Der Hexenjäger

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Hexenjäger' von Astrid Fritz
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Ein fanatischer Inquisitor, eine junge Frau, eine erbarmungslose Hexenjagd Schlettstadt im Elsass 1484: Margaretha, die Mutter der jungen Krämertochter Susanna, liegt tot in der Stube aufgebahrt. Bruder Heinrich, päpstlicher Inquisitor und Prior des hiesigen Predigerklosters, erscheint, um Trost zu spenden. Fast väterlich sorgt er sich um die junge Susanna. Doch bald schlägt die Fürsorge in Wahn um. Er lässt Susanna nicht mehr aus den Augen. Was sie nicht weiß: Seit einiger Zeit verfolgt Bruder Heinrich als Inquisitor die Vernichtung der «brandgefährlichen Sekte der Hexen». Viel zu spät erkennt Susanna, dass auch sie sich vor Heinrich in Acht nehmen muss. Ein fesselnder Roman um die historische Figur des Dominikanerbruders Heinrich Kramer, den Verfasser des berüchtigten «Hexenhammers».

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:352
EAN:9783499274671

Rezensionen zu "Der Hexenjäger"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 22. Nov 2018 

    Schöne Susanna

    Susanna ist todtraurig. Ihre geliebte Mutter ist verstorben und die Umstände ihres Todes sind nicht ganz klar. Ist sie als Schlafwandlerin vom Dach gestürzt oder hat sie sich in ihrer Melancholie selbst gerichtet. Im Jahr 1484 würde letzteres dazu führen, dass die gute Margarethe kein christliches Begräbnis bekäme. Der Prior des anliegenden Klosters Bruder Heinrich, der ein Kindheitsgefährte der Mutter war, überzeugt sich, dass ein Begräbnis gerechtfertigt ist. Doch bald schon bekommt er Zweifel, kann Margarethe nicht doch dem Hexenwahn verfallen gewesen sein. Und wenn es der Mutter so ging, wie kann es dann der Tochter anders gehen.

    Heinrich Kramer, der später als Verfasser des Hexenhammers in die Geschichte eingeht, zeigt sich hier als in seiner Jugend verschmähter rachsüchtiger Priester, der mit seinem Amt und seinen Gelüsten hadert und dafür die Schuld bei den Frauen sucht. Nachdem er die verstorbene Margarethe nicht mehr erreichen kann, wird deren Tochter Susanna zum Objekt seiner Missgunst, seiner unterdrückten Wollust, seinen schmierigen Gedanken. Die Situation der hübschen Susanna ist keine besonders komfortable. Ihr Bruder soll sich eine Frau nehmen und dann ist für sie kein Platz mehr im Elternhaus. Doch soll sie deshalb irgendwen ehelichen, den ihr Vater bestimmt, der ihr selbst aber zuwider ist? Mit den zunehmenden Ekel auslösenden Avancen des Priesters wird es auch nicht besser.

    Mit seinem Hexenhammer wollte der Heinrich Kramer eine erste Welle der Hexenverfolgungen auslösen. Doch erst nach seinem Tod kam es zu einer Vielzahl von grausamen Hexenjagden. Dennoch wird mit diesem Buch die Perfidität eindringlich beschrieben, mit der die Inquisitoren gegen die vermeintlichen Hexen vorgingen, wie unschuldigen Frauen das Wort im Mund herumgedreht wurde, wie sie unter Folter zu Geständnissen gezwungen wurden oder unmögliche Prüfungen bestehen sollten. In heutiger Zeit beinahe unvorstellbar mit welcher Gemeinheit und Grausamkeit gegen Schwächere vorgegangen wurde. Aber leider nur beinahe, denn auch heute noch ist die Phantasie mancher Verbrecher grenzenlos, wenn es darum geht andere zu schädigen und zu verunglimpfen. Zwar ist die Geschichte der schönen Susanna nur eine Geschichte, doch sie kann geeignet sein, die Überzeugung zu wecken oder zu stärken, dass Offenheit und Toleranz doch die bessere Lebensgrundlage bietet.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Jun 2017 

    Die Hexen müssen weg – koste es, was es wolle

    Klappentext:
    Werden Sie von Hexen verflucht, von Vampiren, Werwölfen, Zombies oder anderem üblen Gelichter geplagt? Schreiben Sie an Sepp O'Brien, postlagernd. Der Hexenjäger rückt mit detaillierten Beschreibungen aller existierenden Ungeheuer der Welt sowie ihrer Stärken und Schwächen an und hat die nötigen Mittel, diesen Störenfrieden den Garaus zu machen. Allerdings ist Vorsicht geboten: Kollateralschäden sind bei seinen Einsätzen eher die Regel als die Ausnahme!
    Die Figur des Hexenjägers Sepp O'Brien, basierend auf einem Onkel des Autors, trieb in einem Roman und vier Kurzgeschichten noch vor den ungleich berühmteren Ghostbusters ihr Unwesen. Die Texte liegen mit einer eigens für diese Gelegenheit geschriebenen Einführung hier erstmals gesammelt vor.

    Rezension:
    Der irischstämmige Bayer Sepp OʼBrien hat einen nicht ganz alltäglichen Beruf; er ist Hexenjäger. Andere übernatürliche Schädlinge entsorgt er bei Bedarf aber auch. Das Problem für seine Auftraggeber besteht nur darin, dass so ein heimgesuchtes Schloss danach zwar mit Sicherheit frei von Geistern und anderen ungebetenen Mitbewohnern, eventuell aber auch für die menschlichen Besitzer nicht mehr bewohnbar ist. Höflichkeit und gute Umgangsformen sind auch nicht seine Stärke. Obwohl Sepps Auftragslage nicht schlecht ist – schließlich gibt es in dem Job nicht allzu viel Konkurrenz –, wird er mit seiner Arbeit deshalb auch nicht reich.
    Der Autor Michael Sullivan (eigentlich Klaus-Michael Vent) veröffentlichte seine Kurzgeschichten um den Hexenjäger Sepp OʼBrien ursprünglich in der 70er und 80er Jahren in Fanmagazinen. Später kam auch ein ganzer Roman dazu. Mit der aufkommenden Möglichkeit des Selfpublishing entschied er sich schließlich, Sepps Abenteuer überarbeitet als Sammelband neu zu veröffentlichen. Die einzelnen Geschichten werden dabei von wechselnden Beobachtern erzählt, die im Laufe der Säuberungsaktion meist auch die eine oder andere Beule (oder schlimmeres) abbekommen. Mit seiner Dampfhammer-Mentalität sorgt der Hauptprotagonist dabei immer wieder für eine große Portion Humor. Für den Leser, versteht sich. Sepps Mitmenschen finden das alles wohl erheblich weniger lustig.
    Magische ‚Schädlingsbekämpfer‘ trifft man in der (komischerweise meist Trivial-)Literatur ja relativ häufig an. Ein Mitglied dieser Zunft, das für so viel Chaos sorgt, ist mir aber bisher noch nicht untergekommen.

    Fazit:
    Diese humorvolle Hexenjagd kann Fantasy-Freunden mit einem Gespür für derben Humor sehr empfohlen werden.

    Alle meine Rezensionen auch zentral im Eisenacher Rezi-Center: www.rezicenter.blog
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