Der Horror der frühen Medizin

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Horror der frühen Medizin' von Lindsey Fitzharris
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Horror der frühen Medizin"

Format:Taschenbuch
Seiten:276
EAN:9783518470589

Rezensionen zu "Der Horror der frühen Medizin"

  1. Fesselnd und lehrreich

    Die Mundspüllösung Listerine kennt man heute noch. Dass es ein Mittel mit jahrhundertelanger Tradition und Geschichte ist, weiß kaum jemand. Es basiert auf den Erkenntnissen von Joseph Lister, der 1844 in London begann, Chirurgie zu studieren und der es zu seiner Lebensaufgabe machte, die Medizin zu verbessern. Tatsächlich hat er sie revolutioniert.

    Zu Listers Zeiten hieß das Krankenhaus im Volksmund „Das Todeshaus“, weil kaum jemand die Behandlung dort überlebte. Höchst anschaulich erzählt Lindsey Fitzharris von den damaligen Zuständen und haarstäubenden medizinischen Praktiken, bei denen niemand auf die Idee kam, dass Hygiene hilfreich sein könnte. Sogar der Arztberuf an sich hatte den Ruf, lebensgefährlich zu sein.

    Lister kam zu der Erkenntnis, dass Keime die Ursache für viele medizinische Probleme sein könnte und entwickelte ein antiseptisches System, bei dem er Carbolsäure zum Desinfizieren verwendete. Der Erfolg gab ihm Recht, dennoch hat er Jahrzehnte gebraucht, um weltweit seine bornierten Kollegen zu überzeugen. Besonders sture Gegner seiner Methode fanden es gar sinnvoller, ein verdrecktes Krankenhaus abzureißen und neu zu bauen, als es zu reinigen und zu desinfizieren.

    Dieses Buch erzählt vom Leben und Schaffen dieses bemerkendwerten Mannes und vermittelt unterhaltsam und fesselnd ein wichtiges Stück Medizingeschichte.

    Den unterhaltsamen Charakter unterstützt der Sprecher des Hörbuchs, Friedhelm Ptok, ganz wunderbar, der diesen Text liest, als wäre es ein Thriller. 8 Stunden, 36 Minuten dauert der Spaß. Ich habe gebannt gelauscht und viel dabei gelernt.

    Teilen
  1. 4
    29. Jan 2021 

    Die gute alte Zeit - Ha! Was für ein Witz!

    Wer sich gelegentlich vorstellt, ob es nicht schön gewesen wäre, im 19. Jahrhundert gelebt zu haben, in der Zeit der großen Erfindungen und Neuerungen, die oder der sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen. Ich vermute jedoch, Gedanken dieser Art werden nach dem Lesen keine Chance mehr haben ;-)
    Die Autorin Lindsey Fitzharris wirft ein helles Licht auf diese dunklen Zeiten, in denen die Elektrizität noch in den Kinderschuhen steckte. Im Mittelpunkt steht Joseph Lister, der Sohn einer Quäkerfamilie, der Chirurg wurde und sich sein gesamtes Leben der Frage widmete, wie die hohe Sterberate in den britischen Krankenhäusern verringert werden könnte. Voller Hingabe und Leidenschaft beschäftigte er sich neben seinem eigentlichen Beruf, der Chirurgie, mit den wissenschaftlichen Untersuchungen, wie Infektionen nach Operationen entstehen und wie sie verhindert werden können. Mit seinem Können und seiner Überzeugungskraft gelang es ihm, nach und nach in vielen Ländern seine antiseptischen Methoden zu etablieren.
    Doch dieses Buch ist keine reine Biographie, auch wenn der Umschlagtext sowie mein oben Geschriebenes dies suggerieren mögen. Denn sicherlich die Hälfte der 240 Seiten ist den Schilderungen der damaligen medizinischen Verhältnisse gewidmet. Dass es nicht schön war, ahnte ich schon vor dem Lesen - gewissen Historienfilmen sei Dank. Aber dass es sooo entsetzlich zuging! Fitzharris breitet einzelne Fälle derart präzise aus, dass ich fast das Gefühl hatte, ihre Freude am Detail zu spüren ;-) Nun gut, sie ist Medizinhistorikerin - also kein Wunder. Aber auch ihre Beschreibungen der Lebensverhältnisse der Bevölkerung ließen mich beim Lesen heftig schlucken; und bei der Darstellung damaliger Operationen habe ich zwischendurch gelegentlich eine Pause eingelegt.
    Ob Lindsey Fitzharris eine gute Autorin ist, wage ich nicht zu beurteilen, denn dieses Buch ist eher eine Fleißarbeit. 23 Seiten weist der Anhang auf, äußerst kleingeschrieben, der in normaler Schriftgröße sicherlich den doppelten Platz eingenommen hätte. Es müssen Unmengen an Literatur gelesen worden sein, wovon die unzähligen Zitate im Buch zeugen.
    Alles in allem eine unterhaltsam zusammengefasste Beschreibung einer Zeit und eines Mannes, der dem Überleben vieler Menschen (auch heute noch) einen großen Dienst erwiesen hat und zu Unrecht fast vergessen wurde. Zumindest bei uns. Dabei erinnert uns Listerine jeden Tag an ihn ;-)

    Teilen
 
'