Die englische Scheidung

Buchseite und Rezensionen zu 'Die englische Scheidung' von Margaret Kennedy
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die englische Scheidung"

»Alec und ich gehen getrennte Wege. Wir lassen uns scheiden.« Nicht dass zwischen den Müttern von Betsy und Alec Canning je ein gutes Wort gefallen wäre, doch als Betsys Brief eintrifft, sind sie sich sofort einig: Die Scheidung muss um jeden Preis verhindert werden! Weder Betsys Geständnis, in der Ehe unglücklich zu sein, noch Alecs Seitensprünge ändern daran auch nur das Geringste. Ist das letzte Wort möglicherweise noch nicht gesprochen? Alec hofft, seine Frau umzustimmen, wenn er an sich arbeitet, und vielleicht bedenkt Betsy ja die Folgen einer Trennung für ihre drei Kinder. Doch die Mütter und all die anderen, die auf einmal unbedingt mitreden wollen – Hausangestellte, Nachbarn, Freunde –, machen das letzte bisschen Hoffnung auf eine Versöhnung zwischen den Eheleuten zunichte. Betsy und Alec sind den Rosenkrieg bald leid, aber da ist so mancher Fehler schon nicht mehr rückgängig zu machen … Ein hochkomischer Scheidungsroman und ein Porträt der feinen englischen Gesellschaft.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:352
Verlag: Schöffling
EAN:9783895618697

Rezensionen zu "Die englische Scheidung"

  1. Die Herausforderung der Veränderungen

    Betsy und Alec ‚schlittern‘ mehr oder weniger nach 17 Jahren Ehe in eine Scheidung. Ja, ‚schlittern‘, denn ohne die überflüssige Mitwirkung ihrer Mütter, Freunde und Bekannte wäre es vielleicht gar nicht so weit gekommen. (Herrlich zu verfolgen in ‚Teil zwei‘, der in Form eines regen Schriftverkehrs vom Fortgang der Geschichte erzählt.)

    Und diese Scheidung wirbelt das Leben aller 5 Familienmitglieder gewaltig durcheinander. Die englische Autorin, die selbst aus einer großbürgerlichen Londoner Familie stammt und schon 1967 verstorben ist, lässt uns dann am unterschiedlichen Umgang mit diesen Veränderungen teilhaben. Mir fiel dazu der Spruch ‚Es ist nicht schlimm, in ein Loch zu fallen, schlimm wird es erst, wenn man anfängt, dieses Loch zu tapezieren‘ ein.
    Außerdem katapultiert sie uns damit in die 30er Jahre der englischen feinen Gesellschaft, in der Landhäuser und Dienstpersonal zum Standard gehörten. Die Aktualität mancher Aussagen war jedoch erschreckend!

    Begeistern konnten mich wunderschöne Sätze voller Lebensweisheiten, wie z.B.: ‚Menschen wurden nicht über Nacht netter. Oft steckte eine bittere Erfahrung dahinter. Es war mühsam und kostete viel Kraft, sich zu verändern. Trotzdem war es besser, sich auf schmerzenden Füßen einen Berg hinaufzuquälen, als ein Leben lang im Morast aus Apathie und Selbstmitleid festzustecken.' Oder: 'Die beste Waffe gegen Unehrlichkeit und Eigennutz ist, die anderen durch die eigene Großmut zu beschämen.' Oder auch: 'Denn Mitgefühl ist wie eine Heilsalbe, Sie muss auf die richtige Stelle aufgetragen werden, damit sie wirkt.'

    Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, er hat mich bestens unterhalten, auch das Ende - kein kitschiges happy-end, aber das jedoch für jeden Hoffnung bedeutete. Tiefe Einblicke in die Charaktere und Seelen der Protagonisten krönten für mich diesen Roman, so dass ich vollkommen begeistert 5 Sterne vergebe und ihn wärmstens empfehle.

  1. Entstehung und Folgen einer Scheidung

    Betsy ist in ihrer Ehe mit Alec unglücklich und will ihn zur Scheidung überreden, weil sie von der großen Freiheit träumt. Ihre Mutter und Schwiegermutter wollen diese Scheidung verhindern, machen damit aber alles noch viel schlimmer.
    Margaret Kennedy lässt und in ihrem Roman „Die englische Scheidung“ eindrucksvoll miterleben, wie eine ganze Familie durch Einmischungen, Intrigen, Klatsch und Tratsch, gutgemeinte Ratschläge und Missverständnisse zerstört wird.
    Hierbei gelingt es Kennedy, die Gefühle und Gedanken aller handelnden Personen greifbar werden zu lassen. Wir können sowohl mit der unzufriedenen Ehefrau, ihrem untreuen Ehemann, ihrer intriganten Schwiegermutter, als auch den verstörten Kindern mitempfinden, welche Lawine ausgelöst wird, die schon sehr bald niemand mehr unter Kontrolle hat.
    Auch wenn der Roman schon 1936 erschienen ist, erscheint er an vielen Stellen erschreckend aktuell.
    Durch die gelungene deutsche Übersetzung lässt sich der Roman sehr angenehm lesen, obwohl die anfangs locker leicht anmutende Komödie im Laufe der Handlung immer mehr zum Drama wird, weil es hier letztendlich keine Gewinner geben kann.

  1. Die ewige Suche nach dem Liebesglück und andere Katastrophen

    Margaret Kennedy ist eine Wiederentdeckung für den deutschen Buchmarkt. Die 1967 verstorbene Britin zeichnete sich durch dramaturgische Gesellschaftsromane aus. „Die englische Scheidung“ ist eine zunächst heitere Komödie, die sich zu einem Drama mit einem versöhnlichen Ausgang entwickelt.
    Im Zentrum der Handlung steht das wohlsituierte Ehepaar Alec und Betsy Canning, das sich aufgrund ihrer unglücklichen Partnerschaft zu einer Scheidung entschließt. In den 1930 haftet einer ehelichen Trennung etwas Anrüchiges an. Hinzu kommen die drei Kinder im Jugendalter, die auf dem Weg ins Erwachsenenleben eigene Ziele anstreben und sich zwischen einen der beiden Elternteile entscheiden müssen. Wie von selbst drängen sich Familienangehörige und Freunde in diese Affäre, allen voran die intrigierenden Schwiegermütter. Doch selbst eine Scheidung bedeutet nicht, dass eine der beiden Ex-Eheleute auf Rosen gebettet ist. Sie geben ihrem Leben eine neue Richtung und müssen lernen, mit den Konsequenzen zu leben.
    Der Roman ist hervorragend von Petra Post und Andrea von Struve in die heutige Alltagssprache übersetzt worden. Dem Verlag Schöffling und Co. ist es zu verdanken, dass solche Perlen wieder aus dem Strom des Vergessens auftauchen. Kennedy versteht es, zeitlose Themen und Metaphern zu schaffen, die auch heute einen erstaunlichen und manchmal auch besorgniserregenden Wiedererkennungswert haben (insbesondere in Sachen Frauenfeindlichkeit und die Ängste vor einer Welt am Abgrund). Wer jedoch einen Spannungsroman oder eine durchweg verdrehte, heitere Komödie erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden. Die Geschichte ist eine Achterbahnfahrt der familiären und gesellschaftlichen Verquickungen und dürfte vor allem Klassikfans, deren Herz für Jane Austen oder Henrik Ibsen schlägt, begeistern. Der allwissende Erzähler lässt uns in alle Köpfe schauen und mit querfeldein laufenden Gedankensprüngen durch ein England vor etwa hundert Jahren hopsen. Wer das mag, ist hier gut aufgehoben. Die Schlüsse, die sich aus den Entwicklungen und Schicksalen der Figuren ergeben, sind auch heute noch lehrreich (und bleiben wohl auch zeitlos). Für meinen Geschmack hätte es eine stärkere Fokussierung auf die eigentlichen Schwerpunkte geben dürfen. So werden immer wieder ausschmückende Nebenhandlungen und Figuren angeführt, die den eigentlichen Plot manchmal verstellen, als diesen voranzubringen. Daher von mir 4 von 5 Sternen.