Die Frau mit den grünen Augen

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Frau mit den grünen Augen' von Eliot Pattison
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4 von 5 (1 Bewertungen)

Shan, der ehemalige Ermittler aus Peking, ist zum Polizisten ernannt worden. Als eine alte Nonne niedergeschlagen wird, versucht er, den Täter ausfindig zu machen – und gerät gleich in Schwierigkeiten. In einer Gruft, die von der Nonne bewacht wurde, werden drei Leichen gefunden: ein alter Lama, der als Heiliger verehrt wird, ein Soldat, der seit ungefähr fünfzig Jahren tot ist – und ein etwa vierzigjähriger, westlich gekleideter Mann, der allenfalls vor ein paar Stunden ermordet wurde. Shan findet heraus, dass der Tote ein Amerikaner ist, dessen Mutter vor vielen Jahren aus Tibet in die USA geflohen ist. Zeugen meinen, eine Frau an dem Grabmal gesehen zu haben: eine Frau mit auffällig grünen Augen.

Format:Kindle Edition
Seiten:400
EAN:

Rezensionen zu "Die Frau mit den grünen Augen"

  1. bewertet:
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    (4 von 5 *)
     - 18. Aug 2018 

    Dämonen

    Von seinem alten Widersacher Oberst Tan wurde Shan in einer abgelegenen Gemeinde Tibets als Polizeiwachtmeister eingesetzt. Das hätte er sich nach dem langen Gefängnisaufenthalt auch nicht träumen lassen. Wirklich frei ist Shan natürlich nicht, dafür dass er seinen Sohn hin und wieder für ein paar Tage sehen darf, musste er den Posten übernehmen. Zu Tans Leidwesen dauert es nicht lange und Shan findet einen westlich gekleideten Toten in einem alten Grab. Damit nicht genug, neben einer uralten Leiche wird ein toter Chinese gefunden, der wohl schon seit ca. 50 Jahren tot ist. Und Teil eines unangekündigten Gefangenentransports ist eine Frau mit auffallend grünen Augen.

    Auch wenn es bereits der neunte Auftritt von Shan ist, kommt in keinem Moment Langeweile auf. Wie hier das widersinnige Streben der Herrschaftsmacht China gegen die tibetische Kultur, gegen den Reichtum der hergebrachten Sagen und ihre Verknüpfung mit den Lehren des Buddhismus in aller Absurdität beschrieben wird, ist einfach immer wieder fesselnd. Freut man sich im ersten Moment, dass Shan der Hölle des Gulags entkommen ist, währt diese Freude nicht lange, denn schnell erfährt man, an welche Bedingungen die vermeintliche Freiheit geknüpft ist. Nicht nur das, auch auf seiner Wache hat es Shan nicht leicht, gegen die Dorfoberen zu bestehen. Schnell wird er verdächtigt mit den einheimischen und nur geduldeten Tibetern gemeinsame Sache zu machen.

    Gekonnt gibt der Autor einen Abriss über das Leben der Tibeter in ihrer eigenen Provinz unter der chinesischen Herrschaft, ohne dabei belehrend zu wirken. Geschickt wird die Geschichte des Toten mit der Geschichte des Landstrichs verwoben. Warum nur wird die tibetische Bevölkerung dermaßen unterdrückt? Was ist so schlimm an ihrer eher friedliebenden Kultur? Außer, dass sie eben nicht chinesisch ist. So plastisch beschrieben, dass man beinahe glauben könnte, man wandele selbst durch die Hochebenen und sehe die Gebetsfahnen. Man glaubt den leisen und beinahe humorigen Widerstand spüren, den die Tibeter leisten. Man empfindet die leichte Hoffnung der Jugend, die nie enttäuscht werden sollte. Gleichzeitig verfolgt man einen spannenden Fall, in dem man schließlich erfährt, warum ein jüngerer Mann mit westlicher Kleidung sterben musste.

    Eine Serie, deren Bücher immer wieder fesseln und die lehrreich sind, ohne zu belehren.

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