Der stille Koog: Küsten Krimi

Rezensionen zu "Der stille Koog: Küsten Krimi"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Mai 2019 

    Ein hervorragender Krimi mit einer faszinierenden Ermittlerin

    Die Kriminalhauptkommissarin Marlene Louven hat nach einer Erkrankung ihr Gehör verloren. Aufgrund von Implantaten ist sie zwar wieder in der Lage, etwas zu hören, doch alles klingt anders und teilweise verzerrt. Um sich an diese neue Situation zu gewöhnen, reist sie zu ihrer Schwester, die in einem abgeschiedenen Koog bei Büsum lebt. Doch dann wird der Bürgermeister ermordet und Marlene steckt unversehens in den Ermittlungen drin.

    Dieser Krimi hat mir hervorragend gefallen. Dank des flüssigen Schreibstils, der spannend und bildhaft war, kam ich sofort in die Geschichte rein. Die Beschreibungen von Land und Leuten waren passend, bildhaft und detailliert, so dass ich ein prima Bild vor Augen hatte.
    Mit Marlene hat die Autorin eine äußerst sympathische Protagonistin geschaffen, die mir sofort ans Herz gewachsen war. Die Einschränkungen ihres Gehörs wurden sehr gut beschrieben und ich habe mich direkt gefragt, wie ich wohl mit einer solchen Situation umgehen würde. Aber nicht nur die Persönlichkeit von Marlene hat mich begeistert, sondern auch ihre eigenen Ermittlungen haben mir sehr gut gefallen. Ich habe sie unheimlich gerne dabei begleitet, habe mitgefiebert und war neugierig und gespannt, was sie alles herausfinden wird.
    Der Plot gefiel mir richtig gut. Es gab so manchen Verdächtigen und über mögliche Motive konnte ich hervorragend spekulieren und rätseln. Die Spannung wurde bestens aufgebaut und steigerte sich dann im Verlauf immer mehr. Auch überraschende Wendungen waren vorhanden, natürlich auch dem Ende entgegen. Das Ende hat mir dann sehr gut gefallen, denn alles wurde schlüssig und verständlich aufgeklärt.

    Ein hervorragender Krimi mit einer faszinierenden Protagonistin, von der ich sehr gerne mehr lesen möchte. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Mai 2019 

    Ein toller Krimi

    „Der stille Koog“ heißt dieser Kriminalroman und der Titel ist bedeutsam. Nicht nur weil es in diesem abgeschiedenen Dorf nahe Büsum sehr still und ruhig zugeht, sondern weil es Stille ist, mit der Marlene Louven nun leben muss. Nach einer schweren, lebensbedrohlichen Erkrankung hat sie ihr Gehör vollständig verloren. Zwar hat sie Implantate bekommen, aber die Welt ist anders geworden. Vertraute Stimmen klingen elektronisch verzerrt, wenn mehrere Menschen sprechen, verliert sie den Anschluss, Musik erkennt sie kaum wieder, aber sie weiß, dass sie ihr Schneckenhaus verlassen muss und daran arbeiten muss. Erste Schritte will sie eben in jenem Dorf mache, wo ihre Schwester Johanne mit Familie lebt.

    Doch dann wird der angesehene Bauer Brodersen in seinem Haus ermordet. Er hat mit Windkraftanlagen ein Vermögen gemacht, auch als Bürgermeister des kleinen Ortes fungiert und auch polarisiert. Marlene und Johanne sind zufällig am Ort, als eine Nachbarin den Toten findet. Wie automatisch schaltet sie in den Berufsmodus, obwohl sie krankgeschrieben und auch nicht im heimischen Revier ist.

    Dass sie den ermittelnden Beamten kennt und sie sich gegenseitig schätzen, erleichtert es Marlene eigene Nachforschungen und Ermittlungen zu betreiben. Das ist ihr sehr wichtig, denn es scheint, dass ihr Schwager Bahne etwas verheimlicht, denn er wohl einer der Letzten, die Brodersen lebend gesehen haben.

    Dieser Kriminalroman war etwas ganz Besonderes für mich. Nicht nur die Atmosphäre des Küstenorts und der Menschen, die dort leben, hat mir gefallen, auch die Hauptprotagonistin Marlene ist ein Charakter ganz nach meinen Geschmack. Sie steht im Leben, trotzt den Schwierigkeiten, die auf sie einstürmen und lässt trotzdem auch Schwäche und Zweifel zu. Ihre Ermittlungen bringen einiges zu Tage, was auf den ersten Blick am harmonische Dorfleben zweifeln lässt und die vielen verschiedenen Ansätze haben mich zum miträtseln verleitet. Aber das Geheimnis um den Mord lässt sich nicht so leicht entschlüsseln. Die Autorin hat einige raffinierte Wendungen eingebaut und dadurch durchgängige Spannung erzeugt.

    Was mir aber ganz besonders gut gefallen hat, ist wie die Einschränkung von Marlene Eingang in die Geschichte integriert wurde. Sie ist ein wesentlicher Teil der Handlung, denn sie beherrscht die Handlungen und Überlegungen der Kommissarin. Sie muss nun auf Details in Gestik und Mimik achten, wo sie früher allein auf ihr Gehör vertraute. Sie wurde durch die Umstände gezwungen ihre selbst gewählte Isolation schneller und radikaler zu verlassen, als sie vorhatte und dass sie dazu bereit ist, gibt ihr Kraft. Diesen Prozess zu beobachten, darüber zu lesen und auch mich in diese Situation einzufühlen, hat mich an diesem Krimi – neben dem sehr spannenden Plot – besonders überzeugt