Der Schock: Psychothriller

Rezensionen zu "Der Schock: Psychothriller"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 08. Jun 2018 

    Die Suche

    Zu Viert machen sie Urlaub in Südfrankreich, doch leider verläuft nicht alles so harmonisch wie erhofft. Als Laura auf einmal nicht da ist, sind sie dennoch besorgt. Schnell taucht Laura wieder auf, nur um erneut zu verschwinden. Diesmal hat es Jan ungleich schwerer die anderen davon zu überzeugen, dass sie unbedingt nach Laura suchen müssen. Als sie jedoch einen seltsamen Film auf Lauras Handy finden, unterstützen sie die Suche. Jan reist zurück nach Berlin, weil er glaubt, nur dort könne er eine Spur von Laura finden. Bald wird eine Leiche gefunden, bei der es sich allerdings nicht um Laura handelt.

    Ein wenig wie Brainstorming wirkt dieser zweite Roman des Autors. Ein Handlungsansatz, aus dem sich schnelle Szenenwechsel, schnelle Gedanken, schnelle Aktionen ergeben. Etwas, das die Lektüre sehr flüssig macht und die Lesezeit wie im Fluge vergehen lässt. Man jagt mit Jan durch Berlin und folgt seiner Suche, während der er in immer bedrohlichere Situationen gerät. Je mehr er über Laura erfährt, desto mehr werden seine Zweifel an ihr genährt. Wer ist Laura wirklich? Eine liebenswerte junge Frau oder ein egomanes Monster, das nur an sich selbst denkt. Doch Jan glaubt an Laura und mit immer größerer Verzweiflung setzt er seine Suche fort.

    Dieser Thriller versteht es zu fesseln. Fast wie in einem schnell geschnittenen Film wird man durch die Handlung getrieben, so dass man kaum zu Atem kommt. Doch man bekommt auch den ein Eindruck, dass diese Schnelligkeit zu einer gewissen Oberflächlichkeit geführt hat. Da werden die Charaktere so eindeutig gezeichnet, dass ihnen ein wenig Vielschichtigkeit fehlt und Momente, die dem Roman mehr Tiefe verleihen könnten, werden dem Tempo geopfert, das in dem Buch vorherrscht. Zwar ein spannender Roman, der allerdings keinen dauerhaften Eindruck hinterlässt.

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 03. Jun 2018 

    Von allem zu viel...

    Bei einem Unwetter an der Cote d’Azur begegnet Laura Bjely ihrem schlimmsten Alptraum. Ihr Freund Jan findet später nur noch ihr Smartphone – mit einem verstörenden Film im Speicher. Kurz darauf wird in Berlin die Leiche von Jans Nachbarin entdeckt. Auf ihrer Stirn steht eine blutige Nachricht. Allen Warnungen zum Trotz sucht Jan weiter nach Laura. Dabei stößt er auf einen Abgrund aus Wahnsinn und Bösartigkeit.

    Der Plot klingt klasse, die vielen begeisterten Rezensionen ebenso, und neugierig war ich schon lange auf diesen Autor. Das Buch ist zwar der zweite Thriller von Marc Raabe, aber da es nicht zu einer Reihe gehört, sprach nichts dagegen, mit diesem Titel zu beginnen.

    Leider kann ich mich den begeisterten Stimmen zu dem Thriller nicht anschließen. Gewaltszenen gibt es hier wahrlich genug, da ist der Autor nicht zimperlich, aber eine bloße Anhäufung brutaler Schilderungen machen für mich noch keinen guten Thriller aus. Ich habe irgendwann aufgehört, die Opfer zu zählen - auffällig fand ich allerdings auch die zahlreichen Szenen sexueller Gewalt, die mir in der Häufung wirklich zu viel wurden.

    Dieser Thriller kommt ohne offizielle Ermittlungen aus, was für sich genommen nicht schlimm ist, aber bei den Figuren, die Marc Raabe hier vorstellt, wäre ein objektiver, unbeteiligter und v.a. nicht psychisch vorbelasteter Ermittler nicht schlecht gewesen. Die Charaktere, die hier eine größere Rolle spielen, haben nämlich alle ihr gewaltiges Päckchen zu tragen und gehörten eigentlich sämtlich auf die Couch des Psychotherapeuten.

    Jan beispielsweise, den ein großes Feuermal im Gesicht verunstaltet und der durch ein tragisches Ereignis in seiner Kindheit auf seine Mutter verzichten musste und sich seither mit Schuldgefühlen herumschlägt. Oder die verschwundene Laura, die eine lieblose Kindheit hatte, im Internat unschöne Erfahrungen machte, jahrelang auf der Straße lebte und seit dieser Zeit alkoholabhängig ist. Auch bei Lauras Mutter, die von ihrer Tochter am liebsten nichts mehr wissen will, ist in ihrem Leben vieles schief gelaufen, und der Täter - naja, der ist eh jenseits von Gut und Böse... Bei der Vielzahl an Gestörten, die dann auch noch aufeinander losgelassen werden, kann man nur mahnend den alten Spruch hervorkramen: weniger ist mehr! In der Summe war das für mich jedenfalls nicht mehr glaubwürdig.

    Für die Handlung selbst gilt hier: Action! Meines Erachtens nach ist zu merken, dass der Autor aus dem Bereich der Filmproduktion kommt. Viele Szenen wirken harsch aneinandergeschnitten, was die Handlung zwar vorantreibt, gleichzeitig aber teilweise auf Kosten der Nachvollziehbarkeit geht. Oftmals blätterte ich verwirrt zurück, weil ich manche Wendungen oder plötzliche Szenenwechsel nicht einordnen konnte. Action auf Kosten der Glaubwürdigkeit - für mich kein überzeugendes Konzept.

    Dass Menschen in Not und Verzweiflung über sich hinauswachsen, ist kein unbekanntes Phänomen und wird gerade in Thrillern immer wieder gerne genutzt. Bis zu einem gewissen Grad ist es also glaubwürdig, dass jemand plötzlich zu Dingen in der Lage ist, die ansonsten nicht in sein Repertoire gehören, wenn es gilt, das eigene Leben oder das eines ihm wichtigen Menschen zu retten. Doch hier gerät der unvermeidliche Showdown dadurch derart skurril, dass ich statt vor Spannung fingernägelkauend durch die Seiten zu hetzten, grinsend und mit hochgezogenen Augenbrauen staunend verfolgte, wem jetzt wohl noch welche Heldentat gelang.

    Hier gab es für meinen Geschmack von allem zu viel: zu viel bloße Gewaltanhäufung, zu viel Psychokacke, zu viel Action statt plausiblem Spannungsbogen, zu viele unglaubwürdige Szenen. Was als Film funktionieren mag - ich bin jedoch auch kein Liebhaber von Actionfilmen - muss als Buch noch lange nicht funktionieren. Schade.

    Für mich wider Erwarten eine Enttäuschung.

    © Parden