgenommen, und dass er sich gedanklich damit beschäftigt, dass das Leben dunkle Materie ist, hilft ihm nicht gerade, sein Leben zu genießen. Auch nicht sein Alkoholkonsum. Jeder weiß, dass Rotwein und Depression und Pistols sich nicht gut vertragen. Als er beschließt, sich umzubringen, geraten die Dinge außer Kontrolle. Eine Dantesche Hölle entwickelt sich.

    Die Kritik, die eine ausschließlich persönliche ist:

    Eine Zeitlang hat es mir durchaus Spaß gemacht, dem Helden in allerhand wirre und konfuse Handlungsstränge hinein zu folgen. Morde, Lieben, Helfer, Feinde, ein totes Mitgrantenmädchen, Verfolgungen (wobei nicht immer klar ist, wer wen verfolgt), Mäzene, der Luftgeist Ariel und ganz viel Hin– und Her. In Venedig und Umgebung. Viele Inselchen, die ich gar nicht kannte.

    Aber nach Dreiviertel des Romans wird mir klar, dass schöne Worte alleine nicht reichen, mögen sie noch so schön und eloquent vorgebracht werden, es muss ein Minimum an Sinn vorhanden sein, damit ich einen Roman schätzen kann. Hätte Roth mir doch wenigstens einen einigermaßen rationalen Schluss gegönnt. Dann wären wir vielleicht noch Freunde geworden. Sind wir nicht Herr Roth, sind wir nicht.

    Zu schreiben „um sich von Wort zu Wort zu bewegen“, denn genau so schildert der Held, nach seinem Beruf befragt, seine Tätigkeit, mag dem Schriftsteller ausreichen und ihm einen Höllenspaß machen, der germanistikunstudierten Leserin war es zu wenig. Die Handlung führt ins Leere. Von daher hätte der Roman genau so gut ungeschrieben bleiben können. Er war eine Zeitverschwendung. Die Myriaden von Anspielungen auf Shakespeare und andere Schriftsteller und Maler, sind, so in die Luft gestellt, gerade mal ausreichend für ein lahmes „Aha“. Wenn man Shakespeare obendrüber schreibt, ist es dann automatisch toll? „Shakespeare ist tot, wann versteht das die Welt?“ (Bonmot - mit Erlaubnis - geklaut).

    Fazit: Gepflegte Langeweile in der Lagune von Venedig. Bildungsbügertätschelei.

    Drei Punkte gibt es dennoch wegen der Sprachkunst.

    Kategorie: Anspruchsvoller Roman
    Auf der Longlist des österreichischen Buchpreises, 2019
    Verlag: S. Fischer, 2019