Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint-Michel

Rezensionen zu "Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint-Michel"

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 21. Mär 2020 

    Der Mönch...

    Philippe Lagarde aus Barfleur, als Kommissar eigentlich längst im Ruhestand, erhält einen Spezialauftrag. Ein junger Mann aus besten Kreisen wurde erstochen im Ferienhaus seiner Familie aufgefunden. Auf dem Film der Überwachungskamera ist ein Mönch zu sehen. Der Mord wurde mit einem Dolch der Templer begangen und auf der Leiche lag eine weiße Christrose. Schnell findet Lagarde heraus, dass der Tote zur Gewalt gegen Frauen neigte. Aber wo genau ist das Motiv?

    Die Bände der Serie um Kommissar Lagarde höre ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheit nicht in der chronologischen Reihenfolge, sondern querbeet (bislang Band 3, 4, 8 und 9). Dies ist aber kein Problem, da die Fälle in sich abgeschlossen sind, es kaum einmal einen Verweis auf einen vorherigen Band gibt und auch die Charaktere sich im Grunde nicht weiterentwickeln. Dies nur vorweg für alle, die Lust haben, mal in die Reihe hineinzuhören.

    Philippe Lagarde wird diesmal von einem alten Freund auf einer Tagung angesprochen und bei einem gemeinsamen Abendessen darum gebeten, ihn in einem mysteriösen Fall zu unterstützen. Der Sprössling einer wohlhabenden Familie wurde mit einem wertvollen Dolch der Templer ermordet, und bislang gibt es keinerlei Spuren außer einer Videoaufnahme, die zeigt, dass ein in eine Mönchskutte gehüllter Mensch die Tat begangen haben muss. Am Tatort wurde nicht nur der Dolch zurückgelassen, sondern auch eine weiße Christrose.

    Der pensionierte Kommissar erkennt, dass es seinem Freund gesundheitlich nicht gut geht und bietet daher seine Hilfe an. Kaum hat Lagarde mit den Ermittlungen begonnen, bekommt die Mutter des Getöteten ein goldenes Paket - mit einer weißen Christrose. Wer hat es auf die gutsituierte Familie abgesehen, der auf dem Mont-Saint-Michel eine ganze Reihe an florierenden Restaurants und Läden gehört? Weshalb taucht immer wieder ein Mönch in dunklen Schatten auf? Und welche Geheimnisse birgt der Mont-Saint-Michel?

    Ich habe mich gefreut, in diesem Krimi an einen Ort versetzt zu werden, an dem ich vor Jahren bereits einmal war. Maria Dries hat diesmal allerdings übertrieben bei der wiederholten Schilderung der Bebauung, der Umgebung und der Lage der Klosteranlage - das geriet phasenweise recht ausufernd und dadurch eher langatmig denn atmosphärisch. Der Krimi selbst hatte leider ebenfalls einige Schwachstellen.

    Da wäre zum einen die Charakterzeichnung von Philippe Lagarde, der zwar eigentlich schon aus dem aktiven Dienst ausgeschieden ist, aber bei kniffligen Fällen gerne als Berater oder auch als leitender Ermittler hinzugezogen wird. Lagarde sieht nicht nur gut aus, er ist auch sportlich, dazu überaus charmant zu jedem - vor allem zu den Frauen - und hat natürlich eine gut aussehende Freundin, mit der er sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen kann. Dazu weiß er gutes Essen zu schätzen, die vielen Gänge werden auch immer wieder ausführlich beschrieben, und ist einem guten Tropfen ebenfalls nicht abgeneigt - ein Weinkenner ist er sowieso. Dieser Charakter ist mir zu glatt gezeichnet, zu perfekt um wahr zu sein - mit einigen Ecken und Kanten wäre Lagarde mir lieber, weil vorstellbarer und interessanter.

    Aber auch der Fall selbst bietet diesmal einige Schwachstellen und Lücken. Ich kann hier nicht so sehr auf den Inhalt verweisen, weil ich sonst spoilern würde. Aber einige Handlungsstränge, die durchaus vielversprechend begannen, werden einfach nicht fortgeführt und lassen den Hörer am Ende mit einem dicken Fragezeichen zurück. Und spätestens ab der Mitte des Krimis begann ich zu ahnen, wer der Täter ist - und behielt leider Recht. Da waren viel zu offenkundig Hinweise gestreut worden, die man einfach nicht übersehen (-hören) kann.

    Mit 8 Stunden und 4 Minuten ist dies eine der längeren Folgen der Krimireihe, gelesen diesmal von Andreas Fröhlich. Die Lesung selbst war angenehm und unaufgeregt, passend zum Hauptcharakter und dem meist ruhigen Geschehen. Der Krimi selbst konnte mich diesmal leider nicht überzeugen. Dennoch bleibe ich neugierig auf weitere Folgen!

    © Parden