Der Mädchenwald

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Mädchenwald' von Sam Lloyd
3
3 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Mädchenwald"

Auf dem Weg zum Jugendschachturnier wird die 13-jährige Elissa entführt. Als sie erwacht, liegt sie in einem dunklen Keller. Ihre Situation scheint aussichtslos - bis Elijah ihr Verlies entdeckt und sie heimlich zu besuchen beginnt. Elijah ist ein Einzelgänger, der mit seinen Eltern in einer abgeschiedenen Hütte im Wald lebt. Er kennt keine Handys und kein Internet, aber er weiß, es ist nicht richtig, dass Elissa gefangen gehalten wird; er weiß, er sollte jemandem davon erzählen. Aber er weiß auch, dass sein Leben aus den Fugen geraten wird, wenn die Wahrheit ans Licht kommt. Denn Elissa ist nicht die erste, die in den Mädchenwald gebracht wurde. Während draußen die Polizistin DI MacCullagh alle Hebel in Bewegung setzt, um das Mädchen zu finden, erkennt Elissa, dass ihr nur mit Elijahs Hilfe die Flucht gelingen kann. Doch der Junge ist sehr viel cleverer, als er zu sein vorgibt. Und er hat längst begonnen, das Spiel nach seinen Regeln zu spielen...

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:448
EAN:9783499001130

Rezensionen zu "Der Mädchenwald"

  1. und auch so bitter kalt...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 17. Feb 2021 

    Es sollte ein aufregender Tag sein für die 13-jährige Elissa, an dem sie bei einem großen Schachturnier für Jugendliche teilnimmt. Doch als sie während einer Pause kurz zum Auto ihrer Mutter läuft, wird sie in einen Kleintransporter gezerrt. Benommen wacht sie einige Zeit später in einem dunklen Keller angekettet auf. Ihr Entführer verlangt unbedingten Gehorsam von ihr und stellt eine Videonachricht von ihr online. Während die Polizei eine großangelegte Suche nach dem entführten Mädchen startet, bekommt Elissa in ihrem Verlies Besuch von Elijah, einem Jungen der offensichtlich in der Nähe wohnt, ihr aber nicht helfen kann.

    Der Mädchenwald von Sam Lloyd ist das Thriller-Debüt des britischen Schriftstellers Sam Lloyd. Schon als Kind hat sich der Autor Geschichten ausgedacht und Verstecke im Wald gebaut. So hat man bei diesem Buch auch ein bisschen das Gefühl, in einem sehr unheimlichen Märchen gelandet zu sein. Elissas düsteres Gefängnis mitten im Wald unter der Erde wird für Elijah zum „Knusperhäuschen“, er beginnt Elissa „Gretel“ zu nennen.

    Wir erfahren die Geschichte in drei Erzählsträngen. Da ist einerseits Elissa, die sich trotz ihrer verzweifelten Lage ihr durch das Schachspiel geschulte analytische Denken bewahrt hat. Sie baut strategisch Vertrauen zu Elijah auf. Auch ihrem Entführer wirkt sie intelligenzmäßig einiges voraus. Hier hat der Autor wirklich eine sehr willensstarke und bewundernswerte Protagonistin kreiert.

    Aus der Sicht von Detective Superintendent Mairéad MacCullagh, der leitenden Polizistin, nehmen wir teil an den Ermittlungsarbeiten, aber auch an ihren eigenen privaten Problemen (die für den Verlauf der Handlung nicht nötig sind und daher ein bisschen zu viel Drama in das Geschehen bringen).

    Schließlich Elijah: warum nur gibt man einer Hauptfigur diesen Vornamen, wenn der Originaltitel das Wort „wood“ enthält? Hier springt bei mir gleich eine ganz starke Assoziationskette bei mir an. Aus Elijah wird man zunächst nicht schlau. Er ist klug, mag Bücher und schöne Worte, aber er kennt keine modernen Geräte wie Smartphones oder Tablets. Er fühlt sich zu Elissa, seiner „Gretel“ hingezogen, ist aber nicht in der Lage, ihr zu helfen.

    „Das hier ist die Wirklichkeit, Elijah. Alles. Du bist wirklich, ich bin wirklich. Meine Mum ist wirklich. Meine Familie. Dieser Ort ist ebenfalls wirklich. Ich will hier nicht sein, und ich hoffe, dass ich hier nicht sterben muss.“

    Was wirklich ist und was nicht, das beginnt bald, sich zu vermischen. Bis es zu einer Wendung – die nicht ganz so unerwartet ist – kommt. Da hat der Autor schon sehr gut und spannend erzählt aber eben auch das Rad nicht neu erfunden. Nicht alles an der Konstruktion dieses Thrillers fand ich plausibel und die Eskalation am Ende des Buchs war mir einen Tick zu viel.

  1. Schade, da hätte mehr draus werden können

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 05. Jan 2021 

    Elissa ist eine ausgezeichnete Schachspielerin. Sie ist sich sicher, im nächsten Turnier wird sie gewinnen, sie ist gut vorbereitet. In der Pause, während des Turniers, möchte sie kurz im Auto der Mutter entspannen. Da passiert es. Elissa wird entführt. Stunden später findet sie sich angekettet in einem dunklen Keller wieder. Man hat ihr Streichhölzer, ein paar Kerzen und ihren Rucksack gelassen. Hilferufe sind sinnlos, niemand hört sie.
    Aber Elissa ist anders als andere Mädchen. Sie muss überleben, dass ist sie ihrer Mutter schuldig. Ihre erste Strategie, sie misst den Keller ab und teilt ihn in Schachfelder ein. So kann sie die Lage der wenigen Habseligkeiten, die ihr geblieben sind, viel schneller im Dunkeln finden. Sie ist auch relativ schnell in der Lage zu überlegen, wie lange ihre Vorräte reichen können. Wann sie im Dunkeln sitzen wird, wenn sie die Kerzen dauerhaft brennen lässt.

    Dann bekommt Elissa Besuch. Sie bemerkt schnell, dass es nicht ihr Entführer ist. Er riecht anders, nicht so unangenehm. Er ist ihr gegenüber verhalten und er spricht wie ein Kind. Elijah freut sich, dass Elissa da ist und nennt sie Gretel. Sie würde ja im Keller des Pfefferkuchenhauses leben. Aber er kann sie auch nicht freilassen, dass ist Elissa schnell klar. Elijah verrät nicht alles, er scheint die Entführer zu kennen und er kannte auch schon die Mädchen, die vor ihr im Keller waren. Die offensichtlich aber alle bereits tot sind.

    Kann Elissa es schaffen, Elijah zu überreden, sie freizulassen? Kommt sie überhaupt jemals aus wieder aus dem Keller heraus? Wer ist denn eigentlich der Entführer und warum wurde sie entführt?

    Die Erlebnisse von Elissa und Elijah werden fast wechselseitig aus ihrer Sicht erzählt. So lernt man beide auch sehr schnell kennen. Elissa, die durch ihr pragmatisches Denken, durch ihre analytischen Fähigkeiten versucht, bestmöglich mit der Situation umzugehen. Es ist wirklich spannend zu lesen, wie sie ihre Erinnerungen in Abschnitte einteilt und so versucht alles wesentliche vom unwesentlichen zu trennen. So gelingt es ihr auch, Erinnerungen an Nebensächlichkeiten wieder aufzufrischen. Elijah dagegen kommt einem wie ein unbedarftes Kind vor, der mit seinen Eltern abgeschieden und einsam im Wald lebt, der keine Schule besucht, sich aber für intelligent hält. Durch sein Leben im Wald kann er sich jedoch hervorragend im Wald und in dunklen Räumen orientieren. Er ist sogar in der Lage die Gerüche des Waldes zu unterscheiden und genau zuzuordnen. Er weiß, dass Elissa ihr Gefängnis unbedingt verlassen möchte. Aber er kann ihr nicht versprechen, dass er ihr helfen wird.

    An sich könnte man sich vorstellen, dass das Buch sich mit so einer dramatischen Handlung sehr gut und schnell liest. Leider ist die Umsetzung nicht so gelungen. Merkwürdig fand ich zum Beispiel, dass das Buch am Tag 6 beginnt. Und so springt die Handlung nicht kontinuierlich von Tag zu Tag sondern immer wieder wild hin und her. Das machte es am Anfang schon extrem schwierig in die Handlung zu kommen und zu folgen. Spannung konnte dabei nicht immer aufkommen, da man einige Geschehnisse ja bereits vorher kannte.

    Fasziniert dagegen hat mich das Ende. Damit konnte niemand rechnen und es war absolut unvorhersehbar. Das hat mich dann am Ende doch mit dem Buch versöhnt und vergebe drei Lesesterne.