Der Verrat: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Verrat: Roman' von Ellen Sandberg
3.75
3.8 von 5 (4 Bewertungen)

Um jeden Preis


Michael Brock ist der aufsteigende Stern bei einer einflussreichen Anwaltskanzlei in Washington D. C. Er führt ein Leben auf der Überholspur, bis eine Geiselnahme sein Leben vollkommen verändert. Der Geiselnehmer, ein herunterkommener Obdachloser, wird erschossen. Michael forscht nach den Hintergründen diser Tat und spürt ein schmutziges Geheimnis auf.






Format:Broschiert
Seiten:480
EAN:9783328100904

Rezensionen zu "Der Verrat: Roman"

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 10. Mär 2019 

    Leider eine große Enttäuschung

    Dieses Buch hat unser Krimi-Lesekreis im Februar 2019 gelesen – und wider Erwarten waren wir allesamt nicht sehr angetan davon. In meiner Rezension möchte ich die wichtigsten Kritikpunkte ansprechen, die zur Sprache kamen.

    Spannung

    Vieles ist leider sehr vorhersehbar. Ich möchte hier keine konkreten Beispiele nennen, um nicht schon zu viel zu verraten, aber als Leser kann man viel zu früh erahnen, wo die sprichwörtliche Reise hingeht. Dadurch baut sich nach meinem Empfinden nur wenig Spannung auf.

    Überhaupt würde ich das Buch eher als Familiendrama bezeichnen denn als Krimi.

    Das alleine sehe ich noch nicht einmal als Kritikpunkt – auf dem Cover steht schließlich “Roman” und nicht “Kriminalroman” –, allerdings wird das Buch deutlich als Krimi vermarktet, und auch der Klappentext suggeriert dies.

    Originalität

    Der Grundgedanke, die Geschichte eines Familiengeheimnisses und einer erbitterten Feindschaft zwischen Schwestern vor der idyllischen Kulisse der saarländischen Weinlandschaft in Szene zu setzen, gefiel mir gut. Was für ein Kontrast zwischen der malerischen Landschaft und den hässlichen Emotionen! Leider konnte mich die Geschichte mit jedem Kapitel weniger von sich überzeugen.

    Charaktere

    Vieles wiederholt sich wieder und wieder und wieder. Über lange Strecken stecken die Charaktere in ihrer jeweiligen Endlosschleife fest, ohne dass sie sich dadurch sichtlich weiterentwickeln.

    Pia zum Beispiel denkt oft darüber nach, dass sie anscheinend unfähig ist, ein erfülltes Sexualleben zu führen, wobei das “Wunderland zwischen ihren Beinen” dennoch ausgiebig Erwähnung findet.

    Nane schwankt derweil zwischen Zorn, Verzweiflung und Selbsthass, trifft katastrophale Entscheidungen und bedient sich in den Passagen, die 1998 spielen, ausgiebig ihrer kleinen weißen Helferlein.

    Birgit, eigentlich die sympathischste der drei Schwestern, verliebt sich als Lehrerin 1998 in einen ihrer Schüler und beginnt eine sexuelle Beziehung mit ihm. Dabei ist sie sich keiner Schuld bewusst, denn sie lieben sich doch… Da brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen, dass sie 2018 nicht mehr als Lehrerin arbeitet.

    Die Mutter der Schwestern glaubt, ein Fluch liege über den Frauen der Familie – und das lässt die Autorin den Leser auch nie lange vergessen. Der Fluch hier, der Fluch da… Dabei benötigen die Frauen dieser Familie wohl keine übernatürliche Hilfe, um sich ins Verderben zu stürzen.

    Die Charaktere werden sehr plakativ gezeichnet und kamen mir daher sehr stereotyp vor. Wirklich sympathisch war mir keine der Frauen, die im Mittelpunkt stehen.

    Logik / Schlüssigkeit / Glaubhaftigkeit

    Die Geschichte hat an sich viel Potential, denn natürlich sind die Dinge nicht so einfach, wie sie anfangs erscheinen. Die Schuldfrage scheint zwar lange geklärt – schließlich hat Nane deswegen zwanzig Jahre im Gefängnis verbracht! –, aber die Wahrheit ist vielschichtiger und interessanter.

    Die Auflösung kann dann zumindest teilweise überraschen, kam mir aber etwas zu konstruiert vor. Für eine der Schwestern werden zwei Schwierigkeiten, zwei Hindernisse auf dem Weg zum Lebenstraum, meines Erachtens zu sauber und praktisch aufgelöst.

    Schreibstil

    Zunächst gefiel mir der Schreibstil gut – ich bin in einem Weinbaugebiet aufgewachsen und wusste besonders die landschaftlichen Beschreibungen zu schätzen! Der Roman liest sich auch durchaus flott und unterhaltsam, ich gewann nur zunehmend den Eindruck, dass die Sprache sehr klischeebehaftet ist.

    Auch hier wiederholt sich vieles, und manchmal hatte ich eher das Gefühl, ein Drehbuch für einen netten Vorabendfilm vor idyllischer Kulisse zu lesen.

    FAZIT

    Nane wird nach zwanzig Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Eine ihrer Schwestern hat Grund, sie zu hassen, die andere wünscht sich schwesterliche Versöhnung. Aber wie eindeutig und absolut ist Nanes Schuld überhaupt?

    Leider kommt meines Erachtens nur wenig Spannung auf. Die Hauptcharaktere waren mir zutiefst unsympathisch, die Geschichte krankt an Klischees und zahllosen Wiederholungen – sehr schade, denn eigentlich würde die Handlung genug Stoff bieten für ein großartiges Buch.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 17. Jan 2019 

    Familiendrama

    Drei Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein können und ihre Probleme mit der Liebe. Auf der Familie lastet ein Fluch behauptet deren Mutter. Sie muss es ja wissen, hat sie doch selbst Jahre vorher die Familie wegen der Liebe ihres Lebens verlassen und ist später reumütig wieder zurück gekehrt.

    Nane kommt nach zwanzig Jahren aus dem Gefängnis. Auch Jahre später lastet die Schuld am Tod von Henning, dem ersten Sohn ihres Schwagers, auf ihr. Sie möchte, um letztlich Frieden zu finden, mit ihrer Schwester Pia und Thomas deren Mann über die damalige Nacht sprechen. Beide waren dabei und könnten vielleicht doch ihre Unschuld beweisen. Doch Pia blockt ab, wie schon in der gesamten Haftzeit. Sie möchte mit ihrer kleinen Schwester nichts mehr zu tun haben. Lediglich Birgit, die mittlere der drei Schwestern, ist bereit Nane aufzunehmen. Sie hat ihr auch einen Job besorgt und sich um Wohnraum für sie gekümmert.

    Doch Nane gibt keine Ruhe! Sie lässt nichts unversucht, um an Thomas heranzukommen. Schließlich handelte es sich bei dem Toten um seinen Sohn aus erster Ehe. Beim ersten Zusammentreffen erleidet er einen schweren Herzanfall und liegt im Koma auf der Intensivstation. Auch Pia vermeidet es nach wie vor mit Nane über die Nacht zu sprechen. Was ist damals passiert! Wer war denn nun schuld am Tod von Henning? Lest selbst es lohnt sich in jedem Fall.

    Der Autorin gelingt es in diesem Buch ausgezeichnet den Leser zu manipulieren. Auf Spurensuche, was damals eigentlich geschehen ist, lernen wir die einzelnen Protagonisten sehr gut kennen. Von den drei Schwestern hat es Pia als erfolgreiche Restauratorin am besten getroffen. Sie ist glücklich verheiratet und lebt mit ihrer Familie auf einem erfolgreichen Weingut. Das sie und ihre Familie sich von Nane bedroht fühlen, kann man gut nachvollziehen. Ihr gilt die meiste Sympathie, auch von mir.

    Doch je mehr die Handlung fortschreitet, umso mehr wandelte sich mein Empfinden. Nane, die jüngste Schwester die zwanzig Jahre im Gefängnis gesessen hat und bis heute nicht weiß, ob sie nun wirklich schuld am Tod von Henning ist, erhält plötzlich von mir immer mehr Mitgefühl. Beim Lesen kann ich sehr gut ihre Situation nachempfinden. Sie möchte doch nur Gewissheit um die Ereignisse der damaligen Nacht. Auch wie sie kann ich nicht verstehen, warum niemand mit ihr reden will.

    Birgit, die mittlere Schwester ist so ein wenig die graue Maus. Sie hilft sowohl der einen Schwester, will es sich mit der anderen Schwester aber auch nicht verderben. Sie ist das klassische Mittelkind. Das Verhältnis der Schwestern wurde so überzeugend dargestellt, dass ich viele Reaktionen der Schwestern nachvollziehen konnte.

    Ich fand das Buch ausgesprochen spannend. Ich empfehle es unbedingt weiter und vergebe nur zu gerne fünf Lesesterne.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 25. Dez 2018 

    Griechische Tragödie am Weinberg

    20 Jahre hat Nane im Gefängnis verbracht. Nach ihrer Entlassung, will sie Frieden schließen, um Vergebung bitten und vor allem ihre fehlenden Erinnerungen an das Verbrechen, das ihr zu Last gelegt wurde, auffrischen. So tritt sie wieder in das Leben ihrer Familie und der des Opfers. Doch auf der Suche nach der Wahrheit kommen so einige Lügen zu Tage.
    Ellen Sandberg ist das Pseudonym von Inge Löhnig, deren solide und lebensnahe Krimireihe um den Ermittler Dühnfort ich sehr gerne gelesen habe. Der Verrat ist nun ein anderes Genre, aber auch ein ganz anderes Leseerlebnis. So hat der Verrat alles was ein Schicksalsroman braucht, Geheimnisse, Intrigen Lügen, unerfüllte Liebe, Hass, Neid, Eifersucht. Handwerklich gibt es da auch nichts zu rütteln. Die Geschichte kann sprachlich durchaus fesseln, die Erzählstränge auf zwei Zeitebenen lassen sich gut verfolgen
    Aber dieses Buch konnte meinen Lesenerv nicht treffen, mich nicht erreichen. Ich fühlte mich nicht wohl, in diesem Schickimicki Ambiente. Die griechische Tragödie am Weinberg lässt an einen ZDF Zweiteiler denken, mit idyllischen Landschaftsbildern und dramatischen Akteurinnen. Was hier an tragischen Ereignissen zusammenkommt, war mir bald zu viel des Guten. Bei jeder Person schlägt das Schicksal zu und wenn man glaubt es geht nicht mehr, legt Sandberg noch ein bisschen nach. Da hätte für meinen Geschmack „weniger ist mehr“ dem Buch besser getan.

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 25. Dez 2018 

    Liebe und Eifersucht, Verrat und Rache – und dunkle Geheimnisse

    Mit „Der Verrat“ präsentiert Ellen Sandberg ihren zweiten großen Familien- und Spannungsroman. Er ist im Dezember 2018 bei Penguin erschienen und umfasst 480 Seiten.
    Nach zwanzigjähriger Haft wegen Mordes am Stiefsohn ihrer Schwester, Pia, wird Nane im Sommer 2018 aus dem Gefängnis entlassen. Da noch immer eine große Schuld auf ihr lastet, sucht sie Versöhnung mit ihrer Schwester und deren Mann, Thomas. Doch als Thomas einen Herzinfarkt erleidet und infolgedessen im Koma liegt, verwandelt sich die Suche nach Vergebung in eine Suche nach der Wahrheit. Was geschah wirklich im Sommer 1998 in den Weinbergen hoch oben über der Saar?
    Ich lese eher selten Familienromane, doch hat mich der Umstand, dass sich hinter dem Pseudonym Ellen Sandberg die Münchener Kriminalschriftstellerin Inge Löhnig verbirgt, zum Griff nach diesem Werk veranlasst. Und ich wurde in keinerlei Hinsicht enttäuscht: Der Roman liest sie spannend wie ein Psychothriller.
    Der Spannungsbogen ist von Anfang an gegeben, gegen Ende steigt er sogar bis ins Unermessliche. Immer wieder wird man beim Lesen auf falsche Fährten gelockt und durch unvorhergesehene Wendungen überrascht. Am Ende wird das Familiengeheimnis lückenlos aufgeklärt und hinterlässt einen tragischen Eindruck – so jedenfalls ging es mir.
    Auch dem Schreibstil der Autorin ist die durchgehende Spannung zu verdanken: Sprachlich nicht ohne Anspruch, aber dennoch gut verständlich, vermag es Sandberg, die Dramatik auch über den Satzbau zu transportieren. Kurze, fast fragmentarische Sätze wechseln sich mit eher beschreibenden Elementen ab und verleihen dem Lesen Tempo. Hatte ich einmal mit dem Lesen begonnen, gab es kein Halten mehr.
    Das Geschehen wird auf zwei Zeitebenen geschildert, die einander abwechseln: den aktuellen Ereignissen aus dem Sommer 2018 und denjenigen aus den Jahren 1997/98. Beide Zeitebenen verwebt die Autorin gekonnt miteinander, sodass man beim Lesen nach und nach die Tragik und die Umstände des zurückliegenden Mordfalls erfasst.
    Die Zahl der Charaktere ist übersichtlich, sie entstammen vor allem zwei Familien. Über weite Strecken des Romans bestimmen Frauen das Geschehen: die drei Schwestern Pia, Birgit und Nane. So unterschiedlich sie auf den ersten Blick auch sein mögen, eines haben sie alle drei gemeinsam: In ihnen schlummern dunkle Geheimnisse. Doch ebenfalls die übrigen Handelnden sind wandelbar sowie detailliert und lebensnah gezeichnet. Am Ende bleibt man mit der Frage zurück, wem man eigentlich noch trauen kann.
    Im Ganzen genommen, vereint „Der Verrat“ alles, was einen guten Roman ausmacht: Spannung, Dramatik und meisterliche Erzählweise. Ich jedenfalls kann dieses Buch allen nur wärmstens empfehlen.