Der Mann, der vom Himmel fiel

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Mann, der vom Himmel fiel' von Walter Tevis
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Mann, der vom Himmel fiel"

Thomas Jerome Newton ist ein geheimnisvoller Mann. Wie aus dem Nichts taucht der seltsame Fremde in Kentucky auf und scheint eine Mission zu haben. Mit neuartigen Technologien verdient er in kurzer Zeit Millionen und zieht dabei viel Misstrauen auf sich – aber auch das Interesse des Wissenschaftlers Nathan Bryce und der jungen Betty Jo. Während sie schnell Gefühle für Newton entwickelt, fragt sich Nathan, ob hinter dem Unbekannten mehr steckt, als auf Anhieb zu erkennen ist.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:272
Verlag: Diogenes
EAN:9783257071979

Rezensionen zu "Der Mann, der vom Himmel fiel"

  1. 5
    22. Jun 2022 

    Eine literarische Science-Fiction-Geschichte

    „Der Mann, der vom Himmel fiel“ ist mindestens bezogen auf die Verfilmung mit David Bowie aus dem Jahre 1976 vielen ein Begriff. Dass die Buchvorlage bereits aus dem Jahre 1963 und vom nun wiederentdeckten Autor Walter Tevis („Das Damengambit“) stammt ist weniger bekannt.

    Der zweite Roman Tevis’ demonstriert bereits sein herausragendes Können als Romanautor für anspruchsvolle aber trotzdem zugängliche Literatur. So ist es ein Genuss diesen Science-Fiction-Roman mit Niveau zu lesen. Oder sollte ich besser sagen, „zu inhalieren“? Denn das passiert, wenn man beginnt den vorliegenden Roman zu lesen. Man wird mit nur wenigen Sätzen, die ebenso der Beginn einer Kurzgeschichte sein könnten, in die Geschichte um den Antheaner mit dem irdischen Namen Thomas Jerome Newton gesogen. Anthea ist eine Welt innerhalb unseres Sonnensystems, welche durch ihre Bewohner ähnlich zugrunde gewirtschaftet wurde, wie es der Erde durch uns Menschen bevorsteht. T.J. Newton will nun nach seiner Ankunft in 1985 auf der Erde innerhalb weniger Jahre durch Nutzung verschiedenster Wirtschaftsmechanismen – vor allem dem Patentrecht, durch mitgebrachte Theorien zu außerirdischen Technologien – das nötige Kapitel erlangen, um ein Raumschiff zur Rettung seiner Spezies zu bauen.

    Wir begleiten nun diesen Außerirdischen, der sich gar nicht so stark aber doch merklich von den Menschen unterscheidet, bei seinen Vorhaben auf der Erde, bekommen einen Einblick in die Frustration, die mit der Entfernung zur eigenen Heimat einhergeht und ebenso mit der Erkenntnis, dass die Menschen keinen Deut besser als die Antheaner sind und gerade dabei ihre Erde mithilfe von atomaren Waffen zu zerstören. So vieles, was Walter Tevis in 1963 für das fast nicht mehr bewohnbare Anthea vorhergesagt hat, ist mittlerweile in unserer Realität der Erde im Jahre 2022 wahr geworden. Wäre dieses Buch eine Erstveröffentlichung dieses Jahres, könnte er wahrscheinlich nicht mehr so schocken, wie es ihm mit Blick auf sein Entstehungsjahr gelingt. Ein weiteres Beispiel wie Literatur im Allgemeinen und Science-Fiction im Speziellen unsere Zukunft zu antizipieren vermag. Ich sage nur: „Solarzellen in der Wüste“ (Seite 69).

    Aber auch unabhängig von den prophetischen Qualitäten dieses Romans, ist er einfach ein großartiges literarisches wie auch unterhaltsames Werk. So ist die Sprache von Tevis stets mitreißend und kurzweilig. Man fiebert mit den Protagonisten mit und ist, ob der Blockbuster-Qualitäten des Stoffs überrascht bezüglich des unerwarteten, nicht vorhersehbaren Verlaufs der Geschichte. Die Figuren wirken äußerst authentisch. Denn gerade Außerirdische wurden und werden viel zu oft im Sci-Fi-Genre wenig differenziert dargestellt. T.J. Newton hingegen ist ein facettenreicher Charakter, der mir sich selbst und der Welt ringt.

    Diese ungewöhnliche Geschichte und das Können Walter Tevis’ lässt hoffen, dass der Verlag in den nächsten Jahren weitere Werke des Autors neu übersetzen lässt und diese wiederveröffentlicht. Es ist eine helle Freude Tevis und sein Werk (wieder) zu entdecken. Ein zeitloses Buch, was nicht nur Science-Fiction-Fans sondern durchaus einem breitem Publikum gefallen und die Augen öffnen wird. Eine klare Leseempfehlung meinerseits für diesen modernen Klassiker!

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  1. 5
    18. Jun 2022 

    Philosophischer Sci-Fi-Klassiker mit Frischesiegel

    Walter Tevis´ Roman, der bereits 1963 erschien, war die literarische Grundlage für den gleichnamigen Film von Nicolas Roeg, der mit David Bowie in der Hauptrolle 1976 in die Kinos, und die Serie, die 2022 auf den Markt kam. Der Roman spielt beginnend 1985, also gut zwanzig Jahre in der Zukunft.

    Thomas Jerome Newton ist ein humanoider Alien, der auf die Erde gekommen ist, um das auf 300 Individuen geschrumpfte Volk seines Wüstenplaneten zu retten. Seine überlegene Intelligenz und sein Wissen erlauben ihm die Gründung einer Reihe von Technologiefirmen, mit deren Hilfe er bald so viel Geld verdient hat, dass er mit der Realisierung seiner Pläne beginnen kann. Seine einzigen Freunde auf der Erde sind Betty Jo, seine Haushälterin, und Nathan Bryce, der ihn als Wissenschaftler unterstützt. Das Zeitfenster, in dem ein Weltraumstart in seine Heimatgalaxie möglich ist, ist eng, aber nicht unrealistisch. Nur hat Newton den Faktor Homo sapiens nicht einkalkuliert.

    Die Geschichte wird linear aus der allwissenden Perspektive erzählt. Mit Newtons Augen schauen wir auf den kalten Krieg und die allgegenwärtige Angst vor einem Atomkrieg. Sein Blick zeigt uns den sinnlosen Konsumismus der amerikanischen Vorstadt-Mittelschicht und jenseits davon die „enorme, gleichgültige Masse von Menschen, die keinerlei Werte oder Ambitionen besaß“, so wie Betty Jo, die in einem permanenten, sanften Gin-mit-Zucker-Stupor lebt. Aus Bryces Sicht erleben wir den Wahnsinn der Entwicklung von Nuklear- und Biowaffen. Betty Jo verliebt sich in Newton wegen seiner sanften Anständigkeit, die Tevis in scharfen Kontrast zur menschlichen Verfasstheit setzt. Aufgrund dieser wachsen in Newton mit der Zeit Zweifel an seinem Projekt:

    „Es gibt gewisse Aspekte an ihrer Kultur hier, ihrer Gesellschaft, von denen wir in Anthea nichts ahnten. Wissen Sie, Dr. Bryce, manchmal denke ich, dass ich in ein paar Jahren verrückt werden könnte. Ich weiß nicht, ob mein Volk ihre Welt ertragen könnte“.

    Der Roman baut eine subtile Spannung über der Frage auf, ob Newton an seinen Plänen festhalten wird oder nicht. Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt, als eine überraschende Entwicklung dem Alien die Fäden aus der Hand nimmt.

    Tevis´ Erzählton ist melancholisch, seine Sprache klar und schnörkellos. Es gibt übrigens auch keine Sexismen, was in der Zeit absolut keine Selbstverständlichkeit war. Auch seine knappe, präzise Figurenzeichnung hat mir sehr gefallen. Wie jeder gute Sci-Fi hat der Roman die Gegenwart im Blick; ich habe gestaunt, wie frisch er (nicht nur thematisch) trotz seines Alters daherkommt. Vor allem aber gefiel mir die ganz eigene Atmosphäre und Bildhaftigkeit, die den Roman auszeichnet. Tevis hat hier den seltenen Fall des literarischen, ja philosophischen Sci-Fi-Romans geschrieben.

    Empfehlung!

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