Die Farbe von Milch: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Farbe von Milch: Roman' von Nell Leyshon
4.75
4.8 von 5 (4 Bewertungen)

Mary ist harte Arbeit gewöhnt. Sie kennt es nicht anders, denn ihr Leben auf dem Bauernhof der Eltern verläuft karg und entbehrungsreich. Doch dann ändert sich alles. Als sie fünfzehn wird, zieht Mary in den Haushalt des örtlichen Dorfpfarrers, um dessen Ehefrau zu pflegen und ihr Gesellschaft zu leisten – einer zarten, mitfühlenden Kranken. Bei ihr erfährt sie erstmals Wohlwollen und Anteilnahme. Mary eröffnet sich eine neue Welt. In ihrer einfachen, unverblümten Sprache erzählt sie, wie ihr Schicksal eine dramatische Wendung nimmt, als die Pfarrersfrau stirbt und sie plötzlich mit dem Hausherrn alleine zurückbleibt.

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:208
Verlag: Heyne Verlag
EAN:9783453422544

Rezensionen zu "Die Farbe von Milch: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Mai 2019 

    Großartig

    Im Rahmen einer spontanen Leserunde durfte ich mit "Die Farbe von Milch" bereits meinen zweiten Roman von Nell Leyshon lesen. "Der Wald" konnte mich seinerzeit nicht so recht überzeugen, was ich von "Die Farbe von Milch" überhaupt nicht behaupten kann. Im Gegenteil: ich bin restlos begeistert!

    Wir lernen hier Mary kennen, die im Jahr des Herrn 1831 ihre Geschichte aufschreibt. Mary wächst auf einem englischen Bauernhof auf, ist gehbehindert und hat bei ihrer Familie einen schweren Stand.
    Als sie von ihrem Vater an den örtlichen Pfarrer "ausgeliehen" wird, um sich um dessen kranke Frau zu kümmern, nimmt das Schicksal seinen Lauf...
    Worin dieses Schicksal besteht und wie Mary mit dieser Situation umgeht, sollte jede*r selbst herausfinden.

    Nell Leyshon hat sich in "Die Farbe von Milch" eines ungewöhnlichen Schreibstils angenommen: komplett aus der Sicht der 15-jährigen Mary, die gerade erst Lesen und Schreiben gelernt hat - ohne viel Satzzeichen, mit vielen Wiederholungen, einer zum Teil hölzernen Sprache. Eben genau so, wie jemand sich ausdrückt, der von Sprache und Schrift wenig bis keine Ahnung hat, sich aber trotzdem mitteilen will. Ich hoffe, ihr (werte Leserschaft) wisst was ich meine :-).

    Ich hätte am Anfang nicht gedacht, dass es über die Distanz von gut 200 Seiten funktioniert, aber das Konzept ist aufgegangen: die Geschichte ist berührend, stimmt nachdenklich, macht wütend - die komplette Gefühlspalette. Außerdem ist Mary nicht auf den Kopf gefallen und sagt frei heraus, was sie denkt. Das sorgt trotz des über dem ganzen Roman schwebenden Schwermuts für ein paar Lacher.

    Ich jedenfalls bin froh, dieses Kleinod mit anderen lieben und begeisterten Leserinnen gelesen zu haben und vergebe sehr gerne 5*.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Mai 2019 

    Mein Haar hat die Farbe von Milch

    "Die Farbe von Milch" ist die Geschichte eines 14-jährigen Mädchens, die Geschichte von Mary, man schreibt das Jahr 1830, wir befinden uns auf dem Land, wahrscheinlich auf dem englischen Land. Die Geschichte ist in einer recht einfachen Sprache geschrieben, eine einfache Sprache, die der Leserin auch den Bildungsstand des Mädchens vermittelt. Aber genauso auch eine immense Nähe zwischen Leserin und Protagonistin erzeugt. Ebenso ist die Geschichte von einer bedrohlichen und düsteren Grundstimmung geprägt, man spürt es liegt etwas in der Luft und man wartet gespannt auf das Kommende. Diese Geschichte erzeugt einen deutlichen Sog bei mir und ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen. Und das Buch hat mir sehr gefallen.

    Mary, eine Bauerstochter, hat kein einfaches Leben, muss viel schwere Arbeit auf dem Bauernhof erbringen, die Familie ist arm und hat fast keinen Besitz. Der Bauernhof wird von dem gewalttätigen Vater geleitet und die Bewohner des Hofes haben zu funktionieren. Wenn dies einmal nicht so klappt, wird nicht geredet, sondern geschlagen. Mary ist nicht nur optisch auffällig, sondern auch noch gehbehindert, dadurch erbringt sie auch nicht das erwünschte Arbeitspensum, steht in der Hierarchie des Bauernhofes recht weit unten.

    Trotzdem hat sich die geistig recht gut aufgestellte Mary ihre positive Weltsicht bewahrt, sie sieht immer irgendwo das Gute, beobachtet ihre Umgebung recht genau, weiß diese mit ihren recht präzisen aber ungefilterten Meinungen aufzurütteln, zu verblüffen und schildert ihr Leben in einer einfachen, aber sehr positiven Form. Dies macht sie sehr sympathisch.

    Einen Freund hat sie auf dem Bauernhof, ihren Großvater, dieser sieht das Potenzial von Mary und die Beiden tun sich gut. Beide sind empathische Menschen, stehen damit aber allein auf dem Bauernhof.

    Dann tobt das Leben …

    Und Mary kommt ins Pfarrhaus, soll der kranken Pfarrersfrau helfen. Sie lernt eine neue Welt kennen, eine reichere Welt. eine auch vom Arbeitspensum deutlich einfachere Welt, durch ihr sympathisches Wesen lernt sie auch hier schnell menschliche Zuneigung kennen.

    Dann tobt das Leben wieder ...

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Apr 2019 

    Ihre Haare hatten die Farbe von Milch

    Schauplatz England 1830 - 1831
    M.A.R.Y. ist ihr Name, sie ist gerade 15 Jahre geworden, hat von Geburt an ein gekrümmtes Bein, ihr Haar hat die Farbe von Milch und diesen Roman schreibt sie eigenhändig.

    Aufgewachsen ist Mary zusammen mit ihren drei Schwestern auf dem Lande, sie mussten schwere Arbeit auf dem Feld und bei den Tieren verrichten, Schulbesuche kamen nicht in Frage. Ihr Leben war entbehrungsreich, der Umgang mit den Eltern schwierig, zumal der Vater nicht mit Schlägen geizte. Einzig der Großvater brachte Mary gegenüber Liebe zum Ausdruck. Als die Pfarrersfrau schwer krank wurde, verkaufte der Vater die Arbeitskraft von Mary. Sie lernte nun eine völlig gegensätzliche Welt kennen. Aber Mary hat sich in dieser Umgebung nicht verbogen, sie war nicht auf den Mund gefallen und in ihrer ehrlichen Art hatte sie oftmals naiv nachgefragt und war an allem interessiert. Die Pfarrersfrau hatte sie sofort ins Herz geschlossen und war glücklich, wenn Mary sich um sie gekümmert hat. Nach ihrem Tod und dem Weggang des Sohnes Ralph hatte Mr. Graham Edna die Haushälterin entlassen. Er lebte nur noch mit Mary im Pfarrhaus, lehrte sie lesen und schreiben, sie nahmen die Mahlzeiten zusammen ein – aber die Lage spitzte sich zu!

    Die Autorin hat eine einfache und wunderschöne Sprache für dieses Büchlein gewählt. Vor allem die fehlende Interpunktion machte es für mich authentisch. Sie lässt Mary ihre bewegende und berührende Geschichte bis zum Ende erzählen und es entwickelte sich beim Lesen ein echter Sog, ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

    Von mir bekommt das Buch auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Feb 2019 

    Mein Name ist Mary

    Es sitzt eine junge Frau an einem Fenster und schreibt. Ist es ein Brief, ein Tagebuch? Man merkt wie schwer es ihr fällt, Worte zu finden. Erst seit kurzem kann sie lesen und schreiben. Man spürt, dass eine große Last auf ihr liegt. Die Schreiberin ist die fünfzehnjährige Mary. Wir schreiben das Jahre 1831. Mary berichtet von ihrem Leben, vom Aufwachsen auf einem kleinen Hof, von der schweren Arbeit, vom strengen, zornig brutalen Vater. Vom Großvater, der seine Beine nicht mehr gebrauchen kann, und für den sie ein großes Herz hat. Von den Schwestern, der Kuh, die sie in bitterer Kälte melken muss. Sie hat ein von Geburt an krummes Bein und ein loses Mundwerk. Eines Tages bringt sie der Vater zum Pfarrhaus, wo sie sich von nun an um die Kranke Frau des Pfarrers kümmern soll. Doch als diese verstirbt, nimmt ihr Leben eine neue dramatische Wendung.
    Es sind wirklich oft die schmalen Bücher, die eine so radikale Wirkung erzeugen. Wie dieses Buch. Die Farbe von Milch ist das Zeugnis eines kurzen harten Lebens. Mary ist als Frau völlig entrechtet, der Willkür zunächst des Vaters, dann des Pfarrers ausgesetzt. Es geht sehr tief ins Herz. Mary die keine Schule besuchen konnte, verfügt über so wahrhaftige Lebensweisheit. Sie nimmt sich kein Blatt vor den Mund, was sie sieht und fühlt, das spricht sie aus. Für ein bisschen Bildung muss das Mädchen einen sehr sehr hohen Preis zahlen.
    Die Farbe von Milch ist ein Buch, das mich so bald nicht loslassen wird. Ein ungemein eindrucksvolles Werk, das Nell Leyshon vorgelegt hat.