Der Mauersegler: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Mauersegler: Roman' von Jasmin Schreiber
4.75
4.8 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Mauersegler: Roman"

Menschen träumen vom Fliegen, wovon träumt ein Mauersegler? Vielleicht vom Fallen, so wie wir an der Grenze zwischen Wachsein und Schlaf. Im freien Fall befindet sich auch Prometheus, als sein bester Freund Jakob stirbt. Nach einer überstürzten Flucht vor Polizei, Familie und sich selbst schlägt er am dänischen Strand auf. Der Mauersegler erzählt von einem Mann, der unter seiner Schuld zu zerbrechen droht. Und von zwei Frauen, die wenig Fragen stellen - wie alle Menschen, die ihre eigenen Geheimnisse haben.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:240
EAN:9783847900795

Rezensionen zu "Der Mauersegler: Roman"

  1. Wenn man den besten Freund verliert

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Nov 2021 

    Wenn ein Mensch stirbt, der einem so nahe steht wie niemand sonst, ist der Schmerz wohl unermesslich. Wie muss es einem da gehen, der sich zudem noch für diesen Tod verantwortlich fühlt?

    Jakob, Prometheus‘ bester Freund ist tot und nun rast er mit seinem Wagen durch die Nacht gen Norden, auf der Flucht voller Schmerz, Angst und Schuld. Vor was genau Promotheus flieht, ist unklar; aber während er Unterschlupf bei zwei alten Frauen findet, die einen Pferdehof an der dänischen Küste betreiben, erfahren wir nach und nach was geschehen ist und die Gründe für diese überstürzte Reise. Wie er als Arzt von allen Seiten bedrängt wurde, seinem Freund zu helfen. Wie er trotz besseren Wissens nachgab und er an der Verantwortung für dessen Leben fast zerbrach; was ihn zu Handlungen verleitete, die er nun unendlich bereut.

    Hinzu kommen Promotheus schmerzvolle Erinnerungen an die vergangenen Zeiten und Erlebnisse mit seinem besten Freund. Begebenheiten, die trotz der Allgegenwärtigkeit von Trauer und Leid uns Lesenden immer wieder ein Lächeln entlocken wie beispielsweise gleich zu Beginn, als die beiden Jungen versuchen, Prometheus‘ verstorbenen Hund zu verbrennen (ohne Erfolg). Oder wie Jakob versuchte, seine große Schwester, die gerade von ihrem Freund verlassen wurde, zu trösten, indem er ihre Telefonnummer an Männer auf der Straße verteilte, die er nett fand.

    Es hatte Monate gedauert, bis die Anrufe aufgehört hatten.

    Es hätte ein unsäglich trauriges Buch werden können bei einem Thema wie diesem, zudem auch andere Figuren eine nie endende Trauer mit sich tragen. Doch Jasmin Schreiber hat diese wundervoll herrliche Erzählweise, bei der auf eine ergreifende Episode durchaus etwas Tröstliches, wenn nicht sogar etwas Humorvolles folgt, ohne dass es fehl am Platze wirkt. Ein Buch voller Schmerz, aber auch voller Wärme, Trost, Empathie und Hoffnung. Einfach schön!

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  1. Schuld

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Okt 2021 

    Von Jasmin Schreiber hatte ich schon den Marianengraben gelesen und dieses Buch hatte mir gefallen, 4 Sterne war es mir wert.

    Doch "Mauersegler" hier übertrifft in meinen Augen den Vorgänger um Einiges. Es ist die Geschichte einer Freundschaft, wunderschön und jungenhaft, Prometheus und Jakob, die Tom Sawyer und Huck Finn der Jetztzeit. Es ist aber Jahre später genauso auch eine Geschichte einer entsetzlichen Schuld und einer darauffolgenden Flucht. Prometheus ist schuld am Tod seines besten Freundes Jakob. Er ist Onkologe und sein Freund Jakob hat Blasenkrebs, Prometheus nimmt ihn mit in seiner Studie auf und obwohl er sieht, dass seine Studie nicht greift, ist er nicht in der Lage sie zu beenden und für misslungen zu erklären, sondern versucht weiter aus machthungrigen Gründen seine Studie und sein Weiterkommen zu forcieren und manipuliert schließlich sogar seine Studie. Dies führt zum Tod einiger Patienten, auch zum Tod seines besten Freundes. Prometheus flieht vor seiner Schuld und den drohenden Konsequenzen nach Dänemark und droht an seiner Schuld zu zerbrechen. Dort trifft er auf zwei absonderliche Frauen, Helle und Aslaug, diese nehmen ihn auf und sind da, lassen ihn ankommen und bedrängen ihn nicht. Obwohl sie sehen, dass da mehr ist, lassen sie Prometheus die Zeit, die er braucht. Menschliche Wärme und Nähe und eine heilende Kraft der Natur und ihrer Kräfte sind hier die Zutaten zur Veränderung. Ein Buch, welches in unserer hochtechnisierten Welt hoffentlich viele Leser finden wird und ein Buch, mit dem Jasmin Schreiber sich in mein Herz geschrieben hat! Denn obwohl manche Leser in dieser Geschichte das Klischee sehen, bin ich der Meinung, dass die Natur durchaus eine Kraft zur Erden hat und wir sind nun einmal ein Teil der Natur, obwohl wir uns oft nicht so benehmen! Die Zeichnung des Charakters Prometheus trifft mich trotz seiner Schuld und dies ist Jasmin Schreibers Verdienst, denn solche Charaktere verabscheue ich meistens und lasse sie nicht zu mir durchdringen. Jasmin Schreibers Darstellung schafft dies aber doch. Danke dafür!

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  1. Mauersegler

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Sep 2021 

    Prometheus' bester Freund Jakob ist an Krebs erkrankt. Da Prometheus selbst Arzt ist und aktuell eine Studie zu Blasenkrebs durchführt, ist für alle Freunde und Verwandten klar: Er muss Jakob darin aufnehmen. Etwas später steigt Prometheus hals über kopf in sein Auto und macht sich etwas ziellos auf den Weg, bis er schließlich auf einem kleinen Pferdehof in Dänemark landet. Etwas Schlimmes muss passiert sein, das ist den beiden alten Frauen, die den Hof führen, sofort klar. Sie nehmen Prometheus auf, doch vor dem, was geschehen ist, kann Prometheus sich auch hier nicht dauerhaft verstecken.

    Die Handlung des Romans setzt sich aus drei parallel erzählten Strängen zusammen: Prometheus auf der Flucht, Prometheus und Jakob kurz zuvor, als letzterer gerade von seiner Krankheit erfahren hat, und Prometheus und Jakob in ihrer Kindheit bzw. Jugend. Der Schreibstil ist wie schon aus den beiden vorherigen Büchern der Autorin gewohnt sehr bildhaft und geht gekonnt und humorvoll mit den schwierigen Themen Tod und Trauer um. Trotz des tragischen Hintergrunds der Geschichte gelingt es der Autorin immer wieder, einen beim Lesen zum Lachen zu bringen.

    Prometheus als Protagonist ist eher der selbstmitleidige Typ, was vielleicht anstrengend geworden wäre, hätte der Schreibstil nicht darüber hinweggeholfen. So kann man ganz gut darüber hinwegsehen. Auch die anderen Figuren, allen voran die beiden älteren Damen Helle und Aslaug, sind schön ausgearbeitet und überzeugen durch ihren eigenwilligen Charakter.

    Dass die Autorin Biologin ist, fließt spürbar in ihre Beschreibungen der Landschaft um Prometheus herum mit ein. Das hat mir sehr gut gefallen, weil es viel zur Atmosphäre des Romans beisteuert.

    Auch das Gleichgewicht zwischen Trauer und Humor finde ich sehr gut; weder wird die Trauer zu sehr in den Vordergrund gestellt und drückt so die Stimmung, noch sorgt das Humoristische dafür, dass sie aus dem Fokus gerückt oder ins Lächerliche gezogen wird. Das ist ein Punkt, den die Autorin wie auch schon in "Marianengraben" und "Abschied von Hermine" ganz wunderbar beherrscht.

    Mir hat "Der Mauersegler" sehr gut gefallen, wenn er für mich persönlich auch nicht ganz an "Marianengraben" herankommt. Trotzdem vergebe ich sehr gerne 5 Sterne und kann guten Gewissens eine Leseempfehlung aussprechen. Ich freue mich auf weitere Bücher von Jasmin Schreiber!

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  1. Wenn die Schuld dich zerdrückt...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Aug 2021 

    Da ich "Marianengraben" sehr geliebt habe, wollte ich auch diesen Roman unbedingt lesen. Ich wusste es wird nicht leicht, aber dass es mich emotional so sehr trifft, das habe ich dann doch nicht kommen sehen. Daher ein kleiner Tipp vorab: Lest den Roman lieber, wenn ihr in guter Stimmung seid, denn er wird euch emotional packen und vielleicht auch runterziehen.

    In der Geschichte geht es um Marvin, der lieber Prometheus genannt werden möchte und diesem Namen alle Ehre macht. Er hat Schuld auf sich geladen und möchte einfach nur weg. Wie das weg genau aussehen soll, das weiß er nicht, aber so wie sein aktuelles Leben läuft, kann es nicht weitergehen. Wird er die negativen Emotionen besiegen können oder mit ihnen untergehen?

    Der Roman ist in dreizehn (Unglückszahl?) Kapitel gegliedert mit mehreren Unterkapiteln, in denen man mal Marvin und seinen besten Freund Jakob als Kinder und Jugendliche begleitet, mal in nicht allzu ferner Vergangenheit wandelt, in der die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt wird und mal sind wir einfach in der Gegenwart beim verzweifelten Hauptakteur. Die Zeitsprünge kommen unerwartet und stets dauert es einen Moment des Innehaltens, damit man als Leser weiß wo man gerade ist, aber genau dieses Innehalten empfand ich als so wichtig bei der Thematik.

    Als besonders habe ich die Schilderungen der Kindheits- und Jugenderlebnisse wahrgenommen, da sie mich an eigene Erfahrungen in dieser Zeit erinnert haben, die stets immer etwas verklärt sind für uns als Erwachsene. Nur in dieser Lebensphase gibt es die vielen ersten Male, die uns dauerhaft als etwas Besonderes in Erinnerung bleiben.

    Marvin ist eine Hauptfigur, an der man sich herrlich reiben kann, denn sonderlich sympathisch ist er nicht. Seine unterkühlte Art lässt ihn arrogant wirken und seine Spleens können ganz schön nerven und dennoch findet man Gemeinsamkeiten, die man mit ihm hat und die ihn so menschlich erscheinen lassen. Auch als Erwachsener hat man immer wieder Ängste auszustehen und dafür sollte man sich nicht schämen.

    Als besonders habe ich noch Helle und Aslaug empfunden, die so verschieden sind und dennoch so eine starke Einheit bilden. Ihre Paarbeziehung hat etwas so Natürliches und genau das braucht es in der heutigen Zeit, dass eben diese Diversität etwas Selbstverständliches ist.

    Der Roman zeigt klar auf was wichtig ist im Leben: Freunde und Familie und das Vertrauen in einander und die Fürsorge für einander.

    Fazit: Ein Roman der berührt und mir eine Achterbahnfahrt der Gefühle verschafft hat. Ich halte schon viel aus, aber hier blieben die Augen dann doch nicht trocken. Unbedingt lesen! Klasse!

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