Die Gewitterschwimmerin

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Gewitterschwimmerin' von Franziska Hauser
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Gewitterschwimmerin"

Gebundenes Buch
Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2018: Die Hirschs waren Verfolgte, Widerstandskämpfer, Opportunisten, Künstler. Ein Jahrhundert deutsche Geschichte hat sie geprägt, haben sie mitgeprägt. Da durfte man nicht empfindlich sein, es galt, die eigene Haut zu retten. Empfindlich war Tamara zum Glück nie. Stattdessen suchte sie das Abenteuer, die Herausforderung, das Risiko. Doch andere hat die Familie zugrunde gerichtet; eine Schuld, die Tamara nicht verzeihen kann.
Eindrücklich, poetisch und kraftvoll erzählt Franziska Hauser die Lebensgeschichte der bezaubernd eigensinnigen Tamara Hirsch - erzählt damit die Geschichte ihrer eigenen Familie, eine Geschichte aus politischen und persönlichen Fallstricken, bis dem Leser die Luft wegbleibt.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:432
Verlag: Eichborn
EAN:9783847906445

Rezensionen zu "Die Gewitterschwimmerin"

  1. Eine Familie vor einem Jahrhundert deutscher Geschichte

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Aug 2020 

    Ein wunderbares Buch! Für den Deutschen Buchpreis war es nominiert, stand 2018 auf der Longlist, vollkommen nachvollziehbar, wie ich finde. Mich hat es begeistert! Rückwärtserzählt, springt es mäandernd durch die verschiedenen Zeiten der Familie Hirsch und ihren verschiedenen Personen. Dabei steht die Familie Hirsch für die Familie Hauser selbst. Interessant dazu sind Recherchen im Netz und auch die Widmung der Autorin am Anfang des Buches. Applaus für diesen Mut! Denn das Erzählte hat es in sich, "Die Gewitterschwimmerin" ist eine Familiengeschichte vor einem interessanten historischen Hintergrund und eine Familiengeschichte, die auch einige dunkle Geheimnisse der Familie preisgibt. Missbrauch und seine Folgen anhand von Beispielen in einer realen Familie, der eigenen Familie, das ist definitiv harter Tobak. Und auch die Charaktere der Familie Hirsch sind keine rosaroten und durchweg liebenswürdigen Wesen, sondern haben Kanten, scharfe Kanten, an denen sich so mancher Leser tief schneiden wird. Auch dazu gehört viel Mut, denn so etwas hat meist Folgen. Besonders auch die historische Thematik ist hier recht gehaltvoll, sind doch die älteren Generationen der Familie Hirsch/Hauser politisch aktiv und darüber werden Verbindungen zwischen der Zeit der Nationalsozialisten und der folgenden der Sozialisten sichtbar, denn vielleicht ist gerade das Erlebte der alten Kommunisten in der Zeit des Nationalsozialismus der Grund für ihr rigoroses Vorgehen gegen eventuelle Gegner. Zumindest könnte man nach der Lektüre auf diese Idee kommen. Tamara Hirsch erzählt hier, aber über ihre Kinder erfährt man fast gar nichts. Wenn ich als Autorin aber soweit aushole und in meiner Familiengeschichte sehr tief grabe, sollten auch Informationen zu mir selbst kommen. Denke ich zumindest und das könnte der einzige Schwachpunkt des Buches in meinen Augen sein. Genauso wie der Stoff des Romans historisch interessant ist, hat mich das Geschilderte auch tief berührt. Deswegen satte 5 Sterne und eine Leseempfehlung von mir.

  1. Auch bei Gewitter kann man schwimmen

    4
    (4 von 5 *)
     - 30. Okt 2018 

    „Die Wellen haben mich zurück zum Ufer getragen, haben mich ausgespuckt, wollen mein Leben nicht haben.“ (Zitat Seite 66)

    Inhalt:
    2011 erhält Tamara Hirsch die Nachricht vom überraschenden Tod ihrer Mutter Adele. Selbst Mutter von zwei Töchtern, Henriette und Maja, und auch schon Oma, blickt sie beim Entrümpeln und Umbau des geerbten Elternhauses auf ihr Leben zurück. Sie war immer das unangepasste Familienmitglied, geprägt durch die Mutter Adele, die am liebsten reiste, den Tod der jüngeren Schwester Dascha, die Erzählungen von Großvater Friedrich und Vater Alfred.

    Thema und Genre:
    Dieser autobiografische Generationen- und Familienroman ist gleichzeitig ein politisches Bild Deutschlands zwischen Nationalsozialismus und DDR. Die Themen sind vielschichtig, es geht um politische Überzeugungen, Enttäuschungen und eine Männerwelt, in der Frauen manchmal gehorsame Kulisse zu sein hatten. Dazu kommen noch problematische Mutter-Tochter-Beziehungen. Die eigenwillige Tamara, geprägt durch ihre Erziehung, durch das Verhalten von Vater und Onkel, durch die ständigen Abwesenheiten ihrer Mutter, kann sich in die Grenzen des Alltags der DDR schwer einfügen.

    Handlung und Schreibstil:
    Dieser Roman ist in viele Kapitel unterteilt, die eher willkürlich aneinander gereiht scheinen. Jede Kapitelüberschrift trägt eine Jahreszahl und der erste Satz beginnt oft mit dem Namen des Familienmitgliedes, das dann im Mittelpunkt steht. Dies ist eine gewisse Orientierung für den Leser. Die Geschichte der Familie wird von Tamara in der Ich-Form erzählt, soweit es die eigenen Erinnerungen und Rückblicke auf ihr Leben betrifft. Die Ereignisse im Leben der anderen Charaktere, die Tamara nicht wissen kann, werden von einem Erzähler in der dritten Person geschildert, sodass sich ein umfassendes Bild über drei Generationen ergibt. Die Sprache ist kraftvoll, lebhaft erzählend und beschreibend.

    Fazit:
    Mein erstes Buch vom Stapel einer persönlichen Auswahl aus den Titeln der Longlist, hat mich dieser Roman gefesselt, aber auf Grund der vielen Zeitsprünge nicht vollkommen überzeugen können. Der Leser erhält einen tiefen Einblick in die Interna der Familie Hauser, im Roman die Familie Hirsch und einen realen Eindruck vom Alltag in der DDR. Für dieses Buch sollten man sich Zeit nehmen und diese möglichst ohne allzu große Pausen, denn die sich gleichsam im Rösselsprung und vor und zurück durch die Generationen und Personen bewegende Geschichte wird sonst wirklich unübersichtlich und zeigt dadurch Längen.