Die Erfindung Indiens: Das Leben des Pandit Nehru

Rezensionen zu "Die Erfindung Indiens: Das Leben des Pandit Nehru"

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 17. Jan 2015 

    Leider nur zur Hälfte akzeptabel

    Jawaharlal Pandit Nehru, der erste Ministerpräsident des unabhängigen Indien, gehört sicher zu den bedeutendsten Politikern des 20. Jahrhunderts. Um so schwieriger sind Biografien über solche Persönlichkeiten - denn entweder wird die Beschreibung zur Lobhudelei oder zur Abwehr genau dieser und damit einer ausschließlich kritischen Darstellung.
    Shashi Tharoor gelingt es auf den ersten Blick, den Mittelweg zu finden und neben der Würdigung der herausragenden Leistungen Nehrus auch über seine Schwächen und seine Fehlentscheidungen offen zu schreiben. Dabei findet er einen gut zu lesenden, nicht wissenschaftlich überladenen Stil. Und wer sich für Nehrus Rolle im Kampf um die indische Unabhängigkeit interessiert, findet eine gute Darstellung dieser Zeit. Doch dann kommt die große Enttäuschung. Wer mehr über Nehru als Premierminister erfahren will, findet in Tharoors Buch wenig. 180 Seiten beschreiben Nehrus Weg bis zur indischen Unabhängigkeit, ganze 64 die Zeit bis zu seinem Tod. Danach folgt zwar noch eine zusammenfassende Bewertung dessen, was Nehru erreicht hat (oder eben nicht), dennoch hätte der Autor kaum deutlicher machen können, dass für ihn nur ein Abschnitt im Leben dieses Politikers wirklich interessant ist.
    Für den Historiker ist das Buch kaum geeignet, da Quellenangaben fehlen. Und auch für historisch Interessierte, die einen Einstieg in Nehrus Leben bekommen möchten, wird zu wenig geboten. Denn dafür müsste man schon fast eine weitere Biografie lesen, die auch die zweite Periode angemessen behandelt. Schade, da der erste Teil des Buches viel verspricht.