Der perfekte Kreis

Buchseite und Rezensionen zu 'Der perfekte Kreis' von Benjamin Myers
3.9
3.9 von 5 (10 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der perfekte Kreis"

Format:CD-ROM
Seiten:0
Verlag:
EAN:9783742421296

Rezensionen zu "Der perfekte Kreis"

  1. Kornkreise

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 19. Okt 2021 

    Nachdem ich von "Offene See" so beeindruckt war, hatte ich natürlich hohe Erwartungen. Vielleicht war das falsch. Dennoch hat mich aber "Der perfekte Kreis" etwas enttäuscht. Was nicht an der Sprache lag. Die ist wie auch beim Vorgänger schön und eindringlich. Es lag an diesem Thema. Ich habe mich schon beim Klappentext gefragt: "Ist das etwas für mich?". Aber der Eindruck von "Offene See" war zu nachdrücklich. Also habe ich mir das Buch doch gekauft.

    Nun gut. Jetzt nach der Lektüre bin ich leider thematisch enttäuscht. Zwei am Rande der Gesellschaft stehende Männer erschaffen Kunst, bei Nacht und Nebel erschaffen sie komplizierte Kornkreise und machen sich damit eigentlich über die Reaktionen in der Presse, in der Gesellschaft lustig. Doch wer wird das verstehen? Weder die Presse noch deren Konsumenten. ??? Wir als Leser vielleicht?!?! Dabei sind diese beiden Männer ganz gut und auch liebevoll gezeichnet, sind stimmig und empathisch gelungen. Redbone und Calvert, zwei vom Leben geformte Charaktere, immer einen kritischen Blick auf die sie umgebenden Ereignisse werfend, betrachten sie etwas zynisch ihre Welt. Aber betrachten sie sich auch selbst und ihre Situation? Dies fehlt irgendwie. Sie stehen allein in dieser Welt. Zumindest wirkt das so. Aber warum ist das so? Besonders zum Ende hin wird das Buch recht gesellschaftskritisch, was mir wieder ganz gut gefiel. Dennoch bin ich mit der Geschichte nicht ganz so zufrieden. Vielleicht schaue ich auch nur aus dem falschen Blickwinkel auf das Buch. Aber ich befürchte, dass ich leider von diesem Buch in der Zukunft nur noch recht wenig wissen werde. Denn nachhallend oder irgendwie besonders empfand ich dieses Buch definitiv nicht! Leider!

  1. Kornkreise

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 19. Okt 2021 

    Nachdem ich von "Offene See" so beeindruckt war, hatte ich natürlich hohe Erwartungen. Vielleicht war das falsch. Dennoch hat mich aber "Der perfekte Kreis" etwas enttäuscht. Was nicht an der Sprache lag. Die ist wie auch beim Vorgänger schön und eindringlich. Es lag an diesem Thema. Ich habe mich schon beim Klappentext gefragt: "Ist das etwas für mich?". Aber der Eindruck von "Offene See" war zu nachdrücklich. Also habe ich mir das Buch doch gekauft.

    Nun gut. Jetzt nach der Lektüre bin ich leider thematisch enttäuscht. Zwei am Rande der Gesellschaft stehende Männer erschaffen Kunst, bei Nacht und Nebel erschaffen sie komplizierte Kornkreise und machen sich damit eigentlich über die Reaktionen in der Presse, in der Gesellschaft lustig. Doch wer wird das verstehen? Weder die Presse noch deren Konsumenten. ??? Wir als Leser vielleicht?!?! Dabei sind diese beiden Männer ganz gut und auch liebevoll gezeichnet, sind stimmig und empathisch gelungen. Redbone und Calvert, zwei vom Leben geformte Charaktere, immer einen kritischen Blick auf die sie umgebenden Ereignisse werfend, betrachten sie etwas zynisch ihre Welt. Aber betrachten sie sich auch selbst und ihre Situation? Dies fehlt irgendwie. Sie stehen allein in dieser Welt. Zumindest wirkt das so. Aber warum ist das so? Besonders zum Ende hin wird das Buch recht gesellschaftskritisch, was mir wieder ganz gut gefiel. Dennoch bin ich mit der Geschichte nicht ganz so zufrieden. Vielleicht schaue ich auch nur aus dem falschen Blickwinkel auf das Buch. Aber ich befürchte, dass ich leider von diesem Buch in der Zukunft nur noch recht wenig wissen werde. Denn nachhallend oder irgendwie besonders empfand ich dieses Buch definitiv nicht! Leider!

  1. Kunst rettet Seelen.

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 09. Okt 2021 

    Kurzmeinung: Redbone und Calvert reißen alles heraus! (Und da ist mächtig viel herauszureißen!).

    Redborne und Calvert haben ihre Gründe. Warum sie in den langen Sommernächten Englands Kornkreise schaffen. Sie sind anonyme Künstler, ihre Werke sind eigenwillig bis großartig, allerdings vergänglich wie alle Schönheit auf Erden. Die Hingabe an ihr Werk rettet ihre Seelen, denn die Gesellschaft würde sie als von ihr ausgespuckte Typen bezeichen.

    Der Kommentar:
    Mit Redborne und Calvert hat Benjamin Myers ein sehr liebevolles spinniges Männerpaar geschaffen, das einem unwillkürlich ans Herz geht. Geht gar nicht anders. Sie machen Spaß. Und die beiden retten Myers den Arsch, äh, den Roman. Denn seine von vielen Rezensenten vielgepriese poetische Sprache wirkt sowohl aufgeblasen wie manches mal sogar lächerlich. Es ist nicht nur so, dass allzuviele Metaphern ungesund sind, sie sind teilweise nicht mal mehr schräg, sondern völlig überzogen, aufgepumpt und überstrapziert. Dem Narrativ nicht angemessen.

    Doch die beiden Protagonisten, die ihre Tätigkeit so ernst wie Wissenschafter nehmen und für bahnbrechend halten: „Diese neue Formation ist eine Anspielung auf zwei unserer wegweisenden Arbeiten vom letzten Sommer“, sind einfach liebenswert. Charaktere kann er also, der Herr Myers. Und wie. Und schreiben kann er eigentlich auch, nur, dass ers halt grausig übertreibt und meinen Bogen damit absolut überspannt. Um dem Autoren Myers die Ehre zu geben, muss man allerdings hinzufügen, dass neben heftigsten sprachlichen Kloppern (!!!) auch die allernettesten sprachlichen Einfälle Platz greifen in seinem Roman mit den Kornkreisen.

    Liebeswert sind außerdem die Liebe zum Land, die mit zahlreichen eingestreuten Anekdötchen und Hintergrundsinformationen zum Landstrich die Erzählung bereichern sowie kleine Seitenhiebe zum Beispiel gegen die Aristokratie „Na ja, die Hälfte von denen ist sowie so plemplem“, die mich ergötzen.

    Fazit: Die überschäumenden, überbordenden Metaphern, mit denen der Roman aufgeplustert und gespickt ist, ich möchte nur beiläufig erwähnen, dass eine Nase mit einem Penis verglichen wird, machen mir den Roman beinahe madig, aber er hat noch eine andere Seite, feinen Humor, Heimatliebe, urige Typen und nette Dialoge.

    Kategorie: Gute Unterhaltung.
    Verlag: Dumont 2021

  1. Poetische Liebeserklärung an die Natur

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Sep 2021 

    Benjamin Myers hat mich mit seinem Roman „Offene See“ bereits so begeistern können, dass ich erfreut war, zu sehen, dass es mit „Der perfekte Kreis“ (Dumont-Verlag, Übersetzung: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, die bereits bei „Offene See“ großartige Arbeit geleistet haben!) ein neues Buch von ihm gibt.

    Redbone und Calvert sind zwei Freunde, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Aber das ist ja – zumeist – eine gute Basis für eine Freundschaft. Denn bei allen Unterschieden gibt es natürlich auch Gemeinsamkeiten; so ihre Liebe zur Natur, zur Freiheit – und zur Erschaffung von Kornkreisen. Sie wollen den „perfekten Kreis“ gestalten, obwohl Myers seinen Protagonisten Redbone sagen lässt:

    „Den perfekten Kreis. Den könnten wir niemals hinbekommen. Er existiert nicht. Ehrlich gesagt, ich glaube, nichts was von Menschen gemacht wird, kann je perfekt sein.“ (S. 107)

    Trotzdem verfolgen die Freunde ihr Ziel – unter strenger Einhaltung eines selbstauferlegten Kodex, der ihren Respekt und die Liebe zur Natur unterstreicht. Denn auch wenn es vordergründig um die Kornkreise und die Freundschaft der beiden Männer geht: Benjamin Myers macht aufmerksam – auf Missstände im Naturschutz (Stichwort Monokultur), auf Englands Kolonisierungswahn

    „Wir haben kolonisiert und geplündert, und dann, wenn wir unschuldige Menschen abgeschlachtet und ihrer Schätze beraubt hatten, sind wir mit Reichtümern heimgekehrt. […] Das Meer ist eine Grenze, eine Begrenzung, und da wir auf einer Insel leben, bilden wir uns ein, wir wären etwas Besonderes. Aber das sind wir nicht. Wir haben bloß Angst, mehr nicht. Wir haben Angst vor der Welt. Und das erzeugt Arroganz und Ignoranz, und Ignoranz ist der Tod des Anstands.“ (S. 67)

    und amüsiert sich über die Menschen, die bedingungslos an UFOs und Außerirdische glauben

    „Die Menschen wollen einfach an etwas Größeres als das hier glauben. Etwas Jenseitiges. Das lenkt sie von dem banalen Alltag ihres kleinen Lebens ab. Kann man verstehen.“ (S. 79)

    Während England und die Welt (im Text sind einige (fiktive) Zeitungsartikel abgedruckt) im heißen Sommer 1989 rätselt, woher die geheimnisvollen Kornkreise stammen, die von Woche zu Woche immer aufwendiger werden, arbeiten Redbone und Calvert an ihrem Meisterwerk – der „Honigwabe-Doppelhelix“. Ob die beiden es schaffen – nun, das verrate ich an dieser Stelle nicht *g*.

    Trotz der wunderbar poetischen Sprache, der Liebe zur Natur, die sich in vielen Formulierungen findet, den Landschaftsbeschreibungen, die Lust auf einen Besuch in England machen, hat mir „Der perfekte Kreis“ nicht ganz so gut gefallen wie „Offene See“. Vielleicht sind mir Redbone und Calvert nicht nah genug gekommen – so genau kann ich es gar nicht sagen, was mir an dem Roman fehlt, dass ich dieses Mal nicht die Höchstnote zücke. Aber eines ist gewiss: Benjamin Myers ist mit „Der perfekte Kreis“ verdammt nah am perfekten Roman (obwohl es den wahrscheinlich auch nicht gibt – ebenso wie den perfekten Kreis *g*).

    4 (mit Hochglanz) polierte Sterne!

    ©kingofmusic

  1. Poetisch und packend

    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Sep 2021 

    „In diesen Momenten zerbröckelt die Moderne, und eine Art Zeitreise findet statt. Und heute Nacht, wie in allen vorangegangenen Nachten und jenen, die noch folgen werden, versetzt diese Reise die beiden Männer in die Lage, in nur wenigen schweißtreibenden Stunden etwas zu vollenden, das verblüffen, betören, provozieren und verwundern wird.“ (Zitat Pos. 667)

    Inhalt
    Seit etwa zehn Jahren kennen Redbone, Anarcho-Punk-Musiker, und der Falkland-Kriegsveteran Calvert einander und sind Freunde. Beide leben im Heute, doch beide sind immer noch dabei, die Erfahrungen ihrer Vergangenheit zu verarbeiten, auch wenn diese aus völlig unterschiedlichen Ereignissen entstanden sind. Es ist ihr dritter Sommer, in dem sie in langen Nächten diese besonderen, mythischen Gebilde schaffen, die Kornkreise, angetrieben durch Verrücktheit, Angst, Spaß, die Wertschätzung der Natur, die Suche nach uneingeschränkter Freiheit und dem Wunsch, den Menschen etwas Besonderes zu zeigen. In diesem Jahr 1989 arbeiten sie auf den Höhepunkt ihres Schaffens hin, ihr Opus Magnum, die Honigwabe-Doppelhelix, ein kompliziertes Muster von perfekter Schönheit, geplant für das Ende des Sommers.

    Thema und Genre
    Dieser poetische Roman spielt 1989 im ländlichen Südengland. Es geht es um die Achtung vor der Natur, Träume, den Umgang mit der eigenen Vergangenheit, Freundschaft und natürlich um die heimliche Schaffung von Kornkreisen.

    Charaktere
    „Nähre den Mythos und strebe nach Schönheit“ ist Redbones Lebensziel. Er tüftelt das Design der Kornkreise aus, ist fantasievoll, visionär, kreativ. Calvert ist ein sehr ruhiger Mensch, pragmatisch, diszipliniert, hat langjährige Kampferfahrung aus Auslandseinsätzen. Die wichtigsten Kriterien ihrer nächtlichen Tätigkeit sind für beide absolute Verschwiegenheit unter allen Umständen und die perfekte Schönheit der Kreise.

    Handlung und Schreibstil
    Die Geschichte spielt im Sommer 1989 und wird chronologisch geschildert. Die Erzählform ist personal und Redbone und Calvert stehen im Mittelpunkt. In diesem Sommer entstehen zehn Kornkreise und jedes Kapitel trägt als Überschrift den Namen des jeweiligen Kornkreises, der in diesem Kapitel entsteht. Doch auch wenn sie versteckt arbeiten und darauf achten, auf keinen Fall entdeckt zu werden, sind sie nicht allein in der Nacht. Sie begegnen sonst kaum sichtbaren Tieren und beobachten nächtliche Partys, Zusammenkünfte, esoterische Gruppen, unterschiedliche Menschen auf ihren nächtlichen Wegen und Abenteuern.
    Großartige Schilderungen der Natur und interessante Beschreibungen der einzelnen Kornkreis-Strukturen ergänzen die spannende Frage, ob ihnen dieser eine ganz besondere Kornkreis gelingen wird.

    Fazit
    Eine poetische, packend und einfühlsam erzählte Geschichte, ein überzeugendes Leseerlebnis.

  1. Poesie des perfekten Kreises

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 18. Sep 2021 

    Woche für Woche tauchen auf den Feldern Englands faszinierende Kornkreise auf, die plötzlich über Nacht entstehen und die Bevölkerung in Erstaunen versetzen. Doch dahinter stecken nicht, wie zahlreiche Verschwörungstheoretiker vermuten, außerirdische Lebensformen, sondern Redbone und Calbert. Zwei von der Vergangenheit verfolgte Männer, deren Freundschaft sich vor allem um das Schaffen dieser gigantischen Kunstwerke dreht und die den ganzen Sommer mit der Planung immer neuer, immer beeindruckenderer Muster verbringen. Und während die Einwohner, die Medien, die Experten und Wissenschaftler Englands und der Welt das Rätsel der Herkunft der Kornkreise zu lösen versuchen und diese immer größere Bekanntheit erreichen, geht es ihren Erschaffern Redbone und Calbert gar nicht um den Ruhm, sondern um die Kreise und ihre Schönheit selbst, um die Natur und das Land, auf dem sie entstehen.

    Die poetische Sprache Myers lässt dabei die nächtliche Welt vor dem inneren Auge auferstehen. Beinahe glaubt man, selbst dort draußen im Mondlicht zu stehen, umgeben von bis zum Horizont reichendem Weizen und den Lauten der nächtlichen Tierwelt, und spürt die Freiheit, die mit den endlosen Weiten der Natur einhergeht. Für die beiden Männer ist das alles, was zählt - die eine Sache, die ihnen einen Ausgleich schafft zu ihrer schwierigen Vergangenheit und Gegenwart, ihre Aufgabe - nicht boß eine Freizeitbeschäftigung. Um die Kornkreise und die ewige Suche nach dem perfekten Kreis herum entspinnen sich so zahlreiche philosophische Gedanken und Gespräche, die sehr gut in diese beinahe mystische Atmosphäre hineinpassen. Für die beiden Männer steht bei ihrer Arbeit stets die Natur im Vordergrund, deren Schönheit sie mit ihren Kunstwerken hervorheben wollen.

    Redbone und Calbert selbst sind dabei keine einfachen Protagonisten, sie sind gezeichnet vom Leben, eher "schräge Typen", unnahbar und ein wenig eigentümlich. Sie waren mir beide auf ihre Art sofort sympathisch, insgesamt hätte ich mir an manchen Stellen aber doch noch einen etwas tieferen Blick auf ihren Charakter gewünscht, vielleicht käme der Roman wahrer Perfektion dann noch ein wenig näher. Davon abgesehen mochte ich das Buch sehr gerne.

  1. Bis zur Honigwabe-Doppelhelix

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Sep 2021 

    Südengland im Sommer 1989: Nacht für Nacht machen sich Redbone und Ivan Robin Calvert an die Arbeit. Heimlich legen die beiden jungen Männer kreisrunde Muster auf den Feldern an. Die komplexen Kornkreise lösen zunehmend Aufregung aus. Gerüchte entstehen, Medien berichten: Sind es bloß Streiche oder deuten sie auf Außerirdische hin? Ungerührt von den Spekulationen setzen die beiden Freunde ihr Vorhaben fort. Ihr Ziel: Sie wollen ein Meisterwerk erschaffen, das sie „Honigwabe-Doppelhelix“ nennen…

    „Der perfekte Kreis“ ist ein Roman von Benjamin Myers.

    Meine Meinung:
    Der Roman beginnt mit einer Art Prolog. Daran schließen sich zehn Kapitel mit kreativen Überschriften an, benannt nach der jeweiligen Kreisformation, die die Männer in diesem Kapitel erschaffen. Die Handlung erstreckt sich über einen Sommer - von Ende Juni bis Ende August.

    Besonders auf sprachlicher Ebene hat mich der Roman beeindruckt. Der Ton ist unaufgeregt und geradezu poetisch. Der Schreibstil ist wortgewaltig und atmosphärisch stark. Der Roman enthält viele, teils ungewöhnliche Metaphern und Vergleiche. Vor allem in den Landschaftsbeschreibungen zeigt sich das schriftstellerische Können des Autors. Eingefügt sind mehrere Zeitungsartikel.

    Die Zahl der Figuren ist übersichtlich. Redbone und Calvert stehen klar im Fokus der Geschichte. Die beiden Protagonisten sind interessant dargestellt und echte Sympathieträger. Die zwei Charaktere weisen psychologische Tiefe auf. Sie kommen authentisch, aber nicht zu gefällig daher.

    Inhaltlich kann der Roman ebenfalls überzeugen. Die Idee mit den heimlich geschaffenen Kornkreisen hat mich gleich angesprochen. Die Umsetzung der Geschichte ist ebenfalls geglückt. Das Vorgehen und die Motivation der beiden Männer haben mich berührt. Zudem passt die Geschichte zum Zeitgeist und ist erstaunlich aktuell, weil auch die Themen Naturschutz und Zerstörung der Umwelt auftauchen.

    Auf den kaum mehr als 200 Seiten ist die Geschichte wenig ereignisreich und spannungsärmer als erwartet. Das Erzähltempo bleibt gemächlich. Trotzdem habe ich mich beim Lesen überhaupt nicht gelangweilt.

    Auch die Gestaltung des Hardcovers ist nach meiner Ansicht sehr gelungen. Die goldene Prägung der Schrift, das farblich passende Lesebändchen sowie das reduzierte, aber gut gewählte Design sind ansprechend und wirken sehr hochwertig. Erfreulicherweise wurde der englische Originaltitel („The Perfect Circle“) wortgetreu ins Deutsche übersetzt.

    Mein Fazit:
    „Der perfekte Kreis“ von Benjamin Myers ist ein Roman, der mich in mehrfacher Hinsicht begeistert hat. Ein Lesevergnügen mit leisen Tönen, das mir Lust darauf gemacht hat, weitere Bücher des Autors zu entdecken.

  1. Nähre den Mythos und strebe nach Schönheit

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Sep 2021 

    Als ich hörte, dass der DuMont Verlag ein neues Buch von Benjamin Myers herausgibt, war sofort klar, dass ich es lesen muss, weil „Offene See“ eines meiner Jahres-Highlights im vergangenen Jahr war. Bei der Covergestaltung wurde sich wieder viel Mühe gegeben: der goldglänzende Kreis ist ein wunderschöner Hingucker. Thematisch geht es im neuen Roman jedoch in eine ganz andere Richtung:

    Redbone und Calvert sind zwei unterschiedliche Lebenskünstler. Beide verbindet eine Männerfreundschaft, sie haben keine großen Erwartungen an das Leben. Der eine wohnt mehr oder weniger in einem VW-Bus, der andere in einem winzigen Cottage. Calvert ist ein disziplinierter, aber traumatisierter Kriegsveteran, hat nicht nur äußere sondern auch innere Narben davongetragen. Redbone tingelt als Musiker durch die Gegend, ist leichtlebig und steht Rauschmitteln aufgeschlossen gegenüber.

    Beide sehnen sich nach der hellen Jahreszeit, denn sie haben ein eigenwilliges Hobby, nämlich das Erschaffen von geometrischen Kornkreisen. „Zu unterschiedlichen Zeitpunkten hat sich das Leben für sie beide angefühlt wie eine Hängebrücke über einem schmalen, bodenlosen Abgrund, an der dünne Seile schon zerfasert und gerissen sind, wie eine Szene im letzten Drittel eines Kinothrillers. Kornkreise sind die Rettungsleine.“ (S. 23)

    Bei der Planung der einzelnen Kreise gehen sie akribisch vor und beachten einen strengen Verhaltenskodex. Insbesondere darf niemand etwas von ihrem Projekt erfahren. Die Kreise selbst werden sorgfältig geplant und auf Getreidefeldern im Südwesten Englands gebildet. Mit Präzision legen sie behutsam die Halme um, unnötige Zerstörung wird unbedingt vermieden. Insgesamt kreieren Redbone und Calvert zehn Kornkreise, deren Anspruch sich von Mal zu Mal steigert. Am Ende des Sommers soll der perfekte Kornkreis entstehen. Die Arbeit dauert jeweils fast die ganze Nacht, während der sie meistens keine Menschenseele treffen. Mit den Kornkreisen wollen sie etwas Schönes schaffen, nehmen allerdings die dabei entstehende Verwirrung der Bevölkerung billigend in Kauf. Die geheimnisvollen Kornkreise sind nämlich regelmäßig Thema in den Medien, die deren Urheberschaft bei invasiven Außerirdischen oder mystischen Sagengestalten sehen.

    Es macht Freude, den beiden skurrilen Außenseitern bei ihrem Schaffen zuzuschauen. Sie sind geprägt von einer tiefen Liebe zur Heimat, der Natur und ihren Lebewesen. Man genießt die Dialoge, die teilweise philosophisch - gesellschaftskritisch oder auch humorvoll-originell daherkommen. Myers beherrscht sein Metier, er schreibt poetisch, facettenreich und nutzt zahlreiche Metaphern. Die meisten davon sind stimmungsvoll und wunderschön, manche enthalten für meinen Geschmack aber auch des Guten zu viel. Die Schilderungen der nächtlichen Naturbeobachtungen zeugen von Liebe zu Detail und wirken entschleunigend, es gibt für die beiden Männer jedoch auch Abenteuer zu bestehen, bei denen die Spannungs- und Humorkurve ausschlagen kann.

    „Der perfekte Kreis“ ist ein ruhiges Buch. Er nimmt aktuelle Umweltthemen ins Visier und kritisiert die zunehmende Umweltzerstörung. Die beiden Protagonisten sind ausgesprochene Sympathieträger, man folgt ihnen gern. Ich empfehle das Buch allen Lesern, die einen sprachlich schön gemachten Unterhaltungsroman suchen. Für Spannungsleser oder literarische Ansprüche ist es eher weniger geeignet. Mich persönlich konnte dieser Roman nicht annähernd so begeistern wie „Offene See“. Trotzdem ist er auf seine Weise originell und besticht erneut mit seiner Sprache. Er wird bestimmt seine Leserschaft finden und begeistern.

  1. Freundschaften

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 30. Aug 2021 

    Calvert und Redbone sind alte Kupels. Calvert ist ein ehemaliger Falklandsoldat, der jetzt in einem kleinem Haus lebt ohne einen wirklichen Sinn für sich zu finden. Redbone ein Punk, der manchmal Pilze zu sich nimmt. Eher so ein durchgeknallter Freigeist.

    Diese beiden Freunde haben ein Hobby für sich entdeckt. In einer Art Nacht und Nebel- Aktion drücken sie vorsichtig in Kornfelder Kreise hinein. Ohne dabei die Kornfelder zu zerstören. Es kommen viele Vermutungen zutage. Es seien Aliens, Außerirdische mit Raumschiffe. Und für die Freunde ist es ein bisschen wie Pfadfinder sein. Im Geheimen ohne, dass jemand davon etwas weiß. Auch entsteht durch dieses "Hobby" eine engere Bindung zwischen ihnen.

    Für mich war es nicht leicht diese Geschichte zu lesen. Der Autor versteht es sehr gut die Atmosphäre aufzufangen. Die Dunkelheit, die Tiere, die nachts auf dem Feld unterwegs sind, aber die Protagonisten bleiben für mich fremd und blass. Diese wohlgeformten, poetische Sätze waren wirklich wunderschön, aber sie transportierten für mich nicht diese Männerfreundschaft und diese unterschiedlichen Protagonisten.

    Schade!

  1. Was ist Perfektion? Wenn eine Freundschaft Kreise zieht.

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Aug 2021 

    !ein Lesehighlight 2021!

    Klappentext:

    „Redbone und Calvert kennen sich seit Langem. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten und einander wenig von ihrem früheren Leben erzählen, fühlen sie von Anfang an eine starke Verbundenheit. Zwischen den beiden Männern entsteht über die Jahre eine ungewöhnliche Freundschaft. Hinter ihnen liegen Zeiten der Rastlosigkeit und tiefen Einsamkeit, bestimmt von traumatischen Erlebnissen. Eher zufällig entsteht in ihnen die Idee der Kornkreise. Während sie hoffen, dass sie in diesem Sommer den Kreis erschaffen können, kommen sie ihrem Land und seinen Bewohnern, ihren eigenen Träumen näher, erleben sie sowohl ernüchternde als auch traumgleiche Begegnungen. Geprägt von demselben Freiheitsdrang und derselben Abneigung gegen jegliche Obrigkeit, entstehen in ihnen ein tiefer Respekt für ihre Umwelt und der Wunsch, die beengende Realität des Alltags hinter sich lassen zu können. Gelingt der perfekte Kornkreis, dann kann ihnen auch alles andere gelingen.“

    Was ist Perfektion? Was und wie sieht ein perfekter Kreis aus? Können 360° (nicht) perfekt sein? Wo endet diese Sicht und wann endet es in Wahnsinn? Die Geschichte der beiden Freunde geht dem Leser an die Nieren, denn schnellt merkt man, wie die Freundschaft hier Kreise zieht und wie sie einander vertrauen. Jeder von ihnen hatte seine Geschichte im Leben und hat sie immer noch. Jeder verarbeitet es anders und die Beiden suchen ihre Erfüllung in der perfekten Rundung - in Kornkreisen. Eine Zuflucht? Eine Verarbeitung der Gefühle? Eine Marotte? Eine Spinnerei? Autor Benjamin Myers zeigt uns in diesem Klassiker mit einer feinen melodischen Sprache und einem perfekten und sensiblen Schreibstil, die Verarbeitung von traumatischen Dingen in einer Freundschaft. Philosophische Gedanken werden immer wieder dezent angeschnitten, kommen dem Leser aber ganz von allein - so kommt ein Kreis ohne Durchmesser und Radius nicht aus, genau wie Redbone und Calvert. Wenn man es mathematisch betrachtet grenzt es schon an eine herrliche, wahnsinnige Denkweise, denn wo fängt ein Kreis an und wo hört er auf? Auch hier wird tief in der Symboldeutung gekramt und somit eröffnet sich dem anspruchsvollen Leser ein echtes Meisterwerk der Wortspielerei das trotz seines Alters moderner und aktueller nicht sein könnte. Die beiden Protagonisten verspüren eine beengende Realität des Alltags und wenn es einem selbst so geht, auf Grund der Masse an Neuerungen, sozialen Medien etc., ist es für den Leser sehr gut nachvollziehbar. Die Arbeit der Beiden, einen perfekten Kreis ins Korn zu schlagen, wird zum Anker, zur Lebensaufgabe, zum Kraftfeld und hallt beim aufmerksamen Leser enorm nach - ein zeitloses Werk, welche eine gewaltige Tragweite aufweist - 5 von 5 Sterne!