Der Übergang: Passage-Trilogie 1 - Roman

Rezensionen zu "Der Übergang: Passage-Trilogie 1 - Roman"

  1. Amy und das Jahr Null

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 19. Aug 2020 

    Amy Belafonte ist ein kleines Mädchen von sechs Jahren, als sie von FBI-Agenten entführt wird und auf ein geheimes militärisches Versuchsgelände gebracht wird. Sie soll der Schlüssel zu medizinischen Experimenten sein, die dort stattfinden. Es geht um nichts weniger als die Erforschung der menschlichen Unsterblichkeit. Doch die Versuche geraten außer Kontrolle und nach dem Zusammenbruch der Forschungseinheit wird die Welt nie wieder so sein, wie man sie kannte.
    Ausufernd, opulent, düster und dystopisch ist der Roman „Der Übergang“ von Justin Cronin. Der amerikanische Fantasy-Autor lässt sich viel Zeit, in die Geschichte einzuführen, schildert Personen und ihre Lebenspfade so detailliert und facettenreich, egal wie groß deren Bedeutung für den Verlauf der weiteren Story sein werden.
    „Bevor sie Das Mädchen Von Nirgendwo wurde - das Mädchen, das plötzlich auftauchte, Die Erste Und Letzte Und Einzige, die tausend Jahre lebte -, war sie nur ein kleines Mädchen aus Iowa und hieß Amy. Amy Harper Bellafonte.“
    Im Mittelpunkt des ersten Teils des Romans steht die kleine Amy. Ihre Mutter hat auf der Flucht vor dem Gesetz das kleine Mädchen bei Nonnen ausgesetzt. Den FBI-Agenten Wolgast, der auf Amy angesetzt wurde, plagen Geister seiner Vergangenheit. Selbst zu den kleinsten Rädchen im Getriebe der mysteriösen Versuchsanstalt gibt es eine Hintergrundgeschichte. Mit einer Hingabe zum Personal und Detail liest sich dieser einleitende Teil fast wie King, der sich letztlich nur als eine Art Prolog herausstellt, der etwa ein Drittel dieses über 1000 Seiten starken Buches ausmacht.
    „Als alle Zeit zu Ende und jede Erinnerung ausgelöscht war; als der Mann, der er gewesen war, außer Sicht war wie ein davonsegelndes Schiff, das hinter der Krümmung der Erde verschwand und sein altes Leben im Laderaum mit sich nahm; als die kreisenden Sterne auf nichts herabschauten und der Mond auf seiner Bahn seinen Namen nicht mehr wusste und nichts mehr übrig war als das große Meer des Hungers, auf dem er für alle Zeit dahintrieb - da war noch immer in seinem tiefsten Innern dies: ein Jahr. Der Berg und der Wechsel der Jahreszeiten, und Amy. Amy und das Jahr Null.“
    Es beginnt eine neue Zeitrechnung. Der Autor setzt einen Schnitt an, lässt die weitere Handlung in einer 100 Jahre entfernten Zukunft spielen. Die Welt steht im Banne der Herrschaft der Virais, bei Experimenten mutierte ehemals menschliche Wesen, die auf Blut und Tod aus sind. Wenig verbliebene Menschen stellen sich mutig den Mutanten entgegen. Die kalte, grausame und harte Welt spiegelt sich in den Charakteren der neuen Protagonisten wieder.
    Es war für mich ein langer, anstrengender Ritt, dieses Buch zu bewältigen. Immer wieder dachte ich ans Aufgeben, dachte ich an die groteske Situation, dass es keinen Mutantenvirus braucht, der Menschen zu untoten Vampiren macht, wenn es im Jahr 2020 genügt sich mit einem Grippevirus abzuschaffen. Vielleicht war es einfach das falsche Buch zur falschen Zeit. Vielleicht lag es aber auch an der zähen Langwierigkeit von etwa 700 Seiten Marsch und Überlebenskampf.
    Mit dem Ende des Buches endet die Geschichte allerdings noch lange nicht. Es gibt noch zwei weitere Bände dieser postapokalyptischen Schauermär. Dieses Pferd werde ich aber nicht so bald besteigen wollen.