Der Teufel von New York

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Teufel von New York' von Lyndsay Faye
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

New York 1845. Die gerade gegründete Polizei der Stadt ist ein zusammengewürfelter Haufen von Schlägertypen und seltsamen Vögeln. Auch Timothy Wilde gehört dazu – gegen seinen Willen. Bei einem Brand wurden seine Zukunftspläne zerstört, sodass er jetzt jede Arbeit annehmen muss, die sich bietet. Eines Tages läuft ihm ein völlig verstörtes kleines Mädchen in die Arme, bekleidet mit einem blutdurchtränkten Nachthemd. Sie will oder kann nicht sagen, wer sie ist. Da sie selbst körperlich unverletzt ist, muss das Blut von einer anderen Person stammen. Kurz darauf findet Tim auf einem entlegenen Gelände neunzehn Kinderleichen. Es kursieren die wildesten Gerüchte, und die politische Situation ist bis zum Zerreißen angespannt …

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:480
EAN:9783423249935

Rezensionen zu "Der Teufel von New York"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Apr 2015 

    Mord und soziale Ungerechtigkeit im Jahr 1845

    Das Buch ist in meinen Augen einer der intelligentesten, originellsten Krimis, die ich in den letzten Jahren gelesen habe!

    Da kommt so viel Interessantes zusammen:

    Ein hochspannender, aber sehr bedrückender Kriminalfall, in dem es um kleine Kinder geht, deren Rechte vor ihrem Tod niemanden interessierten und die auf übelste Art und Weise ausgenutzt wurden.

    Ein Einblick in die chaotische Begründung des Polizeiwesens im New York des Jahres 1845. Die lachhafte "Ausbildung" bestand aus einer kurzen Ansprache, und anscheinend konnte so ziemlich jeder Polizist werden, der sonst kein besseres Einkommen hatte und bereit war, 16 Stunden am Tag zu arbeiten...

    Außerdem erfährt man als Leser viel über die sozialen Brennpunkte dieser Zeit, und das unterhaltsam und kein bisschen trocken. Es sind nicht nur farbige Menschen, die beschimpft und als Untermenschen betrachtet wurden, auch die Iren galten als "weißer Abschaum" und ihr Glaube fast schon als Blasphemie. Die Einrichtung einer katholischen Schule für irische Kinder ist da zum Beispiel eine unerhörte, beinahe revolutionäre Idee!

    Die Geschichte wird uns von Timothy Wilde erzählt, der auch eher zufällig (und widerwillig) zum Polizeidienst kam - davor war er Barkeeper, doch dann verlor er in einer furchtbaren Feuersbrunst seine Bar, seine Wohnung und seinen Lebensunterhalt. Die Anstellung als Polizist wurde ihm von seinem älteren Bruder vermittelt, einem charismatischem Mann mit Einfluss und zweifelhafter Moral.

    Obwohl er sich erst sehr dagegen sträubt, stellt sich schnell heraus, dass Timothy ein wahres Naturtalent in der Verbrechensbekämpfung ist. Als Barkeeper hat er gelernt, Menschen einzuschätzen, und das kommt ihm jetzt sehr zugute. Er berichtet mit ruhiger, aber eindringlicher "Stimme" über die Geschehnisse, wobei der Autorin das Kunststück gelingt, seine Sprache einerseits passend und schlüssig für die Zeit klingen zu lassen, aber andererseits auch für moderne Leser flüssig und angenehm zu lesen.

    Ich fand den Schreibstil einfach wunderbar; er hat mich von der ersten Seite an mit atmosphärischen Beschreibungen und gelungenen Bildern mitten in die Geschichte hineingezogen. Auch die Übersetzerin hat großartig gearbeitet, und das kann nicht einfach gewesen sein! Denn viele Charaktere reden in der Gossensprache "Flash", die meiner Meinung nach sehr gut ins Deutsche übertragen wurde.

    Mir war Timothy direkt sehr sympathisch. Er ist intelligent, einfallsreich und besitzt ein intuitives Gespür für die menschlichen Abgründe, aber vor allem ist er ein mitfühlender Mann von großer Integrität und einem erstaunlichen Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeit.

    Auch die anderen Charaktere fand ich komplex, lebendig und gut geschrieben, allen voran die kleine "Bird", die in ihren 10 Jahren schon viel Schreckliches erleben musste, die junge Mercy Underhill, in die Timothy heimlich verliebt ist, und Timothys Bruder, mit dem ihn eine Art Hassliebe verbindet.

    Fazit:
    Ein Barkeeper wird im Jahr 1845 widerwillig für die neugegründete Polizei rekrutiert und gerät direkt mitten hinein in einen monströsen Kriminalfall, in dem Kinderprostitution und soziale Ungerechtigkeit eine traurige Rolle spielen.

    Ich fand das Buch großartig - spannend und fantastisch geschrieben, mit dreidimensionalen, glaubhaften Charakteren und einer Handlung mit mehr als einer unerwarteten Wendung.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Aug 2014 

    Großartiger historischer Krimi

    New York im Jahre 1845. Timothy Wilde ist mit seinem Leben ziemlich zufrieden, denn seine Arbeit als Barkeeper macht ihm großen Spaß und er konnte sich ein wenig Geld auf die Seite legen. So langsam möchte er auch seiner Angebetete Mercy Underhill seine Gefühle gestehen. Doch es kommt alles anders. Bei einem Brand, der sein ganzes Viertel vernichtet verliert er nicht nur seine Arbeit, seine Wohnung und sein ganzes Erspartes, nein er wird auch noch verletzt und traut sich nicht mehr seiner Angebeteten unter die Augen zu treten. Da bleibt ihm nichts anderes übrig, als einen Job als Polizist, bei der neu gegründeten New Yorker Polizei anzunehmen und im verrufensten Viertel der Stadt Streife zu laufen. Als dann eines Tages ein Mädchen in einem Blut getränkten Nachthemd in ihn hinein läuft, kommt er einer schrecklichen Sache auf die Spur, die ihn nicht mehr los lässt.

    Ich habe mich lange auf das Buch gefreut und wurde auch nicht enttäuscht, denn mit "Der Teufel von New York" habe ich genau das bekommen, was ich mir erhofft hatte: Eine sehr spannende und gut recherchierte Geschichte aus früherer Zeit. Eine Geschichte über die ersten Polizisten von New York zu einer Zeit in der die Iren massenhaft in New York einfielen, weil sie sich dort ein besseres Leben erhofften. Eine Zeit der hungernden und arbeitslosen Menschen. Eine Zeit, in der ein Menschenleben nicht viel Wert war. Eine für den Leser sehr interessante und spannende Zeit.

    Gerade die in Massen in New York einströmenden Iren sind ein großes Thema des Buches. In Irland verfaulten die Kartoffeln in der Erde, die Menschen litten Hunger und erhofften sich ein besseres Leben in New York. Aber dort kamen sie vom Regen in die Traufe. Die meisten mussten hungern und bekamen keine Arbeit. Zudem waren die Iren auch noch verhasste katholiken, die es im anglikanischen New York sowieso sehr schwer hatten. Zu viele Menschen waren arbeitslos, ohne Hoffnung und kurz vorm Verhungern. Die Mütter konnten ihre Kinder nicht mehr ernähren und eine große Hoffnungslosigkeit lag über der Stadt. Da wundert es dann auch nicht, dass die erste Polizei überwiegend aus Schlägern, Halsabschneidern und Dieben bestand.

    Auch der Kriminalfall, der Wild so beschäftigt ist richtig spannend und man fragt sich, auf was das alles hinaus läuft. Ich hatte so eine Ahnung, mit der ich auch ziemlich richtig lag, aber auf alles wäre ich nicht gekommen. Man lernt wirklich den Bodensatz der Menschheit kennen. Aber auch sehr angesehene Menschen kommen in dem Buch zu Wort. Eine bunte Mischung die das Buch so interessant macht.

    Die Charaktere wurden liebevoll ausgearbeitet und haben alle ihre guten und schlechten Seiten. Ich mag es, wenn Charaktere nicht die Superhelden sind sondern Menschen mit Fehlern und Schwächen. Das wurde hier sehr gut umgesetzt. Auch der Schreibstil hat mich sofort angesprochen, denn er ist sehr bildhaft, so dass ich mich manchmal fühlte, als würde ich mit Wilde durch die Armenviertel laufen oder mit Mercy die Ärmsten und Kranken besuchen. Ich roch den Gestank, sah die fetten Ratten und fühlte die Hoffnungslosigkeit der Menschen. Ich lief mit den Zeitungsjungen durch die Straßen, besuchte die Prostituierten, die Opiumsüchtigen und unterhielt mich mit den Arbeitern. Ich hätte noch ewig weiter lesen können und freue mich schon ganz doll auf den 2. Teil "Die Entführung der Delia Wright", der im Februar 2015 erscheinen wird.

    Ganz besonders toll fand ich auch die Kapitelüberschriften, die aus Auszügen von Zeitungen und Berichten bestehen. So konnte man noch jede Menge zusätzlicher Informationen aufsaugen. Alles in alles ist das Buch eine absolut runde Sache. Darum vergebe ich 5 von 5 Punkten, den Favoritenstatus und eine absolute Leseempfehlung für alle. Ich habe mich wirklich sehr gut unterhalten gefühlt und bin ein wenig traurig, dass wir auf Teil 2 noch so lange warten müssen.

    © Beate Senft