Der Pfau: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Pfau: Roman' von Isabel Bogdan
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

»Einer der Pfauen war verrückt geworden.« Dummerweise geschieht das gerade, als Chefbankerin Liz und ihre vierköpfige Abteilung sich mitsamt einer Psychologin und einer Köchin zum Teambuilding in die ländliche Abgeschiedenheit der schottischen Highlands zurückgezogen haben. Der verrückt gewordene Pfau, das rustikale Ambiente und ein spontaner Wintereinbruch sorgen dafür, dass das Wochenende ganz anders verläuft als geplant. So viel Natur sind die Banker nicht gewohnt. Isabel Bogdan, preisgekrönte Übersetzerin englischer Literatur, erzählt in ihrem ersten Roman pointenreich und überraschend von der pragmatischen Problemlösung durch Lord McIntosh, von der verbindenden Wirkung guten Essens und einer erstaunlichen Verkettung von Ereignissen, die bald keiner der Beteiligten mehr durchschaut. So britisch-unterhaltsam ist in deutscher Sprache noch nicht erzählt worden!

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
EAN:9783462048001

Rezensionen zu "Der Pfau: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Jan 2017 

    Very british

    Isabel Bogdan arbeitet als Übersetzerin u.a. von Jane Gardam und Jonathan Safran Foer. Umso neugieriger war ich auf "Der Pfau" und muss sagen, dass meine Erwartungen in keinster Weise enttäuscht wurden.
    Ich musste so oft beim Lesen herzhaft lachen - ein herrlich komischer Roman, skurril und mit einem Paukenschlag am Ende.

    Inhalt

    "Einer der Pfauen war verrückt geworden. Vielleicht sah er auch nur schlecht, jedenfalls hielt er mit einem Mal alles, was blau war und glänzte, für Konkurrenz auf dem Heiratsmarkt." (S.7)

    Schon der erste Satz lässt vermuten, dass in diesem Roman einige ungewöhnliche Ereignisse stattfinden - auf dem sehr abgelegenen Anwesen der McIntoshs am Fuße der schottischen Highlands, auf dem sich Pfauen, eine Gans und der Hund Albert tummeln. Der Altphilologe Hamish und die Ingenieurin Fiona haben schon vor längerer Zeit beschlossen die Cottages ihres Anwesens, wie das Waschhaus oder das Gärtnerhäuschen an zahlende Gäste zu vermieten, um einen Teil der horrenden Kosten zu decken. In dem einst luxuriösen Haus ist es im Winter eisig kalt ist, Heizung und Elektrik sind veraltet und auch der Wasserdruck in den sanitären Einrichtungen lässt zu wünschen übrig. Unterstützt werden sie von Aileen, der Putzfrau, sowie Ryszard, dem Mann für alles, der auch noch einen Gemüseladen betreibt.
    Im September sind die Bakshis zu Gast, ein charmantes älteres Ehepaar, das die Ruhe genießt, aber einen blau glänzenden Wagen fährt, auf den sich eben jener verrückte Pfau stürzt und erheblichen Schaden anrichtet. Die beiden Ehepaare nehmen die Angelegenheit mit Humor, die Versicherung wird für den Schaden aufkommen und zur Entschädigung seien sie im nächsten Jahr eingeladen.
    Im November reist das Management der Investmentabteilung einer Londoner Privatbank an, samt Chefin, Köchin und einer Psychologin. Arbeitsprozesse sollen verbessert, ein Team geschaffen werden. Der Westflügel wird auf Hochglanz gebracht, dabei bricht sich jedoch unglücklicherweise Aileen den Arm, so dass die kostbare Hilfe ausfällt.
    Während Köchin Helen und die Motivationspsychologin Rachel alles zauberhaft finden, ist Liz, die Chefin, von der einfachen Ausstattung und dem mangelnden Luxus schockiert - ohne es sich anmerken zu lassen.
    Der seiner Chefin gegenüber devote Bernanrd kommt ebenso wenig mit der Situation zurecht und David ist zu schüchtern, um etwas zu sagen.

    "Bernard nörgelte weiter, es habe ihm niemand gesagt, dass sie sich die Zimmer teilen müssten, und dann auch noch so was, also wirklich, Etagenbetten, aus dem Alter seien sie ja nun wahrhaftig raus, und im Übrigen sei es lausig kalt. David sagte nicht viel, wie meistens." (S.43)

    Andrew vermisst seine Frau und hat keine Lust auf die "Spiele" der Psychologin, nur der 60 -jährige Jim behält kontinuierlich seine gute Laune, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, macht aber sein Ding.

    So verläuft die erste Arbeitssitzung mit der Psychologin eher holprig, doch zumindest gehen die Banker höflich miteinander um.
    Am nächsten Morgen entdeckt der Lord, dass der Pfau den blau glänzenden Wagen der Chefin beschädigt hat und beschließt kurzerhand ihn zu erschießen. Um die Gäste nicht zu beunruhigen, tut er dies im Wald, versteckt das Gewehr und lässt den Pfauen schweren Herzens zurück.
    Nach dem Aufstehen beschließen die Banker gemeinsam mit ihrer Chefin und deren Hund Mervyn in eben jenem Wald spazieren zu gehen.

    "Mervyn streifte, wie Hunde es eben tun, durchs Unterholz, entfernte sich ein wenig von den Menschen, folgte seine Nase und fand den toten Pfau. Kurz war er verwirrt, denn er hatte nicht gemerkt, dass dies ein Jagdausflug war, er hatte keinen Schuss gehört, aber er roch ihn ja eindeutig, und ein noch warmer, erschossener großer Vogel musste selbstverständlich apportiert werden, der Setter kannte seine Pflichten." (S.75)

    Doch leider ist sein Frauchen alles andere als begeistert, die Investmentbanker glauben, der Hund habe den Pfauen gerissen, wie sollten sie das dem Lord erklären? Kurzerhand delegiert Liz an David die Aufgabe, den Pfauen verschwinden zu lassen. Der fühlt sich der Aufgaben nicht gewachsen und vertraut sich Helen an, die eine pragmatischeren Vorschlag hat, als den Pfauen zu vergraben...und die beiden teilen ihr Geheimnis, ohne es den anderen zu verraten. Es wird nicht das einzige bleiben, das unter Verschluss gehalten wird.

    Im Verlauf der Handlung stellt sich heraus, dass keiner dem anderen gegenüber seine Beobachtungen mitteilt und keiner die Wahrheit sagt. Aber "alle freuten sich, dass sie mit dem Teambuilding so gut vorangekommen waren." (S.232)

    Bewertung
    Auf der Rückseite ist zu lesen: "Eine subtile Komödie in bester britischer Manier". Dem ist nichts hinzuzufügen. Der Roman ist witzig, amüsant, aber auch spannend, da man wissen will, ob all die Heimlichkeiten auffliegen, so dass ich fast nicht mehr aufgehört habe, zu lesen.
    Interessant ist, dass die Autorin statt wörtlicher Rede nur die indirekte verwendet, was zur ironischen Distanz beiträgt und die Figuren dadurch noch lächerlicher erscheinen lässt.
    Als Hundebesitzerin haben mir besonders gut die Passagen gefallen, die aus der Sicht Mervyns geschildert werden - das ist sehr nah am Hund ;)

    Isabel Bogdan selbst fährt seit 20 Jahren regelmäßig auf ein einsames Anwesen in Schottland (Klappentext), das merkt man ihren Schilderungen der Landschaft und des Hauses deutlich an, die sehr authentisch wirken.
    Ich freue mich darauf, weitere Romane der Autorin zu lesen, die gut daran getan hat, neben dem Übersetzen eigene Bücher zu verfassen.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 12. Mär 2016 

    Einer der Pfauen war verrückt geworden...

    Banker und Humor - geht das überhaupt? Na, aber gerade, sollte man denken, denn wenn eine Berufsgruppe, der absolute Humorlosigkeit nachgesagt wird, in skurrlie Situationen gerät - wie soll das nicht komisch sein? Eine solche Szenerie hat jedenfalls Isabel Bogdan in ihrem ersten Buch gewählt.

    Eine Gruppe Banker hat es in die ländliche Abgeschiedenheit der schottischen Highlands verschlagen, auf das ein wenig heruntergekommene Gut von Lord und Lady McIntosh. Ziel des gemeinsamen Wochenendes ist es, mit Hilfe einer Psychologin sowie einer eigens engagierten Köchin, zu einem verbesserten Teambuilding zu gelangen. Doch das ausgesprochen rustikale Ambiente, ein plötzlicher Wintereinbruch sowie nicht zuletzt ein verrückt gewordener Pfau tragen dazu bei, dass das Wochenende um einiges anders läuft als geplant.

    "Einer der Pfauen war verrückt geworden. Vielleicht sah er auch nur schlecht, jedenfalls hielt er mit einem Mal alles, was blau war und glänzte, für Konkurrenz auf dem Heiratsmarkt." (S. 7)

    Wirklich Aufregendes geschieht in dieser Erzählung nicht - es ist eher ein Buch der leisen Töne. Dabei bleibt das Geschehen jedoch meist sehr an der Oberfläche, die Charaktere recht klischeehaft, und für meinen Geschmack halten sich auch die Absurditäten sehr in Grenzen. Anfangs noch in der Erwartungshaltung von 'skurrile Personen, englischer Humor, verrückte Geschichte à la "Immer Ärger mit Harry", dem schwarzhumorigen Film von Alfred Hitchcock' stellte sich bei mir rasch eine Ernüchterung ein. Stellen zum Schmunzeln gab es durchaus, aber mehr war da eben nicht. Der sog. britische Humor blitzte hier in meinen Augen nur zeitweise hervor, da habe ich einfach mehr erwartet. Ich hätte es gerne schwärzer, trockener und skurriler gehabt und empfand die Erzählung, nicht zuletzt auch durch das Fehlen jeglicher dirketer Rede, stellenweise auch als etwas leblos.

    Der Schreibstil ist durchaus gefällig und angenehm zu lesen, doch für mich hat Isabel Bogdan das Potential nicht ausgeschöpft, was die Geschichte zu bieten gehabt hätte. Ich habe das Buch nicht ungern gelesen, doch wenn - nicht zuletzt auch durch reichlich Vorschusslorbeeren - falsche Erwartungen geschürt werden, so stellt sich zwangsläufig doch eine gewisse Enttäuschung ein. Und so kann ich nicht mit in das Horn derjenigen stoßen, die voll des Lobes sind angesichts des Debüts Bogdans, die sich ansonsten einen Namen als renommierte Übersetzerin gemacht hat. Für mich war der Roman insgesamt zu ruhig und zu unspektakulär, und vor allem die Tatsache, dass sich der vollmundig angepriesene britische Humor hier kaum einmal zeigte, lässt mich das Buch als 'Mittelmaß' einordnen. Gerne wäre ich zu einem anderen Urteil gekommen.

    © Parden

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Feb 2016 

    Metamorphosen eines Pfaus

    Ein Herrenhaus in den schottischen Highlands bringt für die Besitzer Lord und Lady McIntosh mehr Kosten, als sie durch ihre Arbeit als Ingenieurin und Dozent verdienen können. So sind die Besitzer sehr froh, wenigstens einen kleinen Teil durch Vermietung der umgebauten Wirtschaftsgebäude decken zu können. Ja, wenn da nicht dieser Pfau wäre, der seit seiner ersten Balz ein irritierendes Verhalten an Tag legt. Alles was blau ist, wird von ihm gnadenlos mit spitzem Schnabel und Krallen attackiert. Als nun ein Teambuilding Seminar für eine Bank abgehalten werden soll und die Chefbankerin Liz in einem metallic-blauen teuren Wagen vorfährt, muss Lord McIntosh handeln.
    Daraus entwickelt sich eine feine, subtile Komödie, die die menschlichen Eitelkeiten bloß stellt. Dazu braucht die Autorin nicht viele große Beschreibungen, ihr gelingt es mit nur wenigen treffenden Worten die Personen zu skizzieren. Jeder Satz, jede Redewendung sitzt! Es ist ein großes Vergnügen diese geschliffene pointierte Komödie zu lesen, die ein Beispiel für den feinen, etwas unterkühlten englischen Humor ist, den die Hamburger Autorin Isabel Bogdan wunderbar variiert.
    Aus einem knappen Dutzend Protagonisten entwickelt sie eine Geschichte, die die ganze Bandbreite menschlicher Irrungen und Wirrungen umfasst. Das sich der Pfau dabei einer Metamorphose zum Fasan und später noch zur Gans und wieder zurück unterziehen muss, bleibt das Leit- und Titelmotiv. Nach diesem Seminar wird kein Teilnehmer mehr unverändert nach London zurückkehren, ob es als Teambuilding zielführend war, wird sich erweisen.
    Dieses nicht sehr umfangreiche, sorgfältig ausgestattete Buch verspricht nicht nur eine Augenweide durch den feinen gelungenen Schutzumschlag, es verspricht auch ein Lesevergnügen, das mehr als eingelöst wird und ich habe nur mit großem Bedauern die letzte Seite umgeblättert.