Der Holländer

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Holländer' von Mathijs Deen
4.4
4.4 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Holländer"

Es soll eine ruhige Fahrt übers Wattenmeer für Geeske Dobbenga werden, die letzte vor ihrer Pensionierung beim niederländischen Grenzschutz. Doch in der Emsmündung stößt ihr Patrouillenboot auf eine Leiche. Bevor die Flut sie wegträgt, bringen Geeske und ihre Mannschaft sie nach Delfzijl in den Niederlanden. Damit beginnen die Probleme: Der Tote war Deutscher, und sein Fundort liegt in umstrittenem Grenzgebiet. Während der Streit um die Zuständigkeit beiderseits der Grenze eskaliert und die Fragen rund um den toten Wattwanderer sich häufen, schickt die Bundespolizei See in Cuxhaven heimlich einen Ermittler nach Delfzijl: Liewe Cupido, gebürtiger Deutscher, aber auf der niederländischen Insel Texel aufgewachsen. Seine deutschen Kollegen nennen diesen eigenwilligen, schweigsamen Typen: den Holländer. Wer, wenn nicht er, könnte den Fall lösen?

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:272
Verlag: mareverlag
EAN:9783866486744

Rezensionen zu "Der Holländer"

  1. Auch was verloren ist, ist ja irgendwo (Zitat)

    Während einer Patrouillenfahrt wird eine männliche Leiche auf einer Sandbank gefunden. Das ansteigende Wasser zwingt die Besatzung schnell zu handeln und ohne erst die Zuständigkeiten zu klären, die Leiche zu bergen. Schnell ist der Tote identifiziert es handelt sich um den Extrem-Wattwanderer Klaus, der mit seinem Freund Peter vom ostfriesischen Festland nach Borkum wandern wollte. Liewe Cupido, ein inoffizieller Ermittler, der an der Küste aufgewachsen ist, beginnt mit der Spurensuche.
    Der Schreibstil ist flüssig und ruhig. Der Autor erzeugt aber durch seine Wortwahl eine faszinierende Lebendigkeit in der Story. Durch die detaillierten Beschreibungen der Natur und den Informationen zum Wattwandern, wird hier eine schöne, aber auch teilweise beklemmende Stimmung geschaffen.
    Mit dem "Holländer" Liewe hat Mathijs Deen einen sehr interessanten Ermittler geschaffen, der typisch ostfriesisch auch ohne vieler Worte auskommt und die für den Fall relevanten Spuren mehr durch Zuhören und guter Beobachtung sammelt.
    Obwohl man die Tathintergründe schon schnell erahnen kann, hat mir dieser atmosphärische Krimi sehr gut gefallen.

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  1. Außergewöhnlicher Kriminalfall im Naturpark Wattenmeer

    Mitten durch die Nordsee verläuft die Grenze zwischen Texel in den Niederlanden und Borkum in Deutschland, der genaue Grenzverlauf ist tatsächlich bis heute nicht genau geklärt. Meistens arbeiten die Behörden nachbarschaftlich problemlos zusammen, überall ist Wasser – also was soll´s? Nun wird aber genau auf einer Sandbank, deren nationale Zugehörigkeit nicht genau definiert ist, eine Leiche gefunden und zwar die eines Deutschen, der sich zusammen mit zwei Kameraden einen Namen als Extremwattwanderer gemacht hat. Das Trio Peter, Klaus und Aron hat bereits unzählige Touren erfolgreich gemeistert und Bücher darüber veröffentlicht. Bei der verhängnisvollen Wanderung jedoch fehlte Aron, der sich zum fraglichen Zeitpunkt um seine Frau kümmern musste. Route und Termin waren anhand von Gezeiten und Strömungen genau berechnet worden und erlaubten keinerlei Aufschub. Trotzdem gab es bei der Querung eines Priels unvorhergesehene Schwierigkeiten. Obwohl durch ein Sicherheitsseil mit seinem Begleiter Peter verbunden, rutschte Klaus ab und kam zu Tode. Aufgefunden wird die Leiche vom holländischen Grenzschutz. Der Leichnam weist Verdächtiges auf und muss obduziert werden, die Kriminaler müssen zunächst die Todesursache und später Tatverdächtige ermitteln. Aber welcher Staat ist nun zuständig? Während an der Basis konstruktiv kooperiert wird, verstrickt sich die vorgesetzte Ebene in Kompetenzgerangel, das zu manch humorvoll-skurriler Szene führt.

    Deens Stärke sind die Charaktere. Haupt- wie Nebenfiguren bekommen jeweils ein völlig eigenes Profil, das sie im Zuge des Romans zur Geltung bringen können. Sie wirken wie aus dem Leben gegriffen. Im Mittelpunkt steht der deutsche Kriminalkommissar Liewe Cupido, Sohn deutsch-niederländischer Eltern, warum man ihn (titelgebend) „den Holländer“ nennt. Er ist als ruhiger Vertreter ein brillanter Ermittler, der durch sein Schweigen schon manchen Kriminellen zum Reden gebracht hat – stille Pausen kann nicht jeder vertragen. Unkonventionell holt sich Cupido einen jungen niederländischen Grenzpolizisten als Assistenten an die Seite, beide bilden schnell ein gutes Team. Puzzlestein für Puzzlestein fügt sich zusammen, um Licht ins Dunkel zu bringen.

    Neben dem gelungenen Figurenkarussell nimmt das Wattenmeer mit seiner Küste eine weitere Hauptrolle ein. Der Leser erfährt viel über das extreme Wattwandern, über Vorbereitung, Ausrüstung, Risiken und Gefahren. Man spürt die Liebe und Fachkenntnis des Autors zum Nationalpark Wattenmeer, in dessen Umfeld große Teile der Ermittlungen stattfinden und die den Leser damit an einen unüblichen Handlungsort mit viel Naturschönheit führen. Jeder, der eine Affinität zu diesem Landstrich verspürt, wird den Roman lieben. Doch auch alle anderen sollte der nordisch ruhige, lakonische Erzählstil mit dem spannenden Kriminalfall gefangen nehmen.

    Der Roman besticht durch seine intensive Atmosphäre. Der Sprachstil liest sich flüssig und ist sehr ausdrucksstark, gerade wenn es um bildhafte Beschreibungen oder realistische Dialoge geht. Die Nebengeschichten rund um die Ermittelnden halten sich in Grenzen, so dass man nicht unnötig von der Ermittlung abgelenkt wird. Ich habe den Roman innerhalb von zwei Tagen inhaliert. Er ist die perfekte Lektüre für ein verregnetes Wochenende, das man gedanklich an der Nordsee verbringen möchte. Lange wird man im Trüben gelassen, wie der Extremwattwanderer zu Tode kam und kann sich ganz seinen eigenen Spekulationen hingeben - wie es sich für einen guten Kriminalroman gehört. Ich hoffe, dass Mathjis Deen noch weitere Bücher rund um den sympathisch-eigenwilligen Ermittler Liewe Cupido schreiben wird. Lesen werde ich sie auf jeden Fall. Große Lese-Empfehlung!

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  1. 4
    04. Mai 2022 

    Freundschaft?

    Mathjis Deen hat hier ein richtig interessantes Buch erschaffen. Einerseits und auch hauptsächlich dreht sich das Buch um einen Kriminalfall. Einer von drei miteinander befreundeten Extrem-Wattwanderern wird tot im niederländisch-deutschen Grenzgebiet aufgefunden. Durch eine unklare Grenzziehung kommen sich nun niederländische und deutsche Behörden in die Queere. Und hier soll "Der Holländer" Abhilfe schaffen, Liew Cupido, das Kind einer Deutschen und eines Holländers, auf der niederländischen Insel Texel aufgewachsen, heute ein deutscher Polizist und ein Kenner der Begebenheiten der niederländisch-deutschen Küstengebiete. Denn die wichtigste Frage an diesem Fall ist ja nicht die nach dem Staatsgebiet auf dem der Tote lag, sondern wie der Tod eintrat, natürlich oder mit Fremdeinwirkung. Und mit diesem Liew Cupido nimmt das Buch auch Fahrt auf und wird soghafter, und das Geschehen um die Todesursache wird etwas zentraler gestellt. Dieser etwas eigenwillige und kantige Charakter des Liew Cupido macht Lust auf mehr, ich bin neugierig, was hier noch passiert.

    Mathjis Deen hat hier in seinem Buch "Der Holländer" absolut interessant und eckig gezeichnete Figuren (und damit meine ich nicht nur den titelgebenden Holländer) und einen geschickt aufgebauten Kriminalfall erschaffen, einen Kriminalfall, der auf der Charakterzeichnung beruht und nicht durch Effekthascherei glänzt.

    Ein weiterer und absolut wichtiger Pluspunkt des Buches ist für mich die Zeichnung und Beschreibung der Landschaft, der Natur der niederländisch-deutschen Küstenlandschaft. Man merkt die Liebe des Autors zu diesem Landstrich und auch dies macht einen großen Zauber des Buches aus. Ein absolut atmosphärisches Buch! Denn man fühlt sich als Leserin mittendrin in der Landschaft, hört das Rauschen des Meeres und das Schreien der Möwen. Und auch diese tiefe und deutlich spürbare Liebe zur Natur macht Lust auf mehr von Mathjis Deen.

    Nur wenig fehlt für mich hier für den letzten Stern. Ich habe mich nur nicht vollkommen von der Geschichte mitgerissen gefühlt, denn sie ist bedächtig und ruhig geschrieben. Aber irgendwie passt diese Ruhe/diese Bedächtigkeit auch wieder sehr gut zu der friesischen Landschaft. Und von daher war das Buch auch richtig stimmig. Ich habe dieses Buch von Mathjis Deen sehr gern gelesen!

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  1. 4
    26. Mär 2022 

    Grenzfang

    Eine Pensionierung ist auch nicht mehr das, was es mal war. Auf ihrer letzten Patrouillenfahrt will sich Geeske Dobbenga eigentlich von ihrer Mannschaft verabschieden und eine ruhige Fahrt in den Holländisch-Deutschen Gewässern verbringen. Doch auf einer Sandbank, von der wirklich umstritten ist, zu welchem Staatsgebiet sie gehört, entdecken sie eine Leiche. Die müssen sie mitnehmen, sonst würde sie von der steigenden Flut davongetragen. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten um den bekannten deutschen Wattwanderer Klaus Smyrna handelt. Sein Kollege Peter Lattewitz kommt völlig entkräftet auf Borkum an. Das Trio hätte Aaron Reinhard komplettieren sollen.

    Drei erfahrene Wattwanderer, Aaron hat sogar ein Buch über seine Wanderungen veröffentlicht, wollten eigentlich den gefährlichen Weg zu Fuß nach Borkum wagen. Doch Aaron zieht es vor bei seiner kranken Frau in England zu bleiben. Doch die Wettervorhersage für die Wanderung ist günstig und wann wird eine solche Gelegenheit sich noch einmal bieten? Peter und Klaus wagen den Weg und nur Peter kommt lebend, aber sehr traumatisiert zurück. Um noch größeres Zuständigkeitsgerangel zu vermeiden, ermittelt Kommissar Liewe Cupido, dessen Vater Niederländer war, ohne es an die große Glocke zu hängen. Denn der Tod von Klaus Smyrna gibt einige Rätsel auf.

    Anscheinend hat der Autor hier den Start einer Reihe hingelegt und der ist sehr gelungen. Die nickeligen Grenzstreitigkeiten zwischen den holländischen und deutschen Polizeibehörden erscheinen realistisch, geben dem Roman aber auch eine gewisse Leichtigkeit, weil sie mitunter zum Schmunzeln einladen. Der tragische und rätselhafte Tod des Wattwanderers erfordert schon genauere Nachforschungen und denen ist der schweigsame Cupido gemeinsam mit seiner pragmatischen Kollegin Dobbenga gut gewachsen. Die Beschreibungen des Watts, dass für unerfahrene und wie man hier liest manchmal auch für erfahrene Wattwanderer sehr gefährlich werden kann, sind sehr stimmungsvoll und zeugen von genauer Recherche oder auch guter Kenntnis des Autors. Dieser Kriminalroman besticht durch sein sympathisches Personal und durch die lebendigen und authentischen Beschreibungen sowohl der Landschaft, der Menschen und des Watts.

    4,5 Sterne

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  1. 5
    10. Mär 2022 

    Extremwattwandern

    Mathijs Deen ist ein niederländischer Autor und Journalist, in seiner Heimat besser bekannt als bei uns. Im deutschsprachigen Raum sind bisher drei Romane von ihm erschienen (dem Mare Verlag sei Dank):
    Unter den Menschen
    Der Schiffskoch
    Der Holländer

    Die Romane von Mathijs Deen haben folgendes gemeinsam: sie haben einen Bezug zum Meer, besitzen hohe literarische Qualität und zeichnen sich durch einen wundervoll lakonischen Humor aus.
    Vor Kurzem erst ist „Der Holländer“ erschienen, der als literarischer Kriminalroman zu lesen ist.
    Schauplatz ist die Gegend um Borkum, genaugenommen das Wattenmeer, welches innerhalb des Dreiecks liegt, das von Borkum, der holländischen sowie der deutsch-ostfriesischen Küste gebildet wird. Wir befinden uns also im Grenzgebiet von Deutschland und den Niederlanden. Durch dieses Wattenmeer verläuft die Grenze, doch tatsächlich ist der genaue Grenzverlauf nicht geklärt, was auch im Jahre 1960 dokumentiert wurde. Immerhin ist man sich einig, dass man sich nicht einig ist. Sowohl die holländischen als auch die deutschen Behörden versuchen also, in nachbarschaftlicher Eintracht, ihre Arbeit in diesem Gebiet zu machen. Dies betrifft insbesondere Polizei, Zollbehörden und die Marine. Diese Eintracht gelingt nicht immer.
    So auch zu Beginn des Romans „Der Holländer“, als ein toter deutscher Wattwanderer auf einer der Sandbänke im Wattenmeer von einem holländischen Patrouillenboot geborgen wird und sich die Behörden uneinig sind, in welchen Zuständigkeitsbereich nun dieser Todesfall fällt. Das daraus entstehende Machtgerangel, das von den karrierebewussten Vorgesetzten der Behörden ausgeht, ist schon sehr amüsant zu lesen und erinnert an eine Posse ähnlich den Erzählungen über die legendären Schildbürger.
    Während die Oberen also mit den Säbeln rasseln, machen die Beamten an der Front die eigentliche Arbeit. Sie haben keine Probleme, mit den Kollegen der anderen Nation zusammenzuarbeiten und wählen gern den pragmatischen Ansatz, um dem Geheimnis über den Tod des Wattwanderers auf die Spur zu kommen.
    Liewe Cupido, genannt „Der Holländer“, ist prädestiniert für die Ermittlungsarbeit, die ihn zwischen Holland und Deutschland pendeln lässt. Liewe ist als Sohn einer Deutschen und eines Niederländers auf Texel großgeworden. Natürlich spricht er beide Sprachen fließend – wenn er spricht. Denn er ist eher ein schweigsamer Mensch. In Gespächen macht er nur wenige Worte, sein Schweigen verleitet seine Gesprächspartner dazu, die schweigsamen Lücken durch eigene Wortergüsse zu überbrücken. Seine Kollegen haben sich an Liewes Art gewöhnt, Menschen, die ihn nicht kennen, haben ihre Schwierigkeiten mit dieser Art der Konversation, so auch die Zeugen, die zum Todesfall des Wattwanderers befragt werden.

    Der tote Wattwanderer ist einer von drei Freunden, die sich dem Extremwattwandern verschrieben haben und für ihre bisherigen erfolgreichen Wanderungen bekannt sind.
    Aus „Der Holländer“ habe ich gelernt, dass Wattwandern nicht gleich Wattwandern ist. Das, was die drei Männer als Sport betreiben, hat nicht viel gemein, mit den gemütlichen Gummistiefel-Matsch-Spaziergängen, die bei Nordseetouristen so beliebt sind. Hochinteressante Informationen zu diesem Thema sind in die Handlung des Romans „Der Holländer“ eingebaut und machen den Roman noch fesselnder als er eigentlich schon ist.
    Nur soviel: die Tour durchs Watt von der holländischen Küste nach Borkum (ca. 12 km) gilt als die Besteigung des Mount Everest unter den echten Wattwanderern. Und an dieser Besteigung ist der Tote gescheitert, aus welchen Gründen auch immer und mit wessen Dazutun auch immer.

    Dieser Roman übt aufgrund seines besonderen Schauplatzes und des ungewöhnlichen Hobbies der Beteiligten eine große Faszination aus. Dem Autor Matthijs Deen gelingt es, die Naturgewalt, die vom Wattenmeer und seinen Strömungen und Gezeiten ausgeht, über seinen Roman zu transportieren. Die Geschichte ist unglaublich fesselnd, der Holländer verbeißt sich in der Ermittlung und bringt Erkenntnisse zutage, die selten vorhersehbar sind. Dennoch bleibt der Krimi auf einem entspannten Niveau, ist in keinster Weise blutig oder reißerisch, sondern konzentriert sich auf die Aufklärungsarbeit sowie die unterschiedlichsten Charaktere, die einem in dieser Geschichte begegnen.

    Mein Fazit:
    „Der Holländer“ ist ein naturgewaltiger, aber entspannter Kriminalroman, mit einem eigenwilligen, aber sympathischen Protagonisten, von dem ich gern noch mehr lesen möchte.

    Leseempfehlung!

    ©Renie

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