Der große Fehler

Buchseite und Rezensionen zu 'Der große Fehler' von Jonathan Lee
3.45
3.5 von 5 (14 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der große Fehler"

Die Welt besteht aus Fehlern und Flickversuchen. Und manchmal aus seltsamen Missverständnissen. Andrew Green ist tot. Erschossen am helllichten Tag, an einem Freitag, den 13. Spekulationen schießen ins Kraut. Verdankt New York dem einstigen Außenseiter doch unter anderem den Central Park und die New York Public Library. Inspector McClusky nimmt die Ermittlungen auf. Was wussten die übereifrige Haushälterin, der Präsidentschaftskandidat Tilden und die brillante Bessie Davis, der halb New York zu Füßen liegt?

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:368
Verlag: Diogenes
EAN:9783257071917

Rezensionen zu "Der große Fehler"

  1. Der beste amerikanische Roman des Jahres?

    Hoffentlich nicht! Denn die Lektüre dieses Romans gestaltete sich leider recht zäh und insgesamt enttäuschend.
    Wobei die zentrale Figur, Andrew Haswell Green, später auch als ,,Vater von Greater New York“ bekannt, durchaus eine interessante Thematik abgibt. Immerhin hat er New York zu einer modernen Metropole gemacht, indem er neben dem Central Park auch noch das Museum of Modern Art und die York Public Library mitgeschaffen hat. Sein Aufstieg vom mittellosen Farmersohn aus lieblosen Verhältnissen zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten könnte einen rauschenden Erzählfluss auslösen. Immerhin beginnt der Roman einigermaßen spektakulär mit der Ermordung des 83-jährigen Andrew H. Green an einem Freitag dem 13. Im Jahr 1903 auf offener Straße.
    Doch leider reißt der Autor Jonathan Lee immer wieder einzelne Begebenheiten an, springt dann in der Zeit, führt Figuren wie z.B. den ermittelnden Inspector McClusky ausführlich ein, ohne dass sie im weiteren Verlauf eine wichtige Rolle spielen würden…… So wird man nach einzelnen unterhaltsamen Passagen immer wieder aus der Lektüre herausgerissen, verliert den roten Faden und damit auch recht schnell auch den Spaß an der Lektüre.

    ,,Ein mitreißender Roman über die Stadt, die niemals schläft“, verspricht der Klappentext. Doch das bewahrheitet sich leider überhaupt nicht.
    Etwas überspitzt gesagt ist ,,Der große Fehler“ eigentlich der des Autors, dass er nämlich eine Geschichte mit sehr viel Potential verschenkt hat.

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  1. Bis zum Ende durchgehalten

    So, nun ist die Quälerei endlich zu Ende! Ohne Leserunde hätte ich abgebrochen. Natürlich hat auch dieses unsägliche Buch so seine Momente, die eher den weiblichen Protagonisten zu verdanken sind: Mrs. Bray und Bessie. Und nur da kommt auch Farbe ins Spiel – etwas Farbe – in der zweiten Hälfte.
    Die männlichen Figuren kommen ausnahmslos sehr dröge und sperrig daher: Andrew und der Inspector McClusky.

    Es geht in dieser literarischen Biographie um Andrew Haswell Green, der im hohen Alter von 83 direkt vor seiner Haustür ermordet wird, von einem Schwarzen. Andrews Haushälterin, Mrs. Bray ist mehr oder weniger eine Zeugin dieses Mordes und sie findet auch im Buch mehrfache Erwähnung.

    Andrew Haswell Green wird auch der Vater von Greater New York genannt, er ist der wesentliche Schöpfer des Central Parks, der York Public Library, des Museums of Modern Art und von etlichen anderen Museen.

    Wie eingangs bereits bemerkt, habe ich das Buch nicht gern gelesen, es hat mir überhaupt keinen Spaß gemacht. Die Kapitelüberschriften sind nach den Toren des Central Parks benannt, eigentlich eine ganz gute Idee, aber oft ohne erkennbaren Zusammenhang zwischen der Namensgebung und dem Kapitelinhalt.

    Die erste Hälfte des Buches holpert und springt in den Zeiten: Andrews Kindheit und Jugend, der Umzug vom Land nach New York, die furchtbare Lehre und später die Arbeit, alles humor- und zusammenhanglos runtergerasselt. Aufzählungen, wie der frühe Tod der Mutter, später kommen die Ersatzfrauen des lieblosen Vaters, der Andrew beim Abschied zuflüstert: „Du hast Schande über uns gebracht, Andrew.“ (Seite 174)

    Schon damals wimmelte es nur so von Betrügereien, Korruption und Fehlern im System.
    Da gefiel mir das Zitat auf Seite 88: "Es war schier unglaublich, wie man die öffentlichen Kassen plündern und dennoch mit ein, zwei dummen Behauptungen die Herzen der Leute auf seiner Seite halten konnte." Das gelingt heute in besonderem Maße, da die Mainstream-Medien viel mächtiger und breiter gestreut sind, als damals.

    Oder, Seite 288: „Und auch nachdem Samuel die Präsidentschaft durch eine ganze Reihe von Betrügereien und Fehlern gestohlen worden war, kam der Ausflug nicht zustande.“ Kommt einem – ja nicht nur aus USA – äußerst bekannt vor.

    Die Reichen und Mächtigen, die so gern ihre Namen an prominenten Gebäuden vermerkt sahen und nur dann auch bereit waren, etwas zu spenden, die scherten sich aber wohl nicht um die Hygiene in den Straßen der Stadt. Und um „Die von Fliegen angefressenen Toten in den Gassen.“ (Seite 121)

    In der zweiten Hälfte des Buches kommen die Damen zu Wort und das tut dem Lesefluss ganz gut. Die brillante Bessie Davis hat nicht nur den Männern der damaligen Zeit gut gefallen, sondern auch mir und dem Inspector McClusky. Auch die Haushälterin von Andrew, Mrs. Bray hat es faustdick hinter den Ohren.

    Insgesamt bleiben die Protagonisten seltsam blass und der Autor versteht es leider nicht, ihnen Leben einzuhauchen. Da hilft auch das Homosexuelle, was hier mal wieder sein muss – ein schwuler Andrew, ein (möglicherweise) schwuler Freund und eine lesbische Haushälterin – auch nicht weiter.

    Fazit: Sperrig, dröge, langweilig, zäh & blass – nicht empfehlenswert.

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  1. Ein wechselhaftes Leseerlebnis

    Andrew Haswell Green (1820 bis 1903) war Anwalt mit Liebe zu Architektur und Stadtplanung. In dieser Eigenschaft hat er sich große Verdienste um die Stadt sowie den Großraum New York erworben und gilt als treibende Kraft hinter öffentlichen Einrichtungen wie der Public Library, dem Central Park oder verschiedenen Museen. Er wird als Vater von Greater New York verehrt. Als Spross einfacher Leute lagen ihm diese auch immer besonders am Herzen. An Andrew Green erinnert im Central Park nur noch eine vernachlässigte Marmorbank. Mit diesem Roman soll er wohl dem Vergessen entrissen werden. Ein Versuch, der meines Erachtens nicht allzu gut gelungen ist.

    Der Leser begegnet Andrew Haswell Green zum ersten Mal an seinem Todestag, als er von einem offenbar verwirrten farbigen Täter erschossen wird. Ein Motiv ist zunächst völlig unklar. In verschiedenen Rückblicken wird das wechselhafte Leben des Protagonisten beschrieben. Er war eines von elf Kindern, die Mutter starb, als Andrew zwölf Jahre alt war, der Vater heiratete mehrfach wieder. Das Verhältnis zum Vater und den Geschwistern war angespannt. Gegen seinen Willen wurde der Junge nach New York zu einem Händler zur Ausbildung gebracht. Bereits dort zeigt sich sein überdurchschnittlicher Organisations- und Ordnungssinn. Er lernt den späteren Präsidentschaftskandidaten Samuel J. Tilden kennen, mit dem ihn eine lebenslange, nicht immer einfache Freundschaft verbinden wird, auch beruflich führen sie später gemeinsam eine Rechtsanwaltskanzlei. Bis es dazu kommt, vergehen jedoch schwierige Jahre, die Andrew Green bis nach Trinidad führen, wo er als Aufseher auf einer Farm arbeitet – eine Tätigkeit, die er lebenslang als schwarzen Fleck auf seiner Vita betrachtet, die ihm aber das notwendige Kleingeld verschaffte, um später studieren zu können.

    All die Abschnitte über das Leben des berühmten Mannes habe ich sehr gerne und interessiert gelesen. Leider wird diese Haupthandlung jedoch immer wieder durch andere Nebenhandlungen unterbrochen. Da gibt es die Versuche des offenbar erfolgshungrigen, ehrgeizigen Inspektors McClusky, den Mordfall aufzuklären. Krampfhaft sucht er nach einem Motiv, obwohl der Täter auf frischer Tat ertappt wurde und die Tat sich eher als Verwechslung oder Missgeschick darstellt. Vermeintlich witzige Episoden um den aggressiven Elefanten Topsy, den der Inspektor im wahrsten Sinne des Wortes festsetzt (und der sich auch auf dem Titelbild wiederfindet), reichern den Roman an, lenken aber auch immer wieder ab. Die weiter zurückliegende Vergangenheit des Polizisten empfinde ich ebenso irrelevant wie die Erlebnisse der lebenspraktischen, originellen Greenschen Haushälterin Mrs. Bray.

    Die Stärken des Romans liegen eindeutig in den Reflexionen des alten Andrew Green auf die Stationen seines Lebens. Ihnen wohnen altersweise und allgemeingültige Erkenntnisse inne. Es wird deutlich, wie schwer es ein einfacher Mann hat, zu Ausbildung und Ansehen zu kommen. Abstammung, Vermögen und Verbindungen sind in der prosperierenden Stadt New York zunächst die Währung, die zählt. Doch in Andrew Greens Fall setzt sich Qualität durch, er wird zu einem Pionier des Amerikanischen Traums, wird bald als geschickter Verhandler sowie intelligenter Strippenzieher geschätzt, was ihm die Tore zu seinem späteren Lebenswerk öffnet.

    Die bewegte Lebensgeschichte von Andrew Green müsste eigentlich genug Stoff bieten, um einen Roman von rund 350 Seiten Länge zu füllen. Stattdessen verliert sich der Autor in Nebenschauplätzen, so dass viel Interessantes auf der Strecke bleibt und nicht vertieft wird. Beim Lesen verfestigte sich mein Eindruck, dass sich die Szenerie immer gerade dann, wenn ich mich eingelesen hatte, wieder veränderte. So konnte kein Lesefluss entstehen. Die zweifellos originellen Nebencharaktere blieben für mich als Nicht-Amerikanerin belanglos, der ständige Wechsel führte eher zu Lesefrust denn zu Leselust. Die Grundidee, Andrew Haswell Green als bedeutende Persönlichkeit wieder ins Bewusstsein der Menschen zu bringen, ist sicher löblich, allerdings aus meiner Sicht einigermaßen misslungen. Dem Roman vorangestellt ist ein Zitat von Novalis: „Der Roman ist aus Mangel der Geschichte entstanden.“ Ist das der Grund? Hat die belegbare Biografie des Entrepreneurs nicht mehr hergegeben? Wir wissen es nicht.

    Ich empfehle den Roman trotzdem allen Lesern, die sich für die Geschichte Amerikas und der Stadt New York interessieren. Vielleicht kommt der Roman bei Menschen, die gerne Humorvolles lesen, auch besser an. Der Schreibstil an sich ist gekonnt und eloquent. Ich möchte nur den Inhalt bemängeln, der aus meiner Sicht mit Licht und Schatten aufwartet. Alles Geschmackssache, für mich bleibt das Buch hinter seinen Möglichkeiten zurück und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck.

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  1. Andrew Haswell Green, der vergessene Vater von Greater NY

    Wie kann ein Mann, der New York in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so maßgeblich veränderte, derart in Vergessenheit geraten? Jonathan Lee, 1981 in Großbritannien geborener Autor, stieß im Central Park auf eine Bank mit einer Inschrift, die ihn zu jahrelangen Recherchen und schließlich zu diesem Roman veranlasste:

    "IN HONOR OF ANDREW HASWELL GREEN
    DIRECTING GENIUS OF CENTRAL PARK IN ITS FORMATIVE PERIOD
    FATHER OF GREATER NEW YORK […]"

    Aufstieg eines Außenseiters
    Andrew Green kam 1820 in Massachusetts auf der Farm einer angesehenen, jedoch in Schulden geratenen kinderreichen Familie zur Welt. Früh verhielt er sich anders als andere Kinder, las, nachdem er kurz vor seinem 15. Geburtstag endlich eine Brille bekommen hatte, wie ein Besessener, war schmächtig und ein Ordnungsfanatiker. Wegen seiner gesellschaftlich nicht akzeptierten Zuneigung zu einem Freund schickte der Vater ihn mit 15 Jahren als Lehrling in eine Gemischtwarenhandlung nach New York. Die Begegnung mit dem sechs Jahre älteren aufstrebenden Juristen und späteren demokratischen Präsidentschaftskandidaten Samuel Tilden aus reichem Hause veränderte Greens Leben und ermöglichte ihm nach diversen anfänglichen Rückschlägen den Aufstieg. Er studierte Jura und setzte sich für seine Herzensanliegen ein: öffentlicher Raum für jedermann, Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit für Schwarze. Auf ihn gehen viele, teils umstrittene stadtplanerische Maßnahmen zurück, unter anderem der Central Park, das Metropolitan Museum of Art, das American Museum of Natural History, die New York Public Library und die Vereinigung von fünf Bezirken, wodurch Brooklyn seine Unabhängigkeit verlor, für manche ein großer Fehler, einer von mehreren im Roman.

    Der „Mordfall des Jahrhunderts“mitte
    Der Roman beginnt mit der Ermordung des 83-jährigen Green 1903 mittels fünf Schüssen auf offener Straße. Die Suche nach dem Motiv des Schwarzen Cornelius Williams zieht sich durch den gesamten Roman und Inspector McClusky gerät mächtig unter Druck. Trotzdem ist "Der große Fehler" kein Krimi, denn im Mittelpunkt stehen Episoden aus Greens Leben, aber auch unzählige, oft bizarre Anekdoten, wie die eines Elefanten, der mit New Yorker Stadtplan das Cover schmückt. Die von Green erdachten Tor-Namen des Central Park, „jeder Name eine Perspektive auf den Charakter der Stadt“ (S. 53), dienen, mal mehr, mal weniger passend, als Kapitelüberschriften.

    Mehr Anekdoten als Fakten
    So interessant die Figur Andrew Green ist, so wenig überzeugte mich die Konzeption des Romans. Anekdoten dürfen einen biografischen Roman schmücken, aber wenn, wie hier, der Porträtierte zu ihren Gunsten aus dem Fokus gerät, der Text kapitelweise zerfasert und dahinplätschert, geht die Balance verloren. Viele Fragen blieben deshalb leider unbeantwortet: Wie konnte jemand mit lückenhafter Schulkarriere Jura studieren? Wie wurde Green vom Anwalt zum Stadtplaner? Auf welche Weise engagierte er sich für Bildungsgerechtigkeit und gegen Rassendiskriminierung? Wie kam es zu Samuel Tildens Präsidentschaftskandidatur? Hätte ich nicht parallel das Internet bemüht, der Wissenszuwachs wäre enttäuschend gewesen.

    Dagegen gefiel mir die ebenso empathisch wie diskret beschriebene lebenslange Sehnsucht Greens nach Liebe, die er als Kind schmerzlich vermisste und als Erwachsener nicht ausleben durfte, um seine und Tildens Lebensprojekte nicht zu gefährden:

    "Wenn wir uns nicht auf Zehenspitzen bewegen müssten, es uns nicht so wichtig wäre, etwas zu leisten, wir uns nicht immer gegenseitig über die Schulter sehen müssten, um Fehltritte zu vermeiden?" (S. 284)

    Ein biografischer Roman über einen interessanten Visionär in bewegter Zeit, der leider viel Potential verschenkt.

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  1. Fehler und Verluste

    Andrew Haswell Green macht in seinem Leben viele kleine Fehler, fällt aber einem sehr großen tragisch zum Opfer. Jonathan Lee hat es sich in seinem Roman zur Aufgabe gemacht, dem Vater des Central Parks und Greater New Yorks sein wohlverdientes Denkmal zu setzen. Allerdings macht er aus der einen großen Geschichte, die Greens Leben detailreich nachzeichnen könnte, viele kleine Episoden und Fragmente, verzettelt und verliert sich und am Ende weiß der Leser kaum mehr über Green als vor der Lektüre. Zu wenig wird von Lee der größere zeitgeschichtliche Kontext bemüht, zu sehr bleibt er sprunghaft an Einzelheiten hängen, deren Einordnung sich dem Wissen des durchschnittlichen Lesers entzieht.

    Bevölkert werden das New York des Jahres 1903 und die Vergangenheit von Green von Figuren, deren Konzeptionen im Wesentlichen darauf zu beruhen scheinen, dass eine allzu große Ernsthaftigkeit vermieden werden soll. Stattdessen scheinen sie zumindest teilweise einem Kuriositäten-Kabinett entsprungen zu sein und wirken überzeichnet bis bizarr. Zu Green selbst kann man kaum eine Bindung aufbauen, Lees Erzählstil ist von großer Distanz geprägt und wirkt oftmals altmodisch mit seinen Anklängen an die Romanliteratur des 19. Jahrhunderts. Dennoch schwingt sich der Autor an zwei, aus dem eher langweiligen und mühsamen Erzählfluss herausragenden, Stellen zu ausgezeichneten Höhen auf. So trägt das Kapitel, das von Greens Trinidad-Aufenthalt erzählt, das sich motivisch mit Verlusten auseinandersetzt, sprachlich fast lyrische Züge, während eine Zugfahrt von Chicago nach New York zu einer ausgeweiteten Dankbarkeits-Reflexion wird, die ebenfalls sehr eingängig und höchst lesenswert ist.

    Ansonsten aber macht der Roman oftmals viel Lärm um nichts. Weder der Kriminalfall noch die Lebensgeschichte Greens werden auserzählt, seine Verdienste um die Stadt New York werden zwar mehrfach erwähnt, aber so richtig deutlich wird seine Bedeutung nicht. Noch dazu verhindert die episodenhafte Struktur bisweilen, dass Zusammenhänge klar werden. Darüber hinaus ist der Roman über weite Strecken sehr langatmig, gerade die Erzählpassagen, die vermutlich besonders innovativ wirken sollen, verflachen auf seltsame Weise und bringen die Handlung nicht voran. So bleibt „Der große Fehler“ ein Roman, der durchaus das große Potenzial seines Autors erkennen lässt, aber diesem – ähnlich wie dem Schicksal von Andrew Haswell Green – nicht gerecht wird.

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  1. Wer war Andrew Haswell Green?

    Wer war Andrew Haswell Green?

    Ich bin mir sicher, vor diesem Roman noch nie etwas von dieser Person gehört zu haben. Ein Jammer eigentlich, denn Green hat sehr viele tolle Dinge getan, unter anderem ist er verantwortlich dafür, dass New York den Central Park und die Public Library erhalten hat.Er ist ein tolles Beispiel dafür, dass auch Menschen aus ärmlichen Verhältnissen zu etwas großem fähig sind. Wobei ich unbedingt erwähnen möchte, dass die Türen zu Bildung, und damit auch zu gehobenen Anstellungen den meisten aus diesen Kreisen eher verschlossen blieben.
    Als Mensch war er gutherzig , hat allerdings nie geheiratet. Enge Bezugspersonen hatte er wenig. Samuel Tilden war einer davon,. Tilden und er haben sich in jungen Jahren kennengelernt, man kann sagen, dass er Greens Laufbahn positiv mitbestimmt hat. Die beiden verband eine sehr innige Freundschaft. Dann ist da noch Mrs Bray zu nennen, seine Haushälterin, die bis zu seinem Tod für ihn gesorgt hat.

    Jonathan Lee befasst sich in seinem Roman mit dem Leben eben dieses Mannes. Auch wenn ich durchaus anerkenne, dass er sich genau diesen Mann herausgepickt hat, um ihn wieder ins Gedächtnis zu bringen, bin ich doch ein wenig von der Umsetzung des Buches enttäuscht. Es ist recht langatmig und verwirrend aufgebaut. Viele unwichtige Anekdoten aus dem Leben des Visionärs fließen mit ein.
    Sein dramatisches Ende, dass er auf offener Straße findet, gibt Raum für eine polizeiliche Untersuchung, die ich allerdings auch nicht sonderlich spannend empfunden habe. Das Buch birgt viele wichtige Informationen zu diesem besonderen Mann, in komprimierter und gradliniger Form hätte ich mehr Freude daran gefunden.

    Obwohl ich mit dem Buch nicht warm werden konnte, möchte ich auch gute Aspekte des Romans hervorheben. Positiv gefallen hat mir definitiv, das der Autor vieles in Bezug auf Rassismus und andere Vorurteile aus dieser Zeit einbringt. Er macht anhand Greens Lebens viele dieser Diskrimierungen deutlich, hat auch hier die ein oder andere kleine Geschichte, die sich zu den vielen anderen gesellt.

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  1. Wer hat je etwas von Andrew Haswell Green gehört?

    Nun, ich! Jetzt! Weil ich das Buch, das diesem "leisen" Gentleman aus Worcester ein Denkmal setzen will, gelesen habe. Andrew, verlässt schon mit 15 Jahren sein Elternhaus, um eine Händlerlehre unter schlechtesten Bedingungen in New York zu beginnen. Dort lernt er auch den späteren Präsidentschaftskandidaten Samuel Tilden kennen, der ihm eine unzuverlässige Stütze für seinen weiteren Lebenslauf sein wird.

    Doch zunächst einmal wird Andrew Green am 13. November 1903 vor seinem Haus in Manhatten von Cornelius Williams erschossen. Er wurde 83 Jahre alt, war erfolgreicher Streiter für das Greater New York, Mitbegründer des Central Parks und zahlreicher anderer Projekte. Inspector McClusky muss nun ermitteln. Green schien nicht bei allen beliebt gewesen zu sein und bei der polizeilichen Recherche erfahren wir von Greens bewegter Vergangenheit, seinem Aufenthalt auf einer Zuckerplantage in Trinidad, seiner Freundschaft zu Tilden, seinem Aufstieg vom Händler zum Anwalt und schließlich zum einflußreichen Mitgestalter der Stadt.

    Dabei erfahren wir in zahlreichen Nebenschauplätzen vom bunten Treiben in der Stadt, von Prostitution, Korruption, unterdrückter Homosexualität, offensichtlichem Rassismus und auch der grenzenlosen Möglichkeiten des Tellerwäschers zum Millionär - diese aber nur, wenn man sich geschickter Wahrheiten bediente und/oder die richtigen Leute kannte.

    Leider verliert sich Lee in diesem Labyrinth und vergisst dabei die eigentliche Hauptfigur und ihr Schaffensgebiet, der Stadtplanung. Da helfen die Kapitelüberschriften, die den Central Park Gates entlehnt wurden wenig weiter. Auch die Ermittlungsarbeit des Inspectors irrt und eiert durch die Story und hilft nicht wirklich, die Spannung aufrecht zu halten. Sie lässt uns nur tiefer in den Großstadtsumpf des angehenden 20. Jahrhundert sinken und dann staunen, welch monumentalen Blüten doch daraus erwachsen sind.

    Weder ein Denkmal für den Stadtvater, noch ein spannender Krimi, vielleicht ein wenig Atmospäre für New York Liebhaber ist mit diesm Buch gewonnen, welches meiner Meinung nach dringend einer Überarbeitung bedurft hätte. Mir mutete es zeitweise wie eine Rohfassung eines Romans an und die paar vom Verlag "übersehenen" Fehler im Satz verstärkten diesen Eindruck noch.

    Man muss sich beim Lesen sehr konzentrieren und Punkte, die einen interessieren, selbst recherchieren, dann wird vielleicht ein Ei daraus, das aber weder Green, noch New York noch dem verwöhnten Leser gerecht wird. Schade.

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  1. 3
    21. Apr 2022 

    Central Park

    Am Freitag, den 13.,1903 wurde der 83jährige Stadtplaner und Anwalt Andrew Haswell Green vor seiner Haustür erschossen. Der Mörder wird sofort gefasst, aber sein Motiv ist unklar. Schließlich war Green einer der bekanntesten Männer von New York City. Ihm hat die Stadt den Central Park zu verdanken, die Bibliothek und einige weitere Bauten und Projekte. Inspector McClusky steht vor einem Rätsel. Nur langsam kann er sich an das Opfer herantasten, dessen Aufzeichnungen und Tagebücher er untersucht. Und welche Rolle spielt die geheimnisvolle Bessie Davis, deren Namen der Täter genannt hat?

    Wer denkt schon, zum Ende des Lebens hin an einem anderen Ort zu sterben als im Bett? Umso überraschter ist Green als er dem Mörder gegenübersteht. Während der Untersuchung der Tat, erfährt Inspector McClusky einiges über Greens Leben und Wirken. Die Kindheit war nicht leicht, die Mutter früh verstorben, der Vater streng. Eine erste Anstellung in New York hätte eine Befreiung sein können, auch wenn der Job etwas freudlos ist. Zunächst jedoch kehrt Andrew krank nach hause zurück und wird wieder in die Welt geschickt, nach Trinidad. Dort schafft er es, einen Grundstock zusammenzuraffen, um sich das Jura-Studium zu ermöglichen. So kann er doch noch ein Gentleman werden.

    Wenn man nach der Beschreibung einen Kriminalroman erwartet, könnte man eine kleine Enttäuschung erleben. Ein großer Anteil der Erzählung befasst sich mit den Lebensumständen der historischen Persönlichkeit des Andrew Haswell Green. Wobei es durchaus interessant ist, von diesem New Yorker zu erfahren, der so viel für seine Stadt bewirkt hat. Zwar blieb ihm eine Erfüllung im persönlichen Leben versagt, doch war er durch sein berufliches Werk anerkannt und geschätzt. Mit seiner dem Zeitgeschehen angepassten Sprache schildert der Autor anschaulich, was seinen Protagonisten bewegt hat. Dessen Leben schien von Tragik geprägt, aber auch von humorvolle Episoden kann berichtet werden. Natürlich kann nicht genau gesagt werden, inwieweit sich der Autor an die Tatsachen gehalten hat und was der dichterischen Freiheit entspringt. Doch wirkt die Mischung gelungen. Auch wenn man es aus Sicht eines Touristen nicht so genau zu beurteilen vermag, Andrew Haswell Green hat dieses kleine Denkmal wohl verdient.

    3,5 Sterne

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  1. Die Geschichte einer beinahe vergessenen Legende

    „Ich möchte die Geschichte wichtiger Gesetze verstehen, ihre Entstehung, Entwicklung und was sie bewirken, um so herauszufinden, ob das Geheimnis, wie man einen Fall für einen Klienten gewinnt, manchmal nicht vielleicht in der Vergangenheit liegt.“ (Zitat Seite 253)

    Inhalt
    Der bekannte New Yorker Visionär, erfolgreiche Anwalt und kreative Stadtplaner Andrew Haswell Green ist tot. An diesem 13. November 1903 vor seinem Haus erschossen. Er hat die aufstrebende Stadt New York in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für immer verändert, indem er Schulen, Museen, die Bibliothek und den grünen Erholungsraum im Herzen der Stadt schuf und alles für alle Bevölkerungsschichten frei zugänglich. Der Täter stellt sich noch am Tatort. Inspector McClusky erhält die Aufgabe, die Hintergründe der Tat zu ermitteln, die Wahrheit zwischen wilden Spekulationen und Vermutungen zu finden.

    Thema und Genre
    Dieser Roman basiert auf einer wahren Geschichte und realen Personen. Im Mittelpunkt steht der “Father of Greater New York“ Andrew H. Green, eine der Schlüsselfiguren der New Yorker Stadtentwicklung, der nach seiner Ermordung mit den Jahren in Vergessenheit geriet, während die von ihm angeregten und mit seiner Unterstützung umgesetzten Objekte auch heute noch weltweit bekannt und berühmt sind.

    Charaktere
    Die meisten Personen der Handlung haben wirklich gelebt, der Autor ergänzt mit nur wenigen fiktiven Figuren dort, wo es in den Archiven keine Aufzeichnungen über die realen beteiligten Personen gab. Schmunzeln musste ich über den Text auf der Buchrückseite im Zusammenhang mit den Ermittlungen 1903 "Was wussten ... der Präsidentschaftskandidat Tilden ..." denn Tilden ist bekanntlich bereits 1886 verstorben.

    Handlung und Schreibstil
    Die Idee und der Wunsch des Autors, den beinahe vergessenen „Father of Greater New York“ Andrew H. Green den Menschen wieder in Erinnerung zu rufen, überzeugt mich, auch seine genauen Recherchen, nicht jedoch die Umsetzung. Die Handlung besteht aus Einzelepisoden, welche abwechselnd die Herkunft, Jugend und den Werdegang von Andrew H. Green und seine langjährige Freundschaft mit dem bekannten Rechtsanwalt und Politiker Samuel J. Tilden schildern, und in einem zweiten Erzählstrang die Mordermittlungen von Inspector McClusky. In diesen nicht immer chronologischen Schnipseln aus dem Leben von Andrew H. Green und den bekannten Personen in seinem Umfeld, geht es vor allem um deren Eigenschaften, Gedanken und Gefühle. Greens unermüdlicher Einsatz für Bildung, Kultur und begehbare Freiräume für alle Bevölkerungsschichten kommt zu kurz, der Autor geht nur genauer auf die Errichtung des Central Parks ein. Die Sprache erzählt ruhig, scheint mir an die Ausdrucksweise der Zeit des späten 19. Jahrhunderts angepasst. Sehr gut gefällt mir die Idee, die einzelnen Kapitel mit den Namen der Eingangstore zum Central Park zu betiteln.

    Fazit
    Ich hatte eine spannende Geschichte in Anlehnung an die bekannten Fakten und wichtigen Ereignisse dieser für die Geschichte und Entwicklung New Yorks so prägenden Zeit erwartet, dieser Roman ist für mich eher eine Zusammenreihung von Szenen und Episoden aus dem Leben der beteiligten Personen. Der innere Klappentext verspricht einen mitreißenden Roman - ich habe ihn gerne gelesen, mich durchaus unterhalten gefühlt, aber er konnte mich nicht mitreißen. Für mich reiht sich dieses Buch in die lange Liste der in den letzten Jahren boomenden Romane ein, die sich fiktiv und romanhaft mit dem Leben von bekannten Persönlichkeiten beschäftigen, oder einem bestimmten Abschnitt aus dem Leben der jeweiligen Künstler, Künstlerinnen, ihrer Partner und Partnerinnen, und findet damit sicher begeisterte Leserinnen und Leser finden.

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  1. Warmherzige Hommage an einen vergessenen Helden

    Als Andrew Green am Freitag, dem 13. November 1903 am hellichten Tage vor seinem Haus erschossen wird, steht die Polizei vor einem Rätsel. Zwar steht mit Cornelius Williams der Täter von Beginn an fest, doch was war das Motiv des Mannes? Über die Suche danach und über das Leben des "Vaters von Greater New York" schreibt Jonathan Lee in seinem neuen Roman "Der große Fehler".

    Lobend hervorzuheben ist zunächst einmal Lees eigenes Motiv, diesen Roman schreiben zu wollen. Denn Andrew Haswell Green, Mordopfer und Protagonist, ist selbst in den USA zumindest bis zum Erscheinen des Romans mittlerweile nahezu in Vergessenheit geraten. Dabei verdanken die New Yorker ihm unter anderem den Central Park und die New York Public Library. Mit seiner sensiblen Hommage setzt Lee dem "vergessenen Helden" zumindest ein literarisches Denkmal, wenn schon im Central Park nur eine einzelne Bank dessen Namen ziert.

    So sind es vor allem auch die biografischen Details aus Greens Leben, die "Der große Fehler" zu einer berührenden und lesenswerten Lektüre machen. Denn bei der Lösung des Kriminalfalls verrennt sich der Autor bisweilen in seiner Mischung aus skurrilen, kauzigen Nebenfiguren und abschweifenden Details, die den Roman unnötig in die Länge ziehen.

    Feinfühlig nähert sich Lee jedoch dem Mann, der sich aus einer Bauernfamilie hochkämpfte und dabei nicht nur mit gesellschaftlichen Widerständen konfrontiert wurde. Denn Greens Leben ist auch von inneren Kämpfen geprägt, von seiner Homosexualität, seiner wechselhaften und launischen Beziehung zu seinem "besonderen Freund" Samuel Tilden, einem späteren Präsidentschaftskandidaten. In der Figurenzeichnung seines zerrissenen Helden setzt Jonathan Lee dadurch eindeutig die stärksten Akzente.

    Nicht entmutigen lassen sollten sich die Leser:innen deshalb vom missglückten Beginn des Romans, bei dem Lee in altmodisch-onkeligem Humor offenbar besonderen Wert darauf legte, sämtliche Nebenfiguren als mehr oder weniger liebenswert und kauzig darstellen zu wollen. Während ich mich an den etwas altbackenen Stil relativ schnell gewöhnte, nahmen die humoresken Anteile glücklicherweise immer stärker ab, je mehr sich Lee in die Kindheit und Jugend seine Protagonisten begab.

    Insgesamt bleiben der Kriminalfall und seine Auflösung erzählerisch recht klar hinter der Entwicklungsgeschichte Andrew Greens zurück und sorgen in meinen Augen auch nicht für die notwendige Spannung.

    Ganz nebenbei erhalten die Leser:innen dafür aber einen unterhaltsamen Blick auf die Geschichte New Yorks, wobei es Jonathan Lee jedoch nur ansatzweise gelingt, atmosphärische Bilder dieser Stadt vor den Augen der Leserschaft entstehen zu lassen.

    So ist "Der große Fehler" insgesamt keine Enttäuschung, wenn man die hohen Erwartungen ein ganzes Stück zurückschraubt. Vom auf der Rückseite vom Guardian zitierten "besten amerikanischen Roman des Jahres" dürfte das Buch in meinen Augen jedoch recht klar entfernt sein. Wer sich gern mit historischen Persönlichkeiten befasst und deren Entwicklung folgen mag, kann mit dem Buch aber nicht viel falsch machen. Fans von anspruchsvoller Kriminalliteratur kommen hingegen nicht auf ihre Kosten.

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  1. Lässt sich gut lesen

    Andrew Haswell Green, Anwalt und Gründervater von Greater New York, wird am 13. November 1903 direkt vor seiner Haustür erschossen. Was dazu geführt hat? Das fragt sich auch der Ermittler McClusky, und während nach und nach das Leben Andrews aufgearbeitet wird, wird deutlich: Nicht nur sein Tod war ein Missverständnis, auch sein Leben war geprägt von einer langen Reihe großer und kleiner Fehler.
    Basierend auf der realen Person des Andrew Green ist dieser Roman mehr als ein simpler Krimi: er ist zugleich auch in gewisser Hinsicht historischer Roman (zugegeben mit vielen fiktiven Elementen) und Liebesgeschichte. Denn in Rückblicken wird nach und nach mehr oder weniger das gesamte Leben des Protagonisten nacherzählt, von seiner Kindheit in armen Verhältnissen über seinen Aufstieg bis hin zum Leben als angesehener Anwalt und Stadtplaner, dem unter anderem der Central Park und die New York Public Library zu verdanken sind.

    Sprachlich ist das Buch dabei sehr schön, erfordert aber auch etwas Konzentration, da es für mein Empfinden stellenweise etwas zäh war. Andrew war mir von Beginn an sympathisch, auch wenn er sein Leben lang eher Außenseiter bleibt. Der einzige, der ihn auf seinem Weg über längere Zeit begleitet, ist der Anwalt und Politiker Samuel Tilden, wobei die Beziehung der beiden zwischen Freundschaft und sexueller Anziehung schwankt. Den Handlungsstrang, der aus Greens Sicht dessen Werdegang beschreibt, mochte ich etwas lieber als den nach seinem Tod, der sich den Ermittlungen widmet.
    Insgesamt hätte die ein oder andere Kürzung zwar sicher nicht geschadet, dennoch mochte ich diesen Roman gerne, der so ganz anders war als ich erwartet hatte.

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  1. 5
    23. Mär 2022 

    ‚Ein großer Mann zu sein heißt, missverstanden zu werden.‘

    Der Mord in New York am 13. November 1903 an Andrew Haswall Green, einem der angesehensten Männer von New York, ist ein historisches Ereignis und die Protagonisten, an oberster Stelle Andrew Green, der Mörder Cornelius Williams, Bessie Davis (auch unter Hannah Elias bekannt) und viele mehr sind bekannte Personen, über die sich der Leser bestens informieren kann.

    Worin liegt also der Reiz dieses Buches? (Ich gestehe: die Fülle an Stoff, die uns im Buch serviert wird, bereitete mir Schwierigkeiten, Prioritäten in der Rezension zu setzen!)

    Als erstes führe ich die Vielzahl an Informationen an, insbesondere über die Lebensgeschichte von Andrew Haswall Green, der als einfacher Farmerjungen im ländlichen Massachusetts im 12. Lebensjahr seine Mutter verlor und mit seinem strengen, aber wirtschaftlich erfolglosen Vater, und mehreren Geschwistern aufwuchs, jedoch zum Rechtsanwalt und Politiker aufstieg, dem New York unter anderem den Central Park und das New Yorker Public Library zu verdanken hat.

    (Genial fand ich die Idee, als Kapitelüberschriften die Namen der Gates vom Central Park zu nehmen, die dann auch jeweils den Inhalt knackig kurz zusammenfassen.)

    Viele Beschreibungen fand ich einfach köstlich! Ob es die Szene mit der Kundschaft ‚Mr. Hart‘ bei Bessie Davis (‚deren Leben absonderlicher war, als es sich noch der verrückteste Romanautor einfallen lassen könnte‘) mit dem Blick auf die brummende Fliege, die den Ventilator umkreiste, war, oder das Porträt-Skizzieren durch den Maler Henry Mosler, dem ‚Stille Unbehagen bereitet‘ (sehr harmlos beschrieben!) oder wie Andrew Green den verbalen Angriff des Politikers William Tweed in Verbindung mit dem Bau der Brooklyn Bridge schlagfertig und perfekt abschmettert.

    Sehr dezent empfand ich, wie das Thema ‚Freundschaft mit Samuel Tilden‘ und das Nicht-Wahrhaben-Wollen bzw. Verkneifen sexueller Neigungen behandelt wurde. (Was war das nur für eine schlimme Zeit für diesen Personenkreis – wie müssen sie darunter gelitten haben!)

    Nicht vergessen möchte ich die wunderschönen Lebensweisheiten, die mich begeisterten: ‚Schenkt man der Zeit zu viel Aufmerksamkeit in bestimmten, ermüdenden Momenten, verlangsamt sie sich, um einen zu bestrafen‘, zum Leben in Trinidad: ‚Hier wird nichts verschwendet, mit Ausnahme von Menschen‘, und der Ausspruch seines Vaters: ‚Nur ein Hund fleht um Anerkennung, Andrew!‘

    ‚Der große Fehler‘ war für mich ein großes Lese-Vergnügen und ich kann deshalb nur die 5 höchstmöglichen Sterne vergeben und eine volle Leseempfehlung aussprechen!

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  1. Leseempfehlung!

    Klappentext:

    „Die Welt besteht aus Fehlern und Flickversuchen. Und manchmal aus seltsamen Missverständnissen. Andrew Green ist tot. Erschossen am helllichten Tag, an einem Freitag, den 13. Spekulationen schießen ins Kraut. Verdankt New York dem einstigen Außenseiter doch unter anderem den Central Park und die New York Public Library. Inspector McClusky nimmt die Ermittlungen auf. Was wussten die übereifrige Haushälterin, der Präsidentschaftskandidat Tilden und die brillante Bessie Davis, der halb New York zu Füßen liegt?“

    „Der große Fehler“ von Autor Jonathan Lee ist bei weitem kein großer Fehler, sondern ein sehr erlebnisreiches und brillantes Lesevergnügen. Lee nimmt uns mit nach New York. Es gilt einen Mordfall zu klären, denn Andrew Green ist tot. Nur wer hat ihn ermordet? Sie glauben, so einfach würde sich dieser Fall bzw. diese Geschichte erzählen lassen? Nein! Lee spinnt ein sehr gut durchdachtes Netz und wir Leser dürfen nicht nur grübeln und rätseln sondern auch bestimmte Situationen näher betrachten und ein wenig in die Stadtgeschichte eintauchen. Hier ist nicht immer alles so wie es scheint und Lee entzückt die Leserschaft dabei mit feinem Gespür und sehr gut gewählten Worten. Selbstredend ist der Schauplatz schon ein Genuss für den Leser selbst, denn die bildhaften Beschreibungen der Stadt lassen einen dorthin abtauchen. Aber auch die Figuren werden wirklich stark und besonders von ihm gezeichnet bzw. beschrieben. Lee begeistert den Leser immer wieder mit einer Brise (schwarzen) Humor und eben starker Spannung. Zudem gibt es hier noch die ein oder andere Wissenseinheit zur Entstehung der Lage von New York selbst. Sein Schreibstil ist etwas außergewöhnlich und ich gebe es zu, ich musste mich erst in die Geschichte finden, war dann aber komplett gefesselt. Der Spannungsbogen ist hier jedenfalls sehr hoch und es hat große Freude gemacht, diesen Fall zu erlesen - 5 von 5 Sterne!

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  1. Der große Fehler

    So wie der Titel des Buches war für mich das Lesen und das Gewinnen des Buches ein großer Fehler.

    Mit einer gewissen Begeisterung habe ich die Leseprobe gelesen. Der Autor versteht eine gewisse Atmosphäre von New York herauf zu beschwören, doch je länger ich das Buch las, desto mehr verpuffte meine Begeisterung. Das Buch ist aufgegliedert in zwei Erzählstränge. Der eine ist der Mord und die Begleitumstände des Mordes und die Wirkung darüber. Der andere erzählt vom Leben und schaffen des Herrn Green.

    Der erste Erzählstrang hat mich mit Langeweile erfüllt. Was interessiert mich die verschiedenen Perspektiven der einzelnen Menschen, wie sie den Mord wahrgenommen und was dieser Mord für einen Einfluß auf ihr Leben hat. Der andere Erzählstrang über das Leben von Herrn Green fand ich um einiges interessanter. Bis auch der Autor es geschafft hat mich mit seinen nichtssagenden Sätzen zu vergraulen. Es kam keine Stimmung / Atmosphäre auf. Kein innerer Antrieb von mir, wie es denn nun weiter geht. Die Geschichte konnte mich nicht packen und blieb an der Oberfläche.

    Das Nachwort fand ich sehr interessant, da es die Intention des Autors dargelegt hatte, warum er die Geschichte geschrieben hatte.

    Fazit:

    Eine Geschichte mit Potential, die leider nicht meinen Erwartungen entsprach. Sie war langweilig und konnte mich als Leser nicht erreichen!

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