Die Geschichte des Wassers: Roman

Rezensionen zu "Die Geschichte des Wassers: Roman"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 13. Feb 2019 

    Von der Wichtigkeit des Wassers

    Hier in diesem Buch erzählt uns Lunde Geschichten ums Thema Wasser. Die Handlung des Buches wird in zwei Erzählstränge gegliedert. Der erste Erzählstrang spielt 2017 in Ringfjorden und Eidesdalen, Sogn und Fjordane, Norwegen; hier wird die Geschichte von Signe und ihrer Familie erzählt. Signe verkörpert die Umweltschützerin, ist 70 Jahre alt und immer noch von einem starken Kampfgeist erfüllt. Sie kann und will nicht nachvollziehen, wieso ein großer Teil der Menschheit nur noch den eigenen Vorteil sieht und auch bereit ist dafür vieles Unsinnige zu akzeptieren, lebt für den Umweltschutz und ist bereit für diesen auch viele persönliche Opfer zu bringen. Als der Gletscher in ihrer Heimatgemeinde aus Profitgründen abgebaut wird, reagiert sie und möchte aber auch eigene Altlasten aufarbeiten. Der Zweite Erzählstrang spielt 2041 in Timbaut, Bordeaux, Frankreich; hier beschreibt uns Lunde die Welt von David und Lou, Vater und Tochter. Die Familie von David flüchtet vor der Dürre und einem daraus resultierenden Brand in ihrer Heimatstadt Argelès. Auf der Flucht trennen sich die Wege des Vaters mit der Tochter von der Mutter(Anna) mit dem Sohn(August), beide sind geschockt und kommen in ein Flüchtlingslager nahe Timbaut. Hier warten und hoffen sie auf ihre Angehörigen und werden mit dem düsteren Endzeitszenario ihrer Welt konfrontiert. Beide Erzählstränge werden auch wieder geschickt miteinander verwoben. Wieder ist es ein informatives Buch, man erfährt so einiges zum Thema Wasser, aber es hätten noch durchaus mehr Informationen sein können, hier geht es vorrangig um die Ressourcenausbeutung und die Folgen davon. An Veränderungsstrategien wird nur die Meerwasserentsalzung erwähnt, da hätte noch durchaus mehr Platz finden können. Auch in der Handlung kommt es für mich leider nicht an die Geschichte der Bienen heran, es fehlt für mich die Tiefe des ersten Buches, das so überaus geschickte Erzählen des ersten Bandes fehlt für mich fast vollkommen. Hier hatte ich nur den Eindruck, es plätschert und plätschert und plätschert so dahin, es ist eine gewisse Spannung vorhanden, ja, auch ein Sog, ja. Besonders der erste Erzählstrang hat diesen, aber im zweiten Erzählstrang hat man fast den Eindruck, es ist ein anderer Autor, es fehlt für mich vollkommen die Tiefe der Geschichte, wie auch der Figuren, sie erscheinen einem sehr flach gezeichnet, fast schon nervend. Man möchte sie schütteln. Das hätte denke ich besser und spannender gezeichnet sein können. Die Art der Darstellung war sicher gewollt und damit sollte sicher auch der Schock des Verlustes der bisherigen Welt verdeutlicht werden. Aber leider konnte mich das nicht richtig erreichen.

    Das Buch lässt sich dennoch gut lesen und ist auch spannend geschrieben. Auch ein gewisser Sog ist merkbar. Aber dieses Buch kommt für mich nicht an die Bienen heran. Schade. Trotzdem sollte es gelesen werden, denn auch dieses Mal geht es um ein wichtiges Thema, das uns alle angeht und definitiv noch sehr angehen wird. Wie heißt es doch so treffend in einem guten und von mir sehr geschätzten Film. "Die Zeit der Wasserkriege kommt erst noch." Vielleicht sind sie auch schon da, wenn ich an die Arabische Welt oder Mittelasien denke.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Dez 2018 

    »Ich liebe Wasser!«

    Wasser: mitunter das wichtigste, das der Mensch zum Überleben braucht!
    Wenn man bedenkt, dass die gegenwärtigen 7,5 Milliarden Menschen bereits jetzt bedenklich viele/zu viele lebensnotwendige Ressourcen (unnötig) verbrauchen, wie sähe das Ganze dann erst in 30 Jahren aus, also 2050? (Wenn wir etwa 10 Milliarden sind und unser Konsumverhalten nicht überdacht und verändert haben?) Man muss nicht besonders klug sein, um sich darauf die Antwort »nicht rosig!« geben zu können.
    Maja Lunde hat sich in "Die Geschichte des Wassers" genau diesem Problem gewidmet, und zwar in Form von zwei Geschichten: die eine spielt mit der Protagonistin Signe in der Gegenwart (2017) und die zweite mit David und seiner kleinen Tochter Lou in einer dystopischen Zukunft im Jahre 2041. Diese beiden Geschichten verknüpft die Autorin am Ende ihres Buches sehr gekonnt, wie ich finde.
    Signes Geschichte, mit der das Buch startet, hat mich persönlich erst mal noch nicht wirklich abholen können, da in ihren Kapiteln viel das Leben auf dem Boot am Meer Thema ist. Vor allem das Gefasel über den ganzen Segel-, Schiff- und Bootkram, dem eindeutig zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde, hat mich gelangweilt. Mit den meisten fachspezifischen Ausdrücken konnte ich leider auch nichts anfangen, und zum Nachschlagen waren es mir definitiv ZU VIELE fremde Wörter. Glücklicherweise hatten diese Ausführungen sehr bald ein Ende und auch Signes Kapitel wurden äußerst spannend.
    Die Kapitel mit David und Lou haben mich von Anfang an gefesselt, ihre persönlichen Schicksale habe ich durchgehend gebannt verfolgt.

    Klar ist das hier eine erfundene Geschichte, allerdings finde ich die gar nicht so weit hergeholt, in Anbetracht der derzeitigen Entwicklungen, was unser Wasser und andere Ressourcen betrifft. Es ist schon erschreckend zu lesen, dieses Zukunftsszenario, in dem David und Lou tagtäglich um ihr Überleben kämpfen müssen. So oder so ähnlich könnte es uns in ein paar Jahrzehnten auch ergehen, und diese Vorstellung finde ich wahnsinnig beunruhigend. Manche Dystopien bewahrheiten sich eines Tages bzw. sind dabei, sich in der Gegenwart zu verwirklichen, man denke nur an "1984" von George Orwell.

    "Die Geschichte des Wassers" ermöglicht einen ganz guten, wenn auch bedrückendenden, Einblick in eine sehr wahrscheinliche Zukunft, allein das Trinkwasser betreffend. Dieses ernste Thema, das ich momentan viel wichtiger finde, als so manch anderes politisches Thema, bekommt hierin einen Raum. Es ist keine wissenschaftliche Abhandlung, kein Sachbuch, nein. Hierin wird das Schicksal von vielen Menschen im Allgemeinen und das von David und Lou im Speziellen erzählt. Das sind Menschen wie Du und ich, und deshalb finde ich es umso erschreckender, SO ETWAS zu lesen, als einfach nur ein Sachbuch.

    Am liebsten würde ich hergehen und jedem Menschen, der mir begegnet, diesen Roman in die Hand drücken. Leider lesen so wenige Menschen wirklich gern, sodass dieser Plan wahrscheinlich grundsätzlich schon zum Scheitern verurteilt wäre. Ich kann ihn an dieser Stelle also eigentlich nur dringlichst jedem ans Herz legen.
    Mir hat dieser Roman jedenfalls total Lust auf Maja Lundes erstes Buch "Die Geschichte der Bienen" gemacht. - Darin findet sich nämlich ein weiteres Thema das ähnlich verheerende Auswirkungen auf das Überleben der Menschheit hat. Es wird nicht allzu lange dauern, bis ich auch dieses Buch zur Hand nehmen und lesen werde! Irgendwo im oder außen am Buch von "Die Geschichte des Wassers" habe ich übrigens sogar noch die Info gefunden, dass die Autorin sogar vier Bücher über Umwelt plant, also ein "Klima-Quartett". Ich kann mich also noch auf weitere Bücher mit wirklich wichtigen Themen freuen!

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Jul 2018 

    Wasser ist Leben

    Cover:
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    Das Cover fügt sich gut an den ersten Band der Umwelt-Quadrologie an. Es ist im gleichen sandfarbenen Ton gehalten und passend zum Titel sieht man diesmal ein Boot, das sich leicht ausgestanzt auf dem Titelbild befindet. Leider ist es nicht das Boot, um das es eigentlich im Roman geht. Dennoch ist es sehr ansprechend gestaltet und als Hardcover mit Schutzumschlag sowie einem Lesebändchen ist der optische Eindruck perfekt.

    Inhalt:
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    In zwei Erzählsträngen (Gegenwart und nahe Zukunft), erzählt Maja Lunde von den Leben zweier unterschiedlicher Menschen, ihren Beziehungen, ihren Verlusten und Ängsten und welche Rolle das Wasser darin spielt. Zum einen ist da Signe, eine 70 jährige Umweltaktivistin, die im Norwegen des Jahres 2017 dafür kämpft, dass die Eisblöcke und Wasserläufe erhalten werden. Dabei gerät sie in Konflikt mit ihrer Mutter und ihrem Freund, die als "modern" und "fortschrittlich" denkende Menschen nur den eigenen, kurzfristigen Wohlstand im Auge haben. Dieser Konflikt zerstört letztendlich ihr Beziehungsgeflecht. Zum anderen gibt es in Frankreich im Jahre 2041 David, der mit seiner kleinen Tochter Lou flieht, weil es im eigenen Land zu wenig Wasser gibt. Es gibt Krieg um die Wasserbestände und noch vorhandenen Nahrungsmittel. Bei der Flucht werden sie getrennt von Davids Frau Anna und Lous Bruder August, der noch ein Säugling ist. Sie hoffen, im Flüchtlingslager wieder zusammenzufinden. Als die beiden in einem Garten ein verlassenes Segelboot finden, keimt Hoffnung auf.

    Mein Eindruck:
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    Nachdem ich "Die Geschichte der Bienen" begeistert verschlungen hatte, war ich sehr gespannt auf den 2. Teil. Auch diesmal bleibt die Autorin ihrem Stil treu, verknüpft mehrere Erzählstränge mit Hilfe eines bestimmten Gegenstandes miteinander. Durch das gegenseitige Unterbrechen der Handlungsstränge bleibt der Spannungsbogen konstant. Dieses mal ist die Geschichte weniger komplex aufgebaut, denn es gibt nur zwei Erzählstränge (der Plot der Vergangenheit fehlt). Zudem fand ich diesen Roman weniger informativ als der Band über Bienen. Lunde setzt diesmal ihren Schwerpunkt mehr auf die Gefühle und Beziehungen der Menschen, weniger auf den Umweltaspekt. Dieser rahmt die Handlung zwar ein und es gibt ein paar wenige Passagen, in der erklärt wird, wie es zu den verheerenden schlechten Zuständen kommen konnte, aber insgesamt war vieles nur angedeutet.

    "Ich nähere mich, muss klettern, um ganz nah heranzukommen, die Schnitte wurden dort gesetzt, wo der Gletscher am steilsten abfällt. Ich ziehe einen Handschuh aus, lege meine Hand darauf, das Eis lebt unter meinen Fingern, mein Gletscher, ein großes, ruhiges, schlummerndes Tier, aber auch ein verletztes Tier, und es kann nicht brüllen, in jeder Minute, jeder Sekunde, wird es angezapft, es liegt längst im Sterben." (S. 16f.)

    Mir fehlte stellenweise der aufklärerische Aspekt sowie der Hoffnungsschimmer. Der Roman war durchweg in einer erdrückenden Stimmung geschrieben. Zum einen waren die menschlichen Verluste an sich eine Tragödie, bei der ich schwer die Tränen zurückhalten konnte. Zum anderen liest sich der Roman so, dass es nichts gibt, was man tun könnte, um diesen Entwicklung aufzuhalten oder zu verlangsamen. Angesichts der Tatsache, dass da Jahr 2041 erschreckend nah an die Gegenwart angrenzt, lässt mich dieser Roman mit einer großen und hilflosen Beklemmung zurück. Sicherlich sind viele der Aspekte bekannt, die Lunde anklingen lässt. Doch über die konkreten Hintergründe und möglichen Gegenmaßnahmen wird der Leser im Unklaren gelassen.

    "Wasser hat keine eigene Farbe, es ist die Welt ringsherum, die ihm seine Farbe verleiht, die Spiegelung des Himmels, der Umgebung, Wasser ist nie einfach nur Wasser. Wasser nimmt alles auf und wirbelt um alles herum, mit dem es in Berührung kommt. Wasser ist Humus, Sand, Lehm, Plankton. Wasser färbt sich vom Boden, den es bedeckt. Wasser spiegelt die Welt." (S. 396)

    Das Buch war bis zum Ende spannend und flüssig geschrieben. Doch die Auflösung am Ende ließ mich leider leicht enttäuscht und ratlos zurück.

    Fazit:
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    Bei der Fortsetzung der Umwelt-Quadrologie liegt der Schwerpunkt leider zu sehr auf menschlichen Tragödien als Umweltaufklärung, trotzdem berührend und aufrüttelnd geschrieben.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Apr 2018 

    Eine Welt ohne Wasser?

    Norwegen, heute: Die fast 70 jährige Signe kehrt nach Jahren der Abwesenheit in ihren Heimatort zurück. Schon als Kind und Jugendliche war sie von der Wasserwelt der norwegischen Fjorde, Flüsse und Wasserfälle fasziniert. Animiert durch ihren Vater wurde sie zur Umweltaktivistin und entzweite sich von ihrer Mutter, die vom Kraftwerkbau in der Gemeinde profitierte. Nun aber soll vom Gletscher Eis abgebaut werden, damit in reichen Ländern der arabischen Welt gekühlte Drinks serviert werden können. Signe macht sich mit ihrem Segelboot auf nach Frankreich, wo sie ihre Jugendliebe Magnus aufstöbern will, den sie für diesen Skandal verantwortlich macht.
    Frankreich, 2041: Der junge Vater David ist mit seiner Tochter Lou auf der Flucht. Es gibt keine Wasserversorgung mehr, ein Brand hat die gesamte Existenz vernichtet. Von seiner Frau Anna und dem Baby August getrennt, gelangen David und Lou in ein Flüchtlingslager. Als die Umstände immer verheerender werden, finden die beiden in einem abgelegenen Schuppen ein Boot, das sie zu ihrem geheimen Zufluchtsort machen, einem Ort voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
    Eigentlich existiert noch eine dritte Zeitebene, denn Signe lebt strak in der Erinnerung an früher, als der Fluss ihrer Heimat noch nicht reguliert wurde und die Flora und Fauna urwüchsig war. Signe wird als sehr starker Charakter gezeichnet, eigenwillig, mitunter stur bis radikal. Eine Frau, die ihr Leben der Umwelt verschrieben hat und nicht davor Halt macht, unmögliche Wege zu gehen.
    David hingegen wirkt weich, die Not macht ihn zum Mitläufer, einzig seine Liebe zu seiner Tochter bringt ihn immer wieder zurück zu einer verantwortlichen Haltung. Seine Zukunft und die seiner Familie liegt offen, was bleibt ist ein winziger Tropfen Hoffnung.
    Das verbindende Element dieses Romans ist das Wasser, Quelle des Lebens und Überlebens. Für Menschen unserer hochtechnisierten überkonsumierenden Gesellschaft ist eine Welt ohne Wasser kaum vorstellbar, steht es uns doch in reiner verträglicher Form rundum zur Verfügung. Doch ganz so weit ist die Vorstellung einer wasserlosen Gesellschaft nicht entfernt, schon heute gibt es Länder in denen Wasser nur mehr reglementiert ausgegeben werden kann wie gerade derzeit in Südafrika. Wenn der Bezug von Wasser zum Privileg wird, sind Katastrohen vorherbestimmt. Maja Lunde erzählt davon, aufmerksam und kritisch. Ich war von der Geschichte des Wassers sowohl inhaltlich als auch die eindringliche Aussage betreffend überzeugt.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Apr 2018 

    Wasser, der Quell allen Lebens...

    Von Maja Lunde hatte ich bisher viel Gutes gehört, allerdings noch kein Buch gelesen. Mit „Die Geschichte des Wassers“ wollte ich dies nun ändern.

    In der Geschichte geht es, wie sollte es auch anders sein, um Wasser. Zum einen begleiten wir die 67- jährige Norwegerin Signe, die als Umweltaktivistin tätig war, auf ihrem kleinen Segelboot „der Blau“. Zum anderen sind wir dabei, wie Vater David zusammen mit seiner Tochter Lou auf der Flucht ist. Werden sie ihrem Schicksal entkommen können?

    Während die Handlung um Signe in der Gegenwart spielt, sprich im Jahr 2017, ereignen sich die Geschehnisse um David in der Zukunft, im Jahr 2041. Immer im Wechsel begleiten wir mal den einen, mal den anderen Hauptcharakter und beide fungieren jeweils in ihrem Handlungsstrang als Ich- Erzähler.

    Durch die beiden Handlungsstränge, die sich konstant abwechseln entstand mehr Spannung, denn meist endete ein Abschnitt mit einem kleinen Cliffhanger. Der Schreibstil Lundes lässt sich flüssig und leicht lesen, schnell konnte sie mich in die Geschichte hineinziehen.

    Etwas sonderbar empfand ich, dass stets das Thema Wasser und dessen Bedeutung im Fokus steht und nicht so sehr die handelnden Figuren. Auch wenn beide Protagonisten die Ereignisse aus ihrer Sicht schildern, fehlt die Nähe zu den Figuren. Zwar konnte ich mich durchaus in deren Lage versetzen, aber wirklich sympathisch war mir niemand in der Geschichte. Gerade David entwickelt sich im Verlauf der Handlung immer mehr zum Negativen.

    In meinen Augen gelingt es der Autorin das aktuelle Thema „Flucht und Flüchtlinge“ sehr eindringlich darzustellen. Ist die Situation im Lager anfänglich noch recht gut auszuhalten, spitzt sich die Lage immer mehr zu. Kämpfe um Nahrung, Medikamente und Wasser, davon möchte man selbst niemals betroffen sein. David ist zu Beginn noch recht zufrieden mit dem Lagerleben, doch mit der Zeit staut sich auch bei ihm Aggressivität an, die sich irgendwann Bahn bricht.

    Signe hingegen schwelgt auf ihrer Bootsfahrt in Erinnerungen an ihr bisher gelebtes Leben. Von klein auf lernen wir sie kennen und welche Veränderungen es in der sie umgebenden Natur gibt, die durch Menschenhand entstanden sind. Die Beschreibungen des Segelns in den Abschnitten um Signe fand ich etwas ermüdend.

    Der Roman stimmt in jedem Fall nachdenklich, denn ist wirklich jede Innovation notwendig oder sollte man sich lieber dem Schutz der Natur widmen? Für meinen Geschmack erzählt Maja Lunde stets mit einem leicht erhobenen Zeigefinger, was ich nur bedingt mochte.

    Das offene Ende hatte ich so nicht erwartet, finde es aber durchaus passend, denn in der Situation, in der sich die Protagonisten befinden, ist alles und nichts möglich.

    Fazit: Ein augenöffnendes Buch, das lesenswert ist und zum Nachdenken über das eigene Handeln anregt. Wer sich dem Thema Umweltschutz nicht völlig verschließt, bekommt hier angenehmen Lesegenuss geboten. Gute Unterhaltung!

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 08. Apr 2018 

    Wasser

    2017 ist Signe, eine 70 Jahre alte Umweltkämpferin, mit dem Boot von Norwegen nach Farnkreich unterwegs. Sie will ihre alte Liebe zur Rede stellen. Der Mann, der mitbeteiligt ist, an den Umweltsünden, die in Norwegen geschehen. Der Eisblöcke aus dem Gletscher Blåfonna schneiden lässt, um sie nach Saudi Arabien zu verkaufen, damit Reiche ihre Drinks mit besonderen Eiswürfeln trinken können. Auf ihrer Reise, mit ihrem Boot Blau („Blau“ ist übrigens der Norwegische Titel dieses Buches), lässt sie ihre Kindheit Revue passieren. Sie beschreibt die Umweltveränderungen in ihrem Heimatland und wie sie ihre Liebe fand und wieder verlor.

    2045 kämpft David mit seiner fünfjährigen Tochter Lou gegen die Hitze in seiner Heimat Frankreich und ist auf der Flucht vor der Wasserlosigkeit. Sie wurden von Lou‘s Mutter Anna und dem kleinen Bruder August getrennt und hoffen darauf, sie in einem bestimmten Flüchtlingslager zu treffen. Viele warten, so wie die Beiden, auf Hilfe, doch Wasser ist knapp und Nahrung ebenso. Vater und Tochter halten zusammen und erkunden die Umgebung des Lagers. Sie finden ein Boot, das sie zeitweise ablenkt und für Hoffnung sorgt. Es ist Signes Boot, das ihnen Hoffnung gibt.

    Das zweite Buch dieser Norwegischen Schriftstellerin klagt erneut die anstehenden Veränderungen dieser/unserer Erde an. Dieses Mal, geht es um unser Hauptnahrungsmittel, Wasser. Was wird sein, wenn es nicht mehr da ist? Nahrung, die gepflanzt, gezogen und zubereitet werden muss. Wie soll das ohne Wasser gehen? Und sie klagt an, wie wir derzeit mit unserem Wasser umgehen. Wieso verschwenden wir es und fördern damit, dass es uns eines Tages ausbleiben wird?
    Maja Lunde hat einen sehr lesbaren und ergreifenden Roman geschrieben. Ihre Hauptakteure sind schnell in unserem Herzen und es macht Laune, dieses Buch zu lesen. Die Autorin versteht es, immer wieder den Blick auf die Umweltsünden zu lenken, ohne zu langweilen. Ist es wirklich so, dass wir unsere Welt dermaßen ausnutzen und zerstören? Nur weil wir mehr Luxus wollen? Sollten wir nicht mehr darauf achten, dass wir auch unseren Kindern und Enkeln eine Welt hinterlassen, die für jeden Lebenswert ist?
    Maja Lund hat einen besonderen Roman geschrieben. Lasst uns ein wenig nachdenken und die Umwelt schonen und schützen! Denn, was wären wir ohne Wasser? NICHTS