Die Gierigen: Roman

Rezensionen zu "Die Gierigen: Roman"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 15. Jan 2015 

    Karine Tuil - Die Gierigen

    Erzählt wird im Grunde eine Dreiecksgeschichte.
    Mit 20 Jahren sind Nina und Samuel ein Paar und eng befreundet mit Samir. Doch dann beginnt Nina mit Samir eine Affäre und Samuel droht Nina mit seinem Suizid. Samir verlässt Frankreich.
    Zwanzig Jahre später sehen Nina und Samuel Samir zufällig im Fernsehen. Samir, der sich nun Sam nennt, ist mittlerweile in New York zu einem angesehenen, erfolgreichen Anwalt geworden und mit Ruth, Tochter einer angesehenen jüdischen Familie, verheiratet. Samuel und Nina führen ein eher tristes Dasein, der berufliche Erfolg bleibt aus.
    Samuel, Adoptivsohn jüdischer Eltern, ist eifersüchtig, zumal er feststellen muss, dass Sam Teile seiner Lebensgeschichte "gestohlen" hat.
    Sam hat, nach mehreren gescheiterten Bewerbungen, seine arabische/muslimische Herkunft verleugnet, um bei einem jüdischen Rechtsanwalt angestellt zu werden. Dieser Rechtsanwalt glaubt nun an Sams jüdische Herkunft und Sam belässt es dabei.
    Ein Treffen der Drei in Paris wird angeregt, welches ihr Leben verändern wird. Nina verlässt Samuel und folgt Sam als Geliebte nach New York. Samuel stürzt sich auf seine literarische Arbeit und erzielt erste Erfolge.
    Aber zufrieden ist keiner, stellen sich aber auch nicht ihrem Konflikt. Als dann noch Samirs Halbbruder in New York auftaucht, droht das Lügengebäude Sams zu zerbrechen.
    Die Geschichte, bei der es um arabische und jüdische Identität geht, liest sich recht rasant; wirkt aber ein wenig zu konstruiert und glatt. Die etwas überraschende Wendung gegen Ende des Romanes scheint ein wenig weit hergeholt.
    Die Figuren scheinen mir etwas zu stereotyp zu sein.
    Sowohl Ruth als auch Nina sind beeindruckend schön. Von Nina, die mit 40 Jahren, Samir recht schnell nach New York folgt, um dort als seine Geliebte wie in einem goldenen Käfig zu leben, hätte man ein wenig mehr Lebenserfahrung erwarten können.
    Auch bei Samir wird m.E. übertrieben. Er legt eine steile Karriere hin, heiratet die Tochter eines sehr reichen Mannes und darüber hinaus ist er ein Womanizer und schaut jedem Rockzipfel hinterher. Und das muss auch mehrfach im Roman wiederholt werden.
    Der Einstieg in den Roman gelang mir etwas holprig; zum einen durch die Fußnoten, die den Lebenslauf einer gerade erwähnten Person, beschreiben, aber auch durch die Aneinanderreihung von Variationen, getrennt durch Querstriche, als Beispiel:
    ""...in die freiwillig keiner mehr ging, aus Furcht vor Raubüberfällen/Vergewaltigungen/Angriffen, in die sich keiner mehr wagte, es sei denn, jemand bedrohte ihn mit Revolver/Messer/Cutter/Schlagstock/Schwefelsäure/Pumpgun/Tränengas/Karabiner/Nunchaku, und das war noch vor dem Flächenbrand im Osten gewesen,..." (Zitat S. 12/13)
    Diese Aneinanderreihung nervten mich auf Dauer.
    Doch dann lässt sich die Geschichte doch noch recht spannend lesen.