Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt' von  Herta Müller
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Inhaltsangabe zu "Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt"

Format:Audible Hörbuch
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Rezensionen zu "Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt"

  1. Entkommen...

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     - 27. Feb 2021 

    Im Rumänien Ceausescus, in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, wartet die deutschstämmige Familie Windisch auf die Ausreisegenehmigung in den Westen. Während immer mehr der rumäniendeutschen Nachbarn das Dorf verlassen, muss die Familie weiter warten – das Leben scheint stillzustehen. Erst als sich die Tochter Amalie für die Ausreisegenehmigung verkauft, bekommt die Familie die ersehnten Papiere.

    Herta Müllers erster Roman entstand 1986, ein Jahr bevor sie Rumänien verließ. Die Ausreise oder vielmehr das zermürbende Warten einer Familie auf eine Ausreisegenehmigung ist auch das Thema ihres Romans. In poetischer Sprache erzählt Herta Müller die Geschichte einer existenziellen Erfahrung im Europa Ende des vergangenen Jahrhunderts.

    Vor nunmehr acht Jahren habe ich das wohl bekannteste Werk Herta Müllers gelesen: 'Atemschaukel'. Schon da merkte ich, dass ich mich schwer tat mit der Art ihres Schreibens. Dunkel, schwer, wort-gewaltig waren seinerzeit meine Empfindungen bei der Lektüre. Als ich vor einigen Wochen zufällig auf das Hörbuch 'Die Nacht ist aus Tinte gemacht' stieß, in dem im Interviewstil Einblicke in Kindheit und Jugend der Literaturnobelpreisträgerin (2009) gewährt werden, war ich gehörig beeindruckt. Und so wollte ich der Autorin erneut eine Chance geben und wählte dafür ihren Debüt-Roman.

    Dieser entpuppte sich dann leider rasch als harte Kost. Inhaltlich geschieht nicht viel, die einzelnen Szenen wirken oftmals wie ein Stilleben, wie düstere Skizzen eines Dorflebens zwischen althergebrachten Traditionen und neueren Bedrohungen. Im Mittelpunkt steht die deutschstämmige Familie Windisch - der Vater nicht ohne Spuren aus dem Krieg heimgekehrt, die Mutter nach einigen Jahren menschenunwürdigem stalinistischem Straflager wieder im Kreis ihrer Familie, die Tochter in einer zukunftslosen Liebe - und der Preis für den Auswanderungswillen der Familie.

    Einzelne Dorfbewohner entstehen schemenhaft aus dem Staub der Dorfstraßen, um später dahin zurückzusinken. Die Bigotterie, die Ausweglosigkeit der Antragssteller, die latente Bedrohung - all das wird spürbar, zwischen den Zeilen. Herta Müller kreiert eine düstere, bedrohliche Stimmung, die Hoffnungslosigkeit tropft aus den Zeilen. Alles wartet. Das Dorf, die Familie, der Leser. Bis klar wird, dass die vielen Säcke Mehl als Bestechung nicht reichen werden.

    Der Pfarrer verlangt Frischfleisch - um gemeinsam mit jungen hübschen Frauen nach dem Taufschein zu suchen. Fünfmal, wenn es rasch geht. Wenn gründlicher gesucht wird, vielleicht auch zehnmal. Ebenso der Milizmann des Dorfes, der die ersehnten Papiere in seinen Händen hält. Der Tochter der Windischs bleibt letztlich keine Wahl. Eine Chronik der Sprachlosigkeit erwartet den Leser, Menschen einer Familie, die sich nicht mehr viel zu sagen haben, die nur ein gemeinsames Ziel haben: raus aus diesem Land...

    Wie wohl immer in ihren Romanen schwingen auch in diesem Debüt Herta Müllers viele autobiografische Anteile mit. Dieser Gedanke lässt die Gänsehaut noch einmal entstehen. Obschon die Stimmung im Dorf beim Hören nahezu spürbar war und die Autorin insofern großartiges geleistet hat, war es wieder der Schreibstil, der mich nicht abholen konnte, der mich ermüdete und streckenweise abschreckte. Grotesk-absurde Wortspiele, undurchsichtige Metaphern, oft eher traumähnliche denn realitätsnahe Passagen, knappe und kurzatmige Satzreihen: anstrengend. Und - ich muss es leider noch einmal sagen - für mich auch abschreckend.

    Für die von Mathias Brandt gelesene ungekürzte Hörbuchausgabe (3 Stunden und 3 Minuten) habe ich so gefühlt ewig gebraucht, weil ich mich ständig dabei ertappte, wie meine Gedanken nach wenigen Sätzen bereits wieder abzuschweifen begannen, so dass ich dann lieber eine Pause einlegte. Schade. Ich hätte es gern lieber gemocht...

    © Parden