Die geheime Mission des Kardinals

Rezensionen zu "Die geheime Mission des Kardinals"

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    3
    (3 von 5 *)
     - 17. Sep 2019 

    Der Aufrechte

    Im Jahr 2010 leben Christen und Muslime relativ friedlich nebeneinander in Damaskus. Kommissar Zakaria Barudi blickt nach über 40 Dienstjahren seiner Pensionierung entgegen. Noch einen Fall möchte er aufklären. Es geht um den Tod eines Kardinals, der in einem Ölfass an die italienische Botschaft geliefert wurde. Warum war der Kirchenvertreter im Land und weshalb wurde er ermordet? Zunächst gibt es wenige Anhaltspunkte und der Kommissar stößt bei seinen Nachforschungen auf Widerstand.

    Obwohl man meinen könnte, es handelte sich bei diesem Handlungsrahmen um eine kriminalistische Geschichte, greift diese Beschreibung wohl zu kurz. Am Ende seines Arbeitslebens angelangt, zieht Kommissar Barudi Bilanz. Der Enthusiasmus zu Beginn seiner Laufbahn ist der harten Realität gewichen. Dem Regime ist nicht immer an einer ordentlichen Aufklärung gelegen. Etwas, was der Kommissar nicht vermissen wird. Seine allzu früh verstorbene Frau vermisst er dagegen immer noch schmerzlich. Doch ist mit dem Eintritt ins Pensionärsdasein nicht auch eine Zäsur des Lebens verbunden? Könnte er nicht einen Neubeginn wagen? Erstmal jedoch muss er herausfinden, von wem der Kardinal getötet wurde. Hilfe findet er bei dem italienischen Kommissar Mancini.

    Über die reine Krimihandlung hinaus wird ein Bild der Gesellschaft in Damaskus gezeichnet. Kommissar Barudi, der mit Religion nicht mehr viel am Hut hat, ist abgeklärt und desillusioniert. Seine Arbeit war ihm zwar immer wichtig und er hat sie gewissenhaft ausgeführt, aber den Anforderungen des Regimes mochte er nie genügen. Nun freut er sich schon auf die kommende Pensionierung. Sein Kollege aus Italien ist ein echter Lichtblick, wobei die beiden durchaus Parallelen in der Organisation ihrer Behörden feststellen können. Noch ist alles relativ friedlich, doch der kommende Bürgerkrieg wirft erste Schatten voraus. Die eindringliche, schonungslose und ausführliche Schilderung der Verhältnisse bietet einen interessanten Überblick über das Leben in Damaskus. Gekonnt wird dieses Hörbuch vorgetragen von Udo Schenk und Jürgen Tarrach. Ist man mit arabisch-stämmigen Autoren nicht so vertraut bietet das Hörbuch eine sehr gute Alternative zum Buch.

    3,5 Sterne