Der gute Psychologe: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der gute Psychologe: Roman' von Noam Shpancer
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Er ist Psychologe, sein Spezialgebiet die Angst. Am Tag praktiziert er, am Abend erklärt er Studenten, was eine gute Therapie ausmacht. Als er wenig begeistert eine Nachtclubtänzerin mit Auftrittsphobie als Klientin annimmt, ahnt er nicht, wie sehr deren Probleme und Geheimnisse auf sein eigenes Leben abstrahlen werden. Denn plötzlich ist er gezwungen, sich mit seinen unausgesprochenen Ängsten und einer wehmütigen Liebe auseinanderzusetzen. In scharfsinnigen Dialogen führt der Psychologe durch den Dschungel menschlicher Emotionen, in dem er sich selbst zu verlieren droht. Dieser wunderbar menschliche Roman ist literarische Lebenshilfe und Liebesgeschichte zugleich.

Format:Taschenbuch
Seiten:288
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442745074

Rezensionen zu "Der gute Psychologe: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Jun 2016 

    Für alle, die sich für Psychologie interessieren

    Inhalt
    "Der gute Psychologe" hat sich auf Angsttherapie spezialisiert und nach seinen Therapiesitzungen hält er abends noch Vorlesungen am College im mittleren Westen der USA. Als eine Stripperin, die Angst davor hat, wieder auf der Bühne zu tanzen, in seine Praxis kommt, wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

    "Ein guter Psychologe befasst sich mit Lebensgeschichten und Identität" (S. 59).

    Und dazu zwingt ihn diese Patientin, sich mit seiner eigenen zu befassen.
    Denn er liebt seine Kollegin Nina, mit der eine "Affäre" hatte, die jedoch ihrerseits nicht bereit ist, ihren kranken Mann für ihn zu verlassen. Sie bittet ihn um einen sehr großen Gefallen. Sie möchte ein Kind von ihm, da dies mit ihrem Mann nicht möglich ist, nimmt ihm jedoch das Versprechen ab, keine Anspruch auf das Kind geltend zu machen. Inzwischen ist Nina weggezogen und bis jetzt hat er sich an sein Versprechen gehalten, seine Tochter ist bereits im Kindergarten. Nur ab und zu telefoniert er mit Nina, hauptsächlich um sich fachlich auszutauschen. Und nun sitzt diese Patientin vor ihm, die um das Sorgerecht ihres eigenen Kindes kämpfen möchte und ihm gewissermaßen den Spiegel vorhält. Wird er sein eigenes Leben auf den Kopf stellen und sich seinen Ängsten stellen?

    Parallel zu seiner eigenen Geschichte nehmen die Leser/innen an den Vorlesungen des guten Psychologen teil und erfahren, was eine gute Therapie ausmacht:

    "Sich nicht verstricken zu lassen ist keine intuitive Haltung, wird er seinen Studenten sagen, und sie ist nicht einfach durchzuhalten. Sogar der launische Wiener, der so viel darüber nachdachte und davon sprach, versagte in dieser Verhaltensprüfung, in diesem ultimativen Test, denn er ließ sich von seiner Neugier und seinem Temperament eines Eroberers hinreißen. Doch das therapeutische Unterfangen an sich läuft unserer ursprünglichen Intuition zuwider und bleibt unverständlich, wenn nicht das Fremde wertgeschätzt wird." (S.23/24)

    Das ist nur eines der vielen interessanten Aussagen, die er über die Haltung des Psychotherapeuten macht, vor allem die Vorlesungen sind für diejenigen, die sich für Psychologie interessieren, besonders lesenswert.

    Mit diesem Statement kann ich nahtlos zu meiner Bewertung überleiten. Neben der tragischen Liebesgeschichte des Therapeuten und dem Schicksal der "Vier-Uhr-Patientin" sind es vor allem die Vorlesungen, die mich fasziniert haben, da ich mich für Psychologie, speziell für Verhaltenstherapie interessiere. Es ist ein leises Buch, in dem nicht die Handlung im Vordergrund steht, sondern die Fragen, was unsere Entscheidungen hervorruft, beeinflusst, was wir selbst tun können, um uns unseren Ängsten zu stellen. Der gute Psychologe, dessen Namen nicht genannt wird, zeigt stellvertretend, wie schwierig es ist, Veränderungen herbeizuführen und dass es manchmal keine Alternative zu einer Entscheidung gibt. Ein Roman, den ich sehr intensiv gelesen habe und den ich definitiv wieder lesen werde, um noch einmal die Vorlesungen mitzuerleben.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Apr 2016 

    EInfach tolles Buch!

    Der Autor hat sein Thema ziemlich versiert angepackt, sowohl was die klinische Berufspraxis betrifft, als auch die Tätigkeit als Schriftsteller. Den Schreibstil habe ich dazu noch als recht flüssig erlebt. Dadurch, dass Shpancer in seinem Roman die Perspektiven wechselt, hatte ich als Leserin jede Menge Abwechslung. Tagsüber behandelt der Psychologe seine KlientInnen und abends unterrichtet der Professor seine StudentInnen dahingehend, was einen guten Psychologen ausmacht. Beides hatte mich gefesselt.

    Es war schön, dass gestern Sonntag war, sodass ich das Buch bis zum Schluss mit nur ganz wenigen Pausen in vollen Zügen genießen konnte. Ich habe ein ganzes Döschen Kaugummis verbraucht, dermaßen spannend fand ich diese Lektüre.

    Ich könnte so viel über das Buch schreiben, aber ich werde mich kurzhalten, um die Spannung, die ich selbst so sehr genossen habe, anderen LeserInnen nicht vorwegzunehmen.

    Während des Lesens hatte ich das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein.

    Der Psychologe, dessen Namen erfährt man bis zum Schluss nicht, ist Professor für klinische Psychologie. Sein Spezialgebiet sind hauptsächlich Angststörungen, da KlientInnen mit dieser psychischen Problematik leichter zu behandeln seien als z. B. Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Der Psychologe beschreibt kurz das Leben von vier seiner AngstpatientInnen, doch der Fokus ist hauptsächlich auf die Angstproblematik der Stripperin namens Tiffany gelegt, die sich beruflich und familiär in einer schweren Krise befindet und hofft, sich mithilfe ihres Psychologen aus diesen seelischen Fesseln wieder zu befreien. Derzeit ist Tiffany so stark von ihrer Angststörung gefangen, dass sie gezwungen ist, sich beruflich eine Auszeit zu nehmen. Doch ihr Chef macht ihr Druck, er könne abends unmöglich auf Tiffany verzichten und macht auch dem Psychologen Druck, mischt sich in die Behandlung ein ...

    Tiffany arbeitet in einem Nachtklub, aus dem sie unbedingt aussteigen möchte, aber ihr Chef nagelt sie fest, setzt sie psychisch und moralisch unter Druck. Tiffany sei eine wichtige Tänzerin, mit der er gute Geschäfte machen würde. Tiffany selbst verdient auch nicht schlecht, aber der Preis, den sie mit ihren körperlichen Reizen zu bezahlen hat, ist recht hoch.

    Die 25-jährigeTiffany hegt neue Lebenspläne und hofft bei der Umsetzung auf die psychische Mithilfe ihres Psychologen. Sie möchte unbedingt wieder gesund werden und neue Wege gehen. Ihr Chef möchte auch, dass sie schnellstmöglich wieder gesund wird, allerdings aus geschäftlichen Gründen, damit sie bald wieder zurück auf die Bühne kommt.

    Tiffanys Probleme wühlen den Psychologen teilweise emotional auf, als er nebenbei erfährt, dass seine Klientin eine Tochter hat, die bei dem Vater lebt und sie das Kind unbedingt zurückhaben möchte. Hierzu gerät der Psychologe in einen inneren Konflikt, da er an sein eigenes unbewältigtes Problem erinnert wird …

    Zum Ende hin nimmt der Roman durch Tiffanys Chef ein wenig angedeutet kriminalistische Züge an, doch der Autor weitet sie nicht weiter aus und lässt diese Episode einfach offen.

    Das fand ich auch ganz gut, wobei sich mir am Schluss viele Fragen gestellt haben.

    Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieser Lektüre dieselbe Spannung, wie ich sie erleben durfte.

    Das Buch erhält von mir zehn von zehn Punkten.