Die Bücher, der Junge und die Nacht: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Bücher, der Junge und die Nacht: Roman' von Kai Meyer
4.15
4.2 von 5 (6 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Bücher, der Junge und die Nacht: Roman"

Ein Bücherdieb, ein Junge ohne Erinnerung und die Magie des Lesens: Kai Meyers großer zeitgeschichtlicher Roman über die Geheimnisse der Bücher und eine schicksalhafte Liebe Dichter Nebel wogt durch die Gassen der Bücherstadt Leipzig, 1933, als das Böse die Macht ergreift. Hier entspinnt sich die tragische Liebe des Buchbinders Jakob Steinfeld zu einer rätselhaften jungen Frau. Juli hat ein Buch geschrieben, das sie einzig ihm anvertrauen will. Doch bald darauf verschwindet sie spurlos. Fast vierzig Jahre später ist auch Jakobs Sohn Robert den Büchern verfallen und reist auf der Suche nach seltenen Ausgaben durch ganz Europa. Er liebt seine Arbeit und die Bücher – von Menschen hält er sich meist eher fern. Doch als die Bibliothekarin Marie ihn bittet, ihr bei einem Auftrag der geheimnisumwitterten Verlegerfamilie Pallandt zu helfen, stoßen sie auf das Mysterium eines Buches, dessen Geschichte eng mit Roberts eigener verknüpft ist – es ist der Schlüssel zum Schicksal seiner Eltern. Bestseller-Autor Kai Meyer hat eine wunderschöne Liebeserklärung an die Welt der Bücher geschrieben, die zugleich ein berührender historischer Roman und ein hochspannendes Stück Zeitgeschichte vom Zweiten Weltkrieg bis in die 70er Jahre ist.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:496
Verlag: Knaur HC
EAN:9783426227848

Rezensionen zu "Die Bücher, der Junge und die Nacht: Roman"

  1. Spannende Fiktion und interessante Zeitgeschichte

    REZENSION – Schon in seinen eher für junge Leser verfassten Romanen vergangener Jahre hatte sich der vielfach prämierte Schriftsteller Kai Meyer (53) dem Thema der Bibliomanie, also der übersteigerten bis krankhaften Leidenschaft zum Sammeln von Büchern, sowie der Bibliomantik, mit Hilfe von Büchern magische Kräfte ausüben zu wollen, zugewandt. Doch während sich die Figuren des „Meisters der deutschen Phantastik“ in dessen Trilogie „Die Seiten der Welt“ (2014-2016) sowie im zweibändigen Roman „Die Spur der Bücher (2017/2018) noch in reinen Fantasy-Welten bewegten, ist Kai Meyers neuester Roman „Die Bücher, der Junge und die Nacht“, im November 2022 bei Verlagsgruppe Droemer Knaur erschienen, ganz anders konzipiert und allein schon deshalb lesenswert.
    Seine diesmal für erwachsene Leser geschriebene „Liebeserklärung an die Welt der Bücher“, wie es der Verlag im Klappentext ausdrückt, spielt im Gegensatz zu üblichen Fantasy-Romanen nicht in einer mittelalterlich anmutenden Märchenwelt, sondern die fiktive Handlung ist im durchaus realen Umfeld der historischen Bücherstadt Leipzig und dessen Graphischem Viertel verortet und in die Neuzeit der Jahre 1933, 1943 und 1971 verlegt. Gerade dieses Spannungsfeld zwischen einerseits absoluter Realität von Ort und Zeit und andererseits der eher mystisch als phantastisch wirkenden Handlung macht Meyers Roman „Die Bücher, der Junge und die Nacht“ auch für Nicht-Fantasy-Leser zu einer interessanten und spannenden Lektüre.
    Die Chronologie der Geschichte – in wechselnden Zeitsprüngen abschnittweise erzählt, ohne allerdings den Leser zu verwirren – beginnt 1933, dem Jahr der Machtergreifung der Nazis, im Graphischen Viertel der alten Bücherstadt Leipzig. Juliana Pallandt, Tochter des mächtigen Leipziger Verlegers Konrad Pallandt, mit dem der benachbarte Antiquar und Buchbinder Jakob Steinfeld verfeindet ist, bittet ausgerechnet ihn, das Manuskript eines von ihr verfassten Buches zu binden. Steinfeld lehnt zunächst ab, verliebt sich aber spontan in die junge Frau. Bald darauf ist Juliana verschwunden. Vierzig Jahre später bittet die Bibliothekarin Marie den mit ihr befreundeten Kollegen Robert Steinfeld, Jakobs Sohn, der allerdings seine Eltern nie kennenlernte, die Bibliothek des seit Kriegsende in München wirkenden und nun verstorbenen Verlegers Konrad Pallandt aufzulösen. Einige dort aufgefundene Bände aus der Leipziger Buchbinderei Steinfeld geben den beiden Experten allerdings Rätsel auf, weshalb das Paar den Spuren bis hin zu jenen unheilvollen Ereignissen der 1930er und 1940er Jahre in Leipzig nachgeht. Dabei stoßen sie auf das Mysterium des Buches „Das Alphabet des Schlafs“, dessen Geschichte eng mit Roberts eigener verknüpft ist, und des einzigen Exemplars eines angeblich magischen, vielleicht sogar teuflischen Buches mit dem Titel „Der König im Exil“, das einst im Besitz der Buchbinder-Loge der „Dreizehn Meister“ war.
    Kai Meyer versteht es ausgezeichnet, seine rein fiktive Geschichte um die bibliophilen Steinfelds, die Drucker- und Verlegerfamilie Pallandt sowie Pallandts geheimnisvollen Sekretär Flügelschlag und die historische Buchbinder-Loge im Umfeld des Graphischen Viertels so plastisch, in atmosphärischer Dichte packend und realitätsnah zu schildern, dass man versucht ist, im Internet Informationen über die „Dreizehn Meistern“ zu finden. So ist der Roman „Die Bücher, der Junge und die Nacht“ einerseits eine spannend geschriebene Fiktion, wobei die Tragik des Geschehens hin und wieder humorvoll aufgelockert wird, andererseits aber auch ein interessantes Stück Zeitgeschichte über die Bücherstadt Leipzig während der Weimarer Republik und der Kriegsjahre bis hin zu jener Nacht am 4. Dezember 1943, in der 1 800 Menschen im Bombenhagel umkamen und das Graphische Viertel zerstört wurde. Zudem dürfte dieser Roman mit seinen Beschreibungen des Steinfeld'schen Antiquariats, des Handwerks der Buchbinder, der Pallandt'schen Bibliothek und den Bezügen zu Werken klassischer Literatur wohl jeden wahren Bücherfreund begeistern.

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  1. Bücherstadt Leipzig wird geehrt...

    Als ich diesen Titel in meiner örtlichen Bücherei sah, musste er einfach mit und was soll ich sagen? Ich bin hin und weg.

    Das gestreute Geheimnis rund um Robert Steinfeld hat mich einfach enorm gefesselt. Gern bin ich ihm und Marie gefolgt. Ich mochte beide Figuren direkt, was wohl an ihrer Liebe zu Büchern liegt.

    Das geheimnisvolle Buch, was immer wieder erwähnt wird, da wünscht man sich irgendwie, dass es so etwas auch in unserer Realität gibt. Würde ich nur zu gern auf dem Flohmarkt finden wollen.

    Alles rund um das Grafische Viertel von Leipzig fand ich enorm spannend. Dass Leipzig schon immer eine Bücherstadt ist, das wusste ich, aber hier konnte ich noch einiges mehr an Wissen erwerben.

    Mich hat die Geschichte regelrecht eingesogen und ich war zwei Tage komplett weggebeamt, was nicht oft passiert, wenn ich ein Buch lese. Ich habe das aber enorm gern, vor allem weil man ja leider immer mehr durch Social Media, TV und Streamingdienste abgelenkt ist.

    Fazit: Klasse Buch, unbedingt lesen!

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  1. Liegt es an mir?

    Ich bin leider etwas traurig, denn vor der Lektüre erschien mir dieser Titel wie das perfekte Buch für mich. Vom tollen Kai Meyer geschrieben, der mich mit einigen Jugendbüchern schon gut unterhalten hat. Die Bücherstadt Leipzig in einer düsteren Zeit, die mich seit meiner Teenagerzeit fasziniert und dennoch wollte der Funke nicht so recht überspringen und ich frage mich: Ist es nicht der richtige Zeitpunkt, dass der Roman und ich zusammen gefunden haben, liegt es am Buch oder an mir?

    In der Geschichte geht es um Robert Steinfeld, der wenig über seine Kindheit weiß und erst recht nichts über seine Eltern. Als seine Bekannte, die Bibliothekarin Marie, einen besonderen Auftrag erhält und dabei auf etwas aus Roberts Vergangenheit stößt, begeben sie sich auf Spurensuche. Werden sie das Geheimnis lüften können?

    Zunächst einmal hat mich die Art der Erzählweise sehr stark an Carlos Ruiz Zafon erinnert, dessen Bücher ich ungemein gern gelesen habe und was sehr dafür spricht diesen Roman zu lesen.

    Auch fand ich es ungemein spannend wieviel man über die Stadt Leipzig erfährt. Ich war schon sehr oft dort, aber vom Graphischen Viertel wusste ich eigentlich nichts. Immer wieder habe ich neben der Lektüre online dazu recherchiert, weil es mich so interessiert hat.

    Die Sprünge zwischen den Zeiten, den mal bewegt sich der Leser 1933, mal 1943 und mal in den 70ern, waren immer schlüssig und nachvollziehbar. Man wusste als Leser immer wen man gerade begleitet. Na klar wurden spannende Szenen durch die Wechsel unterbrochen, aber das steigerte eher den Spannungsbogen.

    Klingt eigentlich alles perfekt, oder?

    Und dennoch hatte ich ein großes Problem: der Funke sprang irgendwie nicht über und so richtige Lust zum Lesen kam nicht auf und ich weiß leider gar nicht woran genau es liegt, weil alles dagegen spricht, dass es mir so ergangen ist und dennoch ist es passiert. Normalerweise wäre ich bei den Themen Feuer und Flamme und könnte gar nicht mehr aufhören mit Lesen bis die letzte Seite erreicht ist, aber hier war diese Magie einfach nicht da.

    Fazit: Ein Buch, was alles hat was ein neugieriger Leser braucht. Mich hat es dieses Mal nicht erreicht und dennoch möchte ich es gern empfehlen. Ich werde mit etwas Zeitabstand vielleicht nochmal einen zweiten Versuch starten, vielleicht liegt es auch einfach nur an mir.

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  1. Eine Welt aus Papier

    In Kai Meyers neuem Roman “Die Bücher, der Junge und die Nacht“ sind Bücher das zentrale Thema, zusammen mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Nationalsozialismus. Ein Junge namens Robert Steinfeld, der seine Eltern nie kennengelernt hat, wird 10 Jahre lang in einem Zimmer voller Bücher eingesperrt, bis er 1943 von einem Mann namens Mercurio befreit wird, als die Bücherstadt Leipzig von Bomben zerstört wird. Bücherdieb Mercurio erhält immer vorab Informationen, wo die nächsten Bomben fallen, und schickt den Jungen in die zerstörten Häuser, um wertvolle Bücher zu stehlen. Nach einigen Monaten bringt er das Kind zu einer Frau, die ihn adoptiert. 1971 bittet die Bibliothekarin Marie Robert, der eigentlich immer ein Konkurrent für sie war, ihr bei der Auflösung der Bibliothek des bekannten Verlegers Pallandt zu helfen. Hier stößt Robert auf Spuren seiner Vergangenheit und kann endlich klären, wer er ist und was seinen Eltern zugestoßen ist. Sein Vater war der bekannte Buchbinder Jakob Steinfeld, der in der Nacht des Bombenangriffs auf Leipzig ums Leben kam. Er hatte sich 10 Jahre vor seinem Tod in die hübsche junge Juli verliebt, die das Manuskript ihres Buches von ihm binden lassen wollte, bevor sie wenig später spurlos verschwand.
    Neben den Geschichten der Familien Steinfeld und Pallandt und der Suche nach zwei verschollenen Büchern spielt auch der zeitgeschichtliche Hintergrund eine bedeutende Rolle. Der Leser bekommt einen Eindruck, was Krieg und Nationalsozialismus mit den Menschen machten. Daneben kommen allerhand seltsame Theorien von Sekten und Geheimbünden zur Sprache, die sich Gedanken über Reinkarnation machten.
    Ich habe diesen Roman sehr gern gelesen und empfehle ihn ohne Einschränkung Lesern, die sich für historische Romane interessieren.

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  1. 2
    22. Dez 2022 

    Ich habe mich sehr gefreut

    Ich habe mich sehr gefreut hier einen neuen Roman von Kai Meyer zu entdecken. Ich habe seine "Die Seiten der Welt"-Trilogie damals verschlungen und geliebt. Das Thema des neuen Romans sprach mich auch sofort an und ich habe schon mit Vorfreude darauf gewartet meine gesammelten Punkte dafür auszugeben.

    Zuerst war ich gleich einmal begeistert. Der Roman ist sehr atmosphärisch und erinnert an die wunderbare Welt in Zafons Büchern. Durch das Thema hatte ich auch genau damit gerechnet.
    Die erste Euphorie verging jedoch schnell und ich fand schon bald keine Motivation mehr weiter zu lesen. Ich habe das Buch jedoch trotzdem immer wieder zur Hand genommen und es immer und immer wieder versucht. Doch das mit mir und diesem Roman wurde leider nicht besser.
    Obwohl ich die Kapitel, die weiter zurück in der Vergangenheit liegen sehr schön gestaltet finde und auch die Charaktere sehr gerne mag, kann ich komischerweise kein Interesse an der Geschichte und deren Ausgang finden.

    Ich finde es sehr schade und hoffe das Buch doch noch zu beenden, doch leider ist doch ein sehr dickes Buch und nimmt dann doch viel Zeit in Anspruch, wenn man jetzt gerade nicht so viel Lust darauf hat. Aber ich habe noch nicht aufgegeben.

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  1. Wow!

    !ein Lesehighlight 2022!

    Klappentext:

    „Dichter Nebel wogt durch die Gassen der Bücherstadt Leipzig, 1933, als das Böse die Macht ergreift. Hier entspinnt sich die tragische Liebe des Buchbinders Jakob Steinfeld zu einer rätselhaften jungen Frau. Juli hat ein Buch geschrieben, das sie einzig ihm anvertrauen will. Doch bald darauf verschwindet sie spurlos.

    Fast vierzig Jahre später ist auch Jakobs Sohn Robert den Büchern verfallen und reist auf der Suche nach seltenen Ausgaben durch ganz Europa. Er liebt seine Arbeit und die Bücher – von Menschen hält er sich meist eher fern. Doch als die Bibliothekarin Marie ihn bittet, ihr bei einem Auftrag der geheimnisumwitterten Verlegerfamilie Pallandt zu helfen, stoßen sie auf das Mysterium eines Buches, dessen Geschichte eng mit Roberts eigener verknüpft ist – es ist der Schlüssel zum Schicksal seiner Eltern.“

    Autor des Romans ist Kai Meyer. Seine Geschichte „Die Bücher, der Junge und die Nacht“ zählen für mich definitiv zu den Highlight des Jahres 2022. Meyers Geschichte erstreckt sich auf drei Zeitstränge und eben so manche Personen. Schlussendlich passt alles gekonnt zusammen aber man muss schon darauf achten den Faden nicht zu verlieren oder selbst in der Bücherwelt stecken zu bleiben. Seine Wortwahl und sein Stil sind treffend auf den Punkt gebracht auch wenn er hier und da etwas ausladend ist mit seinen Erzählungen. Dennoch sind die geschichtlichen Beschreibungen und die Handlungen der Figuren sehr gut zusammen gesetzt ohne das es langweilig wird und alles ist zudem bildhaft benannt. Auch die nötige Prise Spannung und auch ein wenig Thriller sind hier sehr gut austariert. Der Roman strotzt nur so vor Wendungen und der Leser darf sich dadurch auf immer wieder neue und eben andere Situationen freuen, die definitiv nie vorhersehbar sind/waren. Meyer hat hiermit eine. Echten Pageturner verfasst den man einfach nicht weglegen möchte - das Buch hat einen Sog von ungeahntem Ausmaß! Suchtfaktor wenn man so will! Deshalb fällt mein Fazit auch kurz und knapp aus: Lesen! Unbedingt!

    5 Sterne vergebe ich hier!

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