Die einzige Geschichte: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die einzige Geschichte: Roman' von Julian Barnes
4.6
4.6 von 5 (5 Bewertungen)

Gebundenes Buch
Julian Barnes kunstvoller Roman über eine unkonventionelle erste Liebe, die zur lebenslangen Herausforderung wird."Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden, oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage."
Die erste Liebe hat lebenslange Konsequenzen, aber davon hat Paul im Alter von neunzehn keine Ahnung. Mit neunzehn ist er stolz, dass seine Liebe zur verheirateten, fast 30 Jahre älteren Susan den gesellschaftlichen Konventionen ins Gesicht spuckt. Er ist ganz sicher, in Susan die Frau fürs Leben gefunden zu haben, alles andere ist nebensächlich. Erst mit zunehmendem Alter wird Paul klar, dass die Anforderungen, die diese Liebe an ihn stellt, größer sind, als er es jemals für möglich gehalten hätte.
"Die einzige Geschichte" ist ein tief bewegender Roman über die Liebe. Nach "Der Lärm der Zeit" und "Vom Ende einer Geschichte" beweist Bestseller-Autor und Man Booker Prize-Träger Julian Barnes aufs Neue, dass er ein Meister im Ausloten menschlicher Abgründe ist.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
EAN:9783462051544

Rezensionen zu "Die einzige Geschichte: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Jul 2019 

    Tagebuch der verlorenen Erinnerung

    „Das Leben ist ein Querschnitt, die Erinnerung ist ein Spalten durch den Kern, und die Erinnerung folgt diesem Spalt bis zum bitteren Ende.“ (S. 142)

    Thomas Hardy, Ian McEwan, Julian Barnes – sie alle haben etwas gemeinsam: sie haben mich durch das erste (Lese-)Halbjahr 2019 begleitet und sind in die Riege meiner Lieblingsautoren aufgestiegen. Jeder dieser drei Autoren hat mich auf seine ganz eigene Art und Weise begeistert. Am meisten und nachhaltigsten hat dies allerdings Julian Barnes mit „Die Die einzige einzige Geschichte Geschichte“ geschafft, welches ich im Rahmen einer gewohnt großartigen Leserunde entdecken durfte.

    Es ist mal gar nicht so der Inhalt, der mich in wahre Begeisterungsstürme ausbrechen ließ – so gesehen, erzählt uns Barnes hier eine reine (wenn auch nicht alltägliche) Liebesgeschichte. „Was? Der King liest Liebesgeschichten?“ werden sich jetzt vermutlich einige denken. Ja, so ist es. Es ist nämlich auf den zweiten (tieferen) Blick keine 08/15-Liebesgeschichte mit Schmalz-Happy End – im Gegenteil: sie ist tragisch, sie rührt einen – nicht unbedingt – zu Tränen, aber sie lässt die Leserschaft ins Grübeln kommen.

    Und doch gibt es noch etwas Anderes, was mich (ebenso wie die anderen Mitleser*innen aus der Leserunde) noch mehr als die eigentliche Geschichte begeistert hat: die sprachliche Gewandtheit des Herrn Barnes, der mit philosophischen Gedanken und Sätzen zum Niederknien die Leserschaft mitreißt – mitten in die Gefühlswelt des Protagonisten Paul hinein, der am anderen Ende seines Lebens auf seine „einzige Geschichte“ zurückblickt. Wie es sich für Erinnerungen (im gesetzteren Alter) gehört, nicht immer in der Reihenfolge der Ereignisse und stets mit dem gewissen „Vielleicht täuscht mich auch meine Erinnerung etwas“-Touch versehen.

    „Es war seine letzte Pflicht ihnen beiden gegenüber, sie so in Erinnerung zu behalten und zu bewahren, wie sie in der ersten Zeit ihres Zusammenseins gewesen war. Sie so in Erinnerung zu behalten, dass sie wieder das hatte, was er noch immer ihre Unschuld nannte: eine seelische Unschuld. Bevor diese Unschuld verunstaltet wurde. Ja, das war das richtige Wort dafür: vollgekrakelt mit den wilden Graffiti des Alkohols. Auch ihr Gesicht war dabei verloren gegangen und daraufhin seine Fähigkeit, sie zu sehen. Sie zu sehen, sich in Erinnerung zu rufen, wie sie gewesen war, bevor er sie verlor, sie aus dem Blick verlor, bevor sie in diesem Chintzsofa verschwand – „Guck mal, Marko Paul, ich lasse mich verschwinden!“ Die erste Person aus dem Blick verlor, den ersten und einzigen Menschen, den er geliebt hatte.“ (S. 233)

    Die philosophisch geprägten Gedanken von Paul über die Liebe

    „In der Liebe ist alles wahr und falsch zugleich; sie ist das einzige Thema, über das man unmöglich etwas Absurdes sagen kann.“ (S. 263)

    sowie über die Erinnerung im Allgemeinen

    „Was einmal weg ist, lässt sich nicht zurückholen; das wusste er jetzt. Wer einmal einen Faustschlag ausgeteilt hat, kann ihn nicht wieder zurücknehmen. Was einmal gesagt wurde, lässt sich nicht ungesagt machen. Wir können weitermachen, als wäre nichts verloren gegangen, nicht geschehen, nichts gesagt worden; wir können behaupten, dass wir alles vergessen; doch unser innerster Kern vergisst nicht, weil es uns für immer verändert hat.“ (S. 281)

    beweisen große Wortkunst seitens Julian Barnes, aber auch der Übersetzerin Gertraude Krueger gebührt hier Respekt – sie hat meiner Meinung nach herausragende Arbeit geleistet.

    Und so lautet mein Fazit für dieses 10 von 5*-Leseereignis: Julian Barnes hat mit "Die einzige Geschichte" einen großartigen Blick auf eine unkonventionelle, tragisch gescheiterte Liebe geworfen, der zwar auf den ersten Blick leicht lesbar, dennoch so tiefgreifend ist, dass man als Leser "gezwungen" ist, "Wach" zu sein, damit einem nichts entgeht.

    Abschließend noch ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer, welches passender nicht sein kann:

    „Je schöner und voller die Erinnerungen, desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.“

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 03. Jul 2019 

    Liebesglück und Liebesleid

    Julian Barnes hat hier in meinen Augen ein für mich bisher unvergleichliches Buch über die Liebe geschrieben. Es ist dabei gespickt mit philosophischen Gedanken zum Thema Liebe und menschliches Empfinden, diese Gedanken werden in Sätzen formuliert, die sich ins Hirn graben und den Leser zum Sinnieren bringen. Jeder, der schon einmal tief geliebt hat, den die Liebe umgehauen hat, wird sich hier wiederfinden.

    Sätze und Gedanken wie folgende:
    "Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden oder weniger lieben und weniger leiden? S.11"
    "Meiner Meinung nach ist jede Liebe, ob glücklich oder unglücklich, eine wahre Katastrophe, sobald man sich ihr voll und ganz hingibt. S.293"
    wühlen sich ins Hirn und lassen einen beim Lesen innehalten/erstarren. So etwas nenne ich Sprachgewalt. Sofort gleitet man ins Sinnieren. Und das Buch ist voll von solchen Teilen und ich habe einen neuen Lieblingsautor gefunden.

    Dabei ist die Geschichte allgemein nicht so herausragend, es wird eine unkonventionelle Liebe beschrieben. In drei Teilen wird ein Blick auf die Liebe von Paul und Susan geworfen. Der junge 19-jährige Paul lernt in den 60er Jahren die 48-jährige eindrucksvolle Susan kennen. Beide verlieben sich tief ineinander, wobei das Bild dieser Liebe nicht dem Bild der älteren und erfahrenen Frau und des jungen unerfahrenen Mannes folgt. Beide sind hier unerfahren in der Liebe. Die Erzählstimme Paul zeigt in den drei Teilen welche Folgen diese Liebe für beide hat.

    Durch den ungemein poetischen und philosophischen Ton ist man tief bewegt. Ein gewisser feinsinniger Humor lockert das Ganze dann wieder auf. Auch durch einen sehr ehrlichen Blick auf den Menschen zeichnet sich diese Geschichte aus. Es entsteht eine insgesamt sehr ausgewogene und stimmige Geschichte, die tief berührt und zum Sinnieren einlädt. Und diese Mischung aus der Geschichte und den dazu passenden poetischen/philosophischen Gedanken zum Thema Liebe und der Ehrlichkeit der gezeichneten menschlichen Charaktere machen diese Geschichte für mich zu etwas Besonderem und bedingen dadurch meine 5-Punkte Bewertung.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 08. Jun 2019 

    Vom Wesen der Liebe...

    VOM WESEN DER LIEBE...

    Die erste Liebe hat lebenslange Konsequenzen, aber davon hat Paul im Alter von neunzehn keine Ahnung. Mit neunzehn ist er stolz, dass seine Liebe zur verheirateten, fast 30 Jahre älteren Susan den gesellschaftlichen Konventionen ins Gesicht spuckt. Er ist ganz sicher, in Susan die Frau fürs Leben gefunden zu haben, alles andere ist nebensächlich. Erst mit zunehmendem Alter wird Paul klar, dass die Anforderungen, die diese Liebe an ihn stellt, größer sind, als er es jemals für möglich gehalten hätte.

    "Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden, oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage."

    Los oder Schicksal? Darüber sinniert der alte Paul in seinen Erinnerungen an seine erste Begegnung mit der großen Liebe seines Lebens. Denn bei einem Tennisturnier vor über 50 Jahren entschied das Los über die Zusammenstellung der Paare für das Mixed - und so spielten seinerzeit Paul und die fast 30 Jahre ältere Susan MacLeod ganz zufällig gemeinsam bei dem Turnier.

    Paul, damals Student und nur während der Semsterferien zu Besuch bei seinen Eltern, widerte die biedere englische Nachkriegsbürgerlichkeit des kleinen Städtchens an. Nichts Schlimmeres konnte er sich vorstellen als in die vorgezeichneten Fußstapfen seiner Eltern zu treten, Beruf, Häuschen, Garten, Familie, Punkt.

    Da kam Susan ihm gerade Recht, unkonventionell, verheiratet und mit bereits erwachsenen Töchtern, aber stets fröhlich und überraschend in ihrem Tun, erfrischend anders. Mit ihrer Liebe stießen sie alle vor den Kopf - nicht nur Pauls Eltern und Susans Ehemann Gordon, sondern das ganze Städtchen. Nach dem moralisch begründeten Ausschluss der beiden aus dem Tennisclub fiel dann die Entscheidung, gemeinsam fortzuziehen - nach London, in ein heruntergekommenes Haus.

    "Meiner Meinung nach ist jede Liebe, ob glücklich oder unglücklich, eine wahre Katastrophe, sobald man sich ihr voll und ganz hingibt."

    In drei Abschnitten gewährt der Autor dem Leser einen Einblick in die eine große Liebe Pauls. Der erste Abschnitt widmet sich im Wesentlichen den Gefühlen Pauls und Susans zu Beginn ihrer Beziehung, ohne jeden Zweifel, dass ihre Liebe allen Widrigkeiten würde trotzen können. Im zweiten Abschnitt wächst dann die Desillusion im Laufe der gemeinsamen Jahre, die Probleme, die alle Gefühle zu überlagern drohen. Und im letzten Abschnitt wird aus der Rückblende des nun alten Paul deutlich, wie sehr ihn diese eine große Liebe geprägt hat - über Resignation und Melancholie fand er letztlich seinen Frieden in einer großen Gleichgültigkeit.

    Erzählt wird aus der Perspektive Pauls, wobei der Autor immer wieder wechselt zwischen 'Ich', 'Du' und 'Er' als Erzähler und damit auch eine wachsende Distanzierung vom Geschehen und den Gefühlen zum Ausdruck bringt. Die geschilderten Erinnerungen werden nicht chronologisch vorgebracht, sondern springen in den Zeiten. Dennoch setzt sich zusehends das Bild einer großen Liebe zusammen, die letztlich den Widrigkeiten des Lebens nicht gewachsen ist.

    "Manchmal stellt er sich eine Frage über das Leben: Welche Erinnerungen sind wahrer, die glücklichen oder die unglücklichen?"

    Gespickt wird die Erzählung um Paul und sein Leben mit philosophischen Anklängen über das Wesen der Liebe. Immer wieder fügt Julian Barnes Zitate über die Liebe ein - jedoch ohne Nennung der Urheber, da die Worte für sich stehen sollen. Gerade der letzte Abschnitt des Romans befasst sich schwerpunktmäßig mit solchen Lebensweisheiten, was mir in der Häufung jedoch ein wenig zu viel war, da dadurch Längen entstanden, die das Lesen etwas zäh gestalteten. Die sprachliche Versiertheit Barnes jedoch war für mich von vorne bis hinten ein Genuss.

    Kein Wohlfühlroman, aber eine leise, feine Erzählung, durchzogen von einem Hauch von Melancholie, gewürzt mit einem bittersüßen Humor und dazu angetan, das eigene Leben ein wenig Revue passieren zu lassen. Gibt es tatsächlich stets nur die einzige Geschichte?

    © Parden

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 04. Jun 2019 

    Wenn Liebe wehtut...

    Mich hat die Vorstellung gereizt, dass ein junger Mann eine deutlich ältere Frau vergöttert, weshalb ich ganz gespannt mit der Lektüre begann.

    In der Geschichte geht es um den 19- jährigen Paul, der sich im Tennisclub in die 48- jährige Susan verguckt. Zunächst verbringen sie nur gemeinsam viel Zeit, aber schnell merkt er, dass sich da Gefühle entwickeln. Wird dies seine große Liebe sein, auch wenn Susan verheiratet ist? Und werden die beiden einen Skandal auslösen?

    Der Roman ist in drei Teile untergliedert. Während mich die ersten beiden unheimlich gefesselt haben, weil es sich so anfühlte als würde Paul dem Leser die Liebesgeschichte live schildern, hat der letzte Teil diese Faszination wieder zunichte gemacht, da hier vieles nochmal wiederholt wird, was bereits im Buch geschildert wurde.

    Paul als Charakter war einfach nur liebenswürdig. Ich habe seine Unbeschwerheit, wie man sie wohl nur in so jungen Jahren hat, sehr bewundert. Er hat nie Zweifel an dem was er tut und macht sich nichts aus dem was Freunde und Familie denken. Das hat mir gut gefallen. Zudem hat mich sein Durchhaltevermögen erschüttert. Auch wenn die Liebe ihm schon längst nicht mehr guttut, hält er noch zu Susan.

    Susan hingegen habe ich während der ganzen Handlung nie so recht verstanden. Nie habe ich gespürt, ob es ihr bei Paul wirklich um Liebe geht oder eben nur um den Ausbruch aus ihrer Ehe. Ihr Verfall zum Ende hin hat mich dann aber sehr mitgenommen.

    Julian Barnes ist erstklassig gelungen zu zeigen was Liebe aus einem machen kann und dass sie einem nicht immer guttut, auch wenn man sich das noch so sehr einreden möchte.

    Gut fand ich zudem wie der Autor die Alkoholsucht beleuchtet und wie sich so etwas in eine Beziehung einschleicht.

    Fazit: Wäre der letzte Part nicht gewesen, dann wäre ich vollends überzeugt gewesen. So war es dann aber nur ein gutes Buch, welches ich aber empfehle.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Mär 2019 

    "Wahrheit und Liebe, das war mein Credo!"

    Paul ist erst (schon/noch) 19 Jahre alt als er die Mittvierzigern Susan Macleoad kennen lernt. Aus der Partnerin beim gemischten Doppel wird seine erste, seine einzige große Liebe, zu einer Zeit, als für derartige Beziehungen noch keine Worte wie „Cougar“ oder „Toyboy“ höchstens „Skandal“ gab. Susan entzieht sich ihrer unglücklichen Ehe mit Gordon, Paul und Susan leben jahrelang ihre unkonventionelle Liebe. Doch das große Glück gibt es nicht, es ist überschattet von Entwicklungen, die Paul bald nicht mehr in der Hand hat.

    Julian Barnes lässt Paul die Geschichte, diese einzige Geschichte der Liebe erzählen. Es sind die Erinnerungen eines alternden Mannes, der auf seine Leben, zurückblickt. Auf ein Leben als Paul noch jung und ungestüm ist, sich über die gutbürgerlichen miefigen Glaubenssätze seiner Eltern und deren Generation hinwegsetzt. Im Tennisklub umgeben von lauter „Hugos und Carolines“ sollte er nach dem Willen der Eltern ein nettes Mädchen finden. Doch es ist Susan, an die er sich verliert. Beide sind sie in Sache Liebe und Sexualität unerfahren, er aufgrund seiner Jugend, sie aufgrund ihrer lieblosen Ehe.

    Paul will nicht verstehen, sondern erleben. Die Intensität, das Verlangen, die Wahrheit der Liebe.

    „Wahrheit und Liebe, das war mein Credo. Ich liebe sie, und ich sehe die Wahrheit. So einfach muss es sein.“

    Paul fühlt sich gleichaltrigen Kollegen überlegen, da er doch das weitaus interessantere Leben, das keinen moralischen Zwängen unterliegen würde, führe. Er war kein Muldenhocker, kein Mitglied einer abgehalfterten Generation.
    Erst im Scheitern beginnt er sich von Susan zu entfernen. Später wird er sein Leben, seine Liebe, seine Erinnerungen analysieren.

    „Welche Erinnerungen sind wahrer, die glücklichen oder die unglücklichen?“

    Paul merkt, dass er diese Frage nicht beantworten kann, dass Mitgefühl und Gegnerschaft nebeneinander bestehen könne, dass sich scheinbar unvereinbare Gefühle nebeneinander entfalten können.

    Die Erzählperspektiven wechseln von Abschnitt zu Abschnitt vom kraftvollen Ich des Aufbegehrens, dem zweifelnden Du im Zeitpunkt des Versagens und der dritten Person in der Aufarbeitung.

    „Zwei Menschen, erste Person und zweite Person: du und ich, ein Ich und ein Du. Aber inzwischen war das Ungestüm der ersten Person in ihm zur Ruhe gekommen. Es war, als betrachte – und lebe – er sein Leben in der dritten Person.“

    Ich kann nicht erklären, warum mich dieses Buch emotional so erwischt hat. Ich habe nichts dergleichen erlebt wie Susan oder Paul – nicht in dieser Form - und trotzdem macht es mich zutiefst traurig. Dafür muss ich Mr. Barnes wohl ein großes Lob aussprechen! Ich würde auch in Frage stellen, dass bei der Geschichte zweier Menschen die sich lieben oder liebten, es nur eine Geschichte gibt. Meistens gibt es zwei, vor allem wie es anfing, und ganz besonders, wie es endet. Und doch ist es deren und damit einzige Geschichte, die nur für sie und nur so füreinander geschrieben wurde. Es lässt mich selbst Erlebtes oder die Erinnerungen daran hinterfragen.

    „Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage.“ Mit diesem Satz beginnt dieses Buch, es ist das Alpha und Omega dieser Geschichte.