Die Frauen der Rosenvilla: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Frauen der Rosenvilla: Roman' von Teresa Simon
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Frauen der Rosenvilla: Roman"

Im Garten der Villa verbirgt sich ihr Geheimnis ...


Anna Kepler, Erbin einer alten Schokoladendynastie, hat gerade ihre zweite Chocolaterie in der Dresdner Altstadt eröffnet. Auch die Familienvilla hat Anna wieder in Familienbesitz gebracht. Als sie den legendären Rosengarten, der der Villa einst ihren Namen gab, neu anlegt, stößt sie auf eine alte Schatulle. Sie enthält das Tagebuch einer Frau, die vor hundert Jahren in der Villa gelebt hat. Doch Anna hat noch nie von dieser Emma gehört und begibt sich auf Spurensuche. Dabei stößt sie auf ein schicksalhaftes Familiengeheimnis ...


Autor:
Format:Kindle Edition
Seiten:449
Verlag: Heyne Verlag
EAN:

Rezensionen zu "Die Frauen der Rosenvilla: Roman"

  1. Verwirrend, mit Potential nach oben

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 09. Nov 2018 

    Worum es geht
    In der Dresdner Altstadt hat Anna Kepler gerade ihre zweite Chocolaterie eröffnet. Beide Geschäfte betreibt sie mit großer Leidenschaft, ebenso wie die Renovierung der Rosenvilla. Bei der Neubepflanzung des Gartens stößt Anna auf eine Kassette, die neben alten Erinnerungsstücken auch Tagebuchfragmente enthält. Beim Ordnen der Blätter entdeckt Anna, dass es sich dabei um die Einträge dreier Frauen handelt, die in der Familie aber nie erwähnt wurden.
    Voller Neugier macht sie sich mit Hilfe ihrer Freundin Hanka an die Lösung des Rätsels.

    Wie es mir gefallen hat
    Der Anfang war zwar recht vielversprechend, doch im weiteren Verlauf ist die Geschichte für meinen Geschmack allzu ungeordnet verlaufen. Die in der Vergangenheit spielenden Handlungsstränge werden nicht chronologisch erzählt, wodurch die Verwirrung steigt, und auch die Charaktere der drei Frauen sind viel zu wenig ausgereift. Gerade hier liegt meiner Meinung nach viel Potential, das die Autorin leider nicht voll ausgeschöpft hat. Das Ende des Romans fand ich ebenfalls sehr enttäuschend, da die durchaus spektakuläre Auflösung auf wenigen Seiten, fast wie nebenbei, abgehandelt wurde.
    Anna Kepler ist eine sympathische junge Frau, die weiß, was sie sich vom Leben erwartet und unbeirrt ihren Weg geht. Beruflich hat sie ja bereits ihre Erfüllung gefunden, in Annas Privatleben hingegen sieht es nicht so rosig aus wie in ihrem Garten. Die Art, wie sie ihren Traummann kennenlernt, mag ja noch akzeptabel sein, wie ihn die Autorin aber mit Annas Familiengeschichte in Verbindung bringt, kommt mir dagegen ziemlich weithergeholt vor.
    Vielleicht hätte dem Buch ein Pralinenrezept weniger, dafür aber mehr Hingabe an die Ausarbeitung des Inhalts doch recht gut getan.

    © Sylli

  1. Frauen, Rosen und Schokolade

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 18. Jan 2018 

    Anna ist ein Dresdner Schokoladenmädchen. Sie liebt Schokolade, und mit ihren zweiunddreißig Jahren hat sie sich etwas flirrend Mädchenhaftes bewahrt. Als Erbin einer alteingesessenen Dresdner Schokoladendynastie tritt sie in die Fußstapfen ihres Großvaters und kreiert feinste Schokoladenprodukte. Denn Anna besitzt den erlesenen Geschmackssinn ihres Großvaters.

    Gleichzeitig schlägt ihr Herz für Rosen. Und sie träumt von einer Familie, einem Mann, Kindern, doch noch ist ihr das Glück nicht hold gewesen. Bis auf die letztgenannten Dinge könnte es ansonsten nicht besser laufen. In der Altstadt ihrer sächsischen Heimat hat sie ihr zweites Geschäft eröffnet und zugleich die ehemalige Familienvilla zurückgekauft. Deren Garten soll wieder das werden, was er einst war. Ein Paradies für Rosen. Anna will, dass die Rosenvilla im alten Glanz erstrahlt.

    „Ich möchte… das Gestern in das Heute einladen und sehen, wie die beiden sich vertragen.“ (Seite 25)

    Während der ersten Arbeiten wird im Garten eine vergrabene Schatulle gefunden, die neben einer zerrissenen Perlenschnur, Babyhärchen und einer Spiegelscherbe unter anderem ein Bündel verblasster Briefe, die Fotografie einer Frau, die Anna wie aus dem Gesicht geschnitten, ihr aber völlig unbekannt ist, und unzählige lose, wie aus einem Tagebuch herausgerissene Blätter offenbart. Anna lässt sich in die Vergangenheit entführen und entdeckt bei ihren Recherchen mit Hilfe ihrer Freundin Hanka bislang achtsam gehütete Geheimnisse ihrer Familie, die bis ins Jahr 1892 zurückreichen und deren vorhandenen Verbindungen erst nach und nach sichtbar werden und damit selbst Einfluss auf Anna und ihr Leben nehmen.

    Teresa Simon schreibt in „Die Frauen der Rosenvilla“ mit Leidenschaft über Schokolade und Rosen und verlockt einen, das Buch nicht ohne eine süße Nascherei zu lesen, um danach im Garten den Duft der Rosen zu genießen. Eine zauberhafte sinnenfreudige Kombination, die gelungen und glaubhaft ist, weil nicht nur die Begeisterung der Autorin für Rosen deutlich wird, sondern sie ebenfalls besondere Mühe bei der Beschreibung der Pralinenherstellung gegeben hat. Als Bonbon wartet das Buch am Ende mit sechs Pralinenrezepten und der Anleitung für einen selbst gemachten Eierlikör auf.

    „Anna schloss die Augen und schmeckte nach. Ja, so konnte Schokolade eben sein, wenn sie mit Wissen und Liebe zubereitet wurde: mild und sinnlich, dunkel und üppig, seidig und glatt, himmlisch und luxuriös. Ruin oder Glück, Vergnügen oder Ekstase – und vor allem Trost. Und sie half beim Denken.“ (Seite 88)

    Die Autorin schildert die Geschichten der Frauen der Rosenvilla in Zeitsprüngen. Neben Anna im Jahre 2013 sind es drei Frauen, die ihre „Gefühle und Gedanken in freudigen und schlimmen Zeiten“ von 1892, 1919 und 1938 zu Papier bringen – Helene, Emma und Charlotte. Und obwohl – dank unterschiedlicher Schriftarten – immer zu erkennen ist, welche Frau erzählt, ist der ständige und oft unvorhergesehene Wechsel eine Herausforderung, weil so die gerade aufgebaute emotionale Verbindung zur jeweiligen Protagonistin unweigerlich unterbrochen wird und dann erst einige Seiten weiter wieder eine Verknüpfung erfährt. Zwar folgen die Zeitsprünge keinem nachvollziehbaren konsequenten Rhythmus, so dass sich erst nach einer Weile Zusammenhänge erschließen, doch das Geschehen zieht einen letztlich trotzdem in den Bann.

    Daneben schafft es die Autorin nicht nur, die jeweiligen historischen Hintergründe – sei es die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts oder die Situation beider Weltkriege – detailliert darzustellen und mit dem Schicksal der Schokoladenfabrik und ihrer Besitzer sowie der Menschen zu verbinden, sondern auch die Stadt Dresden in die Handlung einzufügen, so dass die Lust auf einen Besuch der sächsischen Hauptstadt wächst. Hierin zeigen sich Teresa Simons Stärken.

    „Manchmal hasse ich diese Rosen beinahe, weil sie so schön und unberührbar sind. Sie blühen und vergehen. Nichts kümmert sie. Auch nicht, was mit uns Menschen geschieht.“ (Charlotte 1938, Seite 107)

    Ebenso untermauert die Autorin hinsichtlich ihrer Protagonisten ihre Fähigkeit, dass sie deren Charaktere mit Einfühlungsvermögen in Szene setzen kann. So weisen ihre Heldinnen Formate auf, die einen deren vergangenes und gegenwärtiges Schicksal und den Reigen aus Liebe und Hass, Leidenschaft und Verlangen, Freundschaft und Respekt, Neid und Missgunst, Hoffnung und Vergebung mitempfinden lassen.