Der Mann aus Zelary: Novelle

Rezensionen zu "Der Mann aus Zelary: Novelle"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 21. Feb 2018 

    Was wirklich zählt

    Dies ist ein kleines Büchlein mit einer Liebesgeschichte, die aber soviel mehr enthält als 'nur' eine zärtliche Romanze. 152 Seiten die deutlich machen, was wirklich wichtig ist im Leben, was wahre Liebe ist. Hört sich großspurig an? Nun ja, vielleicht. Doch lest selbst!
    Eine junge Ärztin leistet in den Jahren 1942/43 für eine Widerstandsgruppe Kurierdienste, doch die Gruppe fliegt auf. Einige werden verhaftet, ihr verheirateter Geliebter flieht mit Frau und Kind ins rettende Ausland, andere versuchen ebenfalls zu entkommen. Ihr bester Freund drängt sie zur Flucht mit einem ihrer Patienten, einem Einfaltspinsel aus den Bergen, wie sie ihn selbst bezeichnet. Unter einem falschen Namen soll sie ihn heiraten um sich in Sicherheit zu bringen. Joza der Hinterwäldler, der in sie verliebt ist, willigt in diese Scheinehe ein und so bricht sie mit ihm in sein Dorf in den Bergen auf - nach Želary.
    Dort erlebt sie eine Rückkehr zu den Wurzeln: ein einfaches schlichtes Leben. Und entdeckt nach und nach in ihrem Mann einen Menschen voller Liebe und Gefühl - ganz im Widerspruch zu seinem Äußeren. Legátová beschreibt das langsame Ankommen der jungen Frau aus der Stadt derart überzeugend und einfühlsam, dass man ihre sich ständig ändernden Empfindungen stets deutlich nachvollziehen kann. Was sie zuvor als tumbe Beschäftigung gefürchtet hat wie Kochen, Beeren sammeln usw. entwickelt sich zusehends zur völlständig befriedigenden Tätigkeit - neudeutsch würde man schreiben: Sie gerät immer öfter in einen Flow ;-) Sie lernt Menschen kennen, die in ihrem Tun voll und ganz aufgehen und darin glücklich sind, egal wie schwer die Last ist die sie zu tragen haben. Und ihren Mann, der ihr zu Beginn mehr Furcht als Wohlgefühl einflößte, lernt sie lieben obwohl ihr bisheriger Traummann das genaue Gegenteil von Joza ist.
    Eine wunderschöne Geschichte die auf ungewöhnliche Weise zeigt, was im Leben wirklich wichtig ist.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Feb 2018 

    Ein kleines Juwel

    Protektorat Böhmen und Mähren 1942/43: Eine junge Ärztin übernimmt Kurierdienste für eine Widerstandsgruppe. Als diese aufzufliegen droht, muss sie schnell untertauchen. Papiere liegen bereit, sie soll mit einem Patienten in dessen Heimatort Želary ziehen und ihn heiraten. Sie ist geschockt, sieht sich als Opfer, das einen Trottel heiraten soll...

    Sie geht mit ihm.
    Zelary ist besonders, es wird toll beschrieben: sehr ursprünglich die Natur, der Wald, die Berge - und die Menschen. Anfangs lehnt die Protagonistin alles ab, nach und nach lässt sie sich aber auf die durchaus liebenswürdigen Nachbarn ein, lernt kochen, melken, kann schließlich sogar ihre medizinischen Kenntnisse anbringen.

    Ihr starker Mann, vor dem alle Respekt haben, ist zu ihr unglaublich sanft. Ihre Liebe wird nur zart angedeutet, aber das macht sie gerade so bedeutsam:

    "Es waren für mich Augenblicke reinen Glücks, und ich wünschte mir, dass mein privates Paradies so lange wie möglich andauerte. Verlängern ließ es sich jedoch nicht, es verflüchtigte sich im Nebel des eintrudelnden Schlafs."

    Die Ärztin ist die Ich-Erzählerin, wir erfahren alles aus ihrer Perspektive. Sie spart auch die mitunter harten Schicksale der Bürger Želarys nicht aus: man prügelt sich, man schlägt die Frauen, man stirbt. Schließlich findet auch der Krieg den kleinen Ort...

    Das Einzigartige neben dem Inhalt an dem Buch ist der Schreibstil: mitunter so bildhaft, poetisch und klar. Ein kleines Juwel mit nur 156 Seiten. Lesen!