Die Glasglocke (suhrkamp taschenbuch)

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Glasglocke (suhrkamp taschenbuch)' von Sylvia Plath
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4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Glasglocke (suhrkamp taschenbuch)"

Diskussionen zu "Die Glasglocke (suhrkamp taschenbuch)"

- Tiram vor 7 Jahre
Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:262
EAN:9783518456767

Rezensionen zu "Die Glasglocke (suhrkamp taschenbuch)"

  1. Frühe und intensive Schilderung einer Depression.

    Kurzmeinung: Die beste Krankheit taugt nichts - aber manche taugen noch weniger.

    Sylvia Plath ist mir immer als bekannter Name im Kopf herumgeschwirrt, aber ich konnte sie, bzw. ihren Namen nicht richtig verorten. Als ich „Die Glasglocke“ in die Hand bekomme, ist es mit meinen Kenntnissen über ihre Person nicht weit her. Entsprechend verwirrt bin ich bei Beginn der Lektüre. Wovon wird hier geschrieben? Vom sexuellen Erwachen der weiblichen Generation Anfang der 1950er Jahre, als das Frauenbild langsam in Bewegung kam, im allgemeinen aber noch ziemlich verstaubt war? So viel feuchte Küsse im Mondschein!

    Sylvia Plath schrieb ihren bekannten, ja berühmten Roman auf dem Hintergrund ihres eigenen tragischen Lebens. Ich muss „wiki“ bemühen, erfahre dann, dass der Autorin nur ein relativ kurzes Leben vergönnt war (1931 Boston, bis 1963, London).

    "Die Glasglocke" verarbeitet sicherlich Teile der Lebenserfahrung der Autorin, es ist die Geschichte einer Depression, die aus heiterem Himmel einen jungen Menschen befällt und dem nicht geholfen werden kann, weil in den 1950ern Jahren (und lange danach) die Ärzte wenig über diese Krankheit wussten und weil die Allgemeinheit Depressionen unter „verrückt geworden“ abstempelte und die davon betroffenen Menschen mit Respektlosigkeit und Ächtung bestraften, was bekanntlich kaum zur Gesundung beiträgt.

    Der Roman „Die Glasglocke“ beschreibt die Erfahrung der jungen Esther Greenwood, die eine begabte junge Collegestudentin ist, die von einem Stipendium zum anderen buchstäblich fliegt, bis sie plötzlich von ihrer Krankheit getroffen und aus der Bahn geworfen wird. Sie weiß nichts über Depressionen und weiß nicht, wie ihr geschieht. Auch ihre Umwelt ist ratlos. Die einsetzende „Behandlung“ in einer psychiatrischen Klinik kann man kaum eine solche nennen, zum Glück ist ihre Mutter klug genug, sie wieder nach Hause zu nehmen. Es gelingt Esther irgendwie der Krankheit davonzulaufen, aber eine Weile später wird sie wieder davon eingeholt.

    Der Kommentar:
    Sylvia Plath schreibt gut, anschaulich und phrasenlos. Ihre Welt, die Welt der Schönen und Reichen oder die, die es sein wollen, ist jedoch nicht die meine und es fällt mir deshalb schwer, die Hohlheit dieser Gesellschaft zu ertragen. Davon abgesehen ist „Die Glasglocke“ ein hervorragendes Stück Zeitgeschichte, eine frühe eindrückliche und schnörkellose Schilderung einer Depression. Beeindruckend!

    Was mir fehlt, ist eine sinnvolle Anbindung an den aufregenden ersten Satz: „Es war ein verrückter schwüler Sommer, an dem die Rosenbergs auf den elektrischen Stuhl kamen und ich nicht wusste, was ich in New York eigentlich sollte.“ Möglich, dass S. Plath die Empathielosigkeit ihrer Gesellschaftsschicht damit anprangern will, die weder Mitleid mit einer unmenschlichen Bestrafung hat noch sich in jemanden einfühlen kann, der „anders“ ist, mit anderen Worten, sich nicht in Menschen mit Handicap einfühlen kann. Trotzdem hängt dieser intensive erste Satz letztlich ein wenig lose in der Luft.

    Fazit: Ein Klassiker.

    Erstveröffentlichung 1963, hier: 2005, Suhrkamp.
    Kategorie: Klassiker

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