Die Frauen von La Principal: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Frauen von La Principal: Roman' von Lluís Llach
4.5
4.5 von 5 (4 Bewertungen)

Maria weiß, die Entscheidung ist längst gefallen: Ihr Vater geht mit den vier Brüdern nach Barcelona, sie selbst muss bleiben. Als die einzige Tochter soll sie das verwalten, was nach dem Sommer 1893 vom Weingut La Principal übrig ist. Für sie die Enttäuschung ihres Lebens, für alle anderen im Dorf der Beginn einer neuen Zeit. Denn Maria findet überraschend einen Weg, mit viel Mut und noch mehr Eigensinn verwandelt sie La Principal in das Anwesen von damals und sich selbst in die mächtigste Frau ihrer Heimat, ein Leben lang bewundert, ein Leben lang beneidet. Doch als man am Vorabend des Spanischen Bürgerkriegs eine Leiche findet, wird Marias Vermächtnis an die Tochter zu einer gefährlichen Bürde … Die Frauen von La Principal ist ein Roman über die Wärme und Kraft der eigenen Heimat. Lluís Llach erzählt darin eine Geschichte von Müttern, von Töchtern und Schwestern, von all denjenigen, die sich hingebungsvoll einer Aufgabe widmen und ihr Glück erkämpfen – ein Lebensglück, das so schillernd und flüchtig bleibt wie der Lichtschein an den Weinhängen ihres Dorfes.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:319
Verlag: Insel Verlag
EAN:9783458176725

Rezensionen zu "Die Frauen von La Principal: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Mär 2017 

    Die drei Marias auf La Principal

    Wer heutzutage nicht den Erwartungen der Gesellschaft entspricht, hat es meist schwerer als die vielen angepassten MitläuferInnen. Doch um wieviel schwieriger gestaltete sich das Leben erst für Frauen in einer Welt, die nicht nur im Alltag von Machos dominiert wurde, sondern auch in einem beruflichen Umfeld wie dem Weinbau? Und das Alles zudem vor mehr als 100 Jahren? Doch die drei Marias des großen und berühmten Weingutes La Principal wissen sich zu behaupten: die erste gegen ihre Brüder, die ihr ihr Erbe neiden. Die Zweite, ihre Tochter, gegen die Folgen der Revolution und der Missachtung der Wahl ihres Gatten. Und die Dritte schließlich gegen den ganz alltäglichen Chauvinismus in der heutigen Geschäfts- wie auch Wissenschaftswelt. Alle Drei bringen das Weingut zu großem Ruhm und leben IHRE Leben, die in diesem Roman erzählt werden.
    Es ist eine, nein, es sind mindestens zweieinhalb (die dritte Maria spielt eher eine Nebenrolle) mitreißende und spannende Geschichten, die mehr als ein ganzes Jahrhundert umfassen. Zudem gibt es noch einen Kriminalfall, der in der ersten Hälfte des Buches eher am Rande mitläuft, bis er gegen Ende dann doch in den Mittelpunkt rückt. Was meiner Meinung nach nicht notwendig gewesen wäre, denn die Geschichte der drei Frauen und damit die des Weingutes ist auch so bereits interessant genug. Für meinen Geschmack hätten zudem die historischen Hintergründe gerne vertieft werden dürfen, aber man kann wohl nicht alles haben ;-)
    Bemerkenswert ist die Sprache des Autors (und damit auch der Übersetzerin). Trotz des eigentlich ernsten Themas klingt immer wieder sein Wortwitz hervor, der die Lektüre dadurch richtig amüsant werden lässt. Ein paar Beispiele: 'Sitzmöbel, die das Ungleichgewicht zur Tugend erhoben, waren mit Vorsicht zu genießen...' (S. 10, zum Schaukelstuhl). 'Er konnte sich fröhlich seinen Seitensprüngen widmen, und weil eine Gießkanne zwei Blumentöpfe begoss, hatten diese mehr Ruhe.' (S. 32). 'So sind die Reichen nun mal, erst kümmern sie sich um die Kiste mit dem Geld, dann um die Kiste für die Leiche'. (S.94).
    Lediglich das Ende, das beinahe alle Fragen klärte, empfand ich in dieser Form unnötig. Es passte so gar nicht zum bisherigen Erzählstil und wirkte auf mich, als ob unbedingt irgendwie die Antworten angefügt hätten werden müssen. Ich hätte darauf gerne verzichtet, auch wenn es bedeutet hätte, dass ich nie die ganze Wahrheit erfahren würde ;-)

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Aug 2016 

    Ein sehr kritischer und interessanter Gesellschaftsroman

    Wow, das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es hat mich recht nachdenklich gestimmt. Ein männlicher, spanischer Autor, der sich für die (sexuellen) Bedürfnisse einer Frau einsetzt, hat mir imponiert. Aber nicht nur ... Ein sehr kritischer Roman in mehrerer Hinsicht; Familie (Auflehnung gegen tradierte Geschlechterrollen und sexuelle Orientierung), Gesellschaft und Kirche.

    Das Buch hat mich überrascht wegen dem kriminalistischen Akt, mit dem ich nicht gerechnet habe. Wir befinden uns im Jahr 1940, und ich war erstaunt darüber, als die Geschichte über einen vor vier Jahren (1936) begangenen Mord berichtet, der aufgeklärt werden soll. Ich werde mich diesbezüglich nicht weiter äußern, um anderen LeserInnen nicht die Spannung zu nehmen. Obwohl ich keine Krimileserin bin, fand ich ihn wirklich gut … Die letzten zwanzig Seiten haben sich ein wenig gezogen, nachdem man als Leserin geglaubt hat, der Mordfall sei bereits ausreichend aufgeklärt und abgeschlossen. Der Autor weiß es, seine Leserschaft prächtig zu unterhalten …

    Anfangs war ich von den vielen spanischen Namen ein wenig irritiert, da mir die Figuren noch alle unbekannt waren. Dies legte sich aber wieder. Man kommt gut rein in die Szenen und sie lesen sich recht flüssig.

    Die Geschichte mit politischem Hintergrund findet in Spanien statt, um genauer zu sein in Katalonien, im abgelegenen Dorf namens Pous, wo das Anwesen La Principal steht. Der Roman behandelt drei Generationen. Er beginnt 1940, man wird als Leserin durch eine Erzählerin aus La Principal in die Epoche 1893 zurückgeführt, als ein Inspektor sein Interview bei einer Bediensteten des Anwesens startet ...

    In allen drei Generationen tragen die Protagonistinnen denselben Namen Maria. Das fand ich erst auch sehr irritierend, da ich Mühe hatte, sie auseinanderzuhalten. Ich malte mir dann selbst einen Stammbaum auf, den ich aber langfristig gar nicht gebraucht hätte. Mit jeder zunehmenden gelesenen Seite wurden mir die Marias und die anderen Romanfiguren allmählich vertraut. Aber nicht nur ich als Leserin war irritiert, sondern auch die Maria aus der dritten Generation. Ihr neunzigjähriger Vater Llorenc Costa hatte ein Buch über das ganze Procedere dieser Familienchronik und deren Problematik geschrieben und gibt es 2001 seiner mittlerweile sechzigjährigen Tochter Maria zu lesen:

    Zitat:

    "Also, zuerst habe ich überhaupt nichts kapiert, ständig bin ich mit den Marias und den Epochen durcheinandergekommen und musste zurückblättern, um mich zurechtzufinden." (2016, 216).

    Das war so die einzige Hürde, die ich auf den ersten fünfzig Seiten überwinden musste, als ich mir dann schließlich alle ProtagonistInnen, die der Familie Andreu Roderich und seiner Frau Maria abstammten, merken konnte.

    Aber dieses Verzwickte, immer wieder von der einen Epoche in die andere zu springen, von der einen Maria zur anderen, das hat mir dann schließlich Spaß gemacht. Das habe ich im Nachhinein wie mentale Akrobatik erlebt.

    Doch die Einschätzung bzw. die Charaktere der Figuren aus der ersten Generation konnten mich auch nicht täuschen, trotz der Beschreibung des Klappentexts. Ich wusste, dass die junge Maria Roderich, das einzige Mädchen unter ihren vier männlichen Geschwistern, von ihrem Vater auf dem zweiten Blick nicht benachteiligt wurde … Auch hier halte ich mich weiter bedeckt.

    Was mich tief beeindruckt hat, waren die Marias aus der ersten und der zweiten Generation, wie sie als Frauen mit der Macht ihres Anwesens und der Dorfbevölkerung umgingen. Aber auch die Maria aus der dritten Generation hatte es nicht leicht, als ein autonomes, freies, sexuelles Wesen von den Männern anerkannt und akzeptiert zu werden. Insgesamt waren es starke Frauen, die sich gegen die verschiedenen Männerdomänen sehr gekonnt und beherrscht durchzusetzen wussten ...

    Die Beziehung zwischen Maria Magi und dem Homosexuellen Llorenc Costa fand ich spannend, in welcher Beziehungskonstellation sie hauptsächlich schon von Kindesbeinen an und in unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten trotzdem sexuell zueinander fanden.

    Mein Fazit zu dem Buch?

    Das Buch hat mir so gut gefallen, dass ich es irgendwann ein weiteres Mal lesen möchte. Ich halte den Autor für sehr emanzipiert, indem er in seinem Roman hauptsächlich den Frauen seine Stimme leiht. Als Mann ist es ihm sehr gut gelungen, sich in das andere Geschlecht und deren Bedürfnisse hineinzuversetzen.

    Außerdem ist das Buch sehr fantasievoll geschrieben. Mir hat seine literarische Sprache insgesamt sehr zugesagt. Den Inhalt fand ich historisch recht glaubwürdig und die Charaktere jeder Figur differenziert und authentisch.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 08. Mär 2016 

    Starke Frauen

    Inspektor Lluis Recader kommt 1936 zum ersten Mal nach Principal. Er ist ein junger enthusiastischer Polizist, der von seiner Mutter die Liebe zum klassischen englischen Kriminalroman mitbekommen hat. Ein Toter vor den Toren des Gutes wurde gemeldet, es ist Ricardo, ein ehemaliger Arbeiter des Hofes, der mit zahlreichen Messerstichen in den Unterleib getötet wurde. Doch wir stehen am Ausbruch des Bürgerkriegs und Recader, ein glühender Nationalist, zieht in den Kampf gegen Republikaner und „Rote“. Er erwirbt sich Meriten als tapferer Kämpfer und kompromißloser Verhörer, der Folter und Henker im Dienst des Franco Regimes in Kauf nimmt.
    1940 kehrt er jetzt zurück und der ungelöste Fall erweckt noch immer seine Neugierde. Auf La Principal nimmt er seine Nachforschungen wieder auf, trifft aber anfangs nur Ursula, eine alte Dienerin an, die in Rückblenden von ihrer Herrschaft erzählt.
    Die Rückblenden und Erinnerungen, die angenehm abgesetzt in Kursiv gedruckt sind, reichen bis in die 1890 Jahre zurück, als Maria Roderick von ihrem Vater zur Verwalterin und Erbin des Gutes eingesetzt wird. Nicht aus Liebe, nein – nur aus Kalkül. Die gefürchtete Reblaus hat sich bis in die Rebstöcke des Gutes ausgebreitet. Seinen Söhnen ermöglicht er komfortable Karrieren in Barcelona, erwirbt für sie Immobilien und prächtige Wohnsitze. Die Schwester wird zur Verwaltung des nun wertlosen Guts in die Provinz verbannt, quasi lebendig begraben. Aber Maria ist eine starke Persönlichkeit, nicht nur, dass sie das Gut wieder rentabel macht, sie kann ihrer einzigen Tochter Maria Magi Roderick ein wertvolles Erbe hinterlassen, das aber durch den Toten mit einem Geheimnis umgeben ist.
    Llach wählt eine sehr interessante Perspektive, er siedelt einen großen Teil des Romans in der Mitte der Geschichte an. Zwei der Frauen des Hauses werden in Rückblenden und Erinnerungen lebendig.Die Geschichte ist nicht linear erzählt, sondern springt zwischen den vergangenen Generationen und der Gegenwart hin und her und lässt den Leser, ähnlich wie den Inspektor, nur langsam in die Familiengeheimnisse eintauchen. Die weiblichen Figuren, ob Senyoras oder Dienerinnen, sind starke, erdverbundene Frauen, die sich in Zeiten des Machismo gut zu behaupten wissen, genau wie die dritte Generation der Marias, die sich in der Gegenwart als Geschäftsfrau etabliert. Erstaunlich fand ich, dass ich trotz Inspektors Recaders Vergangenheit als Folterknecht Francos und glühender Verteidiger des Francoregimes, seine Figur als empathisch empfand.
    Gegen Ende des Romans tauchte die dritte Maria auf, Enkelin der legendären Maria Roderick, die als ältere, erfolgreiche Frau zurückgekommen ist, um ihren greisen Vater bei der Vewaltung des Weinguts zu unterstützen. Vom ihm erfährt sie von den Geheimnissen des Mordes und ihren Vorgängerinnen, etwas was der Leser natürlich schon kennt oder zumindest ahnt. Das empfand ich als Abschwächung, es scheint, dass der Autor so wenig von Logik der Geschichte überzeugt ist, dass er dem Leser anhand der Erzählungen des Vaters noch einmal die Motive und Lösungen aufzählt. Auch Sprache und Stil sind im letzten „modernen“ Teil bei weitem nicht so kraftvoll und farbig wie zuvor. Das finde ich sehr schade und daher bleibt es bei 4 Sternen.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Feb 2016 

    Die Familiensaga der Principals

    Im Jahre 1893 vermachte Maria Roderichs (die Alte) Vater ihr das Weingut der Principals weil dieser dachte das die Reblaus alles vernichten würde. Er dagegen geht mit seinen 4 Söhnen die alle studieren nach Barcelona. Was der Vater als das beste für Maria sieht, empfindet sie als Schmach und Gefängnis. Allerdings rettet Maria diese Weingut und kurz darauf verstirbt der Vater und durch diese Erbe kommt es zum Zwist mit ihren Brüdern.
    Maria heiratet Narcis den sie eigentlich nicht von Herzen liebt, doch er schenkt ihr eine Tochter Maria Magi die dann auch nach dem Tode ihrer Mutter das Gut weiter führt. Sie fängt auch ein Verhältnis mit Llorenc dem Sohn der Köchin an, der eigentlich schwul ist aber auch gleichzeitig Maria liebt. Obwohl es nicht standesgemäß ist, aber Maria ist total ihn ihn verliebt, lässt ihm aber jede Freiheiten seine Vorlieben auszuleben.
    Dann liegt eines Tages ein Sack vor der Gutstüre mit der Leiche von Llorenc´s ehemaligem Geliebten und er wird von Inspektor Recader
    verdächtigt.

    Meine Meinung:
    Diese Familiensaga, so lange sie auch sein mag hat etwas, der Autor schildert das ganze in unterschiedlichen Zeitformen. Wir fangen an im Jahr 1893 bis 2001 als Llorenc seiner Tochter Marie sein Skript zu lesen gibt in dem diese ganze Geschichte enthalten ist. Das schwierigste für mich waren diese viele Marias, den jede weitere Tochter hiess Maria. Nur gut das der Autor einer jeden einen zusätzlichen Namen oder einen eigenen Charakter gab.
    Aber ansonsten fand ich das Leben der Frauen sehr interessant, da sie in einer Zeit aufwuchsen wo der Feminismus noch nicht war und trotzdem haben sich diese Frauen gegen die Männer behauptet.
    Ein Buch überzeugt durch Feminismus, Homosexualität, Krimi und einen Hauch Erotik.
    Das Cover passt für mich jetzt nicht ganz so, hätte mir was anderes gewünscht.
    Mich hat der Autor Lluis Llach voll überzeugt, den er hat einen sehr guten Schreibstil der diese Saga auch nie langweilig machte.
    Für mich ein gelungenes Erstingswerk.