Die Farben des Feuers: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Farben des Feuers: Roman' von Pierre Lemaitre
4.35
4.4 von 5 (6 Bewertungen)

Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs regieren Habgier und Neid in den Straßen von Paris, und so bahnt sich ein Komplott an, um das mächtige Bankimperium Péricourt zu Fall zu bringen. Doch Alleinerbin Madeleine weiß, die Verhältnisse in Europa für sich zu nutzen, und dreht den Spieß kurzerhand um.

Als der berühmte französische Bankier Marcel Péricourt im Jahr 1927 verstirbt, steht seine Tochter Madeleine, deren Exmann nach einem landesweiten Skandal im Gefängnis sitzt, plötzlich völlig allein an der Spitze eines Bankimperiums – in einer Epoche, in der es Frauen nicht einmal gestattet war, selbst einen Scheck zu unterschreiben. Während Gustave Joubert, der Prokurist der Bank, Charles Pericourt, Madeleines verschwenderischer Onkel, und André Delcourt, ihr Liebhaber mit dichterischen Ambitionen, um die junge Erbin und ihren Sohn schwirren wie Motten um das Licht, zeichnen sich am Horizont bereits die Vorboten des Zweiten Weltkriegs ab. Im Schatten von Börsenskandalen und politischen Wirrnissen arbeiten die Neider auf das Verderben der Familie hin. Doch für Madeleine ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Um ihres Sohnes willen beginnt sie ihren ganz persönlichen Rachefeldzug zu planen.

Format:Kindle Edition
Seiten:479
Verlag: Klett-Cotta
EAN:

Rezensionen zu "Die Farben des Feuers: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Mai 2019 

    Das Feuer der Rache

    Dies ist das zweite Buch von Pierre Lemaitre, welches mir vor die Augen kam und ich muss sagen, ich habe es mit deutlichem Genuss gelesen. Die Sprache von Lemaitre gefällt mir sehr, dieser etwas ironisch boshafte Unterton beim Beschreiben menschlicher Eigenschaften hat etwas. Dann diese Spannung, der Autor hat die wunderbare Fähigkeit in seinen Romanen eine immense Spannung zu erschaffen, die die Leser mitreißt. Man kann dieses Buch nicht weglegen und liest es fast wie in einem fiebrigen Wahn. Was hier auch erwähnt werden muss ist die Akribie, in der der Autor sich über vergangene Epochen schlau gemacht hat und hier eine vergangene Welt vor den Augen der Leser entstehen lässt und damit auch einen gewissen Bildungsauftrag erfüllt.

    Zum Roman: Wir haben hier eine Entwicklungsgeschichte vor uns. Die Entwicklung der Madeleine Pericourt. Madeleine Pericourt, die Tochter von Marcel Pericourt, muss den Tod ihres Vaters hinnehmen. Bei der Beerdigung des Vaters verunglückt noch ihr Sohn Paul unter etwas mysteriösen Umständen. Zwei Schicksalsschläge für Madeleine Pericourt. Die etwas naive Frau steht nun in einer Zeit, in der Frauen nicht viel zu sagen hatten, an der Spitze eines Bankimperiums. Sie vertraut ihrer Umgebung. Ein folgenschwerer Fehler! Madeleine und ihr Sohn Paul fallen tief und Madeleine wird enttäuscht und tief verletzt, weiß aber auch um ihre eigenen Fehler. Die Gefühle und die Art der Madeleine werden aber im Laufe der Handlung stark verwandelt. Am Anfang des Romans ein naives Frauchen, mutiert sie im Laufe des Romans zu einer Rachegöttin.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Mär 2019 

    Der persönliche Rachefeldzug

    Paris im Jahr 1927: Der bekannte französische Bankier Marcel Péricourt stirbt und wird zu Grabe getragen. Seine 36-jährige Tochter Madeleine steht plötzlich alleine an der Spitze des Bankenimperiums. Ihr Exmann sitzt nach einem landesweiten Skandal im Gefängnis, ihr Sohn Paul (7) ist nach einem Sturz querschnittsgelähmt. In einer Zeit, in der Frauen wenig Rechte haben, buhlen Gustave Joubert, der Prokurist der Bank, Charles Pericourt, Madeleines verschwenderischer Onkel, und André Delcourt, ihr Liebhaber mit dichterischen Ambitionen, um die Gunst der Erbin. Währenddessen arbeiten die Neider auf das Verderben der Familie hin. Doch Madeleine hat keineswegs vor aufzugeben und verfolgt ihren eigenen Plan…

    „Die Farben des Feuers“ von Pierre Lemaitre ist ein ungewöhnlicher historischer Roman.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus 44 Kapiteln mit einer angenehmen Länge sowie einem Epilog. Ein Teil der Handlung spielt in den Jahren 1927 bis 1930. Der überwiegende Teil der Geschichte ist im Jahr 1933 angesiedelt. Dabei gibt es immer wieder Rückblenden. Erzählt wird nicht nur aus der Sicht von Madeleine, sondern von mehreren Personen. Dieser Aufbau funktioniert gut.

    Der Schreibstil ist ungewöhnlich, was ich grundsätzlich gut finde. In diesem Fall tendiere ich aber eher dazu, ihn nicht zu mögen - obwohl ich zugeben muss, dass der Autor es versteht, mit Sprache umzugehen. Die wiederkehrende direkte Ansprache des Lesers sagt mir nicht zu. Viele Sprünge und einige Abschweifungen machen das Lesen zudem etwas anstrengend. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir jedoch leicht.

    Im Mittelpunkt steht mit Madeleine eine Protagonistin, die mir nicht besonders sympathisch war. Ihre Gedanken- und Gefühlswelt ließ sich jedoch gut nachvollziehen. Auch mit vielen der übrigen Charaktere werde ich nicht warm. Positiv anzumerken ist jedoch, dass die meisten Personen authentisch wirken und detailliert dargestellt werden.

    Das Setting und die Grundidee der Geschichte haben mich sofort angesprochen. Auf gelungene Weise werden Fakten und Fiktion miteinander verwoben. In vielen Einzelheiten zeigt sich die fundierte Recherche des Autors. Die Handlung nimmt dabei nur langsam Fahrt auf, die Spannung steigert sich aber. Trotz der recht hohen Seitenzahl hat der Roman nur wenige Längen.

    Das stimmungsvolle Cover passt gut in die beschriebene Zeit und ist ansprechend gestaltet. Der deutsche Titel ist nicht nur treffend gewählt, sondern auch erfreulich nah am französischen Original.

    Mein Fazit:
    „Die Farben des Feuers“ von Pierre Lemaitre ist eine Lektüre, die sich vor allem für geschichtlich und politisch interessierte Leser eignet. Ein historischer Roman, der für mich nicht ganz an „Drei Tage und ein Leben“ desselben Autors heranreicht, aber unterhaltsame Lesestunden bereitet.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Mär 2019 

    Ein Rachefeldzug

    Bald nach dem großen Erfolg von „Wir sehen uns dort oben“ (Au revoir la haut), das 2013 in Frankreich den renommierten Prix Goncourt erhielt, war klar, dass Pierre Lemaitre damit nur den ersten Band einer geplanten Trilogie vorlegte, die „Trilogie de l'entre deux-guerres“. Umfasste dieser erste Teil die Zeit um den ersten Weltkrieg, so beginnt der nun vorliegende zweite, „Die Farben des Feuers“ (Les couleurs de l´incendie), im Jahr 1927 mit dem Tod des Bankiers und Familienpatriarchen Marcel Péricourt.
    Dessen Sohn Édouard war einer der Hauptprotagonisten in „Au revoir la haut“ und auch die Tochter Madeleine war ein Teil des Figurenensembles. Von ihrem Gatten, dem Halunken und Fiesling Henri d'Aulnay-Pradelle, ist sie geschieden, dieser sitzt im Gefängnis seine Strafe ab. Somit ist Madeleine nun die Erbin eines nicht unbeträchtlichen Vermögens und des Bankhauses. Als Frau ihrer Zeit ist sie diesen Geschäften zunächst nicht gewachsen, wurde ihr vom Vater doch jegliche Kompetenz dafür abgesprochen. Dieser plante eine Vernunftheirat mit dem 15 Jahre älteren, vernünftigen Prokuristen seiner Bank, Gustave Joubert. Zunächst willigte Madeleine auch ein, zog diese Einwilligung aber bald darauf zurück. Eine Kränkung, die Joubert nicht so bald zu vergessen dachte, auch wenn er nach dem Tod Marcel Péricourt sich zunächst aufopferungsvoll um die Geschäfte zu kümmern scheint. Madeleine ist für Geschäftsfragen seit dem tragischen Unfall ihres kleinen Sohns Paul, der am Tag der Beerdigung seines Großvaters aus dem Fenster stürzte und fortan querschnittsgelähmt ist, kaum ansprechbar. Auch ihr Geliebter, der Hauslehrer André Delacourt, ist ihr keine Hilfe. Selbst die Gesellschafterin Léonce, die Madeleine fast so etwas wie eine Freundin ist, scheint ganz eigene Interessen zu verfolgen. Eine enorme Intrige, bei der noch Charles Péricourt, der sich bei der Erbschaft benachteiligt fühlende und stets mit Geldnöten kämpfende Bruder Marcels, mitwirkt, bringt Madeleine und ihren Sohn schließlich an den finanziellen und gesellschaftlichen Abgrund. Nur das polnische Kindermädchen Vladi, so robust wie gutmütig, und die von Paul angehimmelte Operndiva Solange Gallinato, halten ihnen die Treue auch über den Abstieg hinweg. Madeleine hingegen verfolgt einen eigenen, perfiden und komplizierten Racheplan, bei dem ihr der Detektiv Mr. Dupré zur Hand geht.
    Ein Kabinett der Eitelkeiten, Selbstsüchte und der Hinterlist. Tatsächlich hat das Geschehen einiges von einer Seifenoper. Es gibt Täuschungen und Erpressung, Betrug und Treulosigkeit. Aber auch Stolz und Selbstlosigkeit. Es wimmelt von opportunistischen Politikern, ehrgeizigen Journalisten, Pädophilen, dummen Ganoven, eifersüchtigen Frauen. Das könnte fast ein bisschen zu viel des Guten sein. Besonders der generalstabsmäßig durchgeführte Racheplan Madeleines erstaunt dann doch etwas. Pierre Lemaitre hat seinen rasanten, überbordenden Plot aber stets gut in der Hand und erzählt ihn mit einem gewissen Augenzwinkern und einer Portion Ironie. Ganz bewusst wählt er eine ganz altmodische Erzählstimme, die geradewegs ins 19. Jahrhundert, in die Zeit von Balzac, Zola und besonders Alexandre Dumas führt, von dessen Rachegeschichte „Der Graf von Monte Cristo“ die Geschichte so einiges hat. Der Leser wird hin und wieder direkt angesprochen: „Ob Sie es glauben oder nicht…“
    Dieser Ezählton macht einen Reiz dieser in den Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise und des erstarkenden Faschismus in Europa und speziell der Nationalsozialisten in Deutschland spielenden Geschichte aus. Des Weiteren amüsieren Details, die eindeutig mit einem Seitenblick auf unsere Gegenwart ausgestattet sind, seien es die Geldtransfers auf Schweizer Nummernkonten, Steuerhinterziehungen, die Sensationspresse, mit Lobbyisten besetzten Ausschüsse oder die Diskussion darüber, welche Erdölvorkommen aussichtsreicher sind, die in Rumänien oder die im Irak.
    Das ist vielleicht keine ganz große Literatur, war sicher auch „Au revoir la haut“ nicht (der Prix Goncourt neigt immer schon zum gut Lesbaren, die letztjährige Wahl der doch eher anspruchsvollen „Tagesordnung“ verwunderte die Kritiker da fast). Aber Lemaître kann schreiben und „Die Farben des Feuers“ ist gute und lesenswerte Unterhaltungsliteratur (deutlich besser als der zwar weitgehend wörtlich übersetzte Titel – incendie ist mehr der „Brand“ als das ungleich gemütlicher klingende „Feuer“) – vermuten lässt.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Feb 2019 

    Rachefeldzug

    „Die Farben des Feuers“ von Pierre Lemaitre ist eine Geschichte um Rache und Betrug verpackt in ein spannendes Sittengemälde und Familienepos zu Beginn der 1930er Jahre in Paris, mit den Vorboten des Zweiten Weltkrieges am Horizont und mit intensivem Blick auf die Entwicklung einer kraftvollen jungen Frau und Mutter.

    Das Oberhaupt der Bankiersfamilie Marcel Péicourt ist tot, und die alleinerbende Tochter Madeleine steht plötzlich an der Spitze des Imperiums, ahnungslos und als Frau in der damaligen Zeit auch ohne Macht und Anerkennung. Sie ist umgeben vom enttäuschten und unterbezahlten Prokurist Gustave Joubert, ihrem verschwenderischen und politisch ambitionierten Onkel Charles Péricourt, ihrem Liebhaber André und ihrem kranken Sohn Paul, der nach einem Fenstersturz zur Beerdigung seines Großvaters neben körperlichen Schäden schlimme Erinnerungen mit sich herumträgt. Neider wollen Madeleines Verderben und treiben sie tatsächlich in den Ruin, aber Madeleine plant für die Zukunft ihres Sohnes einen eiskalten Rachefeldzug, mit dem sie im Schatten von Börsenskandalen und Kriegstreibereien die Habsucht und das Misstrauen ihrer Gegner gekonnt auszunutzen versteht.

    Zu Beginn tat ich mich beim Lesen schwer mit der Sprache, die gewollt auf alt gemacht doch etwas gewöhnungsbedürftig ist. Es passt zur Geschichte, ist zwar nicht schwer zu lesen, aber eben ungewohnt. Auch an die feine Ironie musste ich mich erst gewöhnen, und sie als solche erkennen, da auch das in meinen Augen ein wenig zu gewollt wirkte, nicht so ironisch-leichtfüßig wie erhofft.
    Im Mittelteil zieht sich die Handlung ein wenig, man vermisst den Fortgang von anfangs sich fast überschlagenden Ereignissen, aber im letzten Viertel nimmt die Spannung wieder zu.
    Äußerst ansprechend finde ich den historischen Bezug der Figuren, hier vermute ich wirklich gute Recherchearbeit des Autors, die beim Lesen unbemerkt und leichtfüßig daher kommt.

    Ich habe das Buch insgesamt gern gelesen, und auch wenn sich in filmischer Abenteuermanier mitunter allzu viele zwielichtige Gestalten und Bösewichter die Klinke in die Hand geben bleibt die Geschichte letztlich dennoch eine nachvollziehbare, von langer Hand geplante Rachegeschichte, die mit viel Spannung erzählt ist und ein interessantes gesellschaftliches Bild des Paris der 1930er Jahre zeichnet.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 09. Feb 2019 

    Rache auf französisch

    An dem Tag, an dem Madeleine Péricourt ihren Vater beerdigen muss, stürzt sich ihr achtjähriger Sohn Paul aus dem Fenster. Damit beginnt eine lange Reihe von fatalen Ereignissen, die die junge Erbin der Banque Péricourt im Paris der 1930er Jahre zu meistern hat. Von ihrem Geschäftsführer Joubert und ihrem windigen Onkel Charles um alles betrogen, ersinnt sie einen perfiden Rachefeldzug.
    Pierre Lemaitre hat mit den Farben des Feuers einen opulenten Schicksalsroman vorgelegt, der alles bietet, was das Genre verlangt: Macht, Betrug, Intrigen, schöne Frauen. Und doch verfügt das Buch immer wieder über Längen, die mich querlesen ließen. Es erfordert immer wieder volle Konzentration, nicht den Punkt zu versäumen, wo sich die Geschichte dreht. Denn den Längen stehen wiederum spannende und aberwitzige Passagen gegenüber. Mir erschien die Geschichte Madeleines oft reichlich überzogen. Bankrott, während der Börsenkrise und am Vorabend des zweiten Weltkrieges schafft sie es, ihren Widersachern beizukommen. Jedem Komplott gegen sie kontert sie mit noch härteren Bandagen. Das Finale, auch wenn es nicht sehr realistisch erscheint, nimmt ordentlich an Fahrt auf.
    Richtig gut gemacht fand ich die ungewöhnliche Erzählweise, wenn sich der Autor direkt an den Leser wendet. „ Dupré, Dupré…. Doch, doch, erinnern Sie sich…“ Wie in einem Reigen lässt Lemaitre seine Figuren sich immer wieder neu positionieren. Genau das macht den eigentlichen Charme dieses Buches aus.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 21. Jan 2019 

    Tage der Abrechnung

    Am Tag der Beisetzung des Bankiers Marcel Péricourt, stürzt oder springt der Enkel aus dem Fenster und bleibt schwerverletzt auf dem Katafalk liegen. Madeleine Pericourt verliert sich in ihrer maßlosen Trauer und in ihrer Sorge um den nach dem Sturz gelähmten Sohn Paul. So steht sie zwar formell an der Spitze des Bankhauses, aber der Prokurist der Bank Gustave Joubert lenkt die Geschäfte. Umgeben ist Madeleine vom raffgierigen Onkel Charles und vom Hauslehrer André Delcourt, der auch ihr Liebhaber ist. Erst spät, zu spät begreift Madeleine, dass keiner ihrer Vertrauten ihr Wohlwollen im Auge haben. Joubert will Rache für die Kränkung, dass er mit einem Almosen im Testament des alten Péricourt abgespeist wurde.
    Doch als Madeleine alles verloren hat, erwacht in ihr die Kraft ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Die politischen Wirren, die Wirtschaftskrise und die Vorboten des Zweiten Weltkriegs spielen ihr in die Hände und sie beginnt die Schuldscheine für den Verrat einzufordern.
    Pierre Lemaitre findet einen leichten, oft sogar ironischen Ton um seine Figuren zu portraitieren. Der Roman entwickelt fast die Dynamik einer Kriminalgeschichte, wenn Madeleine Zug für Zug ihren Rachefeldzug umsetzt. Die farbige Darstellung der Gesellschaftsschichten und deren Umwälzungen im Vorkriegsfrankreich ist prägnant und gelungen. Der Roman entwickelt einen Sog, dem ich mich als Leserin nicht entziehen konnte. Besonders gelungen fand ich die Frauen der Geschichte, nicht nur Madeleine, sondern auch Kindermädchen Léonce und Pflegerin Vladi sind großartig portraitiert und stehen für ihre jeweilige Gesellschaftsschicht. Es ist ein groß angelegter Sitten- und Gesellschaftsroman, in den Lemaitre Madeleines Abrechnung einbettet. Dabei gefiel mir ganz besonders die Raffinesse der einzelnen Handlungsstränge, die auch mit Kritik an der damaligen Gesellschaft nicht spart. Ob nun es die Arroganz des Großbürgertums oder die Eitelkeit der Politiker oder die Geltungssucht der Presse ist. Madeleine hat viel verloren, aber ihre Freiheit hat sie sich zurück erobert.
    Ein wunderbarer Roman, dessen brillante Sprache mich nachhaltig beeindruckt hat.