Der verlorene Sohn: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der verlorene Sohn: Roman' von Olga Grjasnowa
3.65
3.7 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der verlorene Sohn: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:383
Verlag:
EAN:9783351037833

Rezensionen zu "Der verlorene Sohn: Roman"

  1. Dürftig

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 29. Dez 2020 

    Das Thema ist höchst originell. Vom Kaukasischen Krieg hört man selten.

    Es ist 1839 als der kleine Jamalludin als Geisel an die Russen übergeben wird. Er ist neun Jahre alt und nur das Leben bei den Awaren gewohnt, ein großer Kulturschock. Das Leben am Hof des Zaren ist anders als alles, was er bisher kannte.

    Leider wird genau das nur sehr oberflächlich herausgearbeitet. Jamalludin vermisst eindrucksvoll sein zu Hause, aber die tatsächlichen kulturellen Unterschiede werden nur angekratzt. Der Hof in St.Petersburg ist prächtig, Jamalludin ist es gewohnt, auf dem Boden zu sitzen. Sehr viel mehr erfährt man nicht.

    Das Buch konzentriert sich auf Jamalludins inneren Konflikt, ein Junge zwischen zwei Kulturen, die beide Vor- und Nachteile haben, vernachlässigt dabei aber sträflich das Ambiente sowie historische und politische Randinformationen. Auch die zahlreichen auftretenden Protagonisten lernt man kaum kennen. Sie kommen und gehen und rauschen am Leser vorbei.

    Man kann dieses Buch durchaus lesen, allerdings hatte ich deutlich mehr erwartet.

  1. Die Entwurzelung vom Kaukasus

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Dez 2020 

    Jamalludin ist neun Jahre alt und lebt im Kaukasus im 19. Jahrhundert. Es herrscht Krieg zwischen Russland und dem Kaukasus. Russland möchte über den Kaukasus herrschten, doch Schamil, Jamalludins Vater, und sein Herr kämpfen gegen Russland. Durch eine Kriegslist sieht Schamil sich genötigt seinen ältesten Sohn Jamalludin als Lösegeld gegenüber Russland herzugeben. Anstatt "nur" während der Verhandlung bei den Russen als Lösegeld zu sein, wird Jamalludin in die Zarenahuptstadt St. Petersburg gebracht. Dort lernt er sich zu kleiden, zu sprechen und zu essen wie ein "zivilisierter" Russe (Adliger). Er fühlt den Zwiespalt einerseits möchte er wieder in den Kaukasus und gegen den Feind (Russland) kämpfen, andererseits empfindet er sein Leben als sehr behaglich und angenehm.

    Dieser Zwiespalt ist in diesem Buch sehr gut herausgearbeitet. Die Sprache ist sehr gewählt und arbeitet viel mit Metaphern. Doch insgesamt blieb die Geschichte und der Protagonist mir irgendwie fern. Ich konnte nicht so richtig mich in dieses Buch versinken. Es gab irgendwie eine Distanz zu dem Geschehen. Aber insgesamt empfand ich das Buch als sehr lesenswert. Da ich mich mit der Geschichte von Georgiens nicht näher befasst habe

  1. Entwurzelung

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Sep 2020 

    Olga Grjasnowa kann sehr gut schreiben. Dieses Buch fesselt und bedrückt. Auch wenn man sich denken kann auf was die Schreibe zusteuert, ist es dennoch spannend geschrieben und zeigt was eine Entwurzelung ist und was Wurzellosigkeit bedeutet. Ebenso zeigt es zwei Kulturen und ihre Unterschiede, beleuchtet dabei recht geschickt beide Seiten und das Herumirren des Hauptcharakters zwischen ihnen. Ein Hauptcharakter, den man bedauern kann, der einem leid tut. Für den es kein entrinnen gibt! Dieses Buch handelt in historischen Zeiten, ist im 19. Jahrhundert angesiedelt. Dennoch ist die Handlung auf anderes übertragbar, denn ein Herumirren zwischen den Kulturen wird es immer geben, bzw. solange es verschiedene Kulturen gibt. Unsere Welt steuert ja immer mehr auf eine verwestlichte Welt zu und immer mehr Kulturen verschwinden nach und nach. Aber noch gibt es kulturelle Unterschiede und so ist Jamalludins Odyssee auch ein Beispiel.

    Jamalludin wird als Junge von seiner awarischen Heimat in den dagestanischen Bergen des nördlichen Kaukasus als Geisel im Kaukasuskrieg ins Russische Reich gebracht. Von seiner Heimat/von seiner Familie/von seiner Kultur/von seinem Glauben wird der Junge fortgerissen, muss sich neu anpassen, vermisst seine Eltern, wundert sich über den fehlenden Kontakt, wird älter, wird reifer, Jahre vergehen.

    Jamalludin passt sich an, wird ein Bewohner des Russischen Reichs, verliebt sich, doch merkt er nicht, dass er nur zum Schein anerkannt wird. Er, der einst in den Bergen Dagestans groß geworden ist, der die restliche Zeit im Russischen Reich erwachsen wurde, steht nun zwischen den Welten, ist entwurzelt und hat neue Wurzeln sprießen lassen. Doch halten diese den Stürmen des Lebens stand?

    Olga Grjasnowas Schreibe ist ein Highlight, sie bringt einfühlsam einen verlorenen Menschen nahe. Eine Autorin, die ich mir merken werde!!!