Der Kratzer: Thriller (Ein Fall für Christine Lenève, Band 3)

Rezensionen zu "Der Kratzer: Thriller (Ein Fall für Christine Lenève, Band 3)"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Nov 2018 

    Krass, krasser, Kratzer

    Vor sieben Jahren hätte Kriminalkommissar Tobias Dom in einem polnischen Wald einen Serienmörder beinahe gestellt. Jetzt macht der Killer nach Jahren der Ruhe Jagd auf Doms Familie. Der Kratzer wir der Killer genannt, da er vor dem Töten ein Wort in die Haut des Opfers ritzt. „Heimweh“ war es bei seinem vorletzten Opfer in Polen, nun ist es der Name von Doms Tochter. Hilfesuchend wendet er sich an Christine Lenève. Eigentlich hat sie sich geschworen, nie wieder etwas mit Dom zu tun haben zu wollen. Doch dieser Fall betrifft sie auf mehreren Ebenen auch persönlich.
    In diesem sehr gelungenen Abschluss der Trilogie stellt Oliver Ménard diesmal den Kriminalkommissar Dom in den Mittelpunkt. Getrieben von Vorwürfen, vor sieben Jahren, die falsche Entscheidung getroffen zu haben und die verzweifelte Angst um seine Angehörigen macht ihn beinahe handlungsunfähig. Für Christine wiederum ist es eine Reise in ihre eigene Vergangenheit, nur deshalb lässt sie sich auf diesen Fall ein und stellt sich wieder einmal gegen das abgründig Böse im Menschen. Ich mag die düstere Atmosphäre, die Ménard in all seinen Büchern aufkommen lässt, seine offensichtliche Liebe zu Lost Places. War es im ersten Band ein aufgelassenes Jagdgelände, im zweiten ein verfallenes Hospital ist es hier eine unterirdische Bunkeranlage, die einen gruseln lässt.
    Allen Freunden von Serien möchte ich empfehlen, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Zuviel würde dieser dritte Band vor allem vom ersten Teil vorweg nehmen. Ich fand, dass sich der Autor mit jedem Band gesteigert hat. Die psychologische Spielführung nicht nur zwischen Prota- und Antagonisten, sondern auch zwischen Autor und Leser wird immer ausgefeilter.
    Die Trilogie um Christine Lenève endet mit diesem Band. Oscar Wilde sagt: „Am Ende wird alles gut! Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“ Wollen wir Mr. Wilde einfach ein bisschen Glauben schenken.