Der Turm aus Licht

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Turm aus Licht' von Astrid Fritz
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Turm aus Licht"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:816
Verlag:
EAN:9783499001192

Rezensionen zu "Der Turm aus Licht"

  1. toller historischer Roman

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Sep 2020 

    Astrid Fritz entführt uns in „Der Turm aus Licht“ in die Zeit des Baus des Freiburger Münsters. Nachdem die Baustelle lange Zeit still stand, kommt der Baumeister Gerhard mit seiner Frau Odilia im Auftrag von Graf Konrad nach Freiburg, um an der bereits begonnen Kirche weiter zu bauen. Unter Egino, Konrads Sohn, kommt es dann immer wieder zu Stillständen am Bau und Jahre später kommt Baumeister Heinrich um den wieder unterbrochenen Bau fertig zu stellen. So begleiten wir die Freiburger Bürger über 60 Jahre von 1270 bis 1330 .

    Man sollte sich von dem umfangreichen Personenregister am Anfang des Buches nicht abschrecken lassen, hier werden wirklich alle namentlich auftretenden Personen aufgelistet. In der Geschichte konzentriert sich die Handlung dann aber auf deutlich weniger Hauptpersonen, die sich schnell einprägen.

    Ich wollte eigentlich das Buch nur kurz anlesen und bin dann doch hängen geblieben. Dass ich die doch über 800 Seiten in knapp vier Tagen gelesen habe, spricht auch für sich. Die Geschichte ist flüssig und sehr bildhaft geschrieben, das Kopfkino läuft von der ersten Szene an. Was mir sehr gut gefallen hat war, dass es zwar Intrigen und Ränke gibt, aber eben auch erfreuliche Vorkommnisse und sich alles die Waage hält. So ist man als Leser nicht im Daueralarm und in dauerhafter Angst um die Lieblingsfiguren und kann sich auch immer wieder am normalen Leben in der Stadt erfreuen. Mir haben die Schilderungen aus den Familien der Stadt sehr gut gefallen und am Ende fiel es mir schwer, endgültig Abschied zu nehmen.

    Von mir gibt es daher eine dicke Leseempfehlung für dieses wirklich schöne Buch!

  1. Münster nicht Dom

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Jun 2020 

    Im 13. Jahrhundert beschließt der Graf von Freiburg den Bau des Münsters fortzusetzen. Ein Baumeister aus dem nahen Straßburg soll seine Kunst beweisen. Als Meister Gerhard mit seiner Frau und seinen Gesellen in die Stadt einzieht, wird er leider nicht mit der gebührenden Aufmerksamkeit empfangen. Im Laufe der Zeit stellt sich heraus, dass der erste Eidruck nicht ganz falsch war. Nachdem der Bau zunächst flott vorangeht, beginnen die Geldgeber also hauptsächlich die gräfliche Familie mit den Finanzmitteln zu knausern. Immer häufiger kommt in Meister Gerhard der Gedanke auf, er könne in Straßburg besser aufgehoben sein.

    So ein monumentaler Kirchenbau ist wahrscheinlich nie komplett fertig. Irgendetwas gibt es immer zu tun. Die Autorin beleuchtet mit ihrem Roman die Hauptbauphase des Freiburger Münsters über ungefähr 60 Jahre. Indem sie das Wachsen der Kirche mit den Schicksalen der beteiligten Menschen verbindet, glückt es Astrid Fritz sehr gut, die Zeit lebendig werden zu lassen. Wenn man vielleicht selbst schon mal ein altertümliches Bauwerk besucht hat, auch wenn es nicht das Freiburger Münster war, und sich bei einer Führung erklären ließ, dass die in Stein gehauenen Kerben die Zeichen der Steinmetze und Baumeister waren, wurde einem da schon sehr deutlich vor Augen geführt, dass es echte Menschen waren, die Stein auf Stein gelegt und verziert haben. Und so könnten sich auch Meister Gerhard und seine Kollegen verewigt haben.

    Die Geschichten um Menschen und Kirche, das Bestreben, das Bauwerk schließlich der Vollendung entgegen zu treiben - daraus webt die Autorin ein fesselndes Altartuch. Welchen Erfindungsreichtum die Baumeister hatten, um die Konstruktion vor dem Einsturz zu bewahren, welche Schicksale sich um die Beteiligten ranken. Da der Roman einen recht langen Zeitraum umspannt, muss man von einigen Abschied nehmen. Doch auch das gehört zur Authentizität des Buches, ebenso wie das Verhandeln um Gelddinge, Familienfehden und Liebesränke. Bei den fast 800 Seiten wird einem nie langweilig und der Kirchenbau um seine Menschen sind einem ein ganzes Stück näher gerückt.