Die Affäre Alaska Sanders

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Affäre Alaska Sanders' von Joël Dicker
4.15
4.2 von 5 (6 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Affäre Alaska Sanders"

April 1999. Im friedlichen Mount Pleasant an der amerikanischen Ostküste wird die Leiche der jungen Alaska Sanders geborgen. Die Geständnisse eines Verdächtigen und seines Komplizen genügen, um die Ermittlungen zu einem raschen Erfolg zu führen. Juni 2010. Sergeant Perry Gahalowood, der seinerzeit von der Schuld des Verdächtigen restlos überzeugt war, erhält anonym eine verstörende Nachricht. Was, wenn er damals die falsche Fährte verfolgt hat? Gemeinsam mit seinem Freund, dem Schriftsteller Marcus Goldman, dessen Erfolg »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert« vor der Verfilmung steht, rollt er den Fall neu auf – und fördert Details aus Alaskas Vergangenheit zutage, die die damaligen Ereignisse in ein völlig anderes Licht rücken ...

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:592
Verlag: Piper
EAN:9783492071963

Rezensionen zu "Die Affäre Alaska Sanders"

  1. Drehbuchreifer Suspense-Krimi mit einigen logischen Schwächen

    In "Die Affäre Alaska Sanders" von Joel Dicker knüpft der Ich-Erzähler, der pseudo-biographisch schreibende Autor Marcus Goldman, an den Bestseller "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" an. Ein Kniff mit einem Buch im Buch, das überdies jeweils einen Bestseller darstellt. Wieder handelt es sich um die Aufklärung eines Cold-Cases in dem Dicker-Universum rund um New Hampshire, Maine und Florida.

    Eine junge Schönheitskönigin Alaska Sanders wird erschlagen an einem See in Grey Beach gefunden. Ein aufsteigender Schauspielstar, der eigentlich in New York Karriere machen sollte, aber es seltsamerweise vorzog, in einem Provinznest ein unauffälliges Leben zu führen. Schnell gerät ihr Freund Walter Carrey unter Mordverdacht und alle Indizien sprechen eindeutig gegen ihn. Im Polizeiverhör räumt Walter den Mord ein, belastet aber zugleich seinen Freund Eric der Mittäterschaft. Dann kommt es zum Eklat. Walter kann sich im Polizeigewahrsam töten, nachdem er den Mordermittler Vance erschießt, und hinterlässt noch jede Menge Fragen. Daraufhin wird Eric verhaftet und wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Viele Indizien, die schon Walter belasteten, sprechen auch gegen Eric. Auch er gesteht die Ermordung Alaskas, bevor er lieber schweigt.

    Nach elf Jahren tauchen plötzlich Zweifel an der Aufklärung des Falles auf. Zusammen mit seinem alten Freund Sergeant Gahalowood, der den Verlust seiner Frau Helen zu verarbeiten versucht, geht Goldman der Sache nach. Es zeigt sich, dass Walters Geständnis falsch war und somit auch die belastenden Hinweise, die zu Erics Verurteilung führten, ins Wanken geraten. Ihr Ziel ist nun, den echten Mörder Alaskas zu entlarven oder auch die Schuld des zwielichtigen Eric zweifellos feststellen zu können. Bis es zur Auflösung kommt, werden die Ermittler hin- und hergerissen von Fakten und Fälschungen sowie von Freunden und Polizeiprofis, die Ihnen entweder zur Seite stehen oder das Leben schwer machen. So müssen sie einem wild verschlungenen Pfad durch ein Krimi-Dickicht einschlagen, der sie oft genug in Sackgassen schickt oder im Kreis herumführt.

    Nebenbei möchte Goldman die Wunden seines Lebens heilen, die durch falsche Entscheidungen gegenüber Lebensgefährtinnen und durch das schwere Schicksal seiner Verwandtschaft in Baltimore geschlagen wurde.

    Die "Die Affäre Alaska Sanders" ist ein fast 580 Seiten starker, spannungsgeladener Krimi, der durchweg zum Miträtseln einlädt. Dicker versteht es sehr gut, die Leserschaft auf die Entdeckungsreise durch die scheinbar undurchdringliche Wildnis mühevoller Polizeiarbeit zu nehmen. Eine Entdeckung folgt auf die nächste. So entwickelt sich eine Art Schnitzeljagd mit vielen Cliffhangern und „toten Enden“ durch das gesamte Buch. Oft genug werden feststehende Erkenntnisse wieder revidiert, weil es doch Unstimmigkeiten, gegenteilige Zeugenaussagen oder gar Beweise gibt. Die Ermittlungen gleichen daher auf mehreren Ebenen einem Zick-Zack-Lauf. Neben den widerstreitenden Plot-Elementen springt der Roman auch geographisch die gesamte Ostküste rauf und runter; vor allem sind da die verschiedenen Zeitschienen, die auch einen Todesfall noch vor dem Cold Case um Alaska ins Visier nehmen. Wer den Roman nicht an einem Stück liest, dürfte Schwierigkeiten haben, detektivisch am Ball zu bleiben. An manchen Stellen sind die sich überschlagenden Eindrücke doch sehr verwirrend. Hilfreich mag hier das Inhaltsverzeichnis am Schluss sein.

    Und damit komme ich zu einem Hauptargument meiner Beurteilung: Wäre das Buch ein Gebäck, dann sprächen wir von einer siebenstöckigen Torte mit ganz viel Marzipan und allerlei anderer Deko. Joel Dicker ist zwar die Meisterleistung gelungen, den Krimi weitestgehend schlüssig zu halten und auf jede unlogisch erscheinende Frage (z. B. zu plötzlich wechselnden Intimitäten oder zu Motiven, warum so viele Mitwisser von wichtigen Aspekten elf Jahre geschwiegen haben, bevor sie sich nun offenbaren) eine Antwort zu liefern, aber in einigen Fällen hapert es dann doch (die Vater-Tochter-Beziehung, in der der Marihuanakonsum zum Zerwürfnis führt, aber nicht der Diebstahl einer kostbaren Uhr; die Beziehungen der wichtigen Figuren rund um den Schönheitswettbewerb wird sträflich vernachlässigt, sonst wäre der Fall vermutlich von Vornherein gelöst worden). Ebenso schwächeln hin und wieder mal Dialoge, die nach meinem Geschmack etwas künstlich wirken bzw. unpassende Emotionen beschreiben.

    Diese Punkte führen dazu, dass ich den Roman etwas schlechter als „Harry Quebert“ einschätze und 4 von 5 Sternen vergebe. Trotz allem kann ich den Roman sehr empfehlen. Wie von Dicker gewohnt ist er sein Geld wert, wer Spannung, gute Unterhaltung und solide Schreibkunst erwartet. Ich bin mir sicher, dass (wie in der Fiktion des Buchs im Buch angekündigt) es nicht lange dauern wird, bis der Roman ebenfalls wieder verfilmt wird.

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  1. 5
    20. Aug 2023 

    Sie ermitteln wieder!

    April 1999. Im friedlichen Mount Pleasant an der amerikanischen Ostküste wird die Leiche der jungen Alaska Sanders geborgen. Die Geständnisse eines Verdächtigen und seines Komplizen genügen, um die Ermittlungen zu einem raschen Erfolg zu führen. Juni 2010. Sergeant Perry Gahalowood, der seinerzeit von der Schuld des Verdächtigen restlos überzeugt war, erhält ein anonym eine verstörende Nachricht. Was, wenn er damals die falsche Fährte verfolgt hat? Gemeinsam mit seinem Freund, dem Schriftsteller Marcus Goldman, dessen Erfolg »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert« vor der Verfilmung steht, rollt er den Fall neu auf – und fördert Details aus Alaskas Vergangenheit zutage, die die damaligen Ereignisse in ein völlig anderes Licht rücken... (Verlagsbeschreibung)

    Bereits vor 10 Jahren las ich mit großer Begeisterung 'Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert' von Joël Dicker und hätte nicht zu hoffen gewagt, dass es dazu einmal einen Nachfolger geben würde. Doch hier ist er - endlich!

    Der inzwischen berühmte Schriftsteller Marcus Goldman führt ein unruhiges Leben, immer unterwegs zwischen seinem Wohnort New York, den Orten, an denen er seine Freundin treffen kann, die als Flugbegleiterin viel umherkommt, seinem Onkel in Baltimore und auch dem kleinen Ort Aurora, wo er immer noch hofft, auf eine Fährte von Harry Quebert zu stoßen, der seit dem damaligen Fall spurlos verschwunden ist. Bei seinen Besuchen in Aurora sucht er die Orte auf, an denen er sich seinerzeit viel aufgehalten hat, und stößt dabei auch immer wieder auf Sergeant Perry Gahalowood, der damals die Ermittlungen im Fall Harry Quebert leitete. Seither verbindet Goldman und Gahalowood eine Art loser Freundschaft, was aber wohl vor allem Letzterer nicht zugeben würde.

    Gahalowood ist ein eher verschlossener Mensch, der die Dinge lieber mit sich selbst ausmacht. Bis auf seine Familie pflegt er eher keine engeren Kontakte und ermittelt auch beruflich alleine, seit bei einem früheren Fall sein Partner ums Leben kam. Der Sergeant neigt dazu, sich bei schlimmen Ereignissen selbst die Schuld zu geben und hadert mit seinen Selbstvorwürfen. Zufällig erfährt Marcus Goldman, dass es in jenem alten Fall um die Ermordung der jungen Frau Alaska Sanders womöglich eine neue Spur gibt, auch wenn der als abgeschlossen gilt. Der Hauptverdächtige ist kurz nach seinem Geständnis verstorben, der zweite Verdächtige wurde verurteilt und sitzt seither in Haft. Doch Zweifel kommen auf, ob es sich tatsächlich so zugetragen hat, wie es damals den Anschein hatte. Goldman und Gahalowood beginnen vorsichtig, die Ermittlungen wieder aufzunehmen...

    Joël Dicker präsentiert hier einen überaus vielschichtigen Fall mit vielen überraschenden Wendungen und verwebt darein geschickt die persönlichen Hintergründe sowohl von Goldman als auch von Gahalowood. Dabei schuf die liebevolle Inszenierung von Orten und Charakteren ein unglaublich angenehmes Hörerlebnis - durchzogen von Spannung, Berührung und Humor. Für mich waren dadurch gleich schon die ersten Kapitel wie ein Nachhausekommen - ich habe mich in der langsam erzählten Geschichte (immerhin stolze 18 Stunden und 31 Minuten) sehr wohlgeführt. Gemeinsam mit den beiden Ermittelnden kann man sich dahintreiben lassen und beobachten, welche neuen Erkenntnisse sich ergeben und in welch anderem Licht der Fall um Alaska Sanders dadurch zunehmend erscheint. Die zahllosen Zeitsprünge ohne vorherige Ansage waren vor allem zu Beginn zwar eine Herausforderung - da muss man schon sehr konzentriert zuhören, um die Zusammenhänge und den Anschluss nicht zu verlieren -, aber der ruhige und souveräne Vortrag voh Torben Kessler hat das für mich allemal wettgemacht.

    Für mich auf jeden Fall ein Jahreshighlight - ein verwickelter Fall, ein ruhiger Schreibstil, dazu die Stimme von Torben Kessler: eintauchen und genießen!

    © Parden

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  1. Ein neuer alter Fall

    Mit „Die Affäre Alaska Sanders“ legt Joël Dicker eine Fortsetzung seines Weltbestsellers „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ vor. Im Mittelpunkt stehen erneut der Autor Marcus Goldman und der Ermittler Sergeant Perry Gahalowood. Sie greifen einen alten Fall wieder auf, der eigentlich als gelöst galt. Elf Jahre zuvor wurde die junge Alaska Sanders ermordet aufgefunden. Die Polizei verhaftete zwei Verdächtige, von denen der eine beim Verhör unter zunächst ungeklärten Umständen ums Leben kam. Der andere gestand die Tat, um nicht seine Hinrichtung zu riskieren und sitzt seitdem im Gefängnis. Eine Gruppe, darunter seine Anwältin und seine Schwester, kämpft für die Wiederaufnahme des Verfahrens.
    Als Leser verfolgt man eine undurchsichtige Geschichte mit immer neuen Spuren, die sich später als falsch erweisen. Die Lektüre erfordert wegen der Personenvielfalt und der zahlreichen Handlungsumschwünge einiges an Aufmerksamkeit. Immer wieder nimmt der Erzähler Bezug auf den Vorgänger und die anderen Romane des realen Autors Dicker, der als fiktiver Autor Marcus Goldman genau diese Bücher schreibt. Wenn man wie ich „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ erst kürzlich gelesen hat, stören die vielen Wiederholungen und die ständigen Hinweise auf die anderen Werke des Autors. Eine gewisse Straffung hätte dem Roman gutgetan. Dennoch liest sich der Roman nicht schlecht, und ich bleibe mit Sicherheit ein Fan dieses Autors, d.h. ich werde auch sein nächstes Buch lesen.

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  1. Mal anders erzählt

    Mal anders, erzählt...

    - Die Affaire der Alaska Sanders -

    ein weiterer Roman von dem Schweizer Joël Dicker, ist am 01.06.2023 auf den deutschen Markt gekommen.
    1985 wurde der Autor wurde in der Schweiz / Genf geboren & hat in Paris eine Schauspielausbildung abgeschlossen. Aber nicht nur das. Er ist auch Absolvent des Jurastudiums.
    Schon als Kind war er von Büchern begeistert. Heute können seine Bücher eine große Leserschaft begeistern.

    Zum Inhalt:
    Alles beginnt im Jahr 1999. Ein Ort an der amerikanischen Ostküste - Mount Pleasant -. Hier wird die Leiche der Alaska Sanders aufgefunden. Die Ermittlungen laufen wie geschmiert. Schon nach kurzer Zeit kann der Ermittler, Sgt. Perry Gahalowood, glasklare Ermittlungsergebnisse präsentieren und den Fall so, zu einem erfolgreichen Abschluss bringen.

    Im Juni 2010 erreicht Sergeant Perry Gahalowood, den damaligen Ermittler, eine anonyme Botschaft. Daraufhin stellt sich ihm die Frage, ob er damals nicht einer falschen Fährte gefolgt war. Gemeinsam mit seinem Freund Marcus Goldmann einem bekannten Schriftsteller, beginnt er erneut Nachforschungen in dem alten Fall, anzustellen.

    Mein persönliches Leseerlebnis

    Gleich vorab: ich kannte weder den Schriftsteller noch seine Werke. Durch die Informationen der Medien, war ich auf den Autor aufmerksam geworden und habe dem Buch mit Freude, entgegengesehen.

    Die auf dem Titelbild abgebildete Tankstellen-Szenerie vermittelt das Gefühl einer geordnet, sicheren Umwelt. Still, abgelegen ohne etwas offensichtlich Böses...Ich war hierdurch noch neugieriger auf das Buch geworden.
    Also: Gut gemacht!

    Erzählstil, Spannung, Logik:
    Es ist sicher nicht übertrieben, wenn ich sage, dass Joël Dicker, einen durchaus sehr eigenen Schreibstil, hat. In seinem vorliegenden Roman finden durch die Verbindungen zwischen den Protagonisten und den eigenen schriftstellerischen Erfahrungen, eine wirklich interessante Verquickung von Realität und Fiktion statt.
    Durch die Erzählweise ist es mir möglich, tief in die Story einzutauchen. Meine Realität verschwimmt und ich bin an der Seite beider Freunde.
    Ihren Ermittlungen, Gedanken sowie Aktionen. Diese erscheinen folgerichtig und sind durchweg spannend.
    Dieser Roman ist alles andere als eine Kurzgeschichte. Der Autor spart weder an Worten noch an detaillierten Erklärungen.

    Dass ich die Vorgängerromane:

    - Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert (2012) - &
    - Die Geschichte der Baltimores (2016) -

    vorab nicht gelesen habe, war nicht zu meinem Nachteil.
    Es fiel mir leicht, mich in der Geschichte zurechtzufinden.
    Allerdings sind die eben erwähnten Bücher nun auf meiner Wunschliste gelandet :)

    Zusammenfassung:
    Dieses Buch ist ein wirklich in Qualität und Machart, überzeugend & spannend lesbar.
    Ich kann Lesern, die noch keine Bücher von Joël Dicker gelesen haben, diese Lektüre definitiv, ans Herz legen.

    Fazit:
    Ich vergebe überzeugte sehr gute 4* Lesesterne für diesen interessant und spannend, erzählten Roman, verbunden mit einer Leseempfehlung an Dicker Fans aber auch Bücherwürmer, die eine etwas andere Art der Erzählung, zu schätzen wissen.

    ISBN: 978-3-492-07196-3
    Verlag: PIPER
    Seitenzahl: 592
    Formate: elektr., geb. Buch, Hörbuch

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  1. Marcus is back!

    Er ist wieder da und ermittelt: Schriftsteller Marcus Goldman kann es einfach nicht lassen. Und Joel Dicker auch nicht. Auch im dritten Teil der Reihe um MG hat er mich wieder in seinen Bann gezogen.

    Ich persönlich finde, man sollte die anderen beiden Bücher von Joel Dicker schon gelesen haben, um wirklich alles aus dem Leseerlebnis dieses Buches rauszuholen. Denn gerade am Anfang wird schon fast zu deutlich Harry Quebert und die Baltimores erwähnt, es wirkt am Anfang fast ein bisschen nervig, da dachte ich kurz er würde damit Leser:innen verschrecken, die die Geschichten nicht kennen. Am Ende fängt Joel Dicker es aber wieder gut ein und schafft schöne Synergien, die Leser:innen der anderen beiden Bücher wieder in diese Welt zurückholen und nostalgische Gefühle dalassen, die das Gefühl von Gemeinschaft vermitteln.

    Die Charaktere haben mich anfangs auch nicht so abgeholt wie bei Harry Quebert, sie wirkten etwas hölzern und steif. Ebenso die Handlung, diese wirkte anfangs sehr konstruiert. Doch dann hat die Geschichte richtig Fahrt aufgenommen und Marcus ist wieder Marcus, wie man ihn kennt und liebt. Und dann zeigt sich wieder Joel Dickers Talent, ein feines Netz zu weben, in das er die Leser:innen einfängt und sie gleichzeitig mitnimmt auf eine Entdeckungsreise. Die Leser:innen werden nie bevormundet und bekommen Erkenntnisse nicht auf dem Silbertablett serviert sondern dürfen selbst darauf kommen und ermitteln. Man muss den Schreibstil von Joel Dicker einfach lieben - in Dialogen zeigt sich seine wahre Stärke. Und dadurch wirken auch alle Fäden, an denen er zieht total logisch und man verfolgt die verflochtene Handlung, ohne zu stutzen.

    Wenn er mich auch nicht so umhauen konnte wie Harry Qubert ist der Fall Alaska doch einer, der mich lange nicht loslassen wird und den ich sehr geliebt habe. Ich freue mich schon auf mehr aus der Feder von Joel Dicker.

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  1. 4
    21. Jun 2023 

    Marcus is back

    Er ist wieder da, der Schriftsteller Marcus Goldman, der aus seinen Erkenntnissen zum Fall von Harry Quebert einen Roman gemacht hat. Die Filmrechte sollen verkauft werden, aber ein neues Buch ist nicht in Sicht. Auch in Liebesdingen muss Marcus einen Rückschlag hinnehmen. Die Auffrischung seines Kontaktes zu Perry Gahalowood, den er bei seinen Nachforschungen zu Quebert kennenlernte, kommt gerade recht. Und diesmal gibt es neue Entwicklungen zu einem alten Mordfall, der wegen eines Geständnisses als geklärt galt. Im Jahr 1999, also vor elf Jahren, wurde die junge Alaska Sanders tot aufgefunden. Der vermeintliche Täter ist tot und sein mutmaßlicher Komplize sitzt seitdem hin Haft.

    Und nun nehmen sich Gahalowood und Goldman der Aufgabe an, herauszufinden, ob damals wirklich jeder Spur nachgegangen wurde. Die beiden Männer verbindet eine Art distanzierte Freundschaft, was sich zum Beispiel darin äußert, dass der Polizist Gahalowood Goldman meist nur als „Schriftsteller“ bezeichnet. Zu Beginn ihrer Ermittlungen zu Alaska Sanders sind sowohl Gahalowood als auch Goldman nicht besonders gut drauf, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Die gemeinsame Arbeit hilft ihnen, ihre Freundschaft aufzufrischen und auch bei der Bewältigung ihrer Probleme. Entgegen aller Erwartungen entwickelt sich der Mordfall Alaska zu einer verwickelten Geschichte, in der es viele Wahrheiten zu entdecken gibt.

    Das ist mal wieder ein echter Wurf. Vielleicht war man sich nicht ganz sicher, ob man sich dem Roman widmen wollte, und ist deshalb mit großen Erwartungen an das Hörbuch herangegangen. Zum Glück kann man aber auch positiv enttäuscht werden. Die Ermittlungen um den Mordfall Alaska Sanders sind ausgesprochen gelungen. Der Fall ist vielschichtig und bei erneuten Gesprächen kommt zutage, dass gerade im Weggelassenen manchmal neue Informationen liegen. Nach und nach ergibt sich auch durch Rückblenden ein ganz anderes Bild über den alten Fall, die Zeugen und die Ermittlungen. Da muss man auf jeden Halbsatz hören und immer aufmerksam bleiben. Gut gelungen ist auch die Beschreibung der Zusammenarbeit zwischen Gahalowood und Goldman, die sich im Laufe der Zeit doch etwas entfremdet hat und hier wieder zu einem tollen Ermittler-Duo zusammenfinden. Authentisch und lebendig vorgetragen wird das Hörbuch von Torben Kessler. Das Cover ist schön gestaltet und gibt einen Eindruck von der Umgebung, in der der Roman angesiedelt ist. Und wenn es mit diesem Roman eine Fortsetzung zu Harry Quebert für den geneigten Leser gibt, wird es möglicherweise eine Fortsetzung zu Alaska Sanders geben. Jedenfalls ist diese erste Fortsetzung schon mal ein sehr würdiger Nachfolger.

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