Die andere Seite der Realität

Buchseite und Rezensionen zu 'Die andere Seite der Realität' von A.P. Glonn
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

London 1888. Als Inspector Seth Aspen in Whitechapel über eine Frauenleiche stolpert, ist das erst der Auftakt einer ungeheuren Mordserie, welche ganz London erschüttert. Der Mörder scheint ein nicht fassbares Phantom, von der Presse bald als Jack the Ripper betitelt. Um ihn zu stellen, verfolgt Aspen den Täter quer über den Atlantik, durch die USA und Kanada und darüber hinaus zur anderen Seite der Realität ... nach Innes, einer Welt, aus welcher der Ripper seine Macht schöpft. Obwohl selbst als Fremdling verfolgt, bleibt ihm Aspen auf den Fersen; mit nur einem Ziel: Den Ripper zu finden koste es, was es wolle.

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:528
EAN:9783943408409

Rezensionen zu "Die andere Seite der Realität"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Dez 2016 

    ein phantastischer Jack-the-Ripper-Roman

    Vom Jahre 1888 an hat Jack the Ripper in London sein Unwesen getrieben. Auf sein Konto sollen damals mindestens fünf Opfer gegangen sein. Wahrscheinlich waren es mehr. Doch woher kam er und wohin ging er? Gefasst hat man ihn nie. Es gab zwar einige Verdächtige, u. a. auch innerhalb der gehobenen Kreise Londons. Man munkelte sogar, dass ein enger Verwandter der damaligen Königin Viktoria der Ripper wäre. Aber wer letztendlich hinter Jack the Ripper steckte, ist nie herausgekommen. Die deutsche Schriftstellerin A. P. Glonn hat in Die andere Seite der Realität aus einer eigenwilligen Theorie einen Roman entwickelt, der die Frage nach der Person Jack the Ripper auf phantastische Art beantworten könnte.

    Der Anfang dieses Romanes führt uns nach London. Wie in jedem guten Jack-the-Ripper-Krimi findet eine Unzahl an bestialischen Frauenmorden statt. Im Mittelpunkt steht der Agent Seth Aspen mit seinen Ermittlungen. Er beißt sich an dem Fall fest. Für die Öffentlichkeit erscheinen die Ermittlungen erfolglos. Die Bevölkerung wird unruhig. Die Polizei steht unter Druck. Diverse Verdächtige tauchen auf der Bildfläche auf, leider erweisen sich die Anschuldigungen als falsch. Und in dem Moment, in dem man als Leser denkt "Ok, wieder eine Leiche und ein Verdächtiger mehr", nimmt die Handlung Fahrt auf. Auf einmal wird aus dem „gemütlichen“ Krimi ein Fantasyroman, der es in sich hat.

    "'...Hier geht es um weitaus mehr als einen simplen Verrückten, der keine Frauen mag. Das ist politisch hochbrisant. Die Verdächtigenliste liest sich inzwischen wie das Who is Who der englischen Gesellschaft.'"

    Es gibt eine heiße Spur, die nach Amerika führt. Seth nimmt die Verfolgung auf. Man beachte, in der Zeit um 1890 war man noch mit Pferdekutschen und Dampfschiffen unterwegs. Eine Überfahrt von Europa nach Amerika hat ein paar Wochen gedauert. Jack the Ripper hat einen Vorsprung von nur wenigen Tagen, der sich aber in einem riesigen Land wie Amerika als uneinholbar erweisen kann. Doch Seth bekommt Unterstützung von den amerikanischen Behörden. Die Spur des Rippers führt mittlerweile bis nach Kanada. Und dort passiert es: Der Ripper und Seth treffen aufeinander. Nun sollte man meinen, dass die liebe Seele Ruhe hat. Der Ripper ist gefasst? Falsch gedacht. Denn der Ripper besitzt sehr überraschende Fähigkeiten. Die Handlung geht von jetzt an in eine Richtung, mit der man in keinster Weise gerechnet hat, nämlich auf die "andere Seite der Realität".

    "Er war ein Mann der Moderne, doch alles, was ihm hier begegnete, war primitiv oder magisch. Wo blieb die Vernunft?"

    Seth findet sich auf einmal in einer Parallelwelt wieder. Er, der Kopfmensch, hat es plötzlich mit einer Welt zu tun, in der die Bevölkerung die unterschiedlichsten magischen Fähigkeiten aufweist. Die Jagd nach dem Ripper geht hier weiter. Seth findet dabei Unterstützung in den Bewohnern dieser Welt, die erkannt haben, dass der Ripper auch ihr Dasein bedroht.

    Der Leser begegnet den unterschiedlichsten phantastischen Charakteren: Schattenläufer, Wolfsmänner, Windläufer, Glengalls ... um nur einige zu nennen. Das Zusammenspiel zwischen Seth und den magischen Charakteren, die ihn auf der Jagd nach dem Ripper unterstützen, ist dabei sehr amüsant. Er kann den englischen Gentleman einfach nicht ablegen, was seine magischen Freunde einerseits befremdlich, andererseits aber sehr amüsant finden.

    "Er war hier gestrandet, ein Glengall, ein unmagischer Fremder, dem jeder Bewohner dieser seltsamen Welt etwas antun konnte, dem die Häscher eines Yorcks mit unglaublichen Fähigkeiten auf den Fersen waren, und der möglicherweise von dem Ungeheuer gejagt wurde, das in Whitechapel all diese unglücklichen Frauen abgeschlachtet hatte."

    Dem Leser eröffnet sich also mit der "anderen Seite der Realität" eine interessante Phantasiewelt, die aufgrund der magischen Charaktere zu faszinieren weiß. A. P. Glonn hat diese Phantasiewelt akribisch ausgetüftelt. Daher bleibt zu hoffen, dass es nicht bei dieser einen Geschichte bleibt, sondern Glonns Welt Schauplatz für weitere Romane sein wird. Das Ende ist so gestaltet, dass eine Fortsetzung durchaus möglich wäre.

    Fazit:
    A. P. Glonn ist mit diesem Roman eine faszinierende Mischung aus Krimi, Steampunk und High Fantasy gelungen. Ich gebe zu, dass ich nicht darauf vorbereitet war. Ich habe mich von dem Stichwort „Jack the Ripper“ auf die falsche Fährte führen lassen und mit einem Krimi gerechnet, den man tatsächlich auch im ersten Teil dieses Romanes findet. Jedoch mit Eintritt in die Parallelwelt findet man sich in einem völlig anderen Buch wieder, was der Qualität dieses Romanes jedoch keinen Abbruch tut. Ganz im Gegenteil. Ich lasse mich gern überraschen, insbesondere, wenn diese Überraschung mit soviel Spannung und Unterhaltung verbunden ist wie dieser ungewöhnliche Roman von A. P. Glonn.

    © Renie

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Aug 2014 

    Ein tolles Leseerlebnis

    Seth Aspen, Second Class Inspector bei der Metropolitan Police ist mit Herz und Seele Polizist und als ein Irrer anfängt Prostituierte aufzuschlitzen, ist es seine oberste Priorität den Mann zu fangen, der sich selbst Jack the Ripper nennt. Er folgt dem Ripper von Leiche zu Leiche und überall nimmt er diesen seltsamen Geruch wahr. Warum riecht das sonst niemand? Als der Ripper England verlässt, heftet sich Aspen an seine Fersen und plötzlich ist er in Innes, auf der anderen Seite der Realität. In einer Welt, in der es Magie gibt. In der Gestaltwandler leben und in der alles anders ist, als in seiner gewohnten Welt. Doch auch dort gibt Aspen nicht auf und verfolgt weiter die Spur des Rippers, der auch hier nicht aufhört zu morden. Er trifft auf Freunde und auf Feinde, aber niemand kann ihn von seinem Vorhaben abbringen, den Killer aufzuhalten. Wird ihm das gelingen?

    Als ich las, dass es beim LUZIFER-Verlag ein Buch über Jack the Ripper geben soll, war ich kaum noch zu bremsen. Wie so viele interessiert mich dieses Thema schon seit vielen Jahren und zu gerne würde ich wissen, wer wirklich hinter dem Ripper steckte. Ich musste dieses Buch einfach haben. Zum Glück habe ich ein ABO bei diesem Verlag und bekomme automatisch die Bücher zugeschickt. Und dann war es da. Mit diesem tollen Cover von Timo Kümmel, meinem Lieblingsillustrator. Der hat wieder großartige Arbeit geleistet. Und wenn ich schon dabei bin, muss ich auch gleich mal die Qualität des Buches loben. Der Einband des Paperback ist praktisch unkaputtbar. Selbst wenn man das Buch komplett aufschlägt, bekommt man keine Leserillen in den Buchrücken. Ich habe es getestet. Das Buch lag komplett aufgeschlagen auf meinem Schoß und so las ich es. Keine Rille. Auch das naturweiße Papier finde ich sehr angenehm für die Augen, genau wie die Schriftgröße.

    Aber genug zu dem Buch selbst. Es fand zur gleichen Zeit eine Leserunde auf Lovelybooks statt, an der ich sehr gerne Teil nahm, da die Autorin sie begleitete. Das war eine große Bereicherung, denn sie erzählte uns viel über ihre Beweggründe und über ihre Recherche.
    Ich muss sagen, dass mich das Buch von der allerersten Seite gepackt hatte. Seth Aspen ist ein sehr sympathischer Mann, der ganz in seiner Arbeit aufgeht und dem es sehr wichtig ist, den Mord an den Prostituierten zu beenden. Auch wenn er ziemlich alleine da steht. Sein Chef hat da eine ganz eigene Meinung:
    "Es ist nicht unsere Aufgabe, uns um tote Huren zu kümmern. Sie sind nichts anderes als Fleisch, in dem Fall sogar nur totes Fleisch, verkündete er abfällig." (Seite 40)

    Seth wirkt stets ein wenig steif, trägt aber sein Herz am rechten Fleck. Nach dem Übergang lernt er verschiedene Menschen kennen. Zu Aelin fühlt er sich sehr hingezogen, deren Muhme, eine sehr weise Frau hilft ihm wieder gesund zu werden und es gibt noch Duncan, mit dem er sich so manches Wortgefecht liefert. Die Dialoge waren einfach nur herrlich. Es gab so viel Humor, dass ich sehr oft grinsend weiter las. Diese Personen sind wunderbar warmherzig. Die bildhafte Sprache ist der absolute Wahnsinn. Ich war wirklich mittendrin statt nur dabei. Ich stand in den ärmsten Vierteln von London, ich roch den Gestank der Fabriken, der Pferde und der ungewaschenen Menschen, ich hörte die Rufe der Fischweiber auf den Docks. Ich sah diese armen Frauen die nichts hatten um zu überleben und darum ihren Körper verkaufen mussten, ich sah diese miesen Kerle, die diese Frauen noch mehr erniedrigten, ich roch den Alkohol und den Urin und hörte das dreckige Lachen. Und ich spürte die Angst der Frauen nachts auf die Straße zu gehen, wo der Ripper unterwegs war, aber es blieb ihnen nichts anderes übrig, denn wenn sie sich nicht verkauften, dann verhungerten sie.

    Dieses Buch löste alles an Emotionen in mir aus. Ich lachte, ich weinte und ich war fassungslos und überrascht. Der Wechsel in die andere Realität verwirrte mich auf den ersten Seiten aber dann war ich auch hier gefangen. Diese Welt ist so schön beschrieben, dass der Leser einen Film vor Augen hat. Ja, ich bin mal wieder absolut begeistert. Aber man kann gar nicht anders. Dieses Buch hat alles, was ein guter Roman braucht. Ich wüsste nichts, was man besser machen könnte. Darum war ich auch schrecklich enttäuscht, als ich auf der letzten Seite angekommen war. Aaaaaaber eigentlich wäre eine Fortsetzung möglich. Ich bin sehr gespannt, ob es eine geben wird.

    Ich vergebe für dieses tolle, wenn auch mitunter brutale Buch, immerhin geht es um den Ripper, das mich so gefesselt hat, 5 von 5 Punkten, den Favoritenstatus und eine absolute Leseempfehlung. Aber der Leser sollte sich darauf einstellen, dass er keinen historischen Roman über Jack the Ripper vor sich hat, sondern eine phantastische Geschichte in der alles und nichts passieren kann. Dann wird er oder sie auch richtig Freude an dem Buch haben.

    Ich möchte noch ganz herzlich der Autorin für die tolle Betreuung während der Leserunde danken. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Ich hoffe, es folgen noch viele weitere Bücher und Leserunden.

    © Beate Senft