Der Letzte beißt die Hunde

Rezensionen zu "Der Letzte beißt die Hunde"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Okt 2014 

    Ein Krimi von der Mimi

    Mit 87, könnte man meinen, ist Mimi Richter etwas zu alt für größere Aufregungen. Doch weit gefehlt, ohne größere Aufregungen ist das Leben schließlich langweilig. Und so muss ihre Enkelin Helen, die nach der Trennung von ihrem gewalttätigen Mann Tom Malo bei Mimi eingezogen ist, dass ihre Oma es faustdick hinter den Ohren hat. Zunächst jedoch muss das Rätsel gelöst werden, wieso ein Klavier - nein, ein Flügel - beim Fall aus einem oberen Stockwerk die Mimi nur knapp verfehlt hat. Ein Mordanschlag, an den die Polizei nicht glaubt.

    Natürlich geschehen noch weitere Dinge, die langsam aber sicher auch die Kriminalisten zu der Überzeugung führen, es könnte ein Verbrechen geschehen sein. Doch bis dahin muss Mimi ein paar Kühltruhen anschaffen, ihrer Enkelin von ihren Ehemännern erzählen und den Dobermännern Basker und Willie (da könnte man auch an Zeus und Apollo denken) das Futter versagen.

    Äußerst amüsant erzählt der Autor hier von einer Krimi-Mimi, deren Verwandtschaft zu Miss Marple unbestreitbar scheint. Auch sie stellt sich manchmal dümmer als sie ist und natürlich ist die der Polizei immer ein zwei Schritte voraus. Mimi hält die Fäden fest in der Hand. Auf liebenswerte und sehr skurrile Art und Weise will sie ihr Feld bestellen, um ihrer Enkelin zu helfen, sich endlich und endgültig aus der unglücklichen Ehe zu lösen. Dafür lässt sie die Ideen sprießen so wie es ihre Phantasie hergibt und Phantasie hat sie eine Menge. Schließlich kennt sie alle Krimis in ihrer umfangreichen Bibliothek.

    Fast bei jeder Wendung sucht und findet man Anspielungen auf bekannte Personen, Begriffe oder Fälle des klassischen Krimi-Genres, was das Lesen zu einem Vergnügen und auch zu einem kleinen Ratespiel macht. Schließlich möchte man nichts übersehen und auch wissen, ob man richtig liegt. Und so ist dieser Mimi-Krimi ein echtes Schmankerl für den kundigen und interessierten Leser.
    4,5 Sterne

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Jun 2014 

    Ein Mord ist nicht genug...

    Mimi ist eine alte, gut betuchte Dame, die sich in ihrer schönen Villa eigentlich ganz wohl fühlt. Krimis sind ihre große Leidenschaft, und so ist denn ihre Bibliothek auch sehr gut bestückt. Doch dann wird ein Attentat auf die alte Dame verübt. Ein Flügel fällt aus einem Fenster und verfehlt Mimi nur knapp.
    Aber wer soll sie nur umbringen wollen? Da die Polizei nicht an ein Attentat glaubt, nehmen Mimi und ihre Enkelin Helen die Ermittlungen auf...

    Mimi heißt nicht umsonst so wie die Dame in dem alten Klassiker von Bill Ramsey: "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett". Dreimal glücklich verwitwet, mit Gärtner, Butler und Hausmädchen an ihrer Seite, resolut und voller Tatendrang, ermittelt Mimi in bester Miss Marple Manier, unterstützt von einem vorlauten Papagei namens Poirot und ihrer nicht ganz so selbstbewussten Enkelin Helen.
    Doch dabei zeigt sich nicht nur der enorme Spürsinn der alten Dame, auch andere Charakterzüge von ihr kommen deutlich zum Vorschein. "Wer gegen mich in die Schlacht zieht, muss damit rechnen, dass ich in aller Härte zurückschlage." Fünf Verdächtige lädt Mimi nach und nach zu sich ein, und schließlich erweist sich, dass ein Mord nicht genug ist. Während Mimi den Durchblick zu haben scheint, tappt ihre Enkelin Helen lange im Dunkeln...

    Dieses Buch strotzt nur so vor gängigen Klischees von Kriminalromanen. Untermalt mit schwarzem Humor und klassichen Charakteren bietet die Lektüre sehr unterhaltsame Lesestunden. Herrlich, immer wieder Anspielungen auf bekannte Werke aus Buch und Film zu entdecken, und auch die Musik kommt nicht zu kurz.
    Im Rahmen der Leserunde bot Markus Walther uns sogar eine Playlist mit Stücken, die das Gelesene wunderbar untermalten:
    https://play.spotify.com/user/1158151466/playlist/2Nrk1FTjxjcpct7bAF2JTp

    Intelligenter Witz, eine interessant gestrickte Geschichte, eine liebevolle Aneinanderreihung von Klischees und markanten Charakteren und ein gutes Stück Menschlichkeit - das ist der Stoff, aus dem dieses Buch gestrickt ist.
    Dazu noch die Leserunde mit dem Autor, an der ich zwar leider nicht allzu oft teilnehmen konnte, die aber noch viel Wissenswertes zur Entstehung und zu interessanten Details bot.

    Ein Auszug aus der Leserunde (Markus Walther):

    "Während der Buchland Leserunde bei den Buchgesichtern fiel ja öfters der Satz "Mich würde interessieren, wie ein Krimi von Dir aussieht." Mein Unterbewusstsein hat dies wohl als Herausforderung angesehen. Ich muss dazu sagen, dass das Genre "Krimi" eigentlich nicht so mein Lieblingsfach ist... - ... allerdings mag ich Klischees und es gibt nur wenige Genres, die mehr Klischees als der Krimi aufweisen. Eine Komödie war also naheliegend. Aber die Story war zuerst da. Und dann muss sie einfach geschrieben werden.
    Ich bin gespannt wie viele Klischees und Anspielungen auf Krimis ihr im Laufe der Leserunde entdecken werdet. Mir hat es Spaß gemacht daraus was neues zu stricken."

    Dieser Spaß war dem Buch anzumerken - und er übertrug sich auch auf mich als Leserin. Daher gebe ich hier eine seltene uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die dem Genre nicht ganz abgeneigt sind und z.B. Filme wie "Arsen uns Spitzenhäubchen" einfach nur lieben.
    Bitte, Markus: mehr davon! ☺

    © Parden

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 17. Apr 2014 

    Wieder ein Meisterstück

    Die alte Dame Mimi lebt mit ihrem Personal und ihren beiden Wachhunden, Willi und Basker, in einer großen Villa. Ihr größtes Hobby besteht darin, Kriminalromane zu lesen, wie ihre außerordentlich gut bestückte Bibliothek beweist. Eines Tages entgeht sie nur knapp einem Mordanschlag. Ein Flügel fiel ihr beinahe auf den Kopf. War das ein Mordversuch? Ihre Enkelin Helen eilt zu ihr und gemeinsam beginnen sie zu ermitteln. Hat der Bürgermeister etwas damit zu tun, der Mimi unbedingt das große Grundstück abkaufen möchte? Oder steckt doch eher die habgierige Verwandtschaft dahinter? Mimi lädt alle Verdächtigen zu sich ein. Kann sie einen davon als Mörder und Erbschleicher entlarven?

    Ein neuer Roman von Markus Walther? Da musste ich doch sofort zugreifen. Und dieses Mal ist es auch noch ein Krimi. Ich freute mich wahnsinnig darauf, die Geschichte zu lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Genau wie in „Buchland“ erwarten den Leser wundervoll ausgearbeitete und etwas verschrobene Charaktere. Mimi ist eine Oma, wie sie sich wohl jeder wünschen würde. Sie ist taff, verschmitzt und lässt sich von niemandem die Butter vom Brot nehmen. Oder der Butler Norbert. Steif wie ein Stock und korrekt bis in die Haarspitzen, ist er immer sofort zur Stelle, wenn Mimi ihn braucht. Er ist so großartig. Jeder sollte so einen Norbert haben. Lena, das Mädchen für alles, ist so eine liebenswerte Person, die man einfach nur an sich drücken möchte. Man möchte sie gerne als Freundin haben, denn mit ihr kann man Pferde stehlen. Wenn man das denn möchte. Und Helen, die Enkelin von Mimi, hat schreckliches durchgemacht und soll bei ihrer Oma wieder zu sich selbst finden. Helens Verflossener Tom ist eine Person, die man so richtig von ganzem Herzen hassen kann. Dazu noch die Nebenfiguren, die wirklich alle richtig interessant und gut gelungen sind.

    In diesem Krimi spart Markus Walther auch nicht an seinem wundervollen Humor. Ohne dass es grotesk wirkt oder zum Slapstick verkommt, findet der Autor immer genau das richtige Maß an Spannung und Humor. Der Plot ist richtig gut ausgearbeitet und man rätselt gemeinsam mit Helen wer denn ein Interesse daran haben könnte, Mimi aus dem Weg zu räumen. Gleichzeit wird das Krimi-Genre ein bisschen auf die Schippe genommen. Ich habe bis zum Schluss gebraucht bis ich dahinter kam, um was es ging. In dieser Zeit durchläuft Helen eine wunderbare Verwandlung und man selbst wünscht so manchem der Charaktere die Pest an den Hals. Der Schreibstil ist wieder wundervoll und lässt Bilder im Kopf entstehen, wie es ein Film nicht besser könnte.

    „Der letzte beißt die Hunde“ hat mir genauso gut gefallen wie „Buchland“, auch wenn es eine komplett andere Art von Geschichte ist. Es macht einfach großen Spaß das Buch zu lesen. Darum vergebe ich 5 von 5 Punkten, den Favoritenstatus und eine absolute Leseempfehlung für alle. Hoffentlich müssen wir nicht so lange auf das nächste Buch von Markus Walther warten. Egal was es sein wird, ich freue mich wahnsinnig darauf.

    © Beate Senft