Der Wortschatz

Rezensionen zu "Der Wortschatz"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 25. Mär 2018 

    Von der Liebe zur Sprache...

    Begleite ein Wort auf der Suche nach sich selbst. Erlebe, wie es ausgesprochen wird, Dichterin und Denker kennenlernt, im Sprachfluss fast untergeht, an den großen Wortspielen teilnimmt, und sich am Ende bald selbst nicht mehr versteht. Ein Buch für Erwachsene als sie noch Kinder waren...

    Was gibt es Schöneres für jemanden, der wie ich Bücher und das Lesen liebt, wenn er auf ein Werk stößt, das sich mit eben dieser Liebe zur Sprache und zum Wort befasst - eingebettet in eine fantasievolle Geschichte, die vielversprechend klingt? Ich habe mich daher sehr gefreut, als ich die Gelegenheit erhielt, dieses Debüt des gerade einmal 33jährigen Elias Vorpahl zu lesen, doch...

    Sechs Anläufe hat es gebraucht, bis ich über die ersten Seiten hinaus kam - immer wieder fing ich von vorne an, weil ich das Gefühl hatte, einfach nicht alles nachvollziehen zu können. Erst als ich das eben als gegeben hinnahm und beschloss, einfach nicht alles verstehen zu wollen, sondern vielleicht im Laufe des Lesens hinter den Sinn zu kommen, konnte ich wirklich mit dem Buch beginnen.

    Nun, da ich die Geschichte beendet habe, muss ich gestehen, dass sich mir tatsächlich immer noch nicht alles erschließt. Die Fragezeichen vom Anfang haben sich nicht aufgelöst, und im Gegenteil sind noch einige im Laufe der Lektüre hinzugekommen. Ich habe die ganze Zeit auf das gewisse 'Wow' gewartet, es für mich aber nicht gefunden, was ich sehr bedauerlich finde...

    Schön fand ich die Idee hinter dem Buch: die Liebe zur Sprache, die Wertschätzung der Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten, die Achtung des einzelnen Wortes. Und das Ausleben der Fantasie, was der Autor hier wahrlich gefeiert hat. Sein Vergnügen an der Sprache und an Wortspielereien sind deutlich spürbar, und die liebevollen, in schwarz und weiß gehaltenen Illustrationen von Julia Stolba unterstreichen noch das Fantastische dieser Geschichte. Die gesamte Gestaltung des Buches spiegelt die Liebe des Autors zu seinem Werk wieder.

    Und doch... Und doch kann ich nicht in die Begeisterungsstürme vieler Leser einstimmen, denn um eine Geschichte zu weben, gehört für mich mehr dazu, als Szenen einfach aneinanderzureihen, mögen diese für sich genommen auch noch so schön sein. Viele Zusammenhänge erschlossen sich mir nicht, und manches entbehrte für mich gar jeder Logik. Hinzu kommt, dass ich von vielen in der Erzählung bedeutsamen Worten bis zum Schluss kein Bild vor Augen hatte. Manche sind sehr gegenständlich (z.B. ein Esel), andere dagegen nahmen für mich keine Gestalt an (z.B. ein Wort namens Zeig). Da hakte mein Kopfkino gewaltig.

    Zudem ist hier mehr als deutlich, dass bei dieser Erzählung bekannte Klassiker wie 'Alice im Wunderland' von Lewis Carroll oder auch 'Die Unendliche Geschichte' von Michael Ende Pate gestanden haben. Zahlreiche Szenen erinnerten deutlich an die berühmten Vorlagen, und in dieser Häufung stießen mir die offensichtlichen Parallelen doch irgendwann auf, auch wenn Elias Vorpahl daraus etwas durchaus Eigenes schuf.

    Insgesamt lässt das ambitionierte Debüt des Jungautoren ein großes Engagement und eine sichtliche Freude am Fabulieren erkennen, doch konnte es mich leider nicht wirklich mitreißen. Hier hatte ich mir einfach mehr erwartet...

    © Parden

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 10. Mär 2018 

    Die Suche nach dem Wort

    Ein Wort, das noch nicht seinen Namen und seine Bedeutung kennt, wird in die Welt hinausgestoßen. Es besteht viele Abenteuer bis es zur Erkenntnis gelangt, was es ist und welchen Stellenwert die Sprache hat. Dabei muss es Rätsel lösen, über sich selbst hinauswachsen, Weisheit erlangen. Das ist die Kurzform dieser Erzählung, die fantasievoll in die Welt der Sprache und des geschriebenen Worts führt.
    Das kleine Buch ist liebevoll gestaltet. Man spürt auf jeder Seite das Herzblut des Autors und der Illustratorin, die in dieses Werk geflossen ist. Elias Vorpahl erweist seinen großen Vorbildern Lewis Carroll, St.Exupery und Michael Ende in seiner Geschichte Referenz, er lässt sie mal auftreten, mal werden sie zitiert, mal erinnern ganze Szenen daran.
    Das ist sehr charmant geschrieben, besonders der Beginn hat mir gefallen. Allerdings hatte ich immer das Gefühl, es fehlt die Seele der Geschichte. Auch das Ende hat mich nicht ganz befriedigt.
    Gefallen hat mir aber die Ermutigung an die Leser, Sprache und Wörter bewusst zu lesen und zu schreiben und Sprache lebendig zu erhalten.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Feb 2018 

    Eine Hommage an die Welt der Sprache

    „Wir dürfen die Menschen nicht nur verteufeln. Wir brauchen sie, sie lesen und schreiben uns. Sie lassen uns existieren.“ Diese Aussagen des Vaters kann ein Wort nicht glauben und auch nicht verstehen – bis es auf einmal durch ein traumatisches Erlebnis seinen Sinn verliert. Ganz allein muss sich das Wort auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt der Sprache machen. Auf der Suche nach sich selbst gilt es, einige Herausforderungen zu meistern.

    „Der Wortschatz“ ist der ungewöhnliche Debütroman von Elias Vorpahl.

    Meine Meinung:
    Neben einem Pro- und einem Epilog besteht das Buch aus elf kurzen Kapiteln. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Wortes.

    Nicht nur der Inhalt des Romans bildet die unterschiedlichen Facetten der Sprache ab, sondern auch sein Stil: Tolle Wortspiele, Sprachbilder, Metaphern und andere rhetorische Figuren konnten mich begeistern. Das erfordert zwar ein aufmerksames Lesen. Der Schreibstil hat mir aber gerade deswegen sehr gut gefallen. Er lässt auch etwas großzügiger darüber hinwegsehen, dass kein großer Verlag an dem Werk beteiligt ist und so einige Orthografie- beziehungsweise Tippfehler vor dem Druck unentdeckt blieben.

    Die Grundidee des Romans, Worte lebendig werden zu lassen, finde ich außerordentlich kreativ und ungewöhnlich. Die Handlung, die mehrere Wendungen zu bieten hat, ist stimmig und bis zur letzten Seite schlüssig. Anrührende Szenen wechseln sich mit spannenden Passagen ab. Dabei wird die Geschichte zu keiner Zeit langatmig, sondern bleibt abwechslungsreich.

    Neben den sprachlichen Aspekten, die auf mein persönliches Interesse stießen, werden auch philosophische Gedanken ausgesprochen. Das Buch regt zum Nachdenken an und liefert wichtige Denkanstöße. Ein weiterer Pluspunkt für mich.

    Das Wort war mir schnell sympathisch, so dass ich mit dem Hauptprotagonisten mitgefiebert und die Geschichte sehr gerne verfolgt habe. Allerdings hatte ich aufgrund der Abstraktheit der Charaktere zeitweise etwas Probleme, mir die Figuren des Romans genau vorzustellen. Auch nach dem letzten Kapitel blieben für mich mehrere Fragen offen. Zum Beispiel: Warum haben einige Worte eine Tiergestalt und welche Gestalt haben die übrigen Worte? Gibt es jedes Wort und jedes Wörtchen nur einmal oder mehrfach? Zu diesen Fragen hätte ich mir weitere Details gewünscht. In diesem Punkt schwächelt die Umsetzung ein wenig. Einige Seiten mehr hätten dem Roman daher nicht geschadet.

    Hilfreich sind beim Verständnis allerdings die allesamt geschmack- und liebevollen Illustrationen, die den Roman inhaltlich und optisch bereichern. Sie sind besonders und passen – wie auch das gelungene Cover – sehr gut zur Geschichte. Auch der Titel ist treffend gewählt und ganz nach meinem Geschmack.

    Mein Fazit:
    „Der Wortschatz“ von Elias Vorpahl ist ein einzigartiger und sehr kreativer Roman, in dem viel Liebe steckt. Es ist eine lesenswerte Geschichte – nicht nur für Sprachliebhaber und Fans des Genres Fantasy.