Der Psychiater: Psychothriller

Rezensionen zu "Der Psychiater: Psychothriller"

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 06. Feb 2016 

    Unspektakulär...

    Timothy Warner, Spitzname 'Moth', 24 Jahre alt, studiert Geschichte an der University of Miami - und hat ein massives Alkoholproblem. Seit hundert Tagen ist er nun clean, doch das hat er nur mit Hilfe seines Onkels Ed geschafft, eines prominenten Psychiaters. Als Ed tot in seiner Praxis aufgefunden wird, stürzt Moth ins Bodenlose. Doch eines ist ihm klar: Dies war kein Selbstmord, auch wenn die Polizei noch so sehr davon überzeugt ist. Die Jagd nach dem Mörder wird für Moth immer mehr zum Lebensinhalt...

    Es gibt nicht viele Menschen, zu denen Moth überhaupt noch Kontakt hat. Sein Onkel war seine wichtigste Bezugsperson, doch der ist nun tot. Die Teilnehmer der Sucht-Selbsthilfegruppe 'Redeemer One' sind diejenigen, die Moth in seiner Abhängigkeit verstehen und in seinem Kampf dagegen unterstützen. Doch auch wenn sie sich dort nicht wirklich anonym geben, ist der Kontakt untereinander nicht persönlicher Natur. Dennoch spricht Moth in seiner Not die kokainabhängige Staatsanwältin Susan Terry an, um den Verdacht auch offiziell zu untermauern, dass sein Onkel ermordert wurde. Und weil er weiß, dass er den Kampf gegen die Mühlen der Bürokratie sowie nicht zuletzt auch gegen einen Mörder unmöglich alleine schaffen wird, nimmt er wieder Kontakt zu seiner Ex-Freundin Andrea ('Andy-Candy') auf und bittet sie um ihre Unterstützung - ohne zu wissen, dass auch sie sich derzeit miserabel fühlt und nach einer Vergewaltigung mit anschließender Abtreibung unter Schuldgefühlen und einer schweren Depression leidet.

    Diese kurze Aufzählung reicht sicher aus, um zu verdeutlichen, dass es hier durchweg um Charaktere geht, die alle bis über beide Ohren in Problemen stecken und immer kurz davor sind, sich und ihr Leben darin zu verlieren. Auch der Mörder, den der Leser nur zu bald kennenlernt, hat seine Geschichte und gewaltige psychische Schwierigkeiten - und in der Summe fand ich das alles reichlich viel.

    Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Moth und seinen Helfern sowie aus der Sicht des Mörders geschildert. Ziemlich rasch weiß der Leser, wer hinter dem Tod von Moths Onkel und wohl noch einer Reihe anderer Morde steckt, und das Motiv taucht auch recht bald auf, ohne jedoch wirklich ausgelotet zu werden. Die wechselnde Perspektive lässt den Leser an der Gedankenwelt beider Parteien teilhaben, doch dreht sich dabei im Grunde immer wieder alles um dieselben Gedankengänge. Wiederholungen und zu detailverliebte und ausschweifende Beschreibungen ziehen das Lesen immer wieder in die Länge, wobei die Suchtproblematik auch stets einen großen Raum einnimmt. Die Spannung dagegen, die ich mir von einem Thriller stets erhoffe, blieb hier leider oftmals eher auf der Strecke.

    'Psychothriller' steht auf dem Umschlag des Buches. Doch meines Erachtens verdient ein Buch dieses Label nicht automatisch, nur weil der Täter ein psychopathischer Killer ist. Wenn die wirklichen Überraschungen ausbleiben, die Handlung allzu gradlinig und vorhersehbar bleibt, die Personen bei aller ausführlicher Schilderung ihrer Gedankengänge für den Leser distanziert und unnahbar bleiben, so dass es selbst beim Showdown im Grunde nicht wirklich wichtig ist, wer letztlich die Oberhand behält - dann ist das für mich eher am Thema vorbei. Ich habe das Buch nicht direkt ungern gelesen, doch den erwarteten Psychothriller habe ich für mich nicht bekommen. Schade.

    Wüsste ich nicht, das Katzenbach schon einige Thriller geschrieben hat, würde ich dieses Buch für ein wenig gelungenes Debüt eines jungen Autors halten. Unspektakulär und eindeutig viel zu lang.

    © Parden