Der Patriot: Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Patriot: Thriller' von Pascal Engman
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Der Mord an einer Journalistin versetzt die schwedischen Nachrichtenredaktionen in Alarmbereitschaft. Massive Drohungen gegen Vertreter der sogenannten »Lügenpresse« sind längst an der Tagesordnung, doch nun macht ein Serienkiller ernst. Er ist fest entschlossen, mit allen abzurechnen, die dem bedrohlichen Flüchtlingszustrom in seinem Land nichts entgegensetzen.

In Stockholms Zeitungsredaktionen regiert die Angst. Drohungen gehören zum Alltag, populistische Meinungsmacher verschärfen die aufgeheizte Stimmung noch. Als eine junge Journalistin, die strikt für Meinungsfreiheit eingetreten ist, kaltblütig ermordet wird, werden die schlimmsten Befürchtungen plötzlich real. Nur Madeleine Winther, eine junge aufstrebende Nachrichtenredakteurin, bleibt davon merkwürdig unberührt und plant stattdessen ihre nächsten Schritte auf der Karriereleiter. Doch auch sie muss sich der Realität stellen, denn es bleibt nicht bei diesem einen Opfer. Der Täter, Carl Cederhielm, will Rache nehmen an allen, die dazu beitragen, dass seine Heimat Tag für Tag von Flüchtlingen überschwemmt wird. Sein Ziel sind die Medien, und gemeinsam mit zwei Gleichgesinnten eröffnet er die Jagd auf Journalisten. Es scheint, dass niemand die schwedischen Terroristen aufhalten kann. Doch dann taucht ein neuer Akteur auf der Bildfläche auf, der zum Äußersten entschlossen ist.

Format:Kindle Edition
Seiten:391
Verlag: Tropen
EAN:

Rezensionen zu "Der Patriot: Thriller"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Mär 2019 

    Patriarchat

    Das Cover des Thrillers zeigt- vermutlich- einen Städteblock Stockholms neben einem Gewässer. Stilistisch sehr gelungen sind die tiefdunklen Wolken, welche beginnen, die Häuser ins Dunkle zu tauchen und das Licht zu verdrängen.

    Zum Inhalt:

    Nachdem die junge Journalistin Hannah Löwenström kaltblütig in ihrer Wohnung ermordet wurde stellt sich schnell heraus, dass sie nicht das einzige Opfer bleiben wird. Ihr Mörder, Carl Cederhielm, sieht sich selbst als Patriarch, welcher Schweden von der Liberalität gegenüber Ausländern befreien wird. Dazu will Carl die “Lügenpresse” wie er sie nennt auslöschen, indem er einen Journalisten nach dem nächsten umbringt. Er hinterlässt keine Beweise und keine Anhaltspunkte darauf, wo er und seine Anhänger als nächstes zuschlagen. Fernab von alledem, in Chile, wohnt August, ein ehemaliger schwedischer Fremdenlegionär, mit seiner Frau Madeleine. Als Bodyguard eines berüchtigten Straftäters hat auch er es tagtäglich mit Gewalt zutun und wünscht sich nichts mehr, als zurück nach Schweden gehen zu können.

    Meine Meinung:

    Einer meiner Highlight- Thriller auf der “jemals gelesen Liste”! Ich konnte dieses Buch wortwörtlich nicht aus der Hand legen und habe das gesamte Wochenende nur gelesen. Dadurch, dass die vier Handlungsstränge so losgelöst voneinander erzählt werden, entsteht über weite Teile der Lesezeit überhaupt kein Zusammenhang zwischen denselben. Erst mit und mit, vieles erst ganz zum Schluss, wird alles klarer, die Handlungen kommen in Bezug zueinander. Plötzlich hat man das Gefühl, dass bei dem Fehlen eines Teils das gesamte Buch, diese gesamte Konstruktion, gar keinen Sinn ergeben würde. Die sinnbildliche und nüchterne Sprache treibt einen durch das gesamte Buch. Die Spannungskurve wurde gleich zu Beginn aufgebaut und bis zum Schluss nicht mehr locker gelassen. Durch die kurzen Kapitel hatte man nach jedem einen “Cliffhanger” und konnte einfach keine Verschnaufpause einlegen. Selten habe ich so viel Verständnis für die Handlungen eines Mörders gehabt. Und zwar nicht, weil seine Taten richtig sind, sondern weil Carls Charakter so neutral, seine Gedanken und Beweggründe so plausibel dargelegt wurden. Keinem Charakter dieses Buches hätte ich die Attribute “Gut” oder “Böse” zuschreiben können.

    Alles in Allem ist dieser Debut- Thriller des ehemaligen Journalisten eine absolute Kaufempfehlung für alle Thriller- Liebhaber oder die, die es noch werden wollen. Ein von vorne bis hinten durchdachter, spannender Handlungsverlauf.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 27. Feb 2019 

    Beängstigend

    In Stockholms Zeitungsredaktionen gehören Shitstorms und sogar Morddrohungen zum Alltag. Als aber eine Journalistin kaltblütig in ihrer eigenen Wohnung ermordet wird, werden die Drohungen erst wirklich ernst genommen. Schon kurz darauf gibt es weitere Opfer. Und immer handelt es sich um Journalisten, die sich für Flüchtlinge und Migration, für Meinungs- und Pressefreiheit eingesetzt hatten.

    Schon sehr bald wird dem Leser der Täter verraten: Carl Cederhielm will sich an all jenen rächen, die dazu beitragen, dass Schweden ,,überfremdet“ wird, dass immer mehr Flüchtlinge ins Land kommen. Mit zwei Kameraden plant und organisiert er die Jagd auf Journalisten. Sein Ziel ist dabei auch, als großer, patriotischer Held wahrgenommen zu werden. Beängstigend dabei ist, dass der Leser passagenweise in Carl Cederhielms Perspektive versetzt wird und damit in seine Gedankenwelt eintaucht, sodass man sich sehr intensiv mit seiner ,,patriotischen“ Sichtweise und seinem Hass auseinandersetzen muss.
    Weitere Figuren, die zunächst ohne Zusammenhang mit Cederhielm erscheinen, werden nach und nach zu einem Handlungsgewebe verflochten.
    So z.B. die junge Nachrichtenredakteurin Madeleine Winter, die skrupellos ihre eigene Karriere vorantreibt, oder der ehemalige Fremdenlegionär August, der in Chile ein neues Leben begonnen hat, aber nach Stockholm zurückkehren muss, da er sich mit den falschen Leuten eingelassen hat.
    Nach und nach erschließen sich die Zusammenhänge zwischen den Figuren, zum Teil sehr überraschend, zum Teil vorhersehbar, aber dennoch spannend. Stellenweise sind die Schilderungen ziemlich brutal und nichts für Zartbesaitete. Trotzdem halte ich ,,Der Patriot“ für ein unbedingt lesenswertes und wichtiges Buch. Da der Autor selbst aus dem Journalistenmilieu stammt, wirkt die Darstellung auch äußerst glaubwürdig und authentisch.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 13. Feb 2019 

    Interessantes Debüt

    Pascal Engman ist eine neue Stimme am illustren Schweden-Krimi – Himmel. Mit seinem Debüt „Der Patriot“ hat er sofort einen Bestseller gelandet.

    Sicher liegt das auch am Plot seines Kriminalromans: Nach ständigen Drohungen gegen die „Lügenpresse“ wird eine bekannte links-liberale Journalistin brutal ermordet. Natürlich wird das Delikt in rechten Kreisen verortet. Aber als Leserin bin ich weiter, denn Engman gewährt mir einen Einblick in das Denken von Carl Cederhjelm. Ein Mann, der die Kultur der Schweden gegen alles Fremde verteidigen will, der sich zurückgesetzt fühlt und genug nach von Flüchtenden aus dem Nahen Osten, die alle nach Schweden wollen. Es gibt nur ein Ziel für Ihn, er muss ein Zeichen setzen, muss diejenigen zum Schweigen bringen, die von einer bunten, multikulturellen Gesellschaft träumen. Und er ist nicht allein! Er zieht seine blutige Spur durch das Land.

    Ein weiterer Erzählstrang führt uns nach Südamerika. Anton Novak hat vor 10 Jahren Schweden verlassen, nicht freiwillig. Er wurde straffällig und ist in der Fremdenlegion untergetaucht. Später als Söldner und Bodyguard für zwielichtige Drogenbarone tätig, hat er sich trotz allem eine Art Gerechtigkeitssinn bewahrt und ein tragischer Verrat lässt ihn noch einmal nach Schweden zurückkommen und den Weg Cederhjelms kreuzen.

    Der Autor ist selbst Journalist und hat sich unter dem Druck von Morddrohungen aus rechtspopulistischen Kreisen aus dem aktiven Journalismus zurückgezogen. Dass er weiß, wovon er schreibt, merkt man jeder Zeile an. Das gibt dem Kriminalroman eine realistische Dichte, die kaum auszuhalten ist. Es liest sich seitenweise wie eine Bestandsaufnahme des rechtsgerichteten Populismus, der seit Jahren die liberalen europäischen Demokratien bedroht. Der Aufstieg der rechten Parteien ist dabei nur ein Indiz.

    Dabei vergisst der Autor an keiner Stelle die Spannung, die sich auch aus den Nebenhandlungen ergibt. Das Buch hat ein außerordentlich hohes Tempo und obwohl die Leser die Täter und deren Beweggründe kennen, bleibt es völlig offen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt.

    Ich fand den Kriminalroman wirklich beachtlich, habe mich aber zunehmend gefragt, warum dem Südamerika Part von Anton Novak so viel Raum eingeräumt wurde. Obwohl auch dieser Teil spannend ist, war er für mich für den eigentlichen Plot nicht entscheidend. Das wäre eher Stoff für ein weiteres Buch gewesen.

    Realistisch, aktuell und hart, ein neuer Autor, der das Entdecken lohnt.