Die Geschichte von Kat und Easy: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Geschichte von Kat und Easy: Roman' von Susann Pásztor
3.85
3.9 von 5 (7 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Geschichte von Kat und Easy: Roman"

Sie sind nicht mehr die Teenager, deren Freundschaft vor einem halben Jahrhundert auf tragische Weise endete. Das wissen Kat und Easy, als sie sich auf Kreta treffen. Aber wer sind sie jetzt, und wer waren sie damals? 1973 wird ihr Jahr. Das schwört Kat ihrer Freundin Easy in der Silvesternacht, und nicht nur, weil sie bekifft sind. In den folgenden Monaten können sie viel von dem abhaken, was auf ihrer Liste steht. Sich zu verlieben, zum Beispiel. Unglücklicherweise in denselben Mann: Fripp arbeitet im Jugendzentrum, trägt karierte Hemden und kennt sich mit Hesse aus. Doch es ist nicht etwa die Eifersucht, die ihrer Freundschaft bald darauf ein jähes Ende setzt, sondern ein tragischer Unfall. Fast fünfzig Jahre später erhält Kat, die einen erfolgreichen Blog für Lebensberatung führt, eine Nachricht von Easy. In einem alten Haus an der Südküste Kretas treffen sie sich wieder und nehmen zwischen ausschweifenden Festen mit griechischen Nachbarn und rauschhaften Nächten am Strand das große Stück Leben in den Blick, das hinter ihnen liegt. Doch erst, als ein überraschender Besucher auf die Insel kommt, ist es ihnen möglich, sich der entscheidenden Frage zu stellen: Warum nur haben sie so unterschiedliche Erinnerungen an die Zeit mit Fripp? Mit einzigartigem Humor und psychologischer Scharfsicht erzählt Susann Pásztor von den wundervollen und schrecklichen Unwägbarkeiten des Lebens, und der Kunst, ihnen zu begegnen.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:272
EAN:9783462052817

Rezensionen zu "Die Geschichte von Kat und Easy: Roman"

  1. Freundschaft...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 26. Jun 2021 

    Erster Satz: "Kat hat die Macht."

    Jenseits der 60 sind Kat und Easy, als letztere im Internet auf einen Blog stößt, hinter dem sie ihre alte Jugendfreundin vermutet. Die Vermutung wird bald zur Gewissheit, und Kat ist selbst nicht wenig erstaunt über sich selbst, als sie schließtlich die Einladung Easys annimmt, gemeinsam mit ihr eine Woche auf Kreta zu verbringen.

    In einem heruntergekommenen Häuschen an der Südküste der Insel verbringen die beiden Frauen die Tage miteinander, recht befangen und höflich, trotz oder gerade wegen ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Erzählt wird der Part der Gegenwart aus der Ich-Perspektive von Kat, schroff und distanziert zumeist, was nicht nur Easy, sondern auch den Leser reichlich auf Abstand hält. Und doch ahnt man bald schon, dass sich hinter der rauen Hülle ein sensiblerer Kern verbirgt.

    "Ich wollte nicht von ihr bewundert werden. Ich war immer nur für Eigenschaften bewundert worden, die ich gar nicht besessen, sondern nur vorgetäuscht hatte. Deine Stärke, hatte es dann geheißen, deine Unabbhängigkeit und, ach ja, deine radikale Ehrlichkeit. Tatsächlich lagen meine wahren Stärken im effizienten Verdrängen von Schuld und Einsamkeit, und es gab Nächte, in denen mir das Gewicht meiner Lügen und Geheimnisse schier den Atem nahm..."

    Beide Frauen wissen um die Geschehnisse in ihrer gemeinsamen Vergangenheit, und durch regelmäßige Rückblenden in das Jahr 1973 (in personaler Erzählperspektive) erfährt auch der Leser häppchenweise, was in jener Zeit passiert ist. Beste Freundinnen waren sie damals, Kat und Easy, die eigentlich Isi heitß. Vor allem Kat legte viel Wert darauf, cool zu wirken - große Klappe inklusive. Dumm war nur, dass sie sich in denselben Jungen verliebte wie Easy: Fripp. Und auch wenn der Konflikt nicht offen schwelte, war er stets präsent.

    Diese Rückblenden hat Suasann Pásztor sehr authentisch geschildert, so dass ich mich selbst in meine eigene Vergangenheit versetzt fühlte. Gerade die genannten Musiktitel, aber auch das Klima in der Kleinstadt erinnerten mich an meine eigene Jugend. Das empfand ich als sehr gelungen. Nicht unproblematisch dagegen fand ich den absolut unkritischen Blick auf den in der Geschichte allgegenwärtigen Drogenkonsum - von Hasch bis hin zu LSD. Selbst auf Kreta gehört das für die beiden Frauen irgendwie zum Alltag dazu...

    "Das Band eiert anfangs ein wenig, aber vielleicht ist auch die Gitarre, die das Stück eröffnet, seltsam gestimmt, haarscharf am Missklang vorbei und trotzdem mitten rein in Kats Sehnsucht nach Harmonien. (...) und die Stimme des Sängers, so süß und so rauh, ist wie ein Nachtlicht für ängstliche Kinder, die Flöte ein einziger Trost, aber dann, als es fast unerträglich schön wird, wumm!, die Orgel, das Schlagzeug, und bäm!, das Drama, der ganze Wahnsinn."

    Nach "Ein fabelhafter Lügner", "Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts" und "Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster" war ich sehr gespannt auf den neue Roman von Susann Pásztor. Leider konnte mich dieser nun nicht ganz so begeistern wie seine Vorgänger. Dies liegt neben dem Drogenthema v.a. an den für mich so unnahbaren Charakteren. Vor allem Kat - gerade sie als Ich-Erzählerin - legte es deutlich darauf an, alle auf Distanz zu halten. Bei mir ist ihr das jedenfalls gelungen.

    Spröde, rau und unnahbar sind die ersten Attribute, die mir zu ihrer Person einfallen. Aber auch Easy, im Grunde nur lieb, wollte sich mir nicht wirklich nähern. Und auch die angeblich so intensive Freundschaft der beiden erschloss sich mir nicht in dieser Intensität. Das empfand ich als schade, hier wäre ich gerne emotional mehr beteiligt worden. Und auch die Spannung im Geschehen habe ich vermisst - träge plätscherten die Tage auf Kreta vor sich hin, und auch wenn die große Aussprache letztlich stattfand, war für mich nichts davon wirklich spektakulär.

    Für mich ist dieser Roman trotz des flüssigen Schreibstils mit poetischen wie humorvollen Ansätzen definitiv nicht der stärkste von Susann Pásztor. Ich habe ihn nicht ungern gelesen, blieb aber bis auf das Ende durchgehend auf Distanz zum Geschehen. Lust auf Urlaub habe ich dagegen durch die Schilderungen der Landschaft auf Kreta durchaus bekommen...

    © Parden

  1. Ich hatte mir mehr erhofft

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 24. Mai 2021 

    Knapp 50 Jahre, nachdem sie sich in ihrer Jugend in denselben Mann verliebt haben und sich nach einem tragischen Unfall aus den Augen verloren haben, treffen die beiden einstigen Freundinnen Kat und Easy nun auf Kreta wieder aufeinenander. Viel Zeit ist seitdem vergangen, und doch sind die Ereignisse des Jahres 1973 noch immer im Leben beider präsent.

    Der Roman spielt abwechselnd auf beiden Zeitebenen, wobei der eine Strang am Silvesterabend 1972 beginnt und hier mit Alkohol- und Drogenkonsum oder der ersten großen Liebe vor allem typische Teenager-Probleme im Mittelpunkt stehen. Im zweiten Handlungsstrang führt Easy ein Leben als dreifache Mutter, die sich im Ferienhaus auf Kreta eine Verschnaufpause vom Alltag gönnt, während Kat einen Block für Lebensberatung führt. Über diesen kommen die beiden Frauen ins Gespräch darüber, was in ihrer Vergangenheit geschehen ist.

    Sprachlich lässt sich das Buch gut lesen, die beiden Protagonistinnen sind interessant und ich konnte mich gut in beide hineinfühlen. Ihre Teenagerzeit wird gut dargestellt. Das Zusammentreffen der beiden auf Kreta empfand ich dagegen irgendwie als anstrengend, beide wollen zwar mit der Vergangenheit aufräumen, irgendwie dann aber auch nicht so wirklich, sodass sie gerade zu Beginn beide um das Thema herumschleichen und sich das wirkliche Gespräch wenn überhaupt auf den Blog beschränkt.

    Der Grund, weshalb alles so gekommen ist wie es ist, war für mich vorhersehbar und daher die Geschichte nicht wirklich spannend, am Ende war die "Auflösung" dann auch tatsächlich recht unspektakulär.

    Ingesamt ist "Die Geschichte von Kat und Easy" schon ein gutes Buch, das mich aber leider nicht ganz überzeugen konnte und von dem ich mir nach den vielen positiven Meinungen einfach etwas mehr erhofft hatte.

  1. Freundschaftsbande

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Mai 2021 

    Und mit diesem Buch hatte ich wieder einen von meinen heißgeliebten Schätzen! Eine Geschichte zweier Frauen, wie der Titel eigentlich schon vermuten lässt. In zwei Zeitsträngen erzählt, einmal wird auf die jugendliche Freundschaft geblickt, eine Zeit der Findung und des Wandels, eine Zeit der Hormone, in den Siebzigern in einer deutschen Kleinstadt angesiedelt. Kat und Easy sind befreundet, doch ist dies wirklich eine richtige Freundschaft? Denn auch eine Rivalität existiert zwischen den Beiden. Und wie nicht anders zu vermuten, auch ein etwas älterer junger Mann spielt eine Rolle. Und nach und nach wird ein Geschehen klarer, welches die Beiden auseinander getrieben hat. Und sie viele, viele Jahre später wieder aufeinandertreffen lässt. Und gerade hier zeigt sich, dass zwischen den beiden Frauen doch etwas mehr gewesen sein muss, doch eine innige Beziehung bestanden haben muss. Denn dieses Ereignis in ihrer Jugend ist nicht das Einzige, was die beiden Frauen verbindet. Sonst hätten sie nicht wieder den Kontakt gesucht. Dieser Kontakt findet in Kreta statt. Beide sind älter und gereifter, blicken auf ein Leben zurück und können endlich über die Geschehnisse in ihrer Jugend sprechen. Also nach und nach natürlich. Also ist "Die Geschichte von Kat und Easy" auch eine Geschichte über die Kraft und die Bedeutung der Kommunikation. Ein wichtiges Buch! Was ich ebenso schön und passend fand. Es ist nicht vollkommen klar, ob Kat und Easy den Kontakt halten können. Gut gemacht von Susann Pásztor. Aber ich wünsche es Ihnen von Herzen!

    Und ein Buch, welches mich berührt. Sehr tief sogar. Und das passiert nicht, weil dieses Buch gefühlsüberfrachtet geschrieben wurde. Denn genau dies macht Susann Pásztor eben nicht. Die Sprache ist klar und kühl, nicht ausufernd wird das Geschehen beschrieben. Was hier so einschlägt, man hat Vergleiche zu dieser Freundschafts-Konstellation. Genau solche Freundschaften gibt es und genau diese Freundschaften machen oft etwas mit den Betroffenen. Dieses Szenario ist von der Autorin hier gut eingefangen worden. Ein nachdenklich machendes Buch, welches von mir die volle Punktzahl erhält. Denn Kat und Easy berühren und hallen noch ein Stück nach. Und genau dies ist etwas, was nicht jeder Autor oder jedes Buch schafft. Ein tosender Beifall für Susann Pásztor von mir!!!

    Und wie nicht anders zu erwarten. Natürlich habe ich mir von dieser Autorin weitere Bücher besorgt. Mal sehen, wann sie vor meine Augen finden werden.

  1. Von den Brüchen einer Frauenfreundschaft

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Mai 2021 

    Es ist das Jahr 1973. Für Kat und Easy, zwei knapp 16jährige Mädchen aus dem Provinzstädtchen Laustedt soll es das beste Jahr ihres Lebens werden. Sie freuen sich auf viele neue Erfahrungen; die Liebe soll dabei die wichtigste sein. Dumm nur, dass sich beide in denselben jungen Mann verlieben, in den 20jährigen Robert, genannt Fripp. Als dieser bei einem tragischen Unfall stirbt, endet die innige Beziehung der Freundinnen. Die Gründe dafür werden erst am Ende des Buches klar.
    46 Jahre später treffen die nunmehr 62jährigen Frauen wieder aufeinander. Kat ist als Lebensberaterin mit ihrem Blog sehr erfolgreich und hier meldet sich unter dem Namen easy1973 eine Frau, die ihr altes Verhaltensmuster durchbrechen will. Denn bisher ist sie nur Beziehungen zu Männern eingegangen, bei denen der Verlust sie nicht schmerzen würde.
    Es ist bald klar, wer sich hinter dem Pseudonym verbringt. Diese lädt daraufhin die frühere Freundin nach Kreta ein , in ihr heruntergekommenes Ferienhaus mit Blick aufs Meer. Trotz anfänglicher Bedenken reist Kat dorthin und es folgt eine Woche unter griechischer Sonne, mit Besuchen bei Einheimischen, mit rauschhaften Festen , aber v.a. mit einer langsamen Annäherung der beiden Frauen. Erfahrungen werden ausgetauscht, Lebensmodelle gegenübergestellt.
    Hier, die immer noch anziehende Easy mit ihren drei erwachsenen Kindern von drei verschiedenen Männern, da die eher kontrolliert wirkende Kat, kinderlos, geschieden und ohne engeren Freundeskreis. Vorsichtig umkreisen sie auch die Vergangenheit, wollen klären, was damals zum Bruch zwischen ihnen geführt hat.
    Susann Pasztor erzählt ihre Geschichte auf zwei Zeitebenen und aus zwei Perspektiven. Ein personaler Erzähler führt in die 1970er Jahre nach Laustedt, aus Kats Perspektive werden die Geschehnisse auf Kreta in der Jetzt- Zeit beschrieben. Interessant ist, dass die Autorin für den Erzählstrang, der in der Vergangenheit spielt, den Präsens verwendet und für die Erlebnisse aus der Gegenwart die Vergangenheitsform. Warum? Wäre es nicht logischer gewesen, das umgekehrt zu handhaben? Vielleicht geht es darum zu zeigen, wie stark unsere Vergangenheit in unsere Gegenwart hineinwirkt, diese beeinflusst.
    Dazwischen lesen wir die Blognachrichten von Kat und Easy. Die Ratschläge von Kat klingen sinnvoll und gut. Aber ihr eigenes Leben zeigt, dass die Umsetzung nicht so einfach gelingt, auch nicht für berufsmäßige Coaches.
    Ich bin ungefähr im gleichen Alter wie die Protagonistinnen und halte die Atmosphäre und den Zeitgeist der 70er Jahre für gut getroffen: der Treffpunkt Jugendzentrum mit den ganzen Typen, die dort herumhängen, die Musik von damals , die wichtigen Bücher, die Verbote und Ängste der Eltern usw. Doch während das Experimentieren mit Drogen in dieser Phase noch plausibel wirkt, so hat mich der Drogenkonsum der älteren Frauen eher befremdet.
    Einfühlsam und glaubwürdig beschreibt Susann Pasztor die Gefühlslage der beiden Mädchen. Sie sind zwar beste Freundinnen, haben aber trotzdem Geheimnisse voreinander. Eifersucht- und Rivalitätsgefühle gab es schon vor Fripps Erscheinen. Jede beneidet die andere um die Eigenschaften, die ihr selbst fehlen. Easy bewundert Kat um ihre Coolness und ihre vermeintlichen Erfahrungen, dafür missgönnt Kat ihrer Freundin das schöne Aussehen und ihr lockeres Auftreten. Überall zieht diese die Blicke der Männer auf sich.
    Auch als ältere Frauen verfallen sie oft in die alten Muster.
    Susann Pásztor erzählt leichthändig und mit Humor von den Brüchen einer Frauenfreundschaft. Dass dabei Leerstellen bleiben, war für mich gerade richtig.
    „ Die Geschichte von Kat und Easy“ ist ein unterhaltsamer , schön erzählter Roman, der allerdings nicht an das Niveau von Susann Pasztors letztem Buch „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ herankommt. So haben sich meine großen Erwartungen an diesen Roman leider nicht erfüllt.

  1. Kann man eine unterbrochene Freundschaft neu beginnen?

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 11. Mai 2021 

    2018 wurde die 1957 geborene deutschsprachige Autorin Suzann Pásztor für ihren dritten Roman "Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster" mit dem Evangelischen Buchpreis ausgezeichnet. Nun ist "Die Geschichte von Kat und Easy" erschienen, ein Roman auf zwei Zeitebenen und einer Brücke in Form eines Kummerkasten-Blogs. Interessant ist die Wahl der Zeitformen und der Perspektive: Die Kapitel mit der Überschrift "Laustedt" spielen 1973 und sind in personaler Erzählform sowie im Präsens verfasst, in den mit "Kreta" überschriebenen Abschnitten aus der Jetzt-Zeit erzählt Kat in der Vergangenheitsform.

    Vom Ende einer Freundschaft…
    Das Jahr 1973 ist für die beiden Protagonistinnen Kat und Easy prägend und präsent bis in die Gegenwart. Damals wurden sie 16 und das autonome Jugendzentrum von Laustedt war plötzlich wichtiger als die Schule, sie wollten „mindestens zehnmal so glücklich wie unsere Mütter“ werden, Drogen, Alkohol und Sex zu erleben wurde zum wichtigsten Vorhaben. Trotz ihrer Verschiedenheit schien kein Blatt zwischen sie zu passen: Kat pummelig, mit dicker Brille und betont cool, Easy schön, anziehend, unbekümmert und keinem Flirt abgeneigt, Kat unter dem Eindruck der soeben vollzogenen Trennung der Eltern, Easy aus einem Arzthaushalt mit strenger Moral.

    Es hätte das geplante Superjahr werden können, wäre da nicht der 20-jährige Robert, genannt Fripp, gewesen, in den beide sich verliebten. Fripp, von dessen Tod man bereits auf den ersten Seiten erfährt, auch wenn die Umstände erst ganz zuletzt aufgeklärt werden. Dieser Verlust beendete nicht nur ihre Freundschaft, er überschattete auch ihr ganzes weiteres Leben.

    … und von einem Neubeginn
    Easy, mittlerweile 62, Mutter dreier erwachsener Kinder unterschiedlicher Väter, sucht über Kats Coaching-Blog Rat und Kontakt. Nach 46 Jahren Funkstille lädt sie die geschiedene, kinderlose Jugendfreundin in ihr renovierungsbedürftiges Häuschen auf Kreta ein. Endlich soll auf den Tisch kommen, was so lang verschwiegen wurde. Und weil das von Angesicht zu Angesicht nicht einfach ist, geht das Zwiegespräch über den Blog weiter – bis Kat kurz vor ihrem Abflug doch noch den schmerzhaftesten Punkt der Geschichte beichtet.

    Für mich kein nachhaltiges Leseerlebnis
    So gut die Idee des Romans und die versetzte Erzählweise sind, so wenig bin ich mit den beiden Protagonistinnen, insbesondere Easy, warm geworden, schon gar nicht mit dem verantwortungslosen Fripp. Während der Grund für Kats dauerhafte Verwundung nachvollziehbar ist, sie zwar andere beraten, sich selbst dagegen nicht helfen kann, hat sich mir Easys Trauma rückblickend nicht wirklich erschlossen. Auch der Konsum unterschiedlichster Drogen ist mir viel zu ausufernd geschildert und in der Jetzt-Zeit auf Kreta wenig glaubhaft bis ärgerlich. Ich vermisse auch eine spürbare Weiterentwicklung der Figuren, die Easy in ihrem letzten Post als „Ich-wills-wissen“ an die Lebensberaterin „Mockingbird“ alias Kat so auf den Punkt bringt:

    "Wir waren jung damals, aber wir waren trotzdem längst die, die wir heute sind. Das ist erschreckend und tröstlich zugleich, oder?" (S. 267)

    In die Atmosphäre der 1970er-Jahre mit den entsprechenden Musiktiteln und den Problemen der Heranwachsenden konnte ich mich - bis auf die Drogenexperimente - hineinversetzen. So gepackt, dass ich unbedingt erfahren wollte, was im Herbst 1973 tatsächlich geschah, hat es mich aber leider nicht.

  1. Bittere Medizin

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Mai 2021 

    Kurzmeinung: Macht Spaß und macht Tränen.

    Seit sie denken kann, ist Kat diejenige, die zurückgesetzt wird. Es ist ihre beste Freundin Easy, die die Blicke auf sich zieht, wenn sie beide ein Zimmer betreten. Wenn Easy die Schöne ist, was bleibt Kat dann anderes übrig als die Coole zu spielen, wenn sie etwas darstellen will.

    Kat ist bald darin geübt, sich nichts anmerken zu lassen, aber eines Tages als sich beide Mädchen in denselben Mann verlieben, kommt sie mit gespielter Coolness nicht weiter. Die Liebe tut ihr weh und Zurückweisung ist bittere Medizin.

    Der Kommentar:
    Natürlich ist „Die Geschichte von Kat und Easy“ irgendwie auch ein Roman über Freundschaft. Aber viel mehr als das, ist er ein Roman über Zurückweisung und über den Schmerz, den sie verursacht. Und das mag ich.

    Die beiden Zeitebenen, einmal ein paar gemeinsame Tage auf Kreta in der Jetztzeit und einen Sommer lang im deutschen Kleinstadtmief in den 70ern, sind beide flott geschrieben, interessant,weder im Hier und Jetzt noch im Damals aufgebläht.

    Die Autorin behrrscht die hohe Kunst der Auslassung, eine Kunst die wenige Autoren beherrschen. Beinahe ist es mir zu knapp, denn ich hätte gerne mehr aus dem Leben von Katharina gehört. So bleibt die Neugier und nicht der Überdruß der Sättigung. Alles richtig gemacht, Frau Pásztor!

    Auch die Einlassung zu den 70iger Jahren ist nicht übertrieben. Natürlich werden ein paar Songtexte genannt, aber ich habe nicht den Eindruck, dass die Autorin sich in einer irgendwie gerarteten Verherrlichung dieses Jahrzehnts verliert, ihr erzählerischer Horizont geht allerdings nicht über den Horizont der beiden Mädchen hinaus, das ist ihr Fokus, und die beiden sind mit sich selbst beschäftigt. Dieser bedingt eingeschränkte Horiziont ist hier nicht kritikabel.

    Kritikpunkt:
    Es gibt allerdings keinen einzigen Satz, der den Konsum von Drogen in Frage stellt. Es wäre so leicht gewesen, jemanden, einen Erziehungsberechtigten?, sagen zu lassen, dass Drogen schon beim einmaligen Gebrauch abhängig machen können. Sogar im Wiedersehen in der Jetztzeit kiffen die älteren Damen munter vor sich hin. Das hätte nicht sein müssen!

    Davon abgesehen ist die LSD-Szene im Gras nicht überzeugend und viel zu lang. Man hat den Eindruck, sie wäre einer Szene aus „Das Licht“ von T.C. Boyle nachgestellt. Und schon dort hat sie mir nicht gefallen.

    Den allzu häufigen Drogeneinsatz hätte man also gar nicht gebraucht. Es ist außerdem ein Irrtum zu glauben, alle jungen Menschen in den 70ern und 80ern hätten Drogen ausprobiert.

    Randbemerkung:
    Was ist gerade los bei den deutschen Autoren? Verliebt in die 70er und 80er Jahre des 20sten Jahrhunderts? Why? Viele Coming of Age Romane spielen momentan mit und in dieser Zeit. Benedict Wells mit „Hard Land“, Ewald Arenz mit „Der große Sommer“ und sogar Klaus Modick mit „Fahrtwind“. Nostalgie? Coronalangeweile? Eskapimus? Erinnerungen an einen leichtsinnigen Trip?

    Zu weit weg von der Jugend heute? Dann geht näher ran!

    Fazit: Die Geschichte von Kat und Easy hat mir richtig gut gefallen. Es ist eine mit leichter Hand geschriebene Story, die da und dort mit Tiefgründigkeit überrascht.

    Kategorie: Gute Unterhaltung
    Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 2021

  1. Der Weg einer Freundschaft

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Mai 2021 

    !ein Lesehighlight 2021!

    Klappentext:
    „Sie sind nicht mehr die Teenager, deren Freundschaft vor einem halben Jahrhundert auf tragische Weise endete. Das wissen Kat und Easy, als sie sich auf Kreta treffen. Aber wer sind sie jetzt, und wer waren sie damals? 1973 wird ihr Jahr. Das schwört Kat ihrer Freundin Easy in der Silvesternacht, und nicht nur, weil sie bekifft sind. In den folgenden Monaten können sie viel von dem abhaken, was auf ihrer Liste steht. Sich zu verlieben, zum Beispiel. Unglücklicherweise in denselben Mann: Fripp arbeitet im Jugendzentrum, trägt karierte Hemden und kennt sich mit Hesse aus. Doch es ist nicht etwa die Eifersucht, die ihrer Freundschaft bald darauf ein jähes Ende setzt, sondern ein tragischer Unfall. Fast fünfzig Jahre später erhält Kat, die einen erfolgreichen Blog für Lebensberatung führt, eine Nachricht von Easy. In einem alten Haus an der Südküste Kretas treffen sie sich wieder und nehmen zwischen ausschweifenden Festen mit griechischen Nachbarn und rauschhaften Nächten am Strand das große Stück Leben in den Blick, das hinter ihnen liegt. Doch erst, als ein überraschender Besucher auf die Insel kommt, ist es ihnen möglich, sich der entscheidenden Frage zu stellen: Warum nur haben sie so unterschiedliche Erinnerungen an die Zeit mit Fripp?“

    Die Autorin Susann Pásztor hat hier eine wunderbare und sehr realistische Geschichte geschaffen, bei der man nicht nur vor lauter Schreck manchmal denkt, sein Spiegelbild vor sich zu haben, sondern auch sehr gut lachen, weinen, grübeln, träumen, schreien und noch so viel mehr kann.
    Die Geschichte um die beiden Damen ist äußerst gelungen und löste bei mir einen richtigen Sog aus. Wie schon gesagt, man erwischt sich dabei, das man sich hier und da selber sieht. Die beiden verlieren sich aus den Augen nachdem der größte Knatsch beide Freundinnen getrennt hat, den es wohl je geben kann - Fripp, nannte sich das männliche Geschöpf hier und war ein Grund alles an dieser Freundschaft aufzugeben. Wie es so das Leben will, macht jede von ihnen ihren Weg im Leben und dann kommt es, sich wieder zu sehen und endlich mal die Sachen auf den Tisch zu packen, die schon so lange in beiden schmoren. Susann Pásztor geht hier so gefühlvoll und auch psychologisch vor, das es manchmal wahrlich erschreckend ist. Wir lesen eine Geschichte und vertrauen den Mädels sofort, haben das Gefühl, man kenne sich von früher, war dabei, in der „Clique“ und wusste genau, was es mit Fripp auf sich hatte. Man ist hier ein feinsinniger Beobachter, dem es aber oft schwer fällt, die beiden endlich zueinander zu führen, obwohl man es so gerne würde. Pásztor hat ein feines Gespür für Wortwahl und Ausdruck, sie passt sie beiden Zeiten, der von damals und heute, sehr gekonnt an. Gedankliche Zeitreisen tauchen vor dem Auge auf. Der gesamte Verlauf der Story hat einen starken und anziehenden roten Faden, aber auch der Spannungsbogen hat seinen guten Lauf. Die klärenden Gespräche der beiden Protagonisten bringen natürlich in gewisser Weise Licht ins Dunkel, aber auch ein Aufatmen und hier und da aber auch wieder Wut mit sich aber auch noch so viele neue Fragen mit sich. Der abschließende Verlauf der Geschichte ist dennoch äußerst rund und stilvoll gehalten und Susann Pásztor zeigt einen richtig starken Roman, mit einem so starken nachhallenden Effekt, wenn man dieses Buch zuklappt, das man nicht anders kann, als selbst nochmal gedanklich in die eigene Jugend zurück zu reisen. In allen Mädels-Cliquen gibt es solche „Figuren“ wie Kat und Easy und wir können uns alle noch gut an die erste große Liebe erinnern....da war der Knatsch mit der besten Freundin vorprogrammiert wenn es sich um den selben Kerl handelte...es gibt halt nunmal Dinge im Leben, die sollen so sein und bei Kat und Easy war es eben Fripp...
    Diese Geschichte war so wunderbar rund und stilsicher. Die Rückblicke ins eigene Ich und die damit verbunden Gedanken, waren eine echte kleine Zeitreise. Kat und Easy haben nochmal einen Punkt bei mir als Leser getroffen, den ich vielleicht so nicht mehr in Erinnerung gebracht hätte, verdrängt hätte - dafür gibt es grandiose 5 von 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung! Ich sage es wirklich sehr selten, aber hier passt es einfach perfekt: lest dieses Buch!