Die Einsamkeit der Seevögel: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Einsamkeit der Seevögel: Roman' von Gøhril Gabrielsen
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Eine Wissenschaftlerin reist mitten im Winter nach Finnmark, dem äußersten Zipfel Norwegens. Dort möchte sie das Schwinden der Zugvögelpopulationen und die Klimaveränderungen untersuchen. Fern jeder Zivilisation findet sie Freiheit und Luft zum Atmen, nach der sie sich in ihrer gescheiterten Ehe so gesehnt hatte.Ganz allein, umgeben von endlosem Schnee, tosendem Meer und rauen Naturgewalten, wartet sie auf die Ankunft der Vögel. Und auf ihren Geliebten, der mit ihr die Einsamkeit teilen will. Doch warum verschiebt er seine Ankunft? Woher kommen die seltsamen Geräusche in ihrer Hütte? Und war es der Wind, der ihr über den Körper strich, oder ist sie doch nicht allein? Als die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Wahn, Gegenwart und Vergangenheit immer mehr verschwimmen, muss sie sich endgültig dem stellen, was sie hinter sich gelassen hat.
Mit atmosphärischer Sprengkraft und Dichte erzählt Gøhril Gabrielsen von einer Frau, die sich in der Einsamkeit selbst zu verlieren droht - in einer Sprache klar und scharf wie ein Diamant.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:174
Verlag: Insel Verlag
EAN:9783458177807

Rezensionen zu "Die Einsamkeit der Seevögel: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Okt 2019 

    Einsam gefangen zwischen Vergangenheit und Gegenwart

    Eine junge Wissenschaftlerin reist an den nördlichsten Zipfel Norwegens, um Ergebnisse für ihre Forschungsarbeit zu sammeln, die Zusammenhänge zwischen dem Klimawandel und dem Rückgang der Seevögel beweisen soll.

    Ihre kleine Tochter hat sie bei ihrem Ex-Mann zurückgelassen. Eigentlich war vorgesehen, dass ihr neuer Freund Jo mit in den hohen Norden kommt. Er vertröstet sie aber von Mal zu Mal, weil er für sein Kind da sein will.

    Die Ich-Erzählerin ist einsam, teilweise auch Gefahren ausgesetzt, denn die kalte Umwelt ist nicht berechenbar. Sie lässt ihreBeziehungen Revue passieren. Zudem lässt sie die Geschichte des ehemaligen Örtchens nicht los, an dem ihre Forschungsstation liegt. Hier soll 1871 ein Haus abgebrannt sein, in dem ein Junge umkam. Ihre eigenen Ängste verschwimmen mit den Figuren von einst, was etwas Mythisches und Surreales hat...

    Da liegt meines Erachtens auch der Schwachpunkt: die Gefühle dieser (fiktiven) Personen bekommen viel Raum. Das mag den Parallelen zum eigenen Leben der Protagonistin geschuldet sein, oder auch ihrem "Lagerkoller": wenn man den ganzen Tag mit sich allein ist, können die Gedanken offenbar eine eigene Dynamik entwickeln.
    Bedrohung geht zudem von ihrem Ex-Mann aus, einem Mann, der sie nicht ohne weiteres frei geben will.

    Die Sprache und die Beschreibungen der Natur sind beeindruckend. Das Buch hat durchaus Sogwirkung, allerdings blieb mir die spannende persönliche Verstrickung der Protagonistin etwas unterrepräsentiert. Hier hätte ich gern noch mehr insbesondere über die beiden Männer in ihrem Leben erfahren. Doch für andere Leser mag gerade in der Knappheit und den Andeutungen die besondere Würze liegen.

    Ein empfehlenswertes Buch für kalte Herbst-und Wintertage.