Der Tote am Gletscher

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Tote am Gletscher' von Lenz Koppelstätter
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Alpenkulisse, italienisches Flair und ein raffinierter Fall – ein Muss für alle Südtirol-Fans
Nachts auf dem Gletscher, da gehört der Mensch nicht hin. Da sind nur die Geister der Toten und der Sturm und der Schnee. Trotzdem entdeckt Skipisten-Toni im Dezember hoch oben ein seltsames Licht – und wenig später die Leiche eines Einsiedlers. Mit einer Pfeilspitze in der Schulter. Fast am selben Ort, an dem viele Jahre zuvor Ötzi, die weltberühmte Steinzeitmumie, gefunden wurde, die mittlerweile im Bozener Museum liegt. Ebenfalls von einer Pfeilspitze durchbohrt. Commissario Grauner, der an manchen Tagen lieber nur »Viechbauer« wäre, macht sich im tief verschneiten Schnalstal an die Ermittlungen. Unterstützt wird er von Saltapepe, seinem jungen Ispettore aus Neapel, der noch immer nicht versteht, was die Einheimischen an den Bergen finden. Zwischen Dorfintrigen, wortkargen Bewohnern, glühweinseligen Touristen, den kriminellen Machenschaften eines Skiliftunternehmers und kuriosen Ötzi-Spuren entwickelt sich ein hochspannender Fall, der weit in die Vergangenheit führt und die Ermittler vor immer neue Rätsel stellt.

Format:Taschenbuch
Seiten:320
EAN:9783462047288

Rezensionen zu "Der Tote am Gletscher"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 29. Nov 2015 

    Sehr flaches Krimierlebnis

    Der Skipisten Toni entdeckt eines Nachts wie man die Leiche eines Mannes in den Gletschern entsorgen will und wird daraufhin entdeckt und niedergeschlagen.
    Die Leiche ein Einsiedler, der sich später allerdings als jemand ganz anderen entpuppt da er erst im späteren Leben zum Einsiedler wurde.
    Ermitten werden Comissario Grauner ein waschechter Südtiroler der morgens noch seinen bäuerlichen Tätigkeiten nachgeht und sein Kollege Saltapepe aus Neapel
    der total das italienische fröhnt (Essen,Lebensart...).
    Die Leiche wurde ermordet mit einer Pfeilspitze, die sich nach der forenssischen Untersuchung als sehr alt herausstellt und man vermutet das es eine von beiden
    Pfeilspitzen des Ötzis ist. Wie sich dann auch bei den Ermittlungen herausstellt wurde einige Tage davor eine Spitze im Museum entwendet.
    Jedoch der Museumsdirektor hatte diese nicht bei der Polizei gemeldet gehabt, warum das nicht?? Steckt er etwa mit hinter der ganzen Sache??
    Das erfahrt ihr natürlich nur wenn ihr den Roman lest.

    Mein Fazit:

    Puh ich habe mich echt durch diesen Roman gequält, die ersten Seiten waren noch interessant, aber dann flachte der Krimi wirklich sehr ab. Natürlich gehören zu einem Krimi auch die Ermittlungsarbeiten aber die wurden teilweise so in die Länge gezogen und nicht gerade spannend gestaltet, es plätscherte eher so vor sich hin.
    Mir wurde zu viel von der Geschichte des Ötzis, der Probanten und von der Südtiroler Geschichte geschrieben und zu wenig von dem Fall um den es ging.
    Vielleicht hätte dem Roman auch ein zweiter Mord ganz gut getan um etwas Spannung hinein zu bekommen. Also für einen Krimi war es mir definitiv zu wenig Spannung.
    Erst dann ab ungefähr Seite 170 wurde es dann langsam wieder interessant und endete dann mit einem für mich nicht erwarteten Ausgang.

    Also meiner Meinung nach muss der Autor bedeutend mehr Spannung in seinen nächsten Fall bringen sonst wird es echt langweilig.
    Das Ermittlungsteam Grauner/Saltapepe hätte sicher noch das Potenzial dazu.
    Von der Aufmachung des Covers war ich beeindruckt, spiegelt es doch ganz die Südtiroler Bergwelt wieder und passt super zum Roman.

    Da mir jedoch die Qualität des Krimis zu seicht war kann ich nur mittelmäßige 3 von 5 Sternen geben.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 15. Sep 2015 

    Der Tote im Eis

    Ein roter Punkt auf dem Titelbild signalisiert „Südtirol Krimi“. Aber diesen Debütroman von Lenz Koppelstätter als Regionalkrimi einzuordnen ist zuwenig.
    Commissario Grauner ist selbst so ein echter Charakter. Südtiroler von Geburt, fühlt er sich dem heimischen Bauerhof und seinen Kühen oft näher als seinem Beruf. Er liebt seine Heimat, die Berge, die Täler und den ganz besonderen, schweigsamen Menschenschlag. Das macht Polizeiarbeit nicht immer einfach, aber mit Beharrungsvermögen sind ihm schon viele Ermittlungserfolge gelungen. Ihm zur Seite gestellt ist Claudio Saltapepe aus Sizilien. Nun gibt es häufig in Südtirol den alten Konflikt zwischen Einheimischen und italienischer Verwaltung und Amtsträgern. Aber das allein ist es nicht, was die Zusammenarbeit der Beiden schwierig macht. Es sind die konträren Charaktere, die sich an einander reiben. Allerdings haben beide wohl mehr gemeinsam, als sie sich eingestehen wollen. Aus dieser Reibung entsteht eine Spannung im Ermittlungsablauf, die den Reiz für den Leser noch erhöht.
    Ein Sonderling wird ermordet auf einem Gletscher gefunden. Fast Augenzeuge des Delikts ist der Skipistentoni, auch ein Sonderling, der abends und nachts mit seinem Raupenfahrzeug die Skipisten präpariert. Die Nächte verbringt er oft mit seiner Brotzeit in einer der Lifthütten, so fallen ihm in dieser Sturmnacht auch Lichter auf und in der Annahme ein verirrter Skitourengeher sei in Not, setzt er seine Pistenraupe in Bewegung. Dabei stört er den Mörder, kommt aber mit einer Kopfverletzung davon. Grauner und sein Inspektor machen sich auf die Tätersuche, wohl wissend, dass ohne diesen Zufall die Leiche auf Nimmerwiedersehen in einer Gletscherspalte verschwunden wäre und niemand den Toten, der wie ein Waldmensch allein in einer Höhle hauste, vermisst hätte. Das Opfer ist durch einen Pfeil ums Leben gekommen, seine Kleidung scheint selbst gefertigt zu sein, ein steinzeitlich anmutendes Tattoo findet sich auf seinem Knöchel und die Ähnlichkeiten zur Gletscherleiche „Ötzi“ drängen sich dem Leser auf. Erst recht, als der Pfeil als Steinzeitpfeil aus dem Ötzimuseum identifiziert wird.
    Der Roman bleibt von der ersten bis zur letzten Seite spannend, obwohl viele Spuren gelegt sind, bleibt der Leser lange bis zur überraschenden Aufklärung über die Motive im Dunkeln. Es ist ein spannender komplexer Kriminalroman mit vielschichtigen Figuren und echten Charakteren.
    Auf dem Cover steht als Untertitel „Ein Fall für Commissario Grauner“, das lässt hoffen, dass Lenz Koppelstätter schon bald an einem neuen Kriminalfall schreibt.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Aug 2015 

    Ötzis Geheimnis

    Commissario Grauner wäre manchmal lieber Bauer in seiner Heimat Südtirol, dann müsste er sich auch nicht mit seinem neapolitanischen Saltapepe herumplagen. Wie kann sich einer in den Bergen nur weigern, Winterreifen aufzuziehen. Doch als der Skipisten Toni eine Leiche findet, ist Grauner sofort in seinem Element. Ein Einsiedler des Dorfes hat einen Pfeil im Halse stecken. Unvorstellbar, dass jemand einen Grund gehabt haben soll, diesen bedauernswerten Kerl, der nichts mehr hatte, umzubringen.

    Grauner und Saltapepe granteln sich durch ihren ersten Fall, jeder überzeugt, dass die eigenen Methoden die einzig richtigen sind. Sooft sie anderer Ansicht sind, ergänzen sie sich bei der Lösung dieses Falles ausgesprochen gut. Nach und nach schaffen sie es die Geheimnisse, die der Tote verborgen hatte, aufzudecken. Das Leben des Einsiedlers war reicher als gedacht, er war einmal ein normaler Bürger des Ortes. Wieso änderte sich sein Leben so radikal. Kleinste Teilchen müssen zusammengefügt werden bis das Bild sich rundet. Dabei bleiben Grauner mit seiner pubertierenden Tochter und Saltapepe mit seiner Sehnsucht nach Neapel menschlich und sympathisch. Wenn Grauner seine Kühe beim Melken mit klassischer Musik berieselt und sein Kompagnon seine Leidenschaft für Eros Ramazotti pflegt, gerät das zu einem Running-Gag, der die Vorstellung von den beiden ungleichen Polizisten abrundet.

    Gefesselt ist man vom Geschehen, das sich schließlich zu einem Fall, der größere Bedeutung hat als es so ein einzelner Toter vermuten lässt, entwickelt. Manchmal gewitzt, manchmal nachdenklich hin und wieder grüblerisch vertieft sich Grauner in die Ermittlungen. Stimmig in die Seelenwelt der Südtiroler Bergbauern eingebettet bietet dieser packende Krimi um ein Ermittlerteam, von dem man gerne mehr lesen möchte, kurzweilige und ausgesprochen spannende Unterhaltung.