Der Hof

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Hof' von Simon Beckett
3
3 von 5 (2 Bewertungen)

Ein abgelegener, heruntergekommener Hof in Südfrankreich. Es ist brütend heiß. Fliegen umschwirren die grunzenden, halbwilden Schweine, die im Dreck nach Futter stöbern. In der baufälligen Scheune liegt der junge Engländer Sean mit einem zerfetzten Fuß. Auf der Flucht vor der Polizei ist er in eine rostige Eisenfalle getreten, aufgestellt von Arnaud, dem Besitzer des Hofs, einem Eigenbrötler, der keine Fremden auf seinem Besitz duldet. Sean darf dennoch bleiben - wenn er mithilft, die maroden alten Wände neu zu mauern. Er nimmt das Angebot an, denn eine Rückkehr nach England kann er nicht riskieren - und auch wegen Arnauds Tochter Mathilde, die ihn so hingebungsvoll pflegt. Aber deren verführerische kleine Schwester ist völlig unberechenbar, ebenso wie der tyrannische Arnaud. Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht, und Sean will es herausfinden. Doch die Arnauds haben ihre Geheimnisse, und der Alte setzt alles daran, dass sie niemals ans Licht kommen.



Die David-Hunter-Thriller in chronologischer Reihenfolge: Die Chemie des Todes, Kalte Asche, Leichenblässe, Verwesung

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:464
Verlag: Wunderlich
EAN:9783805250689

Rezensionen zu "Der Hof"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 14. Jan 2017 

    Sommer in Frankreich

    Durstig landet der Engländer Sean auf einem Hof in Frankreich, wo er zwar nicht reicht aber doch mit erfrischendem Wasser bewirtet wird. Neugierig streift Sean durch die Gegend. Seine Neugier wird allerdings hart bestraft als er in ein Tellereisen tritt. Sein Fuß ist verletzt und er schafft es nicht, sich zu befreien. Erst Tage später kommt Sean wieder zu sich und er findet sich auf besagtem Hof wieder, betreut von Mathilde, der Tochter des Hauses, und nur geduldet vom Vater. Fallen aufstellen ist schließlich nicht unbedingt erlaubt. Sean möchte den Hof zunächst schnellstens verlassen, doch die Verletzung erlaubt das nicht. Unter der Bedingung, Ausbesserungsarbeiten auf dem Hof zu übernehmen, darf er bleiben bis die Wunde am Fuß verheilt ist.

    Eine eigenartig gedrückte Stimmung herrscht unter den Bewohnern des Hofes. Anstatt den Sommer zu genießen, scheinen sie alle etwas zu verbergen, sich zum einen gegenseitig zu belauern zum anderen aber insbesondere Sean zu beobachten. Hat er etwas zu verbergen? Was hat ihn bewogen, nach Frankreich zu kommen. Forsch und manchmal aufreizend geht Gretchen, Mathildes Schwester, auf Sean zu. Unangenehm berührt das, obwohl sich Sean der Wirkung kaum entziehen kann. Und der cholerische Vater macht das Zusammenleben auf dem Hof nicht gerade einfacher. Wird Sean mehr oder weniger gerne geduldet oder verlässt er den Hof irgendwann, davon gejagt wie der Helfer vor ihm.

    Die Dr. David Hunter des Autors Simon Beckett ist wohlbekannt und wird gerne gelesen. Doch regelmäßig gönnt sich der Autor eine Erholung von seinem Helden und widmet sich anderen Hauptdarstellern, deren Schicksal er in Worte und Romane kleidet. Als Leser mag man feststellen, dass man eher dem einen oder den anderen zugeneigt ist, aber selten beiden gleichermaßen. Und so wird es einem möglicherweise schwer, mit Sean warm zu werden. Das Gemälde, das hier gemalt wird, bleibt ein wenig ohne Tiefe. Zwar spürt man das Unbehagen, die wachsende Anspannung bis zum dramatischen Finale, doch keinem der Protagonisten gelingt es so viel Anteilnahme zu wecken, dass man als Leser berührt wird. Und so bleibt die Lektüre zwar fesselnd genug, um sie mit einiger Neugier zu verfolgen, aber doch so distanziert, dass sie keinen tiefen Eindruck hinterlässt.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 24. Okt 2014 

    eine bedrohliche Atmosphäre

    Der Engländer Sean ist in Frankreich unterwegs. Er ist auf der Flucht. In einer abgelegenen Gegend gerät er mit seinem Fuß in eine Eisenfalle. Er wird gefunden und auf einem heruntergekommenen Hof, der sich in der Nähe befindet gesund gepflegt. Da er untertauchen muss, entschließt er sich für einige Zeit auf dem Hof zu bleiben und dort bei der Renovierung zu helfen. Der Hof gehört Arnaud, einem brutalen tyrannischen Eigenbrötler, der hier zusammen mit seinen Töchtern Mathilde und Gretchen lebt. Die Familie scheint ein schreckliches Geheimnis zu haben.

    Das Buch lebt von der Atmosphäre, die hier beschrieben wird: es ist brütend heiß, die Sonne brennt, es ist still, etwas Bedrohliches liegt in der Luft. Und dann sind da noch die Schweine – die sogenannten Sanglochons – eine besondere Züchtung, die als fresswütige, unberechenbare Monster dargestellt werden. Als Leser lauert man die ganze Zeit darauf, dass etwas Schreckliches passiert.

    Während des Verlaufs der Geschichte gibt es immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit von Sean. So erfährt man nach und nach, warum er auf der Flucht ist. Leider wird durch diese Rückblenden, die teilweise langatmig sind, jedes Mal der Spannungsbogen unterbrochen. Erst zur Hälfte kann das Buch Fahrt aufnehmen und zum Ende überschlagen sich dann die Ereignisse.

    Da ich die David-Hunter-Bücher von Simon Beckett sehr gern gelesen habe und weil „Der Hof“ im Vorfeld so hochgejubelt worden ist, habe ich natürlich viel von dem Buch erwartet. Doch leider konnte mich das Buch nicht überzeugen. Eine bedrohliche Atmosphäre reicht einfach nicht aus, um aus einem Roman einen guten Thriller zu machen.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 08. Mai 2014 

    Vor was läufst du weg?

    Auf der Flucht vor sich selbst und seinen Taten landet Sean auf einem abgelegenen französischen Hof. Eigentlich will er nur um ein bisschen Wasser bitten, doch im nahe gelegenen Wald tritt er in ein Fangeisen. Erst Tage später wird er von der ältesten Tochter des Hofes gefunden und gepflegt. Nach einigem Hin und Her darf Sean auf dem Hof bleiben, doch fühlt er sich unwohl in seiner Haut. Der grobschlächtige Vater ist ein jähzorniger und aggressiver Zeitgenosse, der mit allen Mitteln sein Anwesen verteidigt und Fremden gegenüber misstrauisch gesinnt ist.
    Die jüngere Tochter Gretchen erschließt sich Sean erst recht nicht und aus Angst vor ihrem Vater versucht er jeden Kontakt zu vermeiden. Nur Mathilde, die ältere Schwester, ist der Ruhepol der ganzen Familie.
    Doch sie scheinen etwas zu verbergen und je länger Sean auf dem Hof bleibt, umso mehr läuft er Gefahr in etwas Schwerwiegendes verwickelt zu werden.

    Simon Beckett beschreibt in diesem Buch die Geschichte eines jungen Mannes, die für den Leser zu zwei Zeiten gleichzeitig stattfindet. Immer abwechselnd erfahren wir auf der einen Seite die Geschichte rund um den französischen Hof und seinen Bewohnern, auf der anderen Seite befinden wir uns in London, wo aus Seans vorhergehenden Leben berichtet wird und erzählt wird, weshalb er überhaupt auf der Flucht ist. Denn das etwas nicht stimmt, stellt der Leser gleich zu Beginn der Erzählung fest und der Hof ist nicht der einzige, der ein Geheimnis birgt.
    Im Großen und Ganzen ist die Geschichte sehr simpel und vorhersehbar gestrickt. Schon bald entwickelt man ein Gefühl dafür, dass etwas nicht stimmt und was vor allem nicht ganz richtig läuft. Man stellt Vermutungen an, die zum Ende des Buches bestätigt werden. Der Autor schafft es nicht, hier zu überraschen oder neue Wege zu gehen.

    Die Ich-Perspektive des Buches macht es zudem schwierig, einen Einstieg in die Geschichte zu finden. Erst mit der Zeit nähert man sich dem Charakter. Mit seinem Schreibstil reißt der Autor einiges heraus, denn er schafft es trotz allem, den Leser bei der Stange zu halten. Er bringt mich dazu, die Geschichte doch irgendwie zu mögen, auch wenn sie inhaltlich nichts Neues oder Aufregendes zu bieten hat. Mögliche Eskalationssituationen, die sich durch die teils sehr aggressiven Charaktere ergeben könnten, werden nicht genutzt und oft verlaufen sich die Konflikte doch im Sande beziehungsweise enden nicht in den ihnen gegebenen Möglichkeiten. So bleibt die Erzählung eher seicht und bietet keine Überraschungen.