Die Ewigkeit in einem Glas: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Ewigkeit in einem Glas: Roman' von Jess Kidd
4.75
4.8 von 5 (4 Bewertungen)

London 1863. Bridie Devine, Privatdetektivin und Expertin für kleinere chirurgische Eingriffe, erhält den Auftrag, die entführte Tochter des Adligen Sir Edmund zurückzubringen. Alles an dem Fall ist beängstigend seltsam: der nervöse Vater, die feindselige Dienerschaft, der windige Hausarzt. Allen voran aber die verschwundene Christabel, die kaum je einer gesehen hat. Doch zunächst ist die energische Bridie ganz in ihrem Element, denn sie liebt vertrackte Fälle. Zudem fühlt sie sich beschützt von ihrem neuen Begleiter, Ruby – der ist zwar tot, aber wen stört das schon. Als sich Bridie jedoch Zugang zu Christabels Räumen verschafft, begreift sie, was das Besondere an dem Mädchen ist und dass dieses in großer Gefahr schwebt. Und noch etwas ahnt sie: Ihr größter Widersacher aus der Vergangenheit, ein herzloser und grausamer Sammler menschlicher Kuriositäten, von dem Bridie gehofft hatte, dass er tot sei, ist wieder aufgetaucht, und er wird zu ihrem gefährlichsten Gegner bei der Suche nach Christabel.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:400
EAN:9783832181055

Rezensionen zu "Die Ewigkeit in einem Glas: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Dez 2019 

    Eine Spurensuche der besonderen Art

    Jess Kidd konnte mich schon mit ihrem "Der Freund der Toten" begeistern. Deswegen hat es mich gefreut, dass Jess Kidd hier bei diesem Buch die Leser in eine andere Zeit entführt. Denn diese andere Zeit, das 19. Jahrhundert und Jess Kidd's Phantasie, dies könnte eine hervorragende Mischung werden. Und genau so ist dieses Buch auch! Eine hervorragende Mischung!

    Dieses Buch hat mir wirklich die Stunden ungemein versüßt! Ein richtig guter Mix ist Jess Kidd hier gelungen und im Vergleich zu ihrem anderen Buch "Der Freund der Toten" hat sie hier noch einen deutlichen Zahn zugelegt. "Die Ewigkeit in einem Glas" ist ein spannender und absolut interessanter Mix aus Abenteuer, Crime, Mystery, Liebe, Horror und Humor, ich habe dieses Buch wirklich sehr gern gelesen. Dieses Buch wird aber nicht jedem gefallen, man sollte schon etwas offener und experimentell veranlagt sein und sich darüber im Klaren sein, dass dieses Buch von vielem etwas hat, eben eine Mischung ist, eine sehr interessante Mischung! Wer in seiner Kindheit Abenteuerromane geliebt hat, wer die nebligen Straßen von London und den darin liegenden Schauer mag und auch einen guten Schuss Mystik/Fantasy verträgt/mag, ist hier in meinen Augen richtig.

    Wir befinden uns in London im Jahre 1863 und Bridie Devine, eine Privatdetektivin, bekommt den Auftrag, die entführte Tochter des Adligen Sir Edmund zurückzubringen. Irgendetwas ist eigenartig an diesem Fall, doch das eigenartige Dinge in Jess Kidd's Romanen eine Rolle spielen, werden ihre Freunde wissen. Bridie Devine, die Hauptheldin in Jess Kidd's Buch, macht einfach Spaß. Stark und selbstbewusst durchschreitet sie ihre Zeit, sie lebt und liebt ihr Leben und war mir definitiv sehr sympathisch. Dieses Buch spielt in einer Zeit, in der es nicht so oft starke weibliche Charaktere gegeben hat. Umso schöner ist es, dass dies hier anders ist. Aber nicht nur Bridie ist cool, mindestens ebenso sehr gefiel mir die etwas kantige Rolle der Cora, Bridies Haushälterin. Und auch ihr etwas durchsichtiger Begleiter Ruby Doyle mit seinen etwas wandelbaren Tätowierungen macht immens Spaß. Dieses Trio macht sich auf den Weg, die entführte Tochter des Sir Edmund zu finden und nimmt den Leser auf eine interessante, spannende und außergewöhnliche Reise mit.

    Unbedingt Lesen!!!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Dez 2019 

    Ganz mein Humor

    London, 1863. Bridie Devine hat eine neue Mission. Für ihren Auftraggeber soll sie dessen entführte Tochter wiederfinden, doch irgendetwas scheint seltsam an diesem Kind zu sein. Zu allem Überfluss stolpert Bridie bei Recherchen auf dem Friedhof noch über den Geist des Boxers Ruby. Der beschließt aus Mangel an Beschäftigung - denn was soll man als Toter schon groß mit sich anfangen? - unserer Protagonistin zu folgen, um ihr bei den Ermittlungen zur Seite zu stehen. Dabei ist er im Übrigen nur mit einer langen Unterhose und einem Hut bekleidet und behauptet steif und fest, Bridie und er würden sich bereits kennen. Doch warum hat die ihn dann völlig vergessen?

    Wie schon die Kurzbeschreibung des Inhalts verrät: dieses Buch ist herrlich skurril. Das beginnt schon bei den Figuren. Da wäre beispielsweise Bridie mit der wohl hässlichsten Witwenhaube überhaupt oder Cora, ihr zwei Meter großes Hausmädchen. Nicht zu vergessen: ein Pfarrer, der aus Verachtung für seine menschliche Gemeinde beschlossen hat, seine Kirche von nun an mit tierischen Bewohnern zu füllen. (Wer will es ihm verübeln?)

    Der Schreibstil unterstreicht das Sonderbare der Handlung gekonnt, der Ton ist humorvoll-ironisch, aber dennoch liebevoll. Erzählt wird im Präsens und der sie-Form; hauptsächlich aus zwei verschiedenen Perspektiven: der von Bridie selbst und derjenigen des Kindermädchens Mrs Bibby. Doch auch in die Köpfe der anderen Figuren kann der personale Erzähler blicken und beleuchtet so das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln. Dabei erfährt der Leser nicht nur etwas über Bridies aktuellen Fall, sondern es sind auch zahlreiche Rückblenden in die Vergangenheit der beiden Frauen eingebaut.

    So spinnt Jess Kidd gekonnt zahlreiche Handlungsfäden, die sie am Ende zu einem runden Ganzen verwebt. Genretechnisch lässt sich das alles nur schwer in eine Schublade zwängen: historischer Krimi mit fantastischen Elementen - das wäre mein Versuch. Aber letztendlich spielt das ja auch keine Rolle, denn "Die Ewigkeit in einem Glas" ist einfach grandios!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Nov 2019 

    Der Schauerroman bekommt ein modernes Gesicht

    London 1863: Bridie Devine, ihres Zeichens Privatermittlerin und zuständig für kleine Operationen, wird von Sir Edmund beauftragt, die Entführung seiner Tochter Christabel aufzuklären. Christabel ist ein ganz besonderes Kind, nur sehr wenige eingeweihte Personen wissen überhaupt von ihrer Existenz. Auf der Suchen nach dem Mädchen stößt Bridie nicht nur auf mehrere Tote, sondern auch auf einen Totgeglaubten aus ihrer Vergangenheit.
    Jess Kidd beeindruckt mich mit „Die Ewigkeit in einem Glas“ aufs Neue. Sie gibt dem viktorianischen Schauerroman ein ganz modernes Gesicht: Bridie Devine. Ist es Zufall, dass sich dieser Name einfach göttlich anhört? Nun, Bridie ist eine großartige Protagonistin: Selbstbewusst, klug, herzlich, mutig, einfallsreich. Es ist ein reines Vergnügen sich mit Bridie durch Unrat, schmutzigen Geheimnisse und menschliche Eingeweide zu wühlen. Bridies Sidekick ist Ruby Doyle, der „dekorierte Doyle“, Ex-Matrose, Ex-Boxer, vollflächig tätowiert – und mausetot. Das ist einerseits äußerst praktisch, denn er kann durch Wände gehen und sehen, was anderen vielleicht verborgen bliebe. Andererseits äußerst unpraktisch, denn die Beziehung zwischen Bridie und Ruby bleibt dadurch nur metaphysisch und nicht weiter.
    Skrupellose Verbrecher, fabelhafte und menschliche Monster, Wunderwesen und wunderliche Charaktere: das Sammelsurium der Figuren, die Jess Kidd zum Leben erweckt, ist vielfältig, angsteinflößend und amüsant, erschreckend und zu Herzen gehend. Jess Kidd erzählt, ohne kitschig zu werden, von Armut und Elend, Neugier und Gier, Wissensdurst und Geltungssucht, aber auch vom Werdegang der kleinen Bridie, Waisenkind, Leichensammlerin, verkauft um einen Guinee, von Bridies Widersachern und Wohltätern.
    Bridie Devine ist eine Figur, von der ich sehr gerne viel, viel mehr lesen würde!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Nov 2019 

    Großartig

    Die Privatdetektivin Bridie Devines hat einen neuen Auftrag. Sie soll die entführte Tochter des Adligen Sir Edmund finden. An dem Fall ist alles seltsam: der nervöse Vater, die feindselige Dienerschaft und der windige Hausarzt. Aber auch die verschwundene Christable, denn die hat kaum einer je gesehen. Also ein Fall ganz nach Bridies Geschmack. Gemeinsam mit ihrem neuen Begleiter Ruby, der bereits tot ist, macht sie sich auf die Suche nach Christable. 

    Dies war mein erstes Buch dieser Autorin und ich war sehr gespannt darauf. Das Cover wirkte interessant und der Klappentext hat mich dann absolut neugierig auf die Geschichte gemacht. Und dieses Buch war mal etwas ganz anderes! 
    Der Schreibstil gefiel mir sehr gut, denn die Autorin hat mit ihren detaillierten Beschreibungen tolle Bilder in meinem Kopf entstehen lassen. Auch wurde eine passend düstere Atmosphäre geschaffen und die Story lief wie ein Film vor meinen Augen ab. 
    Bridie gefiel mir sehr gut, denn sie war eine ungewöhnliche und starke Frau. Durch Rückblicke konnte ich sie prima kennenlernen und liebgewinnen. 
    Neben Bridie gab es noch jede Menge anderer Charaktere, die allesamt sehr fantasievoll und besonders gezeichnet wurden. So viele skurrile Charaktere habe ich selten in einem Roman gefunden. Klasse fand ich den Geist des Boxers, mit dem Bridie auch so manche unterhaltsame Gespräche führte. 
    Die Story hat mich äußerst positiv überrascht und komplett gefangen genommen. Ich konnte von Anfang bis Ende mitfiebern. Super gefallen haben mir auch die überraschenden Wendungen und magischen Augenblicke. Eine solch tolle Mischung aus historischem Roman mit Krimi, Übernatürlichem, Geistern und Fantasyelementen habe ich nicht erwartet und wurde deshalb positiv umgehauen. 

    Ich fand den Roman einfach nur großartig und herrlich skurril und freue mich auf weitere Bücher der Autorin. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.