Der japanische Liebhaber

Buchseite und Rezensionen zu 'Der japanische Liebhaber' von Isabel Allende
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Für Irina ist der neue Job ein Glücksfall. Die junge Frau soll für die Millionärin Alma Belasco als Assistentin arbeiten. Mit einem Schlag ist sie nicht nur ihre Geldsorgen los, sondern gewinnt auch eine Freundin, wie sie noch keine hatte: extravagant, überbordend, mitreißend und an die achtzig. Doch bald spürt sie, dass Alma verwundet ist. Eine Wunde, die nur vergessen scheint, wenn eines der edlen Kuverts im Postfach liegt. Aber wer schreibt Woche um Woche diese Liebesbriefe? Und von wem stammen all die Blumen? Auch um sich von den eigenen Lebenssorgen abzulenken, folgt Irina den Spuren, und es beginnt eine abenteuerliche Reise bis weit in die Vergangenheit. Isabel Allende erzählt von Freundschaft und der unentrinnbaren Kraft einer lebenslangen Liebe. Davon, wie Zeit und Zwänge über eine solche Liebe hinweggehen und sie verwandeln, in Verbundenheit, Wehmut und ein leises Staunen – darüber, schon so lange gemeinsam unterwegs zu sein.

Format:Taschenbuch
Seiten:335
EAN:9783518467305

Rezensionen zu "Der japanische Liebhaber"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Dez 2017 

    Bin positiv überrascht gewesen

    Dieses Buch von Isabel Allende hat mich arg überrascht.

    Mir hat es sehr gut gefallen, womit ich nicht gerechnet habe, nach dem ich so viele negative Kritiken gehört / gelesen habe. Ich selbst hatte damit auch nicht gerechnet, da ihr Schreibstil so nachgelassen hat. Ich weiß nicht mehr, welches Buch es war, das mich total enttäuscht hatte. Eines von den Letzten, weshalb ich mir mit der Anschaffung des vorliegenden Buches so viel Zeit gelassen habe.

    Allende beschäftigt sich in diesem Buch mit historischen Themen wie dem Zweiten Weltkrieg und dem Nationalsozialismus, mit einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte, die bis in die Gegenwart reicht. Und man bekommt es mit mehreren unterschiedlichen Familien zu tun ...
    Man benötigt demnach gute Synapsen, wenn man immer wieder von der einen Familie in die nächste gerät, von der Vergangenheit in die Gegenwart, nicht immer chronologisch geordnet, und die vielen unterschiedlichen Figuren haben mich herausgefordert.

    Deshalb bin ich in die Geschichte am Anfang schwer reingekommen, als mir die vielen Figuren noch fremd waren und ich mich an dieses Hin- und Herspringen von einer Familie in die nächste gewöhnt habe. Als ich schließlich in dem Geschehen angekommen war, ging es dann recht zügig mit dem Lesen, wobei ich mir mit dem Verarbeiten dieser Themenvielfalt etwas Zeit gelassen habe.

    Zur Erinnerung gebe ich erneut den Klappentext rein:

    "Für Irina ist der neue Job ein Glücksfall. Die junge Frau soll für die Millionärin Alma Belasco als Assistentin arbeiten. Mit einem Schlag ist sie nicht nur ihre Geldsorgen los, sondern gewinnt auch eine Freundin, wie sie noch keine hatte: extravagant, überbordend, mitreißend und an die achtzig. Doch bald spürt sie, dass Alma verwundet ist. Eine Wunde, die nur vergessen scheint, wenn eines der edlen Kuverts im Postfach liegt. Aber wer schreibt Woche um Woche diese Liebesbriefe? Und von wem stammen all die Blumen? Auch um sich von den eigenen Lebenssorgen abzulenken, folgt Irina den Spuren, und es beginnt eine abenteuerliche Reise bis weit in die Vergangenheit."

    Fast jede Figur in dem Buch bringt eine interessante Lebensgeschichte mit, selbst die unscheinbare 23-jährige Irina Bazili, die ursprünglich aus Moldawien kommt und als Opfer mit Kinderpornografie und Pädophilie zu tun bekommen hat. Irina Bazili ist eigentlich nicht ihr richtiger Name, sie hat den richtigen abgelegt, um diese sexuellen Missbräuche zu vergessen, und um eine neue Identität zu erwerben. Allerdings ist Irina dadurch nicht wirklich beziehungsfähig ... Irina beschäftigt sich lieber mit den Problemen anderer Leute …

    Doch bevor sie Alma Belasco kennenlernt und für sie arbeiten wird, ist sie im Lark House beschäftigt. Lark House ist ein recht großes Seniorenheim mit einer Pflegestation. Irina ist bei den Bewohnern beliebt, sie zeigt sich recht kompetent in der Arbeit mit den alten Leuten. Ihr guter Ruf reicht bis zur Heimbewohnerin Alma Belasco, die sie bei sich als Assistentin einstellt.

    Alma, die eigentliche Heldin des Romans, ist jüdischer Abstammung, und sie wird im Alter von acht Jahren von der Familie aus Warschau in Begleitung ihrer Kindererzieherin nach Amerika zu Onkel Isaac und Tante Lillian geschickt, die selbst drei Kinder haben. Alma erleidet dadurch ein schweres Trauma, als sie von ihrer Familie getrennt wird. Eine Zeit lang versteckt sie sich weinend im Kleiderschrank, bis sie lernt, ihre Tränen zu schlucken. Zutrauen findet sie von Anfang an in ihrem jüngsten Cousin Nethaniel. Und dieses Vertrauen bleibt bis ins hohe Alter. Alma vertraut ihm alle Sorgen an, selbst ihre intimsten aus der Zeit ihrer körperlichen und pubertären Entwicklung. Auch Nethaniel ist eine sehr interessante Figur, die mir eigentlich von allen Figuren am sympathischsten war, da er sehr sensibel und fürsorglich sich Alma gegenüber gegeben hat … Und er besitzt sehr viel Weisheit. Erst am Schluss erfährt man mehr aus seinem recht außergewöhnlichen Leben.

    Bei den Belascos war ein japanischer Gärtner eingestellt namens Takao Fukuda, der einen Sohn, Ichimei, hat. Ichimei war so alt wie Alma. Zwischen den beiden Kindern entwickelt sich eine außergewöhnliche Liebe, die außergewöhnliche Wege geht ...

    Die Familie Fukuda wird im Zweiten Weltkrieg interniert, als sich Amerika mit Japan im Krieg befand. Alle in Amerika lebende Japaner, auch die mit amerikanischer Staatsbürgerschaft, wurden nach Topaz überführt und in ein Internierungslager gesteckt, das mit den Konzentrationslagern in Europa Ähnlichkeit hatte. Erst als Japan kapituliert, werden die Inhaftierten aus den Lagern wieder entlassen. Nicht auszudenken, was die amerikanische Regierung mit diesen Menschen gemacht hätte, wenn das Land den Krieg mit Japan verloren hätte. Und wieder erlebe ich ein Amerika, das Menschen einer ethnischen Gruppe politisch unter Generalverdacht stellt ...

    Alma und Ichimei kommen wieder zusammen, aus der Kinderliebe entwickelt sich eine erwachsene Liebe entgegen aller Konventionen. Dies macht die Beziehung außerordentlich kompliziert ...

    Irina wandelt auf den Spuren von Alma. Sie sortiert alle Fotos, Briefe und sonstige Schreiben ihrer Chefin, die so nach und nach zu einer Freundin wird. Doch auch Irina ist gefordert an ihr Trauma zu arbeiten, als Seth, der Lieblingsneffe von Alma, sich in sie verliebt.

    Mehr möchte ich nicht verraten.

    Mein Fazit?

    Eigentlich mag ich keine Liebesromane, aber es gibt Ausnahmen. Allendes Liebesromane sind keine typischen Liebesromane; nicht schnulzig und auch nicht so billig, was das Niveau betrifft. Man bekommt es mit sehr interessanten Persönlichkeiten zu tun … Auch den historischen Teil fand ich hochinteressant.

    Auch wenn ich ein paar Fakten verraten habe, bleibt in dieser Romanwelt noch genug anderes zu entdecken und zu erleben. Vieles, was nicht vorhersehbar ist.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Nov 2017 

    Ein Buch, randvoll mit Geschichten

    Das Erzähltalent von Isabel Allende ist jetzt sicher nichts, was ich hier noch großartig erwähnen müsste. Ich lese, wie viele andere auch, seit Jahren ihre Bücher immer wieder fasziniert von der Fülle von bunten Charakteren und bunten Geschichten, die sie immer wieder schafft, zu einem Handlungsstrang und einem stimmigen Buch zusammenzuschnüren.
    „Der japanische Liebhaber“ ist ein ganz besonderes Exemplar von genau dieser Art. Das Buch hat mich mal wieder in den Rausch des Erzählten gezogen und hat bei mir viele Bilder im Kopf erschaffen und die Lust, die Charaktere auch einmal sehen zu können. Eine Verfilmung wäre eine Superidee!
    Aber mal langsam und von vorn:
    Im Roman treffen auf unterschiedliche Art und Weise verschiedene Personen aufeinander, die als Vertriebene in dieser Welt leben:
    - Alma Mendel bzw. Alma Belasco, die als Kind von ihren jüdischen Eltern aus Warschau zu den Verwandten nach Amerika geschickt wurde, um ihr Leben vor der Vernichtungsmaschinerie der Nazis zu retten;
    - Irina, ihre Assistentin, die als junges Mädchen aus dem postsowjetischen Moldawien floh und in die Hände von im Internet veröffentlichenden Kinderschändern geriet, bevor sie sich mit Gelegenheitsjobs in den USA durchschlägt;
    - Ichimei, der Japaner, der in Amerika landet, weil seine gesamte Familie Japan verlässt, als dort ihre Religionsgemeinschaft der Omoto keine Religionsfreiheit mehr leben kann.
    Die Schicksale dieser drei Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen vermischen und bereichern sich im „Japanischen Liebhaber“ im zeitgenössischen Kalifornien. Isabell Allende schafft es dabei, dieses Aufeinandertreffen sehr bunt und furios zu gestalten, so dass immer wieder neue Aspekte der Geschichte auftauchen, ohne dabei aber den Fokus auf den zentralen Handlungsverlauf aus den Augen zu verlieren. Die USA erscheint als Land der möglichen Freiheit für ein bunt gemischte Volk und als Hort, in dem die Gejagten dieser Welt ein notwendiges Maß an Freiheit genießen können, um ihre Leben zu gestalten und zu leben. Diese Sicht auf die US-amerikanische Gesellschaft mag heute so wichtig sein wie nie. Und gerade deshalb verdient Allendes Roman ein großes Maß an Aufmerksamkeit und Beachtung.
    Er verdient einfach viele Leser!